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Norddeutsche B-Juniorinnen-Meisterschaft, EndspielMühevoller SiegHolstein Kiel - Hamburger SV 2:1 (0:0) | ||
Text und Bilder von Fuxi09.06.2008 Vor dem Finale der norddeutschen B-Juniorinnen-Meisterschaft war beim Gast Understatement angesagt. Niemand hätte vor der Saison gedacht, dass die HSV-Mädchen überhaupt so weit kommen würden. Nach der "Flucht" eines Großteils der Vorjahresmannschaft zum TSV Nahe, dem inzwischen dort wieder geschassten Trainer Justus Vahlbruch folgend, bestand dieses Team aus dem jüngeren Jahrgang. Marigona Agushi und Christina Wilkens waren die Verbliebenen in diesem Finale, und neben ihnen waren nur zwei weitere Spielerinnen nicht aus dem Jahrgang 1993. In diesem Endspiel waren sie der Underdog, wähnten sich deswegen aber noch lange nicht chancenlos. Favorit Holstein Kiel hatte im Halbfinale in der Verlängerung den SV Werder Bremen mit 1:0 besiegt, der HSV 3:1 bei Heidekraut Andervenne aus Niedersachsen gesiegt. Die Hamburgerinnen hatten schon vor dem Spiel zu kämpfen. Mit Anika Krebs fehlte eine Akteurin, weitere waren angeschlagen. Aber Thorsten Wenzel und Sabine Gercken verzichteten bewusst auf Zweitligaverstärkungen wie Torfrau Almuth Schult und Johanna Stutzke, bildeten ein Team aus denen, die diesen Erfolg geschafft hatten. Vor Torhüterin Franziska Köhler standen zwei Ketten: Ann-Christin Jonaß, Sabrina Mitrovic, Nadine Moelter und Christina Wilkens in der Abwehr, sowie Lara Wolff, Angela Ahrens, Marigona Agushi und Miriam Erhorn im Mittelfeld. Das Sturmduo bestand aus Carrie Gattke und Claudia Pinto, die mit Nackenproblemen kämpfte. Bei Holstein Kiel fehlten Zweitliga-Akteurin Christina Krause und die für dieses Endspiel zu jungen Julia Kibbel, Marie Becker und Solveig Petersen. Trainer Bernd Begunk setzte auf das gleiche System wie gegen Werder mit Victoria Bendt im Tor und einer Viererkette mit Louisa Brauer, Lina Beese, Zweitliga-Leihgabe Lena Schrum und Annika Thode. Davor im Mittelfeld Nele Grzenkowitz, Annika Bahr, Carolin Schuhmann und Louisa Nöhr als Kette. Als spielgestaltende hängende Spitze: Sarah Begunk hinter Seda Heinrich, beide mit je 23 Treffern in der Saison erfolgreich. ![]() Holsteins Annika Thode auf der Suche nach einer Anspielstation Der Platz im Stadion Waldwiese, in dem Holstein auch seine Frauen-Zweitliga-Spiele austrug, war der Bedeutung dieses Spiels nicht würdig: Er bestand mehr aus Sand und Erde denn aus Gras, und das Gros der verbliebenen Halme war in den letzten Wochen in der Sonne verbrannt und vertrocknet. Und auch der Zuschauerbereich des Stadions, dessen Inhaber der VfB Kiel war, stammt seinem "Charme" nach eher aus Vorkriegszeiten - vor dem ERSTEN Weltkrieg, wohlgemerkt. Folglich war ein Spiel zu erwarten, indem nicht die Technik den Ausschlag geben würde. Der HSV ging abwartend bis passiv in die Partie, und Holstein konnte sich zunächst wenige Vorteile erspielen. Nach acht Minuten prüfte Begunk nach Ablage von Heinrich HSV-Keeperin Köhler aus der Distanz, aber die stand sicher. Auf der Gegenseite konterte der HSV. Wolff führte den Ball halblinks durchs Mittelfeld und bediente dann Pinto steil. Die aber wurde von Kiels Schlussfrau Bendt am Torschuss gehindert (9.). Kiel kopierte diese Szene