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EM-Qualifikation 2009

Mit Glück die weiße Weste bewahrt

Niederlande - Deutschland 0:1 (0:1)

Von Nora Kruse

02.11.2007

15 Zähler aus fünf Spielen – mit dieser Idealpunktzahl und dem daraus resultierenden ersten Platz in der EM-Qualifikations- gruppe verabschiedet sich die deutsche Nationalmannschaft in die Winterpause. Auch der Auftritt des Weltmeisters im niederländischen Volendam brachte zwar drei Punkte, zu überzeugen wusste jedoch nur der Gegner.

0:0 sei das Wunschresultat von Hollands Nationaltrainerin Vera Pauw, wie sie vor der Partie erklärte, dessen Hinspiel ihre Mannschaft im April noch mit 1:5 verloren hatte. Und so fügte sie auch lachend an, dass ihr Wunsch wohl nicht realistisch sei. Doch warum eigentlich nicht? Ein 0:0 hatten die Holländerinnen schon in Pauws erstem Spiel als Cheftrainerin 2004 gegen Deutschland erspielt – und in den letzten knapp drei Jahren hat sich in unserem Nachbarland einiges bewegt.
Ihre deutsche Kollegin Silvia Neid hatte dagegen schon nach der Partie gegen Belgien am Sonntag darauf hingewiesen, dass bei der einen oder anderen Spielerin „der Akku leer“ sei. Blickt man auf das Programm mit Weltmeisterschaft, Bundesliga, Uefa Cup und EM-Qualifikation, so ist das nur verständlich und Holland war in keiner schlechten Ausgangslage und das Spiel schien unter genau diesem Stern zu stehen.

Nur acht Minuten auf dem Feld: Kerstin Stegemann musste mit Verdacht auf einen Bänderriss ausgewechselt werden.

Archivbild: Nora Kruse

Die Holländerinnen begannen hochmotiviert, griffen den Gegner früh an, gingen ein enormes Tempo und schienen die DFB-Auswahl damit ein wenig zu überrumpeln. Denn auch wenn von Sherida Spitses Distanzschuss nach drei Minuten noch keine ernsthafte Gefahr ausging, so war er dennoch der Auftakt einer außerordentlich guten Leistung ihrer Mannschaft. Nach fünf Minuten fing Nadine Angerer eine Flanke von Sylvia Smit ab, kurze Zeit später segelte Karin Stevens nur knapp an einer solchen vorbei. Es waren die Holländerinnen, die in der Anfangsphase das Spiel bestimmten, ohne dabei jedoch ihre Schwächen verbergen zu können. Die wohl größte war, wie über die gesamte Partie, die Chancenauswertung. Doch auch zu diesem frühen Zeitpunkt wurde deutlich, dass die „Oranjes“ Probleme hatten, die Bälle zu halten, und in Zweikämpfen zogen sie gegen die technisch überlegenen und erfahreneren deutschen Spielerinnen ebenfalls meist den Kürzeren. Reaktion darauf waren viele schnelle, dadurch etwas planlos wirkende, Pässe, die nicht selten von der deutschen Abwehr abgefangen wurden.
Doch die deutsche Mannschaft konnte aus diesen Bällen keinen Profit schlagen, zu behäbig wirkte das Aufbauspiel der DFB-Auswahl, von der viel zu wenig Druck ausging. Auch sah sie sich einer niederländischen Abwehr gegenüber, die mit Spielführerin


Mit dem zweiten Tor ihrer Karriere erlöste Annike Krahn die DFB-Auswahl.

Archivbild: Nora Kruse

Liesbeth Migchelsen und Birgit Prinz’ Privatbewacherin Daphne Koster sehr gut organisiert war. Daher war die erste deutsche Chance nach 21 Minuten ein Freistoß von Melanie Behringer, der aus gut 30 Metern jedoch problemlos von Torhüterin Loes Geurts abgefangen werden konnte. Vielleicht war diese Standardsituation schon ein Fingerzeig zum Führungstreffer, der 15 Minuten später folgen sollte. Denn nachdem Deutschland die Schrecksekunde überstanden hatte, als Angerer den Schuss der frei vor ihr stehenden Smit klären konnte, erzielte Annike Krahn in der 36. Minute den erlösenden Führungstreffer. Nach einem Freistoß von Behringer köpfte die Abwehrspielerin unhaltbar für Geurts ein. Nur vier Minuten später war die holländischer Keeperin jedoch zur Stelle, als Sandra Minnert mit einem Freistoß die Mauer umspielte.
Es waren die Standardsituationen, mit denen Deutschland Gefahr ausüben konnte, anders war kein Durchkommen. Bei den Gastgeberinnen musste man sich jedoch fragen, ob sie das hohe Tempo der ersten Halbzeit auch bis zum Ende durchhalten konnten. Und so sah es schon nach der Pause aus, als ob Silvia Neid in der Kabine die richtigen Worte gefunden hatte und die Holländerinnen das Spiel aus der Hand gaben.

