Algarvecup 2009, 1. Gruppenspiel der Gruppe AEnde gut, manches gutDeutschland - Finnland 2:0 (0:0) | ||
Text von Tom Schlimme 04.03.2009 Am Ende des ersten Gruppenspiels im diesjährigen Algarve-Cups stand ein präsentables 2:0 zu Buche. Doch damit war nicht alles gut, was als Ergebnis glänzt. Das deutsche Team zeigte in vielen Bereichen gute Ansätze und präsentierte sich in einigen Punkten gegenüber dem Testspiel gegen China verbessert, aber einiges liegt weiterhin im Argen. Stark verbessert zeigte sich die Abwehr, die nur ganz wenige Unsicherheiten zeigte. Bianca Schmidt auf der rechten Abwehrseite wußte zu überzeugen und bot wohl die beste Leistung der vier Abwehrspielerinnen, aber auch die Leistung von Babette Peter links und Sonja Fuss sowie Saskia Bartusiak in der Innenverteidigung war absolut in Ordnung. Einziges Manko: das Spiel aus der Abwehr heraus nach vorne muss noch besser werden. Außen funktionierte das einigermaßen, doch in der Mitte kamen zu viele lange Bälle von Sonja Fuss nicht an. Ein Fehler, der sicherlich durch besseres Eingespieltsein abzustellen ist. Im Mittelfeld konzentrierte sich Linda Bresonik diesmal auf Anweisung der Bundestrainerin mehr auf die Defensive - Silvia Neid hatte die ihrer Meinung nach zu offensive Einstellung von Bresonik im Chinaspiel bemängelt, die nach hinten zu viel Raum für die Chinesinnen gelassen habe. Im Ergebnis stand damit die gesamte deutsche Abwehr deutlich sicherer als gegen China, dafür konnte Bresonik nach vorne wengier Akzente setzen. ![]() U20 Nationalspielerin Bianca Schmidt machte auch in der A-Nationalmannschaft ein gutes Spiel auf der rechten Außenverteidigerposition, hier ist sie schneller als Maija Saari Vorne begann Neid mit Martina Müller als zweiter Spitze neben Inka Grings, auch dies funktionierte, Müller wußte zeitweise sogar für mehr Unruhe zu sorgen als Grings, die zwar agil wirkte und Spielfreude zeigte, im Abschluss aber nicht ihren besten Tag erwischt hatte. So trugen die personellen Umstellungen gegenüber der Anfangself vom Chinaspiel - weitgehend die gleichen, wie schon in der zweiten Halbzeit gegen China - eindeutig positive Früchte. Einzig der Schachzug, statt Melanie Behringer Lira Bajramaj auf der linken Mittelfeldposition zu bringen, erwies sich als weniger glücklich. Nach der Einwechselung von Behringer zeigte diese, dass sie diese Position doch um einiges besser ausfüllen kann. Abstriche muss man bei dieser Betrachtung allerdings insofern machen, als die Finninen, die defensivstark, robust in den Zweikämpfen und mit viel Körpereinsatz und Laufvermögen agierten, gegen Ende der Partie körperlich immer mehr abbauten, so dass es für die eingewechselten deutschen Spielerinnen naturgemäß leichter war, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Abstriche muss man auch bei der Beurteilung der Abwehrleistung machen, weil die Finninen die deutsche Abwehr viel weniger forderten als die Chinesinnen beim Spiel in Bielefeld. Aber das kann auch einfach an der deutschen Stärke gelegen haben, das ist immer schwer zu beurteilen. Jedenfalls hat diese Abwehr ihren wahren Belastungstest gegen richtig starke Gegnerinnen noch vor sich. Trotzdem muss man insgesamt einwenden, dass das deutsche Spiel noch eklatante Mängel in der Offensive zeigte. In der ersten Halbzeit war die DFB-Auswahl zwar bereits deutlich feldüberlegen, die Zahl der herausgespielten Chancen war aber zu gering. Mit dreißig Minuten der ersten Halbzeit zeigte sich dann auch die Bundestrainerin unzufrieden. Die Pässe seien ungenau und überhastet gespielt