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Algarve Cup

Klarer Sieg durch zwei Minuten Geistesabwesenheit

USA - Frankreich 4:1 (1:0)

Bilder von Nora Kruse
Text von Jens Wolter

16.03.2006, Faro (Estadio Algarve)  
Zweimal 60 Sekunden, in denen die französische Abwehr den Gegner nicht richtig wahrzunehmen schien, be- scherten den Amerikanerinnen einen insgesamt mühelosen und hochverdienten Sieg, der endgültig den Einzug ins Finale des Algarve-Cups bedeutete.

Genau 34 Sekunden nach dem Anpfiff musste die französische Torfrau Sarah Bouhaddi den Ball bereits aus ihrem Netz holen. Vorausgegangen war ein Ballverlust der französischen Abwehr vor dem eigenen Strafraum, der dazu führte, dass Abby Wambach den Ball zu der freistehenden Kristine Lilly passen konnte, die dann keine Mühe hatte, Bouhaddi mit einem hohen Schuss zu überwinden. Etwa 10 Minuten brauchen die Französinnen danach, sich von dem Schock zu erholen, dem Druck der Amerikanerinnen etwas entgegen zu setzen und ins Spiel zu finden.

Aly Wagner

Aly Wagner schoss in der 21. Minute nur knapp am Tor vorbei

Die USA hatten dabei allerdings weiterhin die eindeutig zahlreicheren und gefährlicheren Tormöglichkeiten. So z. B. in der 19. Spielminute, als Bouhaddi vor der heranstürmenden Abby Wambach gerade noch ins Aus klären konnte, in der 21. Minute, als ein Schuss von Aly Wagner nur knapp rechts am Tor vorbeiging und in der 22. Minute, als wiederum Wambach aus spitzem Winkel nur ans Außennetz traf. Erst in der 27. und 29. Spielminute hatte Frankreich zwei nennenswerte Torchancen, die jedoch bei Torhüterin Hope Solo endeten.

In den nächsten Minuten stand dann wieder deren Gegenüber Sarah Bouhaddi im Mittelpunkt des Geschehens, so, als sie in der 33. Minute im Herauslaufen gegen Abby Wambach mit dieser einen Pressschlag ins Seitenaus produzierte und in der 35. Minute, als sie einen hohen Ball von rechts nicht richtig festhalten konnte. Diese Szene führte dann mit Verzögerung zu einiger Konfusion, denn die Schiedsrichterin hatte zunächst weiterspielen lassen und dabei übersehen, dass ihre Assistentin an der Linie eine Ecke angezeigt hatte. Diese Ecke wurde dann mit knapp einer Minute Verzögerung nachgeholt, der aus ihr resultierende Kopfball strich jedoch über das französische Tor hinweg. In der 38. Minute vollbrachte Bouhaddi ihre bis dahin vielleicht größte Tat, als sie mit einer Blitzreaktion einen platzierten Kopfball von Aly Wagner aus 3-4 Metern Entfernung gerade noch zur Ecke abwehren konnte. Den anschließenden Eckball köpften die Amerikanerinnen dann erneut über das Tor.

Das Spiel war erst gerade wieder angepfiffen worden und hatte durch einen Schuss von Marinette Pichon in der 47. Minute eine Chance zum Ausgleich ergeben, als ein Doppelschlag der Amerikanerinnen zum 2:0 und 3:0 für die Entscheidung sorgte. Die französische Abwehr hatte in der 49. Minute auf der rechten Seite einen Angriff abgefangen,

Kristin Lilly

Kristine Lilly, Spielführerin der USA, schoss ihr Team in ihrem 306. Länderspiel schon nach 34 Sekunden in Führung. Hier wird sie verfolgt von Sabrina Viguier

dabei jedoch quasi den Rückwärtsgang eingelegt und spielte den Ball nun entlang der Strafraumgrenze in Richtung Spielfeldmitte. Stürmerin Aly Wagner hatte keine Mühe, in dieses sorglose Querspiel, das von außen eher wie eine Vorlage wirkte, energisch hinein zu stoßen und den Ball zum 2:0 im Tor zu versenken. Offenbar noch völlig betäubt von diesem katastrophalen Fehler, ließ die französische Abwehr keine 60 Sekunden später ohne jede Gegenwehr Lindsay Tarpley völlig freistehend den nächsten US-Angriff über links zum 3:0 vollenden (50.).

