Algarve Cup 2006
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Algarve Cup 2006

The Same Procedure As Every Year…

Ein Ausblick auf das Turnier des Jahres

Von Nora Kruse

02.03.2006

Jedes Jahr im März ist es wieder soweit... der Algarve Cup in Portugal steht auf dem Programm. Zwölf Mannschaften (dieses Jahr jedoch nur elf) versammeln sich in einem Land, in dem Frauenfußball eine eher untergeordnete Rolle spielt, und kicken vor leeren Rängen. Zwei Sätze, die die Situation des Frauenfußballs auf der sonst fußballbegeisterten iberischen Halbinsel recht gut auf den Punkt bringen. Kennt man sich jedoch nur ein klein wenig aus, so weiß man, dass diese Situation und der dort gebotene Fußball im krassen Gegensatz zueinander stehen...

1994 reisten die Nationen – damals nur sechs, verteilt auf zwei Gruppen – erstmals an die portugiesische Südküste. Wie für diese Zeit üblich, standen sich die USA und Norwegen im Endspiel gegenüber, Ann Kristin Aarønes sorgte in der 84. Minute für den norwegischen Siegtreffer. Diesem Triumph folgten noch weitere drei für die Nordländerinnen, die das Turnier in den 90er Jahren beherrschten – mittlerweile ist der letzte Sieg allerdings acht Jahre her und die USA haben gleichgezogen.
Bereits ein Jahr später wurde das Teilnehmerfeld auf acht Mannschaften erhöht, das heutige System mit insgesamt zwölf Mannschaften in drei Gruppen besteht erst seit 2002 – dem Jahr, als Deutschland zum ersten Mal teilnahm. Abgeschlossen werden konnte das Turnier auf Rang vier. Im Platzierungsspiel verlor man, exakt ein halbes Jahr nachdem Claudia Müller den Schwedinnen das erste Golden Goal im deutsch-schwedischen Duell ins Netz geschossen hatte, gegen eben diese „Svenska Elva“.



Ein Stadion, das für das Ziel der Gruppen A und B steht: Turniersieg! Wer hier am 15. März spielt, hat gute Chancen.

Foto: Beate Wolter

Das Spielsystem mit drei Gruppen zu je vier Mannschaften hat sich etabliert. In den Gruppen A und B spielen die hochkarätigen Mannschaften, die auch den Sieg unter sich ausmachen: im Finale stehen sich die Gruppensieger gegenüber. Die dritte Gruppe besteht aus Mannschaften, die in der internationalen Spitze noch nicht auf sich aufmerksam machen konnten, beim Algarve Cup jedoch die Möglichkeit haben, sich auf hohem internationalen Niveau zu messen: Die ersten Beiden dieser Gruppe treffen auf die jeweils letzten der Top-Gruppe.

Wer diese beiden Gruppenletzten sein werden, ist angesichts des wieder hochkarätig besetzten Turniers schwer zu sagen.
In Gruppe A trifft Deutschland auf die geballte skandinavische Power, bestehend aus Norwegen, Schweden und Finnland. Schaut man auf die Weltrangliste, scheint klar, dass Finnland am Ende auch am Ende landen wird – doch die Europameisterschaft sollte uns gezeigt haben, dass Finnland mittlerweile mehr als nur bei der Spitze anklopft.

Die Schwedinnen reisen mit einer routinierten Truppe nach Portugal. Rekordnationalspielerin im Aufgebot ist Victoria Svensson, die 117 Länderspiele auf dem Buckel hat. Mit Hanna Ljungberg, Karolina Westberg und Malin Moström haben weitere drei Spielerinnen den Club der Hunderter erreicht. Für den neuen Nationaltrainer Thomas Dennerby heißt es nach den zwei Jahren der Stagnation, das erfahrene Team mit neuen Spielerinnen anzureichern. Vier von ihnen haben noch keine zehn Länderspiele absolviert, es bleibt also abzuwarten, wie gut sie sich integrieren können.


Nach der Vize-Weltmeisterschaft 2003 wurde es etwas stiller um Schweden - so möchten sie endlich wieder einmal jubeln...

Foto: Beate Wolter
Ein harter Gegner dürfte für das deutsche Team die Mannschaft aus Norwegen werden. Nach den eher enttäuschenden Jahren zwischen 2001 und 2005 haben sich die Norwegerinnen mit dem Vize-Europameistertitel im vergangenen Jahr zurückgemeldet und dabei gezeigt, dass sie eine Truppe zusammengestellt haben, in denen die Mischung aus Leitwölfen, wie Bente Nordby oder Ane Stangeland, und „jungen Wilden“, wie Isabell Herlovsen - in Portugal allerdings nicht dabei - oder Lise Klaveness, stimmt. Solveig Gulbrandsen wird dieses Jahr nicht von der Partie sein, da sie Mutterfreuden entgegen sieht.

