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Algarve Cup 2007, 1. Spieltag

Nervös, gereizt und aggressiv

Gruppe A: Frankreich - Dänemark 0:4 (0:1)

Text und Fotos von Nora Kruse

11.03.2007   „’Das wird schwer’ war mein erster Gedanke, als ich hörte, dass wir gegen Frankreich spielen müssen“, erklärte Dänemarks Trainer Kenneth Heiner-Möller. Recht behalten hat er nicht, denn seine Mannschaft traf auf Französinnen, die nicht in der Lage waren, Nerven und Aggressionen unter Kontrolle zu halten und dadurch das Fußballspielen vergaßen.

Dabei begann das Spiel mit viel Nervosität auf beiden Seiten, und sämtliche erste Angriffsversuche landeten in den gegnerischen Abwehrreihen. Dänemark war optisch überlegen, die erste wirkliche Chance gehörte jedoch den Französinnen, als Elodie Ramos nach einer Ecke von Sandrine Brétigny im Fünfmeterraum zum Schuss kam, jedoch an mehreren Däninnen auf der Torlinie scheiterte.

Ludivine Diguelman, Cathrine Paaske-Sörensen

Die in der Abwehr zweckentfremdete Ludivine Diguelman (l.) machte gegen Stürmerstar Cathrine Paaske-Sörensen eine eher unglückliche Figur.

Diese beiden französischen Youngster wurden vom neuen Nationaltrainer Bruno Bini von Anfang an aufgestellt, waren jedoch völlig überfordert und brachten bis auf diese Szene nichts zustande. Ebenfalls auf keine Nationalmannnschaftserfahrung zurück greifen kann Corinne Petit Franco, die auch von der ersten Minute an zum Einsatz kam. Drei Erfahrungslose waren zu viel für das französische Spiel, das zunehmend von Unsicherheit, Unvermögen und Fantasielosigkeit gekennzeichnet war. Erfahrene Leute, wie Hoda Lattaf und Laetitia Tonazzi, mussten auf der Bank Platz nehmen und auch im Tor wurde nicht Sarah Bouhaddi eingesetzt, sondern Céline Deville, die einen ganz schwachen Tag erwischte.

Gleich das erste Tor der Däninnen ging auf Devilles Konto, die einen hohen Ball nicht festhalten konnte, sodass er weiter in Richtung Tor sprang. Deville rannte hinterher, wollte ihn wegschlagen, Cathrine Paaske-Sörensen war jedoch schneller und so stand es 1:0 für Dänemark. „Wir haben nervös begonnen, kamen aber immer besser ins Spiel“, erklärte Möller, der dennoch Unsicherheiten im dänischen Angriff sah. „Wir haben teilweise nicht schnell genug agiert – aber wir sind noch in der Vorbereitung.“

Das Spiel gegen Frankreich dürfte dabei einiges für das Selbstbewusstsein getan haben, denn auch wenn Dänemark selbst nicht den besten Fußball zeigte, hatten sie den Gegner voll im Griff. Das merkten auch die Französinnen und je weiter das Spiel voranschritt und je unwahrscheinlicher ein eigener Treffer war, desto mehr drehte die „Équipe Tricolore“ durch. Foulspiele und Gemecker wurden sinnbildlich für die französischen Aktionen. Als Spiel konnte man den Auftritt nicht mehr bezeichnen, das vergaßen die Blauen zwischen ihren hitzigen Debatten mit Schiedsrichterin Anna de Toni. Jede ihrer Entscheidungen wurde kritisiert.


Julie Rydahl Bukh, Elise Bussaglia

In der Regel war es genau andersrum und die Däninnen um Julie Rydahl Bukh (r.) waren in allen Belangen einen Schritt schneller.

Das einzige, was man de Toni jedoch vorwerfen konnte, war, dass sie gegen Frankreichs Aktionen und Gemecker nicht härter durchgegriffen hat. Ein böses „Es ist genug!“ nach dem anderen warf sie Frankreich – an der Spitze Sonia Bompastor – entgegen und ließ viele typisch italienische „Basta!“ folgen, wenn doch noch Widerspruch folgte. Ausrichten konnte sie gegen Bompastor nicht viel - sie wollte halt nicht verstehen, dass man den Ellenbogen nicht zur Hilfe nehmen darf.