postwendend. Begunk gewann einen Zweikampf mit Moelter und passte dann steil auf Heinrich, die den Ball zu lang an Köhler vorbei legte (11.). Die Hamburgerinnen kombinierten in der gegnerischen Hälfte ganz gefällig, zeigten flüssige und ideenreiche Kombinationen und ließen defensiv wenig zu. Gleiches galt für die Holstein-Fohlen, wodurch ein in der Summe ausgeglichenes Spiel entstand. ![]() Offensiv hatte der HSV es nicht einfach. Hier wird Marigona Agushi (Nr. 9) gestoppt Chancen hatte der HSV zumeist aber aus Standards. Nach Ecke von Wilkens probierte es Agushi aus der Drehung, und eine Kielerin lenkte den Ball über das Tor ab. |
Beim Abpfiff kannte der Kieler Jubel kein Halten. Im dritten Anlauf gelang der Einzug in die Zwischenrunde zur Deutschen Meisterschaft in Neu-Isenburg. Die Mittel allerdings in den letzten 15 Minuten waren mindestens "diskutabel" | |
Dann erhielt der HSV einen Freistoß halbrechts, den Moelter für Agushi auflegte, aber Bendt war im bedrohten Eck zur Stelle (19.). Fünf Minuten später probierte sie es wieder aus ähnlicher Position, und wieder war Bendt da. Dann musste Kiel schon nach 24 Minuten wechseln: Für Carolin Schuhmann, Jahrgang 94, kam Jana Metzger ins Spiel. Und auch ihre Mannschaft fand nach einer Schwächephase wieder ins Spiel zurück. Heinrich zog, verfolgt von Wilkens, solo in den Strafraum und zum Fünfmeterraum, konnte dann aber noch entscheidend gestört werden, so dass HSV-Keeperin Köhler den Ball halten konnte (29.). Nach Ablage Heinrichs probierte es Grzenkowitz aus der Distanz, aber der Ball endete erneut bei der Schlussfrau, wie auch eine weitere Minute später, als Moelter einen Schuss von Heinrich entscheidend abfälschte und somit entschärfte (31.). Der HSV stand vor allem im defensiven Mittelfeld zeitweise ungeordnet, ließ Holstein dort zu viel Raum. In Strafraumnähe tat sich das Team aus der Landeshauptstadt Schleswig-Holstein dann aber schwer. ![]() Und plötzlich führte der HSV: Marigona Agushi (Nr. 9) hat den Ball unter der verdutzten Victoria Bendt hindurch ins Netz gespitzelt Auch die Gäste wechselten noch vor der Pause. Für Stürmerin Carrie Gattke kam Joana Lamela ins Spiel. Eine Chance hatte Kiel noch. Nach Eckball von Begunk verpassten Freund und Feind, aber am zweiten Pfosten probierte es Grzenkowitz aus spitzem Winkel, konnte Köhler jedoch nicht überwinden (38.). Das 0:0 zur Pause ging in Ordnung. Beide Teams hatten ihre Stärken in der Offensive. Holstein war jedoch leicht überlegen, hielt sich den HSV-Angriff weitgehend vom Hals und hatte ein wenig höhere Spielanteile. Der HSV kämpfte, gestattete dem Favoriten relativ wenig. Wenn etwas ging, dann über die beiden besten Kielerinnen, Seda Heinrich und Sarah Begunk. Vor allem technisch wirkten diese beiden etwas versierter, waren von den Hamburgerinnen schwer in den Griff zu kriegen. ![]() Nach dem Tor hatte der HSV eine Drangphase. Zweitliga-Leihgabe Lena Schrum (Nr. 16) klärt hier vor Claudia Pinto (15) Holstein Kiel kam munterer aus der Pause, wollte jetzt den Führungstreffer. Und der HSV begann hinten etwas zu schwimmen. Aber wieder war für Heinrich nach einem Steilpass von Nöhr Endstation bei Köhler. Vor allem waren die Kieler gedanklich schneller und spritziger. Aber es sprang nichts Zählbares dabei heraus. Auch