Erneut Wagner war es dann, die in der 53. Minute auf Zuspiel von Wambach die Möglichkeit hatte, auf 4:0 zu erhöhen, jedoch Bouhaddi auf dem Posten fand. Glück für Frankreich dann in der 58. Minute, als Bouhaddi sich im Herauslaufen verschätzte, der amerikanische Heber jedoch über das Tor ging.

Marinette Pichon

Marinette Pichon, Frankreichs beste Stürmerin, konnte das Blatt auch nicht wenden

Mitten in weitere amerikanische Angriffsbemühungen hinein platzte dann in der 64. Minute der Anschlusstreffer zum 3:1 durch Hoda Lattaf und nur drei Minuten später kam es erneut zu einer gefährlichen Situation für das amerikanische Gehäuse, als Hope Solo beim Herauslaufen an der linken Strafraumgrenze überlaufen wurde und die hohe Hereingabe von einer Abwehrspielerin gerade noch über das leere Tor geköpft wurde.

In der 68. Minute mussten die Französinnen jedoch ihre Hoffnungen auf einen günstigeren Spielausgang begraben, als Sandrine Soubeyrand, die bereits mehrfach ermahnt worden war, nach einer gelb-roten Karte das Feld verlassen musste. Die 10 verbliebenen Französinnen mussten in der 76. Minute noch das 4:1 hinnehmen, als Natasha Kai mit einem Steilpass in den Strafraum geschickt wurde, die


rechtzeitig herausstürzende Bouhaddi den Ball nicht festhalten konnte und Kai nervenstark das Leder zurückeroberte und vollendete.

Teamfoto USA

Das Team der USA vor dem Spiel:
Oben von links: Kristine Lilly, Hope Solo, Tina Frimpong, Aly Wagner, Abby Wambach, Stephanie Lopez. Unten von links: Heather Mitts, Cat Whitehill, Lindsay Tarpley, Heather O’Reilly, Shannon Boxx

Elisabeth Loisel:

„Das heutige Spiel war für meine Mannschaft zu schwierig. Wir hatten schon körperlich nicht die Möglichkeiten, mit den Amerikanerinnen mitzuhalten. Die Tore kamen dann auch noch zu denkbar ungünstigen Zeitpunkten, wenngleich das allererste keinen Schock bei meiner Mannschaft ausgelöst hat. Wir hatten in der ersten Halbzeit noch die Chance zum Ausgleich, aber nach dem Doppelschlag zu Beginn der zweiten Halbzeit war das Spiel für uns gelaufen. Die Amerikanerinnen haben völlig verdient gewonnen, für uns war hier nichts zu holen.“

Aufstellungen:

USA:

Solo – Mitts (61. Rampone), Whitehill, Frimpong, Lopez – Boxx (77. Osborne), Wagner (68. Miller), Lilly (79. Rodriguez) – Tarpley (56. Lloyd), O`Reilly (73. Kai), Wambach

Frankreich:

Bouhaddi – Provost, Georges, Viguier (84. Blanc), Dusang (46. Lepailleur) – Soubeyrand, Bompastor, Abily (46. Lattaf), Bussaglia (61. Necib) – Pichon (72. Diguelman), Tonazzi

Tore:
1:0 Lilly (1.)
2:0 Wagner (49.)
3:0 Tarpley (50.)
3:1 Lattaf (64.)
4:1 Kai (76.)

Schiedsrichterin: Jenny Palmqvist (Schweden)

Zuschauer: 150

Karten:
gelb: Lepailleur (78.)
gelb-rot: Soubeyrand (68.)
rot: ---


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