Dass das Spiel durch Brétigny, Ramos und Petit Franco mit drei Youngstern in der Startelf völlig überladen war und nicht funktionierte, sah auch Bini in der Halbzeit ein und brachte mit Lattaf, Tonazzi und Bussaglia erfahrenere Kräfte ins Spiel. Was der neue Trainer jedoch nicht realisierte war, dass Ludivine Diguelman im defensiven Mittelfeld – hier fast Abwehr – völlig fehl am Platz war. Die offensive Mittelfeldspielerin aus Montpellier ist immer für wichtige Tore gut, auf ihrer zugewiesenen Position jedoch naturgemäß restlos überfordert. Sinnbildlich dafür war das 0:2: Deville forderte den Rückpass, Diguelman und Laure Lepailleur wollten dem jedoch nicht nachkommen, hatten aber anscheinend auch keine bessere Lösung. Sie schauten auf den Ball, spielten ihn aber nicht und so schlich sich Maiken With Pape an, die keinen komplizierten Spielzug machen musste. Ein einfaches Antippen des Balls reichte, um ihn ins Tor zu befördern – der Überraschungseffekt war einfach zu groß.

Camille Abily, Katrine S. Pedersen

Auch wenn Camille Abily (r.) Katrine Pedersen zum ratlosen Hinterherschauen zwingt, war das Spiel der französischen Mittelfeldregisseurin ideenlos, zu verspielt und ineffektiv.

„Wir haben dem Gegner zwei Tore geschenkt“, resümierte Bini, „dann ist es unmöglich, zu gewinnen.“ So treffend diese Analyse ist, so groß ist der Unterschied zwischen einem durch zwei Fehler verlorenen Spiel und diesem Auftritt seiner Mannschaft. Dass die Französinnen nicht zu den Nervenstärksten gehören, ist bekannt. Aber egal, wie sie in der Vergangenheit auftraten, kennzeichnend war Teamplay und Einsatz für einander. Davon war hier nichts zu sehen. Die Mannschaft spielte, als habe sie sich im Leben noch nicht gesehen. Die überraschende und unverständliche Aufstellung hat mit


Sicherheit dazu beigetragen, aber vor fairem Einsatz und dem Spiel als Team hält sie nicht ab.

Selbst Kenneth Heiner Möller konnte nicht abstreiten, dass Frankreichs Verhalten seinen Teil zum deutlichen Ergebnis beigetragen hat, betonte jedoch, dass „wir Frankreich überhaupt so nervös gemacht haben.“ Es waren die Däninnen, die auf dem Platz Fußball zeigten. Deville hangelte sich im französischen Tor von einer Unsicherheit zur anderen, auf der anderen Seite setzte sich Johanna M. Rasmussen nicht nur einmal auf der linken Angriffsseite durch. Innerhalb von nur drei Minuten enteilte sie sämtlichen Französinnen gleich drei Mal – Angriff Nummer zwei war in der 72. Minute erfolgreich. Eine Minute später krachte ihr Schuss an den Pfosten. Und während Frankreich nur noch motzend auf dem Platz stand, konnte Stine Kjaer Dimun in der 89. Minute unbedrängt in den Strafraum flanken. Merete Pedersen nahm das genaue Zuspiel dankend an und köpfte zum 4:0-Endstand ein.

Elodie Ramos

Bemüht aber wirkungslos: Das Wasser, in das Elodie Ramos von ihrem Trainer geworfen wurde, war zu kalt.

Frankreich

Deville, Georges,Viguier, Soubeyrand, Brétigny (46. Tonazzi) , Bompastor, Ramos (46. Elise Bussaglia), Abily (83. Thiney), Diguelman, Lepailleur, Petit Franco (46. Lattaf)

Dänemark

Johansen, Olsen, K. Pedersen, Andersen, B. Hansen, Paaske Sörensen, Bukh (67. Dimun), Pape (67. M. Pdersen), Nielsen, Rasmussen, L. Hansen (67. Larsen)

Tore:
0:1 Paaske Sörensen (30.)
0:2 Pape (66.)
0:3 Rasmussen (72.)
0:4 M. Pedersen (89.)

Gelbe Karten: Georges, Bompastor

Schiedsrichterin: Anna de Toni (Italien)


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