Algarvecup 2009, 3. GruppenspielEntzaubertDeutschland - Schweden 2:3 (0:3) | ||
Text von Tom Schlimme 09.03.2009 Ein Unentschieden hätte gereicht zum Finaleinzug, doch daraus wurde nichts. Der erste richtig starke Gegner beim Algarve Cup 2009 war für das deutsche Team heute eine Nummer zu groß. Während die Schwedinnen einen ganz starken Tag erwischten, präsentierte sich die deutsche Auswahl nach den guten Leistungen gegen China und Finnland in allem Mannschaftsteilen schwächer als gewohnt, geriet innerhalb von 10 Minuten drei Tore in Rückstand und schaffte es dann nicht mehr, diesen aufzuholen. Bereits nach 40 Sekunden hatte Deutschland den ersten Eckball herausgeholt, den Melanie Behringer hereingab. Babett Peter verpasste den Pfosten des schwedischen Tores um einen Meter. Nach zwei Minuten bereits die zweite Ecke, die aber nichts einbrachte. Trotzdem wurde schnell klar, dass die Schwedinnen ein anderes Kaliber darstellten als die bisherigen Gegner in 2009. Während China oder Finnland das deutsche Team immer wieder durch eigene Schwächen in Ballbesitz gebracht hatten, agierten die Schwedinnen so sicher sowohl im eigenen Aufbau als auch in der Defensive, dass sich die deutschen Spielerinnen sichtlich schwer taten. ![]() Schwedens Spielmacherin Victoria Svensson, hier in die Zange genommen von Linda Bresonik (links) und Saskia Bartusiak, war nie völlig in den Griff zu bekommen So ergaben sich bald auch die ersten Chancen für Schweden, in der neunten Minute spielte Victoria Svensson direkt auf Lotta Schelin, Sonja Fuss, die heute anstelle der angeschlagenen Bianca Schmidt auf der rechten Abwehrseite spielte, klärte zur Ecke. In der 15. Minute hatten es dann die Schwedinnen bereits auf drei Eckbälle gebracht, dafür hatten die anderen Gegner zuvor meist mehr als eine Halbzeit gebraucht. Keeperin Nadine Angerer faustete den Ball etwas zu kurz weg, die Schwedinnen setzten nach, doch die erst 19-jährige Kosovare Asllani köpfte vorbei. Das war schon gefährlich... Im sofort darauf folgenden deutschen Angriff flankte Martina Müller von links in die Mitte, Lira Bajramaj stand dort völlig frei, bekam den Ball aber nicht unter Kontrolle, der Ball blieb heiß, doch der folgende Schuss von Behringer verpasste das Ziel. Der vierte Eckball für Schweden in der 19. Minute führte zu einem schnellen deutschen Konter, Behringer mit Ball im Mittelfeld, dann auf links zu Müller, die wechselte mit schöner Flanke die Seite auf Kerstin Garefrekes, doch der Winkel wurde zu spitz. In der 27. dann kam Bajramaj zu einer Flanke, Müller bedrängt von Linda Sembrant kam an den Ball, aber wieder vorbei. Bis dahin sah es nach einem schweren Stück Arbeit für das deutsche Team aus, aber nicht nach dem Einbruch, der in den nächsten zehn Minuten folgen sollte. ![]() So nahm das Unglück seinen Lauf: die 19-jährige Kosovare Asllani - auch Schweden hat guten Nachwuchs! - hat gerade in die Mitte zur freien Nilla Fischer gepasst, die das 1:0 erzielt. Navina Omilade konnte die Vorlage nicht mehr verhindern Innenverteidigern Saskia Bartusiak verpasste einen steil gespielten Pass auf Asllani, die zog los, sah Nilla Fischer in der Mitte frei, Zuspiel, Tor, Schweden führte 1:0, Angerer war chancenlos. Ein steiler Pass und dann schnell gespielt, und die deutsche Abwehr war ausgehebelt. Nach der Analyse von ZDF-Expertin Steffi Jones lag hier ein Fehler bei Navina Omilade, der zweiten Innenverteidigerin, deren Laufweg nicht gestimmt habe, und Sonja Fuss habe zu weit weg von der Gegenspielerin gestanden und sei dann auch nicht schnell genug nachgerückt. Bundestrainerin Silvia Neid hob hinterher noch die Rolle der Spielerinnen vor der Abwehr auf der Sechserposition heraus,die bei den Toren nicht schnell genug ihre Defensivrolle wahrgenommen hatten. Nicht zu vergessen das Verpassen des Passes durch Bartusiak, also kollektive Fehler in der Abwehr. |
Das hat es lange nicht mehr gegeben: die schwedische Nationalmannschaft hatte in einem Spiel gegen Deutschland gleich dreimal Grund zum Jubeln. Am Ende setzten sich die Schwedinnen verdient durch und dürfen am Mittwoch im Finale gegen die USA spielen. Auf Deutschland wartet D änemark im Spiel um Platz drei beim Algarve Cup 2009 | |
