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B-Juniorinnen-Meisterschaft, Zwischenrunde, Nord, 3. Spieltag

Gewonnen - und doch verloren

Hamburger SV - 1.FC Saarbrücken 2:0 (1:0)

Text und Bilder von Fuxi

30.5.2006   Spieltag drei der Zwischenrunde der Deutschen B-Juniorinnen-Meisterschaft versprach Spannung pur. In der altehrwürdigen Sportschule Malente, der Wiege der Weltmeister von 1974 und 1990, kam es zum Fernduell über 100 Meter. Bayern München führte nach 4:0 gegen den 1.FC Saarbrücken und 1:1 im direkten Vergleich gegen den HSV die Tabelle punktgleich mit den Hamburgerinnen an, die im ersten Spiel den Magdeburger FFC mit 2:1 geschlagen hatten. Und die Rothosen mussten nun auf Schützenhilfe des Nordost-Vize hoffen, um ins Finale einzuziehen. Aber sie mussten auch ihre eigenen Hausaufgaben erledigen. Durch waren sie auch noch nicht, denn immerhin konnte auch der 1.FC Saarbrücken noch selbst ins Finale kommen, wenn sie Hamburg schlugen und die Bayern gleichzeitig nicht gewannen. Beide Spiele fanden parallel statt, HSV gegen Saarbrücken oben auf dem Nebenplatz, Bayern gegen Magdeburg unten im Stadion.

Malente

Viele Fußballerbeine hat die Sportschule schon gesehen: Die Weltmeister Gerd Müller, Franz Beckenbauer, Berti Vogts, Günter Netzer, Lothar Matthäus, Andy Brehme, Jürgen Klinsmann, Rudi Völler, "Icke" Häßler zum Beispiel - und an diesem Wochenende weiblichen Nachwuchs wie Sinah Schmolzi (HSV), Julia Simic (Bayern München), Selina Wagner (1.FC Saarbrücken) und Stefanie Mücke (Magdeburger FFC)...

Der HSV hatte Unterstützung aus der Regionalligamannschaft bekommen: Torhüterin Jennifer Weber, Abwehrspielerin Vanessa Hamed und Mittelfeldspielerin Carina Wolfgramm waren von Claudia von Lanken freigestellt worden, um in Bad Malente-Gremsmühlen an diesem Wochenende für eine kleine Überraschung zu sorgen. Vor Torhüterin Jennifer Weber agierte eine Viererkette mit Jasmin Witting, Pajtesa Kameraj, Cornelia Wilken und Vanessa Hamed. Die Dreierreihe im Mittelfeld bestand aus Birka Edler, Regisseurin Edvina Gara und Marigona Agushi. Vor sollten drei Stürmerinnen für Tore sorgen: Links die bereits vom DFB gesichtete Sinah Schmolzi, rechts Carina Wolfgramm und in der Spitze Talent Annika Rode.

Der 1.FC Saarbrücken hielt ein 4-4-2 dagegen. Im Tor Sandra Metzger, davor Andrea Büch, Annika Müller, Caroline Kaiser und Nina Mittermüller. Die Raute im Mittelfeld setzte sich aus Vanessa Skradde, Lisa Poß, Selina Wagner und Zemira Talunzjic zusammen. Im Sturm hatten Jennifer Marozsan und Jacqueline de Bagger den Auftrag zum Abschluss.

Edvina Gara

Edvina Gara vom HSV (links) hat Lisa Poß aussteigen lassen und passt steil in die Spitze.

Der norddeutsche Meister startete besser in die Partie. Bereits nach zwei Minuten hätte es im Tor von Metzger klingeln können, wenn nicht müssen. Gara schickte Wolfgramm rechts steil in den Strafraum. Die Leihgabe setzte ihren Heber über die Keeperin hinweg nur an die Latte. Den Abpraller versuchte Rode einzuschieben, wurde dabei aber noch von Müller bedrängt, und so konnte Metzger den Ball fangen. Aber die Rothosen bestimmten das Spiel in der Anfangsphase.

Annika Rode, Jaqueline de Bagger, Gara, Witting, Marozsan

Hier kann sich Annika Rode vom HSV mal gegen Jaqueline de Bagger durchsetzen. Im Hintergrund sehen Gara, Witting (beide HSV) und Marozsan (Saarbrücken) staunend zu.

Begünstigt davon, dass Müller an einem Pass von Rode vorbei trat, kam Schmolzi in der 4. Minute in eine gute Schussposition, verzog aber überhastet. Es folgte eine Schrecksekunde für die Hamburgerinnen: Edler musste fünf Minuten lang draußen behandelt werden, war mit dem Handgelenk umgeknickt. Die Unterzahl überstand der HSV schadlos, und die Mittelfeldspielerin kam dann auch zurück. Kaum wieder da, durfte sie sehen, wie Schmolzi einen schönen Steilpass auf Wolfgramm spielte. Die kleine Außenstürmerin, die schon gegen Bayern München getroffen hatte,


Wagner, Skradde, Hamed, Wilken

Der Pass von Wagner (Nr. 10) Richtung Vanessa Skradde schafft es nicht an Regionalliga-Leihgabe Vanessa Hamed vom HSV (li.) vorbei. Im Hintergrund sichert Wilken ab.

entschied die 1-gegen-1-Situation für sich und schob zum verdienten 1:0 ein (13.).

