. . . .

FanSoccer

Das Frauenfußball-Magazin



Algarve Cup 2010

Finaltag im Algarve Cup

Text von Roland Baumann

10.03.2010   Was sich an den Vortagen bereits angedeutet hatte, wurde am Finaltag zur Gewissheit: von Februar bis in den März ist in Portugal Regenzeit. Aufgrund der wegen Olympia fehlenden TV-Übertragung bemerkte wohl kaum jemand in Deutschland, unter welchen Bedingungen dieser Algarve Cup 2010 ausgetragen wurde. Die zwei Wochen früher im Jahr, auf die der Cup diesmal gelegt wurde, in Zusammenhang mit dem ungewöhnlichen Winter in Europa bewirkten eigentlich irreguläre Bedingungen.

Schon vor dem Spiel um Platz drei zwischen China und Schweden stand der Platz in Albufeira stellenweise knöcheltief unter Wasser. Zwischen den beiden Teams entwickelte sich eine Wasserschlacht, die allen Beteiligten viel abverlangte. Präzise Pässe und schnelle Sturmläufe wurden zum Glückspiel. Dennoch überzeugten die Kontrahenten durch Spielideen und Einsatz.

name

Sun Lin wird hier von Petra Larsson durchs Wasser gejagt

Bild: Roland Baumann

Trotz aller Widrigkeiten kamen einige spannende Torraumszenen zustande. Dabei nutze Lisa Dahlkvist eine Unaufmerksamkeit in der Chinesischen Verteidigung und brachte die Skandinavierinnen in der 13. Minute mit 1:0 in Führung. So sehr sich auch die chinesische Offensive um Bi Yan und Ma Yun bemühten, der Ausgleich wollte nicht gelingen.

Nach der Pause setzte wieder verstärkt Regen ein. Brauchbare Kombinationen wurden zum reinen Zufallsprodukt. Und auch hier hatten die Schwedinnen wieder die Nase vorn. In der 68. Minute lenkte Nilla Fischer einen Freistoss aus halbrechter Position in die Maschen des von Zhang Yanru gehüteten Tores zum 2:0.

Ma Yun und Therese Sjögran

Ma Yun, die hier vor Therese Sjögran in der Pfütze sitzt, hatte die letzte Chance im Spiel für die Chinesinnen, scheiterte jedoch an der schwedischen Keeperin Hedvig Lindahl

Bild: Roland Baumann

Dass sich die Asiatinnen noch nicht geschlagen gaben, zeigte sich vier Minuten später, als Schwedens Torhüterin Hedvig Lindahl vor der durchgebrochenen Ma Yun alles riskieren musste, um ihr den Ball vom Fuss zu nehmen. Letzlich blieb es bei dem 2:0 für die Skandinavierinnen, die sich über Platz 3 freuen durften. Aber auch beim chinesischen Team zeigte sich im Vergleich zu den Vorjahren ein Aufwärtstrend.

name

Hier führt Frankfurt Schwedin Sara Thunebro den Ball, verfolgt von der Chinesin Ma Yun.

Bild: Roland Baumann

Auch im nahen Faro waren die Witterungsbedingungen nicht besser. Vor dem Finalspiel zwischen Deutschland und den USA wurde im Estadio Algarve noch die Partie um Platz 9 zwischen Portugal und Island ausgetragen. Blieb dabei der erste Durchgang noch ergebnislos, kamen die


Anja Mittag gegen Amy LePeibet

Szene aus dem Finale zwischen Deutschland und den USA: Anja Mittag wird von Amy LePeibet abgeblockt

Bild: Karin Reuter

Nordländerinnen in der zweiten Hälfte besser ins Spiel und erarbeiteten sich in einer starken Phase mit drei schön herausgespielten Toren durch Holmfridur Magnusdottir (49.), Olina Vidarsdottir (62.) und Dora Maria Larusdottir (93.) den verdienten Sieg und den Platz 9. Dabei wurde allerdings der Platz arg in Mitleidenschaft gezogen.

Ana Valinho gegen Holmfridur Magnusdottir

Auch beim "Vorspiel" vor dem Finale stand der Platz unter Wasser und litt sehr unter dem Spiel um Platz 9 zwischen Portugal und Island. Island gewann 3:0, Holmfridur Magnusdottir, die hier Ana Valinho verfolgt, schoss dabei den Führungstreffer

Bild: Roland Baumann

Nach einer kurzen Pause durften sich schließlich die beiden Teams aus den USA und Deutschland um den Finalsieg messen. Wenn auch der Platz schlimm aussah, hatte doch wenigstens der Himmel ein Einsehen und schickte immer wieder Sonnenstrahlen in die Arena.

