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Das Frauenfußball-Magazin



Algarve Cup 2012

Hochwertiges Frühjahrsturnier unter der Sonne Portugals - Immer für eine Überraschung gut

Resümee der Vorrunde des XIX. Algarve Women´s Football Cup

06.03.2012
Bericht von Marion Kehren

Wenn im Frühjahr der Portugiesische Fußballverband (FPT) wieder zum Kräftemessen an die Algarve einlädt ist die Liste derer, die gerne an diesem Event teilnehmen wollen recht groß. Mit USA, Deutschland, Schweden und Japan ist es auch dieses Jahr wieder gelungen, vier der fünf besten Mannschaften der FIFA Weltrangliste in den Süden Europas zu locken.


Zum 19. mal findet das beliebte Turnier an Portugals Südküste statt. Bei sommerlichen Temperaturen um die 20 Grad, ist es für Spielerinnen und Zuschauer neben dem Fussball fast ein bißchen Urlaubsatmosphäre. (Foto: Sascha Pfeiler)


Insgesamt 12 Teams aus Nah und Fern nutzen so die Gelegenheit, bei idealen Frühlingstemperaturen von 20° - 24° Grad, ein Trainingslager durchzuführen und ein Freundschaftsturnier zu spielen. Es werden neue Spielerinnen sowie taktische Spielzüge getestet und während des 7tägigen Turniers umgesetzt. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der Begleittross jeder Nationalmannschaft doch recht groß erscheint. Aufgeteilt in drei Gruppen, vervollständigen die starken Isländerinnen, die asiatische Traditionsmannschaft aus China, die im Neuaufbau befindlichen Norwegerinnen und Dänemark die Teilnehmerliste. In Gruppe C (läuft außer Konkurrenz) befinden sich zudem noch Gastgeber Portugal, Irland, Wales und Ungarn.

Es geht gemächlich zu in den Tagen an der Algarve. Stress und Hektik sind hier die größten Fremdwörter im Wortschatz der Portugiesen. Dem passen sich recht schnell auch die Teams an. Zwischen gelegentlichen Ausflügen wird in der Regel zwei Mal pro Tag trainiert oder der Fitnessraum aufgesucht. Ausgediente Spaziergänge am Strand sorgen für die nötige Regeneration der Spielerinnen.


BundesligatrainerDer DFB-Trainerlehrgang, unter der Leitung von Tina Theune und Helmut Horsch, findet ebenfalls im Rahmen des Algarve-Cups statt. Hieran nehmen bis auf Marco Kettelear (FCR 2001 Duisburg) und Ralf Kellermann (Vfl Wolfsburg) alle Bundesligatrainer teil, wobei der Chefcoach der Wölfinnen mit Notizblock auf diversen Tribünen gesichtet wurde. Auch die mitgereisten Fans nutzen die ersten warmen Sonnenstrahlen im Jahr. Als besondere Spezies entpuppen sich dabei die vielen Skandinavier, die gleich mit dem gesamten Hausstand oder besser gesagt mit dem Wohnmobil angereist sind. Viele alt eingesessene Frauenfußballfans trifft man hier, die schon seit Jahren den Algarve-Cup begleiten und die eine oder andere Anekdote zu erzählen wissen.

Nun denn! Das Turnier selber brachte so die ein oder andere Überraschung ans Tageslicht.

Celia Okoyino da Mbabi Annica SvenssonIn Gruppe A mühten sich die Deutschen in den ersten beiden Spielen gegen Island und China jeweils zu einem 1:0 Sieg und zeigten dabei teilweise eklatante Fehler und Unsicherheiten, aber letztendlich zählen nur die Punkte und die waren der Neid-Elf sicher. Unterdessen katapultierten sich die Schwedinnen mit zwei Siegen und einem Torverhältnis von 5:1 an die Tabellenspitze so dass es am gestrigen Tage nicht nur ums Prestige, sondern auch um den direkten Einzug ins Finale ging. Das heiß ersehnte Spitzenspiel lockte übrigens auch knapp 1000 Zuschauer ins Estádio Municipal Bela Vista in Parchal. Aber das Team von Coach Thomas Dennerby fand überhaupt nicht ins Spiel. Abgesehen von zwei bis drei Angriffen aufs gegnerische Tor gab es kaum nennenswerte Szenen der Schwedinnen. Gutes Zielwasser schien Celia Okoyino da Mbabi getrunken zu haben. Die Stürmerin aus Bad Neuenahr schoss die Schwedinnen fast im Alleingang, mit drei Treffern, ab. „Kompliment an die Mannschaft, ich musste selber gar nicht mehr viel machen“, so da Mbabi. . Mit dem höchsten Sieg aller Zeiten (Endstand 0:4) besiegte Deutschland das Drei-Kronen-Team und steht damit zum vierten Mal im Finale es Algarve-Cups.

Das einstige Vorzeigemodell China ist im Frauenfußball nur noch ein Schatten seiner selbst. Der Abräumer der 90iger Jahre belegte in Gruppe A mit 0 Punkten den letzten Tabellenplatz, hinter dem Vorjahresfinalisten Island, die in diesem Jahr ebenfalls enttäuschten.


In Gruppe B setzten sich erwartungsgemäß Japan und die USA an die Spitze. Am gestrigen Tage kam es im Estádio Algarve in Faro zur Wiederauflage des WM-Finales. Lage Zeit bestimmten die USA das Spielgeschehen, aber die japanische Abwehr war auch dieses Mal nicht zu überwinden. So brachte Megumi Takase ihr Team nach einem Eckball auf die Siegerstraße und trifft nun im morgigen Finale auf Deutschland, die ebenfalls noch eine Rechnung mit den Asiatinnen offen haben. US- Ikone Abby Wambach zeigte sich zwar enttäuscht, aber als faire Verliererin: „Die Japanerinnen sind gute Fußballerinnen und Technikerinnen und sind zu recht 2011 Weltmeister geworden. Es ist immer eine große Herausforderung gegen solch ein gutes Team zu spielen.“

Eine völlig enttäuschende Leistung zeigten die Norwegerinnen, die alle drei Vorrundenspiele verloren und sich sogar in der Tabelle hinter Nachbar Dänemark einreihen müssen. Trainerin Eli Landsem zeigte sich nachdenklich: „ Wir befinden uns mitten in einer Umbruchphase. Neue und junge Spielerinnen sollen in das Team integriert werden. Wir brauchen Zeit und Ruhe im Aufbau, damit wir wieder eine schlagfertige Mannschaft zusammen bekommen.“

Die außer Konkurrenz laufende Gruppe C machte ebenfalls mit einer großen Überraschung auf sich aufmerksam. Die hoch eingeschätzten Iren, die zurzeit eine recht gute EM-Qualifikation spielen, spielten gegen Wales lediglich 0:0 Unentschieden und verloren ihr Spiel gegen Portugal mit 2:1 durch zwei Treffer von Ana Borges. Portugals sportliche Direktorin Monica Jorges zeigte sich höchst zufrieden:“ Wir sind seit einiger Zeit dabei den Frauenfußball in Portugal zu professionalisieren und der Verband investiert viel in unser Team. Die EM-Qualifikation werden wir dieses Jahr wohl nicht mehr schaffen, aber wir sind auf einem guten Weg.“


DaenemarkCarole Ana Leite



Miho Fukumoto Alex MorganThomas DennerbyKiebitz




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