Fansoccer-Logo

EM-Qualifikation 2009

Solide belgische Abwehr trotzt den Weltmeisterinnen

Deutschland - Belgien 3:0 (2:0)

Von Jens Wolter

29.10.2007

"Den ganzen, weiten Weg aus Belgien nur für ein 0:6-Debakel!" witzelte der Stadionsprecher des Lübecker Lohmühlenstadions vor der Begegnung angesichts der Handvoll mitgereister belgischer Fans, machte aber sofort deutlich, dass dies nur ein Scherz sein sollte. Die konsequente Abwehrarbeit der belgischen Spielerinnen verhin- derte dann tatsächlich, dass der hohe Favorit auch nur in die Nähe eines solchen Kantersieges kam.

Mit Belgien wartete ein beinahe unbekannter und doch zugleich unbequemer Gegner auf den frisch gebackenen Weltmeister. Immerhin genau 16 Jahre war es her, dass die beiden Teams zuletzt aufeinander getroffen waren und dieses letzte Spiel am 9. Oktober 1991 hatte das deutsche Team gerade mal mit 2:1 in Brüssel für sich entscheiden können. Die deutsche Spielführerin der damaligen Begegnung hieß Silvia Neid. Überhaupt waren die insgesamt vier bisherigen Länderspiele gegen Belgien mit einem Sieg, einer Niederlage und zwei Unentschieden (bei einem Torverhältnis von 4:5) insgesamt eine knappe Sache gewesen.

Die große Unbekannte: die Nationalmannschaft Belgiens.

Foto: Nora Kruse

Das deutsche Team begann die Partie sehr schwungvoll, als sollten die Mutmaßungen über ein Leistungstief nach der anstrengenden WM von Beginn an zerstreut werden. Die erste Torchance gegen die sehr defensiv eingestellten Gäste verzeichnete Melanie Behringer in der zweiten Minute, aber ihr Schuss geriet etwa einen Meter zu hoch. Aber bereits in der achten Minute gelang Deutschland das erhoffte frühe Tor. Kerstin Garefrekes war im zweiten Versuch aus kurzer Distanz nach einer hohen Flanke von Martina Müller erfolgreich.
Nur zwei Minuten später konnten Team und Zuschauer erneut jubeln. Nach Deutschlands zweitem Eckball, erkämpft und geschossen von Melanie Behringer, war Sandra Minnert mit dem Kopf zur Stelle und erzielte das 2:0. Zu diesem Zeitpunkt schien es so, als könnte die spöttische Ankündigung des Stadionsprechers doch zur Realität werden. Doch nach diesem frühen Rückstand gewann die belgische Abwehr - statt auseinander zu brechen - mehr Souveränität. Es ging keineswegs ein Bruch durch das Spiel der Deutschen, sondern die Gäste organisierten sich nun besser. Die deutschen Angriffe verfingen sich nun immer häufiger in der gut gestaffelten belgischen Abwehr. Die Gäste sorgten ihrerseits in der 15. Minute für eine Schrecksekunde auf deutscher Seite, als eine etwas zu kurz geratene Faustabwehr von Nadine Angerer bei Femke Maes landete und deren Schuss aus etwa 18 Metern knapp rechts am leeren deutschen Tor vorbeiging.

Eine Große des Frauenfußballs: Sandra Minnert gelang auf ihrer "Abschiedstour" ein Treffer.

Foto: Nora Kruse

In der folgenden halben Stunde bis zur Pause erarbeitete sich das deutsche Team trotz der verbesserten belgischen Abwehrarbeit eine Reihe von Möglichkeiten, das Ergebnis höher


Es war ein echtes Schaulaufen für die Weltmeisterinnen, die sich von 17.000 Zuschauern feiern lassen konnten.

Foto: Beate Wolter

zu gestalten, aber man verpasste entweder knapp die Flanke oder knapp das Tor. Für die einzige weitere Chance des belgischen Teams sorgte in der 33. Minute Kristel Verelst, als sie nach einem Laufduell mit der deutsche Abwehr aus ca. zehn Metern direkt in die Arme von Nadine Angerer schoss. Die wohl größte Chance des deutschen Teams, noch vor der Pause auf 3:0 zu erhöhen, vergab Birgit Prinz, als ihr Kopfball aus kurzer Distanz nach einer Behringer-Flanke knapp rechts neben das Tor ging.

Nach der Pause wechselte Silvia Neid auch mit Rücksicht auf das zweite Qualifikationsspiel der Woche in den Niederlanden zwei Offensivkräfte aus. Für Behringer und Martina Müller kamen Fatmire Bajramaj und Anja Mittag, die mit einigen spektakulären Aktionen zu belebenden Elementen in der zweiten Halbzeit wurden. Insbesondere Bajramaj gelangen einige bemerkenswerte Aktionen auf dem linken Flügel.

Seltenes Glück für Annelies Timmermans (l.), einmal vor Fatmire Bajramaj am Ball zu sein.

