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Algarve Cup 2007, Spiel um Platz 3

Ohne spielerische Klasse

Frankreich - Schweden 1:3 (0:2)

Von Nora Kruse (Text u. Bilder)

16.3.2007   Alle Jahre wieder beim Algarve Cup: Frankreich gegen Schweden. Genau wie im vergangenen Jahr – und im Jahr davor – spielten die „Équipe Tricolore“ und die Nordländerinnen den dritten Platz unter sich aus. 2005 siegte Frankreich im Elfmeterschießen, vergangenes Jahr revanchierten sich die Schwedinnen mit einem knappen 1:0-Sieg.

Mit vordergründig erfolgreichem, aber unansehnlichem, Fußball hatte Frankreich das kleine Finale erreicht. Aber auch Schweden ist weit von der Form der Vorjahre entfernt, selbst wenn Trainer Thomas Dennerby mit dem Zustand seiner Mannschaft zum Jahresbeginn sehr zufrieden ist. „Wir sind auf einem guten Weg. Die Liga in Schweden hat noch nicht begonnen und traditionell sind wir im August und September am fittesten. Dennoch stimmt mich das Auftreten der Mannschaft sehr optimistisch.”

Louisa Necib

Nach vielen guten Vorstellungen in der französischen Liga konnte Louisa Necib (l.) ihr Potenzial nun auch in der Nationalmannschaft zeigen

Für Überraschung sorgt dagegen das Auftreten der französischen Mannschaft. Bereits in den ersten Spielen drehte der neue Trainer Bruno Bini an der Aufstellung, was sich zumeist negativ auf das Spiel der Mannschaft auswirkte. Wie bei den letzten Partien setzte Bini auch gegen Schweden auf eine sehr defensiv eingestellte Sonia Bompastor. Im Vergleich zu den ersten Spielen kam die ehemalige Spielführerin mit dieser Position auch besser zurecht, wenngleich sie ihre Stärken weiter vorne besser ausspielen kann.

Sabrina Viguier

Schönheitskorrekturen: Louisa Necib wurde vor Spielbeginn aufgefordert, sich die Fingernägel zu schneiden, Sabrina Viguier (Mitte) musste das Piercing entfernt werden.

In die Abwehr zurück gekehrt war dagegen Laura Georges. Im ersten Spiel gegen Dänemark empfand ihr Trainer ihren Auftritt als zu schwach (eine Aussage, die auf alle Französinnen zutreffen würde), sodass sie gegen Deutschland pausieren musste. Gegen Schweden war ihre Leistung stärker, die US-Legionärin hielt die Abwehr zusammen und bot dem Gegner Einhalt. Allerdings konnte auch Dennerby dem Offensivspiel seiner Schwedinnen nicht viel abgewinnen, empfand es als „zu faul“ und bemängelte die mangelnde Kommunikation auf dem Feld.

Traditionell gut ist dagegen die Kommunikation der rechten französischen Angriffsseite, bestehend aus Georges in der Abwehr, einer offensiven Hoda Lattaf als Flankengeberin und einer an diesem Tag sehr gut aufgelegten und lauffreudigen Camille Abily. Auf diese eingespielte Achse vertraute Bini und wurde belohnt. Die französische Mannschaft war in der ersten Hälfte den favorisierten Schwedinnen absolut ebenbürtig und profitierte von der wiedererstarkten Abily, die sehr engagiert agierte und gemeinsam mit Youngster Louisa Necib die vielleicht beste Französin auf dem Feld war. Im Abschluss waren beide jedoch zu unentschlossen und wenig zwingend.


Camille Abily und Sara Thunebro

Bis zur Strafraumgrenze hielt Camille Abily (l.) alle Gegenspielerinnen wie hier Sara Thunebro auf Abstand, danach waren ihre Aktionen zu ungenau.

Darin zeigten sich die Parallelen beider Mannschaften. Denn so unzufrieden Dennerby mit dem Offensivspiel seines Teams war, so sehr lobte er die Abwehrleistung. Da sich beide Mannschaften hier jedoch zu sehr glichen, konnte man wenig Torchancen bewundern, das Spiel verlagerte sich von einem Strafraum zum nächsten.

