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Algarve Cup 2007, 2. Spieltag

Beinahe-Sensation durch Finnlands große Leistung

Gruppe B: Finnland – USA 0:1 (0:0)

Text: Jens Wolter
Fotos: Nora Kruse
Interview: Nora Kruse

11.3.2007   Eine Niederlage mit höchstens drei bis vier Toren Unterschied hatte Finnlands Coach Michael Kald vor der Partie als Erfolg eingestuft. Nach dem Abpfiff hat er sicherlich – bei aller Zufriedenheit über die Leistung seines Teams – im Stillen ein wenig mit den Fußballgöttern gehadert, dass dieser eine fatale Ball nicht auch noch knapp an Finnlands Tor vorbeigegangen war. Als „klare Sache“ hätte man diese Begegnung auch als neutraler Betrachter eingeschätzt – die Außenseiterinnen aus Europas Norden gegen den viermaligen Turniersieger USA, was konnte das anderes ergeben als ein deutliches Ergebnis?

Als „klare Sache” hätte man diese Begegnung auch als neutraler Betrachter eingeschätzt – die Außenseiterinnen aus Europas Norden gegen den viermaligen Turniersieger USA, was konnte das anderes ergeben als ein deutliches Ergebnis?

Doch die finnische Mannschaft hatte weder vor, sich zu verstecken, noch, sich überrennen zu lassen. Konsequent wurden die Räume zugestellt und die ballführende Gegnerin angegriffen, um den USA das Aufbauspiel so schwer wie möglich zu machen. Sehr positiv anzurechnen ist hierbei, dass Finnland während der gesamten Begegnung nur auf kämpferische und spielerische Mittel zurück griff, nicht jedoch auf den Einsatz übertriebener Härte. So dauerte es bis zur 18. Minute, bis die USA eine nennenswerte Torchance erspielten: Nach einer hohen Linksflanke von Angela Hucles zielte Lindsay Tarpley den Ball haarscharf rechts am Tor vorbei.

Kristine Lilly und Katri Nokso-Koivisto

Auch mit 36 rennt Kristine Lilly (r.) ihren Gegenspielerinnen noch davon - hier ist Katri Nokso-Koivisto zu langsam

Eine kuriose Situation zugunsten Finnlands ergab sich in der 21. Minute, als die Schiedsrichterin das Spiel, das sich nach einem vor dem amerikanischen Strafraum abgefangenen Angriff bereits wieder in die finnische Hälfte verlagert hatte, unterbrach, die Spielerinnen wieder in die andere Richung beorderte und Finnland einen direkten Freistoß auf das Tor der USA ausführen ließ. Der von Anna-Kaisa Rantanen getretene Ball konnte von Torhüterin Briana Scurry gerade noch zur Ecke gelenkt werden, die allerdings keine weitere Gefahr für das Tor der USA brachte. Dies war allerdings für lange Zeit das letzte Mal, dass die finnische Mannschaft vor dem Tor der USA auftauchte.

Bis zur Pause ergaben sich für die USA eine Reihe von Möglichkeiten in Führung zu gehen, die jedoch allesamt vergeben oder vereitelt


Petra Vaelma und Heather O’Reilley

Harter aber fairer Zweikampf: Petra Vaelma (r.) gegen Starstürmerin Heather O’Reilley.

wurden. Exemplarisch genannt werden sollen hier Chancen von Aly Wagner in der 27. (von Minna Meriluoto gehalten) und 31. Minute (aus 8 m über das Tor) sowie Lindsay Tarpley in der 41. Minute, die von der finnischen Abwehr zur Ecke gelenkt wurde.

Die letzte amerikanische Torchance in der ersten Halbzeit entstand in der 42. Minute aus einer sehenswerten Kombination auf der rechten Seite über Christie Rampone und Natasha Kai, deren Flanke von Lindsay Tarpley in die Arme von Torsteherin Meriluoto befördert wurde.

Minna Meriluoto

Trotz Dauerbeschuss konnte Minna Meriluoto nur einmal bezwungen werden

Zum Beginn der zweiten Halbzeit wechselte US-Coach Greg Ryan nicht weniger als fünf Spielerinnen auf einen Schlag aus. Neben Star-Stürmerin Abby Wambach kam u. a. Stephanie Lopez ins Spiel, die in der Abwehr die doch etwas unsicher wirkende Tina Ellertson ersetzte. Der Erfolg stellte sich prompt ein, als die ebenfalls eingewechselte Carli Lloyd, die bereits in der ersten Partie gegen China als Torschützin erfolgreich gewesen war, bereits in der 47. Minute den Ball nach einer - zunächst abgewehrten - Ecke doch noch aus 15 m Entfernung zum 0:1 ins finnische Tor befördern konnte.

Wer nun befürchtete, dass das finnische Team, nachdem es so kurz nach dem Seitenwechsel kalt erwischt worden war, zusammenbrechen und den Amerikanerinnen doch noch ein Schützenfest ermöglichen würde, sah sich angenehm enttäuscht. Finnland ließ sich von dem Rückstand nicht beeindrucken und hielt diszipliniert spielerische Linie und Einsatz weiterhin durch. Trainer Michael Kald trug allerdings durch insgesamt vier Auswechslungen dem allmählichen Kräfteverschleiß seiner Schützlinge Rechnung.


Die Amerikanerinnen erspielten sich im Laufe der zweiten Spielhälfte zwar noch eine Reihe von Torchancen durch Lori Chalupny (51. und 57. Minute), Lloyd (63. und 70.), Wambach (57. und 70.) und Natasha Kai (85.), aber die Bälle gingen alle am Tor vorbei, wenn auch teilweise „haarscharf“. Die finnische Torfrau, die bei allem Druck nie Ruhe und Übersicht verlor, hatte in mancher Szene das sprichwörtliche Glück des Tüchtigen auf ihrer Seite.

Die letzte offensive Szene des Spiels hatte dann sogar das finnische Team, aber Kati Hakala setzte die Direktabnahme einer Linksflanke in der 89. Minute weit über das US-Tor.

Finnlands Trainer Michael Käld:

„Ich habe meiner Mannschaft vor dem Spiel gesagt, dass sie keine Angst haben, auf sich vertrauen und die Situation genießen soll. Ich bin stolz auf die Leistung meiner Mannschaft. Sie hat gekämpft, gekämpft, gekämpft. Dass wir nicht die gleiche Fitness haben, wie die Amerikanerinnen, war uns klar. Umso toll ist es, dass wir so durchgehalten haben. Das gibt Selbstvertrauen.”

Lindsay Tarpley und Tiina Salmen

Ständiger Unruheherd: Lindsay Tarpley (r.) sorgte für viel Beschäftigung bei der finnischen Abwehr, hier gegen Tiina Salmen

Finnland:

Meriluoto – Vaelma, Saari, Salmen, Niemi (87. Hyvönen) – Julin, Nokso-Koivisto (72. Hakala), Rantanen – Lindström (56. Malaska), Sjölund (64. Laihanen)

USA:

Scurry – Rampone, Ellertson (46. Lopez), Whitehill, Mitts – Boxx, Wagner (46. Lloyd), Hucles (46. Chalupny) – Kai, Tarpley (46. Lilly), O`Reilly (46. Wambach)

Tor:
0:1 Lloyd (47.)

Schiedsrichterin: Bentla D`Coth

Gelbe Karte: Saari (36.)

Zuschauer: 60 (Estadio da Nora)


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