Sie hielt die Abwehr zusammen: Liesbeth Migchelsen bot eine starke Leistung.

Archivbild: Nora Kruse

Die deutsche Mannschaft begann druckvoller und griff früher an, wodurch die Mannschaft von Vera Pauw in die Defensive geriet und große Probleme im Spielaufbau bekam. Es sah zunächst aus, wie in vielen Spielen der deutschen Mannschaft, in denen der Gegner chancenlos wird, wenn der Weltmeister den Druck erhöht. Doch was bei vielen Gegnern schon zum Einbruch geführt hatte, brachte die Holländerinnen nur kurzfristig aus dem Konzept, nach zehn Minuten hatten sie sich wieder gefangen. Manon Melis setzte sich in der 55. Minute gegen die komplette deutsche Hintermannschaft durch und spielte auf Smit, die aus spitzem Winkel jedoch nur das Außennetz traf.


Auch wenn Schiedsrichterin Anna de Toni der deutschen Mannschaft in der 58. Minute einen Elfmeter versagte, als Anouk Hoogendijk Anja Mittag am Trikot hielt, so konnte das nicht über die bis dato wenigen Chancen hinweg täuschen, denn die Mehrzahl gehörte den Holländerinnen, die über sich hinauszuwachsen schienen und keine Anzeichen zeigten, konditionell einzubrechen. Die „Oranjes“ hätten ein Tor verdient gehabt, scheiterten jedoch an ihrer miserablen Chancenauswertung: Annemieke Kiesel und Melis verfehlten den Kasten mit ihren Weitschüssen genauso wie Stevens nach Flanke von Karin Legemate. Und wenn sie nicht an fehlendem Zielwasser scheiterten, dann an Angerer, die in der 76. Minute einen Aufsetzer von Melis parieren konnte.
Die wohl beste Chance der zweiten Hälfte hatte dennoch dem Weltmeister zwei Minuten zuvor gehört. Behringer passte auf Bresonik im Fünfmeterraum, die den Ball frei stehend am Tor vorbei köpfte, was aus dieser Position fast unmöglich schien. Doch so gut die Möglichkeit war, dem Spielverlauf und der Leistung der Holländerinnen wäre ein zweiter Treffer der DFB-Auswahl nicht gerecht geworden, auch wenn Kerstin Garefrekes in der Nachspielzeit noch die letzte Gelegenheit dazu hatte, jedoch ebenso am Tor vorbei schoss.

Sandra Minnert hätte gerne einen Abschied in Deutschland gehabt, war dennoch dankbar für die "tollen Jahre" in der Nationalmannschaft.

Archivbild: Nora Kruse

Holland kämpfte bis zum Abpfiff, zeigte sich gut organisiert und ließ Prinz überhaupt nicht zur Entfaltung kommen. Da man Mannschaften auch an ihrem Leistungsvermögen und ihren Voraussetzungen messen muss, war dieses Spiel für die kleine Frauenfußballnation eine überzeugende Leistung gegen verständlicherweise müde wirkende Weltmeisterinnen, sodass auch Steffi Jones den „Oranjes“ nur bescheinigen konnte, den „Ausgleich verdient gehabt“ zu haben.

Statistik

Deutschland
Angerer, Hingst, Stegemann (9. Peter), Krahn, Minnert (87. Fuss), Bresonik, Bartusiak (46. Omilade), Garefrekes, Behringer, Prinz, Mittag

Niederlande
Geurts, Migchelsen, Koster, Bito, Spitse, Stevens (80. van Eyck), Smit, Kiesel, Legemate, Hoogendijk, Melis

Tor
0:1 Krahn (36.)

Gelb: Bresonik

Schiedsrichterin
Anna de Toni (Italien)

Zuschauer: 2500

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