Victoria Svensson und Sonia Bompastor

Die Schwedinnen um Victoria Svensson (l.) hatten in der zweiten Hälfte kaum Probleme, die französische Abwehr zu umspielen. Hier ist es Sonia Bompastor, die nicht an den Ball kommt

Wenn sich beide Teams keine Chancen herausspielen können, muss der Zufall helfen und so geschah es in der 20. Minute. Die Französinnen konnten den Ball nicht aus dem Strafraum befördern, er sprang von einer Seite auf die andere, die Schwedinnen brauchten drei Nachschüsse, bis Josefine Öquist erfolgreich war – und mittendrin irrte Torhüterin Sarah Bouhaddi orientierungslos durch den Strafraum. Plötzlich stand es 1:0 für Schweden, was dem Spiel jedoch nicht zu mehr Klasse und Spannung verhalf – es war genauso zerfahren wie zuvor. Es brauchte also Zufallstreffer Nummer zwei, den Victoria Svensson in der Nachspielzeit der ersten Hälfte erzielte. Herausgespielt war dabei nichts, die Spielführerin profitierte von einem verunglückten französischen Kopfball, spielte dann jedoch einen souveränen Heber über Bouhaddi, die eindeutig nicht ihren besten Tag erwischte.

Nach der ersten Halbzeit war das Spiel von Necib, die von Trainer Bini gegen Bretigny ausgewechselt wurde, beendet. Dem französischen Offensivspiel schadete diese Auswechslung ungemein, viel lief bei den Blauen nicht mehr. Als Schweden in der 47. Minute auch noch den nächsten wenig beabsichtigten und herausgespielten Treffer erzielte, waren die Verhältnisse auf dem Rasen endgültig geklärt. Sara Johansson setzte sich auf der rechten Seite durch, flankte in den Strafraum – und wenn man sich Bouhaddi und Johansson anschaute, konnte man sich fragen, wer von beiden überraschter war, dass der Ball den direkten Weg ins Tor nahm.


So seltsam die Entstehungs- geschichten der Tore gewesen sein mochten, Schweden führte mit 3:0 und kam eindeutig besser ins Spiel. „Ich habe meiner Mannschaft gesagt, dass wir mehr laufen, miteinander reden und schneller spielen müssen“, erklärte Dennerby die Halbzeitansprache ans Dreikronen-Team, das die Forderungen beherzigte. Die Bälle kamen an, die Abstimmung stimmte – es wirkte einfach runder. Je besser die Schwedinnen wurden, desto mehr ließ Frankreich nach. Bini wechselte gleich drei Spielerinnen auf einmal aus und der Abgang von Abily sorgte für den endgültigen Bruch im Aufbauspiel der „Équipe Tricolore“. Genauso unglücklich war die Einwechslung der von Natur aus offensiv eingestellten Ludivine Diguelman, die sich einmal mehr in der Abwehr beweisen sollte – eine Position, die ihr schlicht und einfach nicht liegt. Wie sollte es auch. Es war kein glückliches Händchen, das Bini bei den Wechseln in seinem Team zeigte, auch wenn sich eine seiner neuen Spielerinnen in die Torjägerliste eintragen durfte. Doch genau wie die schwedischen Tore war auch das der Französinnen nicht herausgespielt. Der Ehrentreffer gelang Elodie Ramos per Kopf in der 71. Minute nach einer Ecke.

Sara Johansson

Erfolgreich verunglückt: Sara Johanssons Flanke nahm den direkten Weg ins Tor

Frankreich:

Bouhaddi, Georges, Viguier, Meilleroux, Bompastor (66. Diguelman), Franco, Soubeyrand, Abily (66. Thomis), Necib (46. Bretigny), Bussaglia (46. Thiney), Lattaf (46. Ramos)

Schweden:

Lundgren, Johansson (60. Nordin), Marklund, Seger, Thunebro (46. Lundin), Östberg, Svensson (77. Olsson), Öqvist (77. Aronsson), Sjögran (46. Fischer), Paulson, Rohlin (46. Segerström)

Tore:
0:1 Öqvist (20.)
0:2 Svensson (45+1)
0:3 Johansson (47.)
1:3 Ramos (71.)

Gelbe Karten: Bouhaddi, Ramos, Fischer

Schiedsrichterin: Jennifer Bennett (USA)


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