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Algarve-Cup 2008, 3. Spieltag

Die Nerven liegen blank

USA – Norwegen 4:0 (0:0)

Text und Bilder von Nora Kruse

13.3.2008   Norwegen gegen die USA – seit ewigen Zeiten ein Klassiker im Frauenfußball. Unzählige Duelle bestritten die beiden Mannschaften, zwei davon wurden gar erst per Golden Goal entschieden. Von so viel Spannung war das Gruppenspiel im Rahmen des Algarve Cups allerdings weit entfernt, Norwegen musste sich am Ende mit 0:4 geschlagen geben, vor allem weil Torhüterin Ingrid Hjelmseth einen rabenschwarzen Tag erwischte.

Die Norwegerinnen hatten ihre ersten beiden Spiele gegen Italien und China zwar mit 4:2 und 3:1 gewonnen, offenbarten dort jedoch bereits Schwierigkeiten im Spielaufbau und im Herausspielen eigener Tormöglichkeiten. Was sich jedoch gegen diese Gegner nicht rächt, ist gegen die USA tödlich.

„Norwegen hat in der ersten Halbzeit viel Druck gemacht”, kommentierte US-Trainerin Pia Sundhage den schwächeren Beginn ihres Teams. Die Norwegerinnen konnten daraus jedoch keinen Profit schlagen, am Ende fehlte es an Präzision und Durchsetzungsvermögen. Es ging mit dem 0:0 in die Pause und nach dem Wiederanpfiff war der Weltmeister von 1995 nicht mehr wiederzuerkennen.

Tobin Heath (l.) und  Guro Knutsen

Dauerdruck von Tobin Heath (l.) und Co zwang selbst Stürmerin Guro Knutsen in die Abwehr.

Knackpunkt war die 55. Minute: Torhüterin Hjelmseth legte sich den Ball zum Abstoß zu weit vor und Natasha Kai reagierte am schnellsten. Die 24-jährige Stürmerin sprintete nach vorn und die erschrockene Hjelmseth kam zwar noch zum Schuss, dieser war jedoch nur der Versuch der Rettung in letzter Sekunde und wurde von Kai geblockt. Die hatte daraufhin das freie Tor vor Augen und keine Probleme, den Ball zum 1:0 einzuschieben. Was folgte, war ein Tanz, der schon in der Kabine einstudiert worden war. „Wir haben wie üblich vor dem Spiel ein bisschen rumgetanzt”, so Kai über ihre Showeinlage, „und dann gescherzt, dass wir das auch auf dem Feld machen, wenn entweder Boxxi oder ich ein Tor schießen.”


Natasha Kai

Zum Sieg getanzt: Natasha Kai brachte ihr Team ins Finale.

Diesem geschenkten Treffer – und dem drauf folgenden Jubel, der die Ausmaße einer gerade gewonnenen Weltmeisterschaft hatte – folgte nur zwei Minuten später das 2:0 durch Abby Wambach. Norwegen war demoralisiert, das Spiel verlagerte sich nahezu ausschließlich in die Hälfte der Nordländerinnen. „Wir haben in der zweiten Hälfte wirklich sehr gut gespielt”, freute sich Sundhage über die Partie ihrer neuen Mannschaft, „da waren einige tolle Ballgewinne im Mittelfeld.”

Norwegens Abwehr geriet unter Dauerstress, selbst routinierte Spielerinnen, wie Ane Horpestad, wussten sich zum Teil nur mit planlosen Schüssen aus dem Strafraum zu helfen. Diese waren auch nötig, denn Hjelmseth hatte ihren Patzer zum 0:1 nicht vergessen und bewegte sich unsicher und zögerlich im Strafraum. Kurz nach dem 0:2 klärte sie grandios gegen die über links heranstürmende Lindsey Tarpley. Selbstbewusstsein schien ihr das jedoch nicht zu geben, denn nur fünf Minuten später sah sie erneut sehr unglücklich aus, als sie einen Pass auf Heather O’Reilly nicht abfangen konnte, sodass die Mittelfeldspielerin der University of North Carolina mühelos das 3:0 markieren konnte.

Der Schlusspunkt sollte dies noch nicht gewesen sein – den setzte Amy Rodriguez in der 90. Minute, erneut mit freundlicher Unterstützung von Ingrid Hjelmseth. Die hätte den Ball eigentlich schon sicher in der Hand haben müssen, ließ ihn jedoch fallen und ins Tor springen.

Es war nicht der Tag der 27-jährigen Torhüterin von Asker, die nach dem Spiel noch minutenlang niedergeschlagen in ihrem Tor saß und Trost benötigte. Ohne Frage war Norwegen an diesem Tag völlig chancenlos im Spiel nach vorne und es waren die USA, die es geschafft hatten, den großen Rivalen in diese Situation zu bringen. Dennoch bleibt festzuhalten, dass drei der vier Tore auf individuelle Fehler der nach dem ersten Tor in sich


zusammengebrochenen Torhüterin zurückzuführen waren. Von solch tollen Kombinationen, wie sie die USA früher zuhauf zeigen konnten, waren die Spielerinnen von Pia Sundhage jedoch weit entfernt.

Ingrid Hjelmseth

Ingrid Hjelmseth brauchte nach Spielende ein paar Minuten für sich und gutes Zureden.


USA
Barnhart – Rampone (75. Whitehill), Kai (63. Rodriguez), Boxx (63. Osborne), O’Reilly (69. Heath), Woznuk (46. Tarpley), Lloyd, Markgraf, Chalupny (75. Cox), Wambach, Buehler

Norwegen
Hjelmseth – Horpestad, Følstad (59. Lund), Stensland, Nordby, M. Knutsen, Storløkken, Herlovsen (63. Thorsnes), Wiik, Kaurin (68. G. Knutsen), Vikestad

Tore
1:0 Kai (55.)
2:0 Wambach (57.)
3:0 O’Reilly (65.)
4:0 Rodriguez (90.)

Gelb: Lloyd

Schiedsrichterin
Bibiana Steinhaus (Deutschland)

Zuschauer: ~ 200


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