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Die Qual der Wahl
Tina Theune-Meyer präsentiert den EM-Kader
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Von Nora Kruse (Text und Fotos)
23.05.2005
Wir können für Tina Theune-Meyer nur hoffen, dass sie sonntags kostenlos
telefonieren kann, denn sonst wäre es gestern wohl ordentlich ins Geld gegangen.
Acht Stunden, so erklärte sie, habe sie mit ihren Nationalspielerinnen telefoniert,
jede einzeln angerufen, und musste dabei zwischen 13 und 21 Uhr auch die ein oder
andere Träne trocknen, wenn sie für eine Spielerin die enttäuschende Nachricht zu
verkünden hatte. Erstmals werden fürs Tor drei Spielerinnen mitgenommen. Silke Rottenberg und Nadine Angerer waren schon im Vorfeld klar, das sind einfach die Spitzentorhüterinnen, „um die uns andere Nationen auch beneiden.“ Das galt aber nicht für Ulrike Schmetz vom FC Bayern München. Hier hatte „TTM“ die Qual der Wahl und hat sich gegen Ursula Holl entschieden. Schweren Herzens, wie sie selber hinzufügte, denn Holl seine eine tolle Torfrau, die man Tag und Nacht anrufen könne – sie komme immer hochmotiviert. Aber genau das war anscheinend der ausschlaggebende Punkt, den Holl wolle laut der Bundestrainerin immer etwas zu viel. Schmetz, nicht minder gut, sei hier reifer. In der Abwehr keine Überraschungen – das ist wohl das Fazit, was man auf dieser Position ziehen kann. Mit Kerstin Stegemann, Sonja Fuss, Steffi Jones, Sarah Günther, Sandra Minnert und Ariane Hingst sind die „Altbekannten“ mit an Bord. Annike Krahn, für die Tina Theune-Meyer ihr Mitleid noch einmal betonte, und Jennifer Zietz hatten von Beginn an eigentlich nur Außenseiterchancen. Zietz hätte ihren Einsatz durchaus verdient, so „TTM“, Problem sei hier aber, dass sie im Verein zuletzt meist nur in der Manndeckung aktiv war und so Probleme im Raum habe.
![]() Leicht ist es Tina Theune-Meyer nicht gefallen, einigen ihrer Schützlinge abzusagen - aber der Kader darf nur aus 20 Spielerinnen bestehen.
Im Mittelfeld werden wir in England das Frankfurter-Trio, was eigentlich von Beginn an
als gesetzt galt, wiedersehen: Pia Wunderlich, Kerstin Garefrekes und Renate Lingor,
die die zentrale Figur im Spiel sein soll. Dieses Frankfurter Trio wird komplettiert
durch eines aus Potsdam, das aus Britta Carlson, Navina Omilade und Conny Pohlers bestehen
soll. Pohlers, nominell eigentlich Stürmerin, soll auf der linken Außenbahn agieren.
Viele hatten im Vorfeld auf Isabell Bachor spekuliert, Pohlers wird von der Bundestrainerin
allerdings als offensiver eingeschätzt. Außerdem ging es Theune-Meyer bezüglich des ganzen
EM-Kaders darum, möglichst variable Spielerinnen zu finden, um an dieser Stelle auch schwer
einschätzbar zu sein. |
![]() Sportdirektor Willi Hink, Pressesprecher Niels Barnhofer und Bundestrainerin Tina Theune-Meyer (v. l.) bei der Vorstellung des Kaders. | |
![]() Soll, wie erwartet, die zentrale Figur im deutschen Mittelfeld sein: Renate Lingor. Wer sie defensiv absichern soll, bleibt aber weiter unklar.
Dann der Sturm. Hier stand von Beginn an fest, dass die Auswahl schwer fallen würde – es herrscht
hier schlicht ein Überangebot. Theune-Meyer und Assistentin Silvia Neid haben sich dann aber für
Inka Grings, Sandra Smisek, Birgit Prinz, Anja Mittag und Petra Wimbersky entschieden, die Deutschland
bis ins Finale schießen sollen. Auf Nachfrage erklärte Theune-Meyer anschließend, warum sie sich gegen
Shelley Thompson, immerhin Bundesliga-Torschützenkönigin entschieden hat. „TTM“ erwartet aggressive Gegner,
die der deutschen Mannschaft wenig Raum lassen werden – dies sei das Problem von Thompson, die, so die
Bundestrainerin, über wenig Raumgefühl verfüge, weswegen die Zeit für solch ein Großturnier einfach
noch nicht reif sei.