Nach den frühen Chancen für die US-Amerikanerinnen aus der vierten Minute und Lira Bajramaj aus der achten Minute, zeigten sich die US-Girls einfach effektiver und gingen mit schöner Einzelaktion von Carli Lloyd, die gegen vier Gegner eine Lücke fand, und einem weiteren Treffer von Abby Wambach mit 2:0 in Führung. Nach einem längeren Mittefeldgeplänkel kam Inka Grings kurz vor der Pause mit energischen Einsatz zum 1:2 Anschlusstreffer, der Hoffnungen für die zweite Hälfte versprach.

Tor Carli Lloyd

In dieser Szene erzielte Carli Lloyd (Nr. 10) das 1:0 für die USA

Bild: Roland Baumann

Doch es sollte anders kommen. Bei einem Angriff der USA über Lauren Cheney stürmte Nadine Angerer der Amerikanerin entgegen, kam auch deutlich vor ihr an den Ball, doch entglitt ihr das Spielgerät aus den Händen. Cheney sagte danke und schob den Ball zum 3:1 in das nun leere Tor.

 Amy LePeibet gegen Lira Bajramaj

Amy LePeibet , die Innenverteidigerin der USA, im Zweikampf mit Lira Bajramaj, hinter ihr Doppeltorschützin Inka Grings

Bild: Roland Baumann

Danach entwickelte sich auf dem schwierigen Geläuf ein Kampf auf Biegen und Brechen. Und wieder war es Inka Grings, die mit einer tollen Einzelleistung die US-Abwehr narrte und den Treffer zum 2:3 markierte. Aber auch auf der Gegenseite hatten Bianca Schmidt


gegen Abby Wambach und Babett Peter gegen Lauren Cheney alle Hände voll zu tun, um weitere Gegentreffer zu verhindern. Es blieb letztlich beim knappen 3:2 Finalsieg für die US-Girls. Auch bei diesem Spiel brachte Kombinationsspiel nur wenig ein, zu leicht versprangen die Bälle und landeten beim Gegner. Steilpässe auf die Spitzen, in der Hoffnung, der Gegner könne den Ball nicht unter Kontrolle bekommen, sollten sich als effektiver erweisen.

Abby Wambach gegen Sonja Fuss

Abby Wambach, hier bewacht von Sonja Fuss, erzielte das 2:0 für die USA

Bild: Karin Reuter

Für das deutsche Team war es dennoch ein gutes Turnier, wenn auch der ganz große Erfolg ausblieb. Ein kleines Trostpflaster gab es für Inka Grings, die mit ihren sieben Treffern zur besten Spielerin des Turniers gekürt wurde. Die Rotation im Team, bedingt durch den Ausfall von Simone Laudehr und Linda Bresonik schon vor dem Turnier, sowie den weiteren Ausfällen von Kim Kulig, Saskia Bartusiak und Annike Krahn, zeigte deutlich, dass die Leistungdichte in der Nationalmannschaft recht beeindruckend ist.

Babett Peter  gegen  Lauren Cheney

Babett Peter, hier im Laufduell mit Lauren Cheney, war mit vollem Einsatz dabei, wie man auch an ihrem Trikot erkennen kann

Bild: Roland Baumann

Deutschland:
Angerer - Peter, Behringer (86. Müller), Grings, Prinz, Mittag (70. Popp), Fuss, Garefrekes, Bajramaj (45. Mbabi), Schmidt, Goeßling (29. Zietz)

USA:
Solo - Mitts, Lebeibet, Boxx, Rodriguez (59. Lindsey), O'Reilly, Lloyd, Cheney (83. Nogueira), Schnur, Wambach, Bühler

Tore:
0:1 Lloyd (18.)
0:2 Wambach (22.)
1:2 Grings (41.)
1:3 Cheney (69.)
2:3 Grings (74.)

Gelbe Karten: - / Mitts, Lloyd

Schiedsrichterin: Kirsi Heikkinen (Finnland)

Zuschauer: wenige


Zum Algarve Cup 2010

Zur FanSoccer-Startseite