Zu diesem Zeitpunkt durfte der HSV noch hoffen. Torjubel und Spione hinter der Hecke überlieferten den Spielstand, und zu diesem Zeitpunkt war Magdeburg gegen die Bayern vorn. Die Ernüchterung in Form des Ausgleiches kam aber schnell. Dennoch: Zu diesem Zeitpunkt wäre der HSV im Finale gewesen. Hoffen und Bangen. Derweil kamen die Saarländerinnen erstmals halbwegs gefährlich vor das gegnerische Tor. Wagner kam bis zum Strafraum durch, passte dann zurück in die Mitte, aber de Bagger brachte Weber mit ihrem Schuss nicht in Bedrängnis: Der Ball landete fünf Meter neben dem Tor. Dann aber wieder der HSV mit schnellem Spiel: Gara eroberte den Ball im Mittelfeld, setzte mit einem Steilpass Rode in Szene, deren Schuss aus halbrechter Position konnte Metzger jedoch parieren (20.). Die letzte Chance der 1. Halbzeit (die Spielzeit in der Zwischenrunde beträgt nur zweimal 30 Minuten) hatte der HSV kurz vor dem Seitenwechsel. Gara, die mit Dribblings und gutem Auge immer wieder auffiel, setzte rechts Wolfgramm in Szene. Bei deren flacher Hereingabe kamen Rode und Schmolzi allerdings zu spät. Es blieb zur Pause beim 1:0.

Maroszan, Witting, de Bagger

Vor den Augen von Jennifer Marozsan (Nr. 7) geht es zwischen Witting (Nr. 4) und de Bagger (Nr. 12) hart zur Sache.

Und diese Führung war auch verdient. Die Hanseatinnen spielten offensiv und bereiteten den Saarbrückerinnen massive Probleme gerade im Abwehrbereich. Viele Bälle kamen postwendend zurück. Und vorn taten sich die Blau-Weißen gegen eine aufmerksame Abwehr des Bundesliganachwuchses sehr schwer. Einzige Hiobsbotschaft für die Hamburgerinnen: Das Parallelspiel hatte vor dem HSV begonnen, ging nach dem Pausenpfiff des HSV-Spiels in die Halbzeit, und kurz vorher erzielten die Bayern das 2:1. Damit brauchten die Elbstädterinnen jetzt noch vier Tore für den Finaleinzug, wenn es hinter der Hecke so bliebe.

Zur zweiten Halbzeit blieb Agushi draußen, und es kam Katharina Reimers. Den zweiten Durchgang ging der 1.FC Saarbrücken nun etwas energischer an, ohne allerdings große Gefahr zu entwickeln, während das 2:2 vom Nebenplatz wieder Hoffnungen weckte, die jedoch durch das 3:2 für Bayern jäh enttäuscht wurden. Der HSV startete schwächer, aber die erste gelungene Aktion führte zur Entscheidung des Spiels: Die Rothosen hatten sich am Strafraum der Saarländerinnen festgesetzt, kamen nicht in Schussposition. Der Ball landete halblinks bei Edler. Nach kurzem Antritt spielte die Hamburgerin an die Strafraumgrenze zu Wolframm, die den Doppelpass vollendete. Umringt von staunenden Abwehrspielerinnen hatte sie noch Zeit, sich den Ball auf den rechten Fuß zu legen und ihn dann abgeklärt im langen Eck zu versenken (41.).

Annika Rode, Lisa Poß

HSV-Stürmerin Annika Rode (re.) kommt beim Abspiel von Lisa Poß zu spät.

Es begann die Wechselzeit. Beim HSV kam Karina Schneider für die ausgepumpte Sinah Schmolzi, bei Saarbrücken binnen einer Minute Janine Veith für Caroline Kaiser und Nora Glodow für Nina Mittermüller. zwischen den Saarbrücker Wechseln lag die Möglichkeit des HSV, auf 3:0 zu erhöhen und wieder in Reichweite der Münchnerinnen zu gelangen: Wolfgramms Heber an den Strafraum nahm Reimers, umringt, aber nicht gestört von zwei Gegenspielerinnen, an und schoss


aus der Drehung flach auf das lange Eck. Metzger konnte jedoch liegend abklatschen, und Veith klärte dann.

Wilken, Marozsan, Weber

HSV-Verteidigerin Cornelia Wilken kommt gegen Marozsan (Nr. 7) zu spät - aber Keeper Jenny Weber passt auf

Es waren weiter die