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Algarve Cup, Finale

Deutsche Elf mit der Glücksgöttin im Bunde

Deutschland - USA 4:3 n.E. (0:0) n.V.

Bilder von Nora Kruse
Text von Jens Wolter

17.03.2006, Faro  
Eine überragende Silke Rottenberg und eine gehörige Portion Glück verhalfen der deutschen Mannschaft bei ihrer dritten Teilnahme am Algarve-Cup zum ersten Turniersieg.

Die Mannschaft der USA ließ von Beginn an keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie ihre guten Turnierleistungen mit dem vierten Turniersieg in Folge krönen wollte. Bereits in der 2. Spielminute ergab sich für die USA nach einem Stellungsfehler in der deutschen Abwehr die Möglichkeit zum Führungstreffer, aber Aly Wagner zog den Ball weit am Tor vorbei.

Birgit Prinz und Heather Mitts

Deutschlands Spielführerin Birgit Prinz hatte es schwer gegen Heather Mitts

Die beiden ersten Eckstöße für beide Mannschaften in der 9. bzw. 12. Minute endeten in den Armen der jeweiligen Torhüterin. In der 16. Minute ergab sich nahezu eine Wiederholung der Situation aus der 2. Spielminute: Ballverlust der deutschen Abwehr und erneut zielte Wagner vorbei, diesmal allerdings nur sehr knapp.

Annike Krahn, Abby Wambach

Eine Abby Wambach komplett auszuschalten, ist praktisch unmöglich, doch Annike Krahn machte ihre Sache sehr gut und bewies erneut, dass man auch in der A-Nationalmannschaft auf sie zählen kann.

Es dauerte bis zur 20. Minute, als die Deutschen durch Conny Pohlers ihren ersten Torschuss verbuchen konnten, der jedoch für Hope Solo keine Gefahr bedeutete.

Die Viertelstunde vor der Pause ging voll an die Amerikanerinnen und es war aus deutscher Sicht ein kleines Wunder, dass es zur Halbzeit noch immer 0:0 stand: In der 30. Minute hämmerte wiederum Aly Wagner den Ball nur an den Pfosten und in der 34. Minute trafen die US-Girls nur die Latte des deutschen Tores. Dramatisch dann auch die 43. und 44. Minute, als die deutsche Abwehr sich einer Folge von amerikanischen Torchancen – u. a. aus einem Eckball – nur mit Mühe und Not überstand.

Melanie Behringer, Christie Rampone

Melanie Behringer im Zweikampf mit Christie Rampone

Die Überlegenheit der Amerikanerinnen setzte sich in der zweiten Halbzeit nahtlos fort. Gleich in der 47. Minute konnte Silke Rottenberg gerade noch vor Kristine Lilly zur Ecke retten. In der 55. Minute eine erneute Glanztat von Rottenberg, als sie mit einer Flugparade die deutsche

Deutsches Team

Krönender Abschluss eines großen Turniers! Großer Jubel beim deutschen Team, nachdem Petra Wimbersky den entscheidenden Elfmeter versenkt hatte. Von links: Kerstin Stegemann, Steffi Jones, Conny Pohlers, Sonja Fuss knuddelt Wimbersky, und Celia Okoyino da Mbabi

Mannschaft vor dem drohenden Rückstand bewahrte.

Zwar konnten sich die deutschen Spielerinnen im Verlauf der zweiten Halbzeit etwas besser in Szene setzen, ihre Angriffsbemühungen blieben jedoch Stückwerk. Gegen das Pressing, das Stellungsspiel und das souveräne Zweikampfverhalten der Amerikanerinnen fand das deutsche Team kein wirksames Gegenmittel.

Silke Rottenberg

Silke Rottenberg bewahrte Deutschland mehr als einmal mit guten Reflexen und Paraden vor einem Rückstand. Schließlich hielt sie beim Elfmeterschießen entscheidend gegen Shannon Boxx

Die wenigen Torgelegenheiten, die sich für Deutschland ergaben, wurden meist überhastet vergeben oder waren zu schlecht gezielt, um das Tor von Hope Solo wirklich in Gefahr zu bringen. Darüber hinaus blieben die amerikanischen Angriffe jederzeit brandgefährlich, so z. B. in der 74. Minute, als die deutsche Defensivabteilung wieder erst in letzter Sekunde einen Vorstoß von Abby Wambach abwehren konnte. Wieder war es dann Silke Rottenberg vorbehalten, das Unentschieden über die Zeit zu retten, als sie in der zweiten Minute der Nachspielzeit einen fulminanten Schuss von Kristine Lilly gerade noch um den Pfosten drehen konnte.

Silke Rottenberg, Natasha Kai

Hier rettet Silke Rottenberg vor Natasha Kai

Auch die Verlängerung brachte keine Entscheidung, obwohl beide Mannschaften Gelegenheiten hatten, den Führungstreffer zu erzielen. Auf deutscher Seite taten sich dabei die beiden bereits in der zweiten Hälfte der regulären Spielzeit eingewechselten Mittelfeldspielerinnen hervor. Zunächst war es Melanie Behringer, die in der 94. Minute einen direkten Freistoß auf das amerikanische Tor brachte. Nur eine Minute später war es dann Célia Okoyino da Mbabi, die Hope Solo zu einer ähnlichen Parade zwang, wie Silke Rottenberg sie in der Nachspielzeit vollbracht hatte.

Unerfreuliche Dramatik dann in den beiden letzten Spielminuten der Verlängerung, als Stürmerin Natasha Kai plötzlich weitab vom aktuellen Geschehen auf dem Rasen lag und mit einer Trage vom Spielfeld gebracht werden musste.

Sandra Minnert, Abby Wambach

Sandra Minnert am Boden und Abby Wambach darüber. Am Ende konnte Minnert lachen und Wambach knallte ihren Elfer an die Latte

Letztendlich brachte dann das Elfmeterschiessen, bei dem Silke Rottenberg ihre phantastische Gesamtleistung mit dem gehaltenen Elfer von Shannon Boxx krönen konnte, eine Entscheidung zugunsten der deutschen Mannschaft. Möglicherweise ist es psychologisch bezeichnend, dass hierbei die Führungsspielerinnen beider Seiten, auf denen natürlich gewaltiger Erwartungsdruck lastete, ihre Elfmeter nicht verwandeln konnten.

Unter dem Strich betrachtet war es ein sehr glücklicher Erfolg für die deutsche Mannschaft, die sich angesichts der Leistung und Chancenverteilung nicht hätte beschweren dürfen, wenn sie dies Finale in der regulären Spielzeit mit drei oder vier Toren Unterschied verloren hätte.

Aufstellungen:

Deutschland:

Rottenberg – Stegemann, Krahn, Jones, Minnert (116. Fuss) – Carlson (58. da Mbabi), Garefrekes, Pohlers, Wimbersky – Mittag (65. Behringer), Prinz

USA:

Solo – Mitts, Rampone, Whitehill, Lepeilbet – Boxx, Wagner, Lloyd (68. Tarpley / 102. Miller), Lilly – O´Reilly (70. Kai / 120. Rodriguez), Wambach

Tore: ---

Elfmeterschießen:

0:1 Wagner
1:1 Behringer
--- Boxx (gehalten)
2:1 Pohlers
2:2 Whitehill
--- Prinz (verschossen) --- Wambach (verschossen)
3:2 da Mbabi
3:3 Lilly
4:3 Wimbersky

Schiedsrichterin: Tammy Ogston (Australien)

Zuschauer: 750

Karten:
gelb: Mitts (25.), Wambach (55.)
gelb-rot: ---
rot: ---


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