worden, vor dem Ball seien die Spielerinnen zu wenig gelaufen, bemängelte Neid nach dem Spiel. ![]() Mit Kim Kulig wußte auch die zweite der in der Anfangsformation stehenden U20 Nationalspielerinnen zu überzeugen. Hier kann Anna Westerlund der jungen Hamburgerinnen nur zuschauen In der zweiten Halbzeit lief es dann zwar klar besser und in den letzten 10 Minuten sogar richtig gut, aber eben auch gegen nachlassende Finninnen. Weiteres Manko im Offensivspiel: man lief viel zu oft ins Abseits. Und dann noch die Chancenauswertung, es wurden einfach zu viele Hochkaräter vergeben. Schön aber, dass alle vier U20-Nationalspielerinnen zum Einsatz kamen, Katharina Baunach damit zu ihrem ersten A-Länderspieleinsatz überhaupt. Alle vier boten dabei ordentliche Leistungen, am positivsten habe ich Bianca Schmidt auf der rechten Abwehrseite gesehen, Kim Kulig im zentralen defensiven Mittelfeld war auch gut dabei, hinten stark und vorne vor allem gegen Ende des Spiels mit einigen guten Aktionen. Katharina Baunach und Nicole Banecki kamen zu spät, um noch groß herausstechen zu können, fielen aber auf jeden Fall gegenüber dem Rest des Teams nicht ab. Obwohl Deutschland von Anfang an feldüberlegen war, blieb der finnische |
Die deutsche Anfangsformation: | |
Strafraum lange Tabuzone. In der 11. Minute eroberte Bajramaj den Ball und leitete einen aussichtsreichen Angriff ein, doch statt rechtzeitig auf Müller oder Garefrekes abzugeben, schoss sie aus aussichtsloser Entfernung auf das von Minna Meriluoto gut gehütete finnische Tor. In der 17. Minute dann wieder Bajramaj mit einem Steilpass auf Müller in die Spitze, die schießt, doch Meriluoto parierte, der Nachschuss von Garefrekes wurde ebenfalls abgeblockt. Das war die erste richtig gute Chance. Finnland wurde nun aber stärker, wenn auch nicht wirklich gefährlich, kam immerhin einige Male in den deutschen Strafraum. So ergaben sich Konterchancen, in der 26. Minute kam ein hoher Ball auf Grings, die ließ technisch sehr ausgefeilt abtropfen auf Müller, doch deren Schuss wurde wieder gehalten. Das war aber mal ein richtig schöner Spielzug, der zeigt, wie das deutsche Spiel aussehen könnte, wenn es funktiniert. ![]() Inka Grings, hier im Zweikampf mit Maija Saari, hatte spielerisch gute Szenen, ihre Chancenverwertung war aber nicht optimal In der 31. Minute Flanke von Garefrekes von rechts wieder auf Müller, die mit dem Kopf Richtung Grings, doch diese kommt nicht richtig an den Ball. 33. Minute, Schmidt rechts blitzschnell durch, Superflanke auf langen Pfosten, Bajramajs Schuss aber zu schwach und zur Ecke abgefälscht. Der folgende Eckstoß brachte einen Kopfball von Bresonik über das Tor. 37. Minute, Grings mit gutem Lauf, in den Rücken der Abwehr gespielt, doch etwas zu ungenau, abgewehrt, Balleroberung und Hackentrick Kulig auf Garefrekes, aber wieder über das Tor. 38. Minute Garefrekes rechts mit präzisem Pass, Grings volley neben den Pfosten. 39. Minute, Müller mit Klasseballannahme, zurück zu Grings, die aber von zu vielen Gegenspielerinnen abgeblockt. Kurz vor dem Pausenpfiff holte Grings dann einen Freistoß in aussichtsreicher Position kurz vor dem Strafraum, den sie selber dann aber relativ schwach in die Mauer ausführte. So blieb es bis zur Pause bei positiven Ansätzen im deutschen Spiel, denen aber der entscheidende Abschluss fehlte. ![]() Auch die zweite Spitze Martina Müller, die hier Sanna Valkonen enteilt, blieb ohne Torerfolg, scheiterte an der guten finnischen Keeperin Neid ließ zur zweiten Halbzeit komplett das gleiche Team antreten, das aber stärker