Foto: Nora Kruse

In der 51. und 53. Minute sorgte die Schiedsrichterin für einigen Unmut beim Publikum. Zunächst wurde ein rasanter Flügellauf von Bajramaj im belgischen Strafraum auch mit massivem Körpereinsatz gestoppt, worauf das Publikum vehement einen Strafstoß für Deutschland forderte. In dieser Szene dürfte die Schiedsrichterin jedoch richtig gelegen haben. In der zweiten Szene hatte Birgit Prinz mit einer schönen Kombination Linda Bresonik in den Strafraum geschickt. Beim Abwehrversuch kamen zwei belgische Abwehrspielerinnen zu Fall, was die Schiedsrichterin offenbar als Foulspiel von Bresonik wertete und die Situation abpfiff. Ein drittes Mal zog sich die Unparteiische die Pfiffe des Publikums zu, als dieses in der 59. nach einer zur Ecke abgewehrten Aktion von Birgit Prinz ein Handspiel der Belgierin reklamiert.
Die nun erkennbar müde werdenden Belgierinnen erlaubten der deutschen Mannschaft in der Folge Torchancen fast im Minutentakt, die jedoch nicht in Erfolge umgemünzt werden konnten. Bei den Schüssen und Kopfbällen von Prinz (58., 62. und 73.Minute), Bresonik (55.), Garefrekes (65.) und Mittag (60., 67.) findet sich immer noch eine belgische Spielerin, die sich dem deutschen Torerfolg entgegenstemmt, sofern die Bälle nicht erneut knapp daneben gezielt sind.
In der 74. Minute dann doch noch das 3:0 für Deutschland. Nach einer flachen Hereingabe von Garefrekes lässt Anja Mittag den Ball zur heranstürmenden Birgit Prinz durchrutschen, die aus etwa zwölf Metern mit einem Flachschuss vollendet. Gave van Poucke im belgischen Tor hat nicht den Hauch einer Chance gegen diesen Ball. In der 78. Minute hat


dann Anja Mittag großes Pech. Nachdem sie sich auf dem rechten Flügel gut durchgesetzt hatte, landete ihr hoher Ball am langen Pfosten und sprang von dort ins Feld zurück. Auch hier hätte die Torhüterin keinerlei Abwehrchance gehabt.
Eine spektakuläre Szene ergab sich dann in 84. Minute, als Nadine Angerer, die in der zweiten Halbzeit praktisch beschäftigungslos geblieben war, mit einer Flugparade den fulminanten Weitschuss von Maes zur Ecke ablenken konnte, was ihr großen Szenenapplaus einbrachte.
Die letzte Torchance des Spiels hatte dann erneut Deutschland, als in der ersten Minute der Nachspielzeit Garefrekes und Mittag einen von Bajramaj getretenen Freistoß knapp links neben das Tor setzten.

Trainerstimmen

Anne Noë
Sie sei der Meinung, ihr Team habe eine gute Vorstellung abgeliefert. Es sei nicht einfach, gegen den Weltmeister zu bestehen. Ihre Spielerinnen seienn von der großen Kulisse überrascht gewesen, vor einem so zahlreichen Publikum hätten sie bisher noch nie gespielt. Es erfülle sie mit Stolz, hier gespielt zu haben. Ihr ursprüngliches Ziel sei es gewesen, die Null so lange wie möglich zu halten, aber dies habe halt nicht geklappt. Aber nach der zehnten Spielminute habe ihr Team zu besserer Organisation gefunden. Insgesamt sei es aber gewesen, als hätte eine "Ente" (2 CV) eine Wettfahrt gegen einen Ferrari versucht.

Silvia Neid
Großes Kompliment an Anne Noë, die ihr Team sehr gut eingestellt habe. Ein weiteres Kompliment an den Austragungsort Lübeck. Sie sei mit Spiel und Ergebnis zufrieden. Angesichts der Befürchtungen, bei den Spielerinnen könnte nach der WM der Akku leer sein, bestehe zu dieser Zufriedenheit um so mehr Grund. In der zweiten Halbzeit habe ihr Team gut über die Außenpositionen gespielt. Nun sei das Ziel, auch am Donnerstag in den Niederlanden drei wichtige Punkte einzufahren. Das Team sei stets motiviert und bereit, aus Analysen dazu zu lernen. Das Problem sei nur, dass irgendwann jeder Akku mal leer sei.
Sie und das gesamte Team würden sich besonders freuen, dass Sandra Minnert, die ihre Nationalmannschaftskarriere in dieser Woche beenden wird, noch eine wichtiges Tor gelungen ist.

Statistik

Deutschland
Angerer - Stegemann, Krahn, Hingst (81. Fuss), Minnert - Garefrekes, Bartusiak, Bresonik, Behringer (46. Bajramaj) - Prinz, M. Müller (46. Mittag)

Belgien
Van Poucke - Medard, Jacques, de Cock, Vandegoor - Demoustier (71. Elsen), Verbruggen (67. Zeler), Maes, Timmermans - Verelst, Coutereels (83. Cayman)

Tore
1:0 Garefrekes (8.)
2:0 Minnert (10.)
3:0 Prinz (74.)

Schiedsrichterin
Marija Margareta Damjanovic (Kroatien)

Zuschauer: 17.000 (ausverkauft)

Gelb: de Cock

zur FanSoccer-Startseite