So weit, so schlecht, wenig später schoss auf der anderen Seite Bajramaj, schön freigespielt von Müller, vorbei, noch sah alles nicht so schlimm aus. Doch in der 36. Minute spielte diesmal Asllani wieder so einen steilen Ball, Bartusiak wollte mit dem Kopf klären, doch Schelin spritzte dazwischen und war mit einem Schlag frei durch. Auch hier gab es für Angerer nicht zu halten. Das deutsche Team geriet nun völlig von der Rolle, Bajramaj verlor den Ball schwach im Mittelfeld, die Mannschaft war aber viel zu weit aufgerückt - zumindest fehlte die Absicherung durch wenigstens eine Sechser-Spielerin komplett - und so führte dieser normalerweise harmlose Ballverlust in Sekundenschnelle zum dritten schwedischen Tor. Svensson lief wenige Schritte mit dem Ball und spielte dann mit all dem Auge und der Erfahrung ihrer 156 Länderspiele steil genau in die Schnittstelle der Viererkette, in den Lauf von Schelin, die damit durch war und die herauslaufende Angerer tunneln konnte. ![]() Das Bild zeigt Nadine Angerer und Lotta Schelin nach dem zweiten schwedischen Tor. Es sollten keine 120 Sekunden bis zum dritten vergehen! Das deutsche Team wirkte nun verunsichert und nervös, trotzdem gab es kurz vor der Pause noch eine Chance für Bajramaj, die an der herauslaufenden Keeperin Hedvig Lindahl links im Strafraum vorbeizog, dann aber zu unpräzise flankte, so dass noch eine Schwedin abblocken konnte. Schweden wirkte im Gegenangriff erneut gefährlicher, blitzschnelle Kombination über Svensson und Asllani zu Schelin, doch Angerer parierte deren Schuss prächtig. „Die ganze Mannschaft muss defensiv besser arbeiten!” erklärte Neids Assistentin Ulrike Ballweg in der Pause auf die Frage, ob es Veränderungen in der Abwehr geben würde. Nach dem Seitenwechsel kam das deutsche Team dann zwar gleich zu einer guten Gelegenheit, als die eingewechselte Anja Mittag, angespielt von Garefrekes, einen scharfen Pass quer durch den Strafraum spielte, den Behringer nur knapp verpasste. „Hätte sie den Ball erwischt, hätten wir das Spiel gewonnen”, erklärte Neid hinterher. Doch stattdessen tauchte Schelin frei vor Angerer auf und zwang die deutsche Keeperin zu einer weiteren Glanztat. Offensichtlich war die Defensivarbeit des deutschen Teams da noch nicht viel weiter gekommen. Die ganz großen Schnitzer im deutschen Spiel blieben dann zwar aus, aber insgesamt lief wenig zusammen. Behringer, Garefrekes, Bresonik wirkten ausgepumpt und konnten sich längst nicht so durchsetzen wie in den Spielen zuvor, Mittag blieb blass, Bajramaj zwar rührig, aber wie gewohnt oft zu kompliziert, zu verspielt und letztlich nicht effektiv. Besser wurde es dann noch einmal, als die durch einen Infekt kurzzeitig lahmgelegte Inka Grings für Bajramaj eingewechselt wurde, und knapp zehn Minuten nach ihrer Einwechselung nach Zuspiel von Mittag souverän das 1:3 markierte, das wirkte nicht viel anders als vorher die Tore der Schwedinnen auf der anderen Seite. Diese versteckten sich nicht, spielten das clever runter und kamen auch noch zu Chancen. |
Das nächste Tor fiel jedoch für Deutschland, etwas glücklich, weil durch einen Torwartfehler begünstigt. Kim Kulig schoss aus ca. 28 Metern, der Ball kam hoch aufs Tor, Lindahl klatschte ab und ins eigene Netz statt zu halten oder über das Tor zu fausten. Jetzt noch ein Ding, und es hätte 3:3 gestanden, und Deutschland wäre plötzlich doch im Finale gewesen. Doch obwohl das deutsche Team alles nach vorne warf, Keeperin Angerer verbrachte in der Nachspielzeit eine gute Minute im schwedischen Strafraum, reichte es nicht mehr. Sekunden vor Schluss hatte Behringer noch eine Chance, doch ihr Schuss aus 12,13 Metern ging über das Tor. Vielleicht besser so, so wurde deutlicher, dass die Bäume auch bei dieser verjüngten Mannschaft nicht gleich in den Himmel wachsen. Am Mittwoch wartet mit Dänemark noch mal ein mittelstarker Gegner, da kann sich die Mannschaft noch einmal beweisen, und dann wird man bis zur Europameisterschaft im August sehen müssen, eine gute Kombination aus jungen und bis dahin hoffentlich zurückgekehrten erfahreneren Spielerinnen zu finden. Birgit Prinz, Annike Krahn, wohl auch Ariane Hingst, um nur einige zu nennen, sind wohl doch nicht mal eben so zu ersetzen. Aber angesichgts dessen, was der Nachwuchs bisher an der Algarve gezeigt hat, braucht einem vor einem Umbruch in der Zukunft langfristig nicht bange zu sein. ![]() Die 18-jährige Kim Kulig erzielte in ihrem vierten A-Länderspiel ihr zweites Tor und brachte das deutsche Team damit noch einmal ganz nah an den Finaleinzug heran. Doch auch ihre Defensivarbeit war nicht ohne Mängel
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