wurde. In der 49. ging ein Kopfball von Schmidt nach Eckstoß Bajramaj nur knapp vorbei, in der 51. konnte sich Grings im Strafraum gut gegen zwei Finninnen durchsetzen, schlenzte den Ball aber dann mit dem Außenrist eine Spur zu lässig am Tor vorbei. In der 61. Minute wurden dann Behringer für Bajramaj und Anja Mittag für Müller eingewechselt. Kurz danach kam Kim Kulig zum Schuss, den eine Finnin mit Mühe zur Ecke blocken konnte. Eine Ballerboberung der Jubilarin Garefrekes (100. Länderspiel) nahe der rechten Eckfahne leitete dann die Führung ein, Garefrekes brachte Grings ins Spiel, diese leitete weiter zu Behringer, und die hatte jetzt Platz, um mit dem rechten Fuß flach und wuchtig ins lange Eck zu vollenden. Doch damit wurde die Chancenauswertung der Deutschen nicht wirklich besser. Eckstoß Behringer in der 72., Kopfballverlängerung Kulig zu Mittag, doch statt ins Tor traf diese ihre Potsdamer Vereinskollegin Schmidt. Drei Minuten später nach Zuspiel von Grings traf Mittag nur eine Gegenspielerin, der Ball prallte zu Garefrekes, die mit gutem Blick auf die in der Nähe des Elfmeterpunkts völlig freistehende Grings, doch deren Schlenzer war für Meriluoto eine lösbare Herausforderung. |
Dann kam die starke deutsche Schlussphase: 81. Konter über Grings durch die Mitte, die nach links zu Behringer, die sieht rechts Mittag frei, der Pass kommt präzise, Mittag kann auch gut stoppen und hart schießen, doch genau auf die Keeperin, die allerdings mit gutem Reflex die Fäuste noch hochbekommt. 85. Minute Riesenchance nach Eckstoß Behringer, Schuss Bresonik, doch Maija Saari klärte noch auf der Linie. Die Zeitlupe zeigte, dass der Ball wahrscheinlich sogar im Tor war, Saari stand mit beiden Füßen deutlich hinter der Linie und wehrte den Ball mit dem Körper ab, doch egal, kein Tor, zeigte die kanadische Schiedsrichterin Carol Anne Chenard an. In der 88. dann flankte Bresonik von links in den Strafraum, Mittag verstolperte, doch Kulig erwischte den Ball und zog von der Strafraumgrenze genau in den Winkel ab, doch Meriluoto zeigte eine weitere sehr gute Parade und hielt auch diesen Ball. Immerhin, der deutsche Sieg schien trotz des knappen Vorsprungs schon lange nicht mehr gefährdet, zu einseitig verlief das Spiel in dieser Schlussphase, in der das deutsche Team den Vorsprung keineswegs verwaltete, sondern eifrig um den nächsten Treffer bemüht war.
Ein Elfmeter wäre dann auch noch drin gewesen, als Mittag in der 90. Minute nach gutem Kopfballeinsatz von Kulig beim Eckstoß den Ball vor die Füße bekam und nur noch die ausgestreckte Hand von Jessica Julin
dem Ball den Weg zum Tor versperrte. Man kann argumentieren, das sei aus kurzer Entfernung angeschossen gewesen, aber solche Elfer sind mit Recht schon gegeben worden, denn eine Abwehrspielerin muss nicht in der Schussbahn beide Arme ausstrecken wie ein Torwart. Doch die Mühen der deutschen Elf in der Schlussphase wurden dann doch noch belohnt: in der letzten Minute der Nachspielzeit konnte Kerstin Garefrekes eine Flanke von Behringer gut annehmen und trotz Bedrängnis durch eine Gegenspielerin eiskalt verwandeln. Das war mal eine Szene mit richtig guter Abschlussleistung, und besonders zu gönnen war es Garefrekes, die in ihrem 100. Länderspiel ihre konstant guten Leistungen wieder einmal bestätigen konnte. ![]() Kerstin Garefrekes feierte ihr 100. Länderspiel für Deutschland, bot, wie eigentlich immer, ein gutes Spiel und krönte ihr Jubiläum dann auch noch mit dem 2:0 in der allerletzten Spielminute
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