Was ist mit den U19-Talenten?
Im Sturm wird mit Mittag die einzige U19-Weltmeisterin des vergangenen Jahres stehen. Gleichzeitig
gibt es aber noch viele weitere Talente, die auf ihre Chance gewartet haben. Da sind zum einen die oben
erwähnten Krahn und Zietz, aber auch Simone Laudehr und Melanie Behringer, die noch auf Abruf bereit stehen.
Für Laudehr täte es der Bundestrainerin ebenfalls sehr leid, Behringer wollte dagegen gar nicht mit. Sie
habe „TTM“ im Vorfeld deutlich gemacht, dass sie den Nordic Cup spielen wolle, weil sie nicht in der
A-Mannschaft auf der Bank sitzen, sondern tatsächlich spielen wolle.
Das größte Kompliment bekam allerdings Celia Okoyino da Mbabi vom SC 07 Bad Neuenahr. Sie sei
„die kommende Spielerin“ in Deutschland, so Theune-Meyer, habe aber vor der EM einen Fehler gemacht:
Urlaub auf der Buckelpiste – „was sie eigentlich gar nicht kann.“
...und der Zeitplan jetzt bis zur EM?
Dieser sieht grob so aus, dass in diesen Tagen in Bitburg noch einmal zum Lehrgang gerufen wird,
zu dem auch Bettina Wiegmann und die kommende Co-Trainerin der Natio, Maren Meinert, eingeladen sind.
Vollständig wird der Kader allerdings nicht sein, lediglich zehn Feldspielerinnen und zwei Torhüterinnen
werden anwesend sein.
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Da am Samstag das DFB-Pokalendspiel in Berlin stattfindet, trennt sich die Mannschaft dann wieder, damit
die Spielerinnen die Möglichkeit haben, sich dieses Spiel anzuschauen.
Endgültig trifft sich der vollständige Kader dann am Mittwoch, 1. Juni, in Heusenstamm. Dort werden noch einmal vier Einheiten absolviert, wobei Taktik und Standards im Mittelpunkt stehen sollen. Dies soll nicht in England trainiert werden – dort stehe man unter ständiger Beobachtung. Abflug ins Land des Fußballs ist dann am Freitag, 3. Juni. Die fiese Frage nach der Zeit danach... ...war natürlich auch heute wieder ein Thema. Tina Theune-Meyer wird nach der EM ihr Amt an Silvia Neid abgeben, mit der bislang eine mündliche Vereinbarung besteht. Als Neids Co-Trainerin wurde heute Ex-Nationalspielerin Maren Meinert bekannt gegeben, die beim DFB einen Dreijahresvertrag unterschrieben habe.
![]() "TTM" wird ihrem Arbeitgeber auch nach der EM erhalten bleiben.
Aber was macht Tina Theune-Meyer? Ganz einfach: Nordic Cup und Urlaub. An diesen Antworten war deutlich zu merken,
dass der Bundestrainerin diese Frage noch immer nicht freut. Dennoch war es mit diesen Antworten nicht getan,
sie musste sich weiteren Nachfragen stellen. Am Ende erfuhr man schließlich, dass „TTM“ dem DFB wohl definitiv
erhalten bleibe – eine Position habe man für sie aber noch immer nicht gefunden. Es sei für den DFB aber
selbstverständlich, dass man die Erfahrung einer Theune-Meyer auch in Zukunft nutzen wolle. Andere Bereiche,
so Sportdirektor Willi Hink, seien beim Frauenfußball noch immer nicht optimal besetzt und so könne Theune-Meyer
sicherlich auch in einem anderen Amt helfen. Sie selbst kann sich viele Aufgabenbereiche vorstellen und erwähnte als
Beispiele die Ausbildung oder die Zusammenarbeit mit Universitäten, wo sie sich gerne einbringen würde. Es warte auf
alle Fälle ein großes Aufgabengebiet und sie habe noch viel vor.
An dieses Aufgabenfeld möchte sie jetzt aber auch noch nicht denken, wie sie hinzufügte. Manchmal mache sich
durchaus ein bisschen Wehmut bei ihr bemerkbar – insbesondere beim letzten Spiel auf deutschem Boden in Hildesheim.
Gleichzeitig gebe es derzeit so viel zu tun, dass sie mit Analysen voll beschäftigt sei und daher glücklicherweise
keine Zeit habe, zu viel an ihren Abschied zu denken. Denn auch wenn dieser feststeht: „Ich freue mich wirklich auf
England.“
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