Es bleibt abzuwarten, wie sich das deutsche Team gegen die Skandinavierinnen behaupten kann. Die Mannschaft von Silvia Neid reist, abgesehen von Ariane Hingst und Inka Grings, in Bestbesetzung an.
Mit der Niederlage gegen China am 1. März ging die Generalprobe schief, aber am Theater ist dies bekanntlich ein gutes Omen, und auch Silvia Neid sah sich nicht zurückgeworfen. „Ich mag das gerne, wenn man vor einem Event verliert, dann weiß man, wo man steht und woran man arbeiten muss.“ Darin sollte auch das Hauptaugenmerk für dieses Turnier liegen. Bis zur nächsten Weltmeisterschaft sind noch über anderthalb Jahre Zeit. Diese sollte genutzt werden, um jungen Spielerinnen, wie Celia Okoyino Da Mbabi, Annike Krahn oder Babett Peter, Zeit zu geben, sich im Nationalteam zu integrieren, um den richtigen Weg nach China einzuschlagen.



Norwegen, hier Ane Stangeland (l.), gegen Deutschland mit Birgit Prinz - ein Spiel, welches das Highlight des Turniers werden könnte.

Foto: Beate Wolter

Sollte Deutschland die Skandinavierinnen hinter sich lassen, stoßen sie auf den Sieger der Gruppe B, im letzten Jahr die USA, ein Land, das seit Jahren den Frauenfußball beherrscht und bewundernswerter Weise seit der Pleite der Profiliga ohne wirkliche Liga auskommt – der Klasse der Mannschaft schadet es durch diverse Auslandswechsel und das (sportlich gesehen) beeindruckende College-System nicht. Die Chancen für die USA, auch dieses Jahr wieder alle Gegner hinter sich zu lassen, sind gut.
Mit Frankreich tritt eine Mannschaft auf, die bei der Europameisterschaft zwar einen technisch schönen Fußball gespielt und mit Sandrine Soubeyrand,
Hoda Lattaf oder Marinette Pichon wirkliche Ausnahmefußballerinnen im Kader hat – aber der ganz große Wurf gelang noch nie. Bei Großereignissen sind die Französinnen traditionell mit dabei, über die Gruppenphase hinaus kamen sie bisher noch nie.
Ähnlich sieht die Situation bei den Däninnen aus. Im letzten Jahr wurde die Mannschaft vom eigenen Trainer in den höchsten Tönen gelobt, weil man den besten Fußball aller Zeiten spiele – bei der EM wurde dann aber dennoch bereits nach der Vorrunde Abschied genommen. Zwei Mannschaften also, die beweisen wollen, dass der Aufwind, der ihnen schon so lange nachgesagt wird, auch wirklich in die Tat umgesetzt werden kann.



Jetzt darf Sun Wen nicht mehr nur noch schauen und warten - seit diesem Jahr steht die 32jährige Ausnahmefußballerin wieder auf dem Platz.

Foto: Nora Kruse

Dass man in China dagegen wieder von einem Aufwind spricht, ist der Wunsch des nächsten WM-Gastgebers. Nach der Vize-Weltmeisterschaft 1999 ging es für die technisch so versierten Chinesinnen in ein unscheinbares Mittelmaß, in fünf Jahren wurden fünf Trainer „verschlissen“ und sogar Ausnahmefußballerin Sun Wen hat ihre Fußballschuhe wieder vom Nagel geholt und geschnürt. Gegen Deutschland haben sie am 1. März gezeigt, dass sie – ohne dabei spielerisch zu überzeugen – mithalten und einen Sieg nach Hause tragen können – jetzt muss dies nur noch in einem ganzen Turnier erbracht werden.

Immer etwas schwer zu berechnen ist die Gruppe C, in der die Mannschaften noch nie groß auf sich aufmerksam machen konnten. Am stärksten dürfte Mexiko einzuschätzen sein, bei Gastgeber Portugal ist die Entwicklung, so sie denn in einem Land, in dem nicht eingesehen wird, warum Frauen überhaupt Fußball spielen müssen, vorhanden ist, eher schleichend. Der Gastgeber ist traditionell dabei, auf sich aufmerksam machen konnte er dabei noch nicht. Ähnliches gilt für Irland. Die Frauen von der grünen Insel waren noch nie für eine Europa- oder Weltmeisterschaft qualifiziert – wie für alle drei Mannschaften (in diesem Jahr wird es keine vierte geben) daher eine gute Möglichkeit, das eigene Können zunächst gegen mehr oder weniger ebenbürtige Gegner, und schließlich gegen einen der Großen, unter Beweis zu stellen.

Spielplan

Die Aufgebote der Teams

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