nicht, als Begunk einen Freistoß per Aufsetzer knapp neben den Kasten setzte (46.). Dann die erste Chance des HSV im zweiten Durchgang. Moelter brachte einen Freistoß von der linken Seite an den ersten Pfosten. Pinto kam nicht ran, weil Schrum dazwischen ging, doch die Kielerin köpfte quer zur Torlinie durch den Fünfmetrraum. Erhorn stand richtig, schob in die Mitte, und dort spitzelte Agushi den Ball zur allgemeinen Überraschung unter Bendt hindurch ins Tor - das 0:1 nach 48 Minuten. Es stellte das Spiel der bisherigen acht Minuten auf den Kopf. Direkt nach dem Tor kam Helena Weisbrod für Vorlagengeberin Miriam Erhorn ins Spiel. Der Führungstreffer verlieh den Gästen Schwung. Nach Agushis Ablage prüfte Lamela Bendt aus der Distanz (50.). Nach 10 Minuten schienen die Fördestädterinnen den Schock verdaut zu haben. Ein Freistoß von |
Thode ging knapp über das Tor. Sie setzten den HSV jetzt unter Druck. Die Partie gewann an Tempo. Der HSV stand zu tief, und mangels Befreiung gab es Möglichkeiten für Holstein. Zunächst schickte Nöhr Begunk links in den Strafraum, und deren kurzen Querpass wollte Heinrich aufs Tor ziehen, wurde aber abgeblockt. Nur Sekunden später bediente Metzger Heinrich mit einem langen Ball, und die schob den Ball an Köhler zum 1:1 ins Netz (66.). Das Spiel kippte jetzt zugunsten der Gastgeber. Einen gefählichen Rückpass von Moelter klärte Köhler zu kurz, Begunk bediente Heinrich mit einem Kopfball in den Strafraum, doch den Volleydrehschuss parierte Köhler sicher (67.). Kiel war jetzt am Drücker, aber auch unfair. ![]() Nach der Siegerehrung riefen die HSV-Coaches ihre enttäuschte Mannschaft nochmal im Schatten zusammen und lobten die kämpferische Leistung Bei einem Zweikampf am Hamburger Strafraum trat Torschützin Heinrich Wilkens in die Füße, ohne den Ball spielen zu können. Wilkens wurde fünf Minuten lang behandelt und kehrte, nicht mehr ganz rund laufend, zurück. Heinrich hatte damit allerdings die Weichen zum Sieg gestellt: In der 79. Minute kam die deutlich angeschlagene Christina Wilkens einem langen Kieler Ball nicht richtig hin, Heinrich konnte sie problemlos überlaufen und zum 2:1 einschieben. Doch damit nicht genug. In der 1. Minute der Nachspielzeit foulte Heinrich Wilkens erneut. Schiedsrichter Michaelis pfiff ab, und trotzdem schoss Heinrich der am Boden liegenden Hamburgerin den Ball aus 5 Metern mit voller Wucht ins Gesicht! Eine üble Szene, nach der Wilkens unter Schmerzen weinend den Platz verließ, während Heinrich eine 5-Minuten-Zeitstrafe erhielt. Aber für Kiel hatte sich diese Aktion gelohnt. Es war die letzte Szene eines über weite Strecken ansehnlichen, kämpferischen Spiels mit einem unrühmlichen Ende. Der Sieg für Kiel geht in Ordnung. In der zweiten Halbzeit verdauten sie den Rückstand und trafen, als dem HSV die Kräfte ausgingen und die Handicaps zunahmen. Den Gästen fehlten die Großchancen, um noch einmal zu antworten. Somit holte Holstein Kiel durch den Sieg gegen den zweiten großen Namen die Norddeutsche Meisterschaft und qualifizierte sich für die Zwischenrunde zur Deutschen Meisterschaft in Neu-Isenburg. Die Gegner dort sind gut beraten, auf Stürmerin Seda Heinrich zu achten, um ihr Tor zu schützen - und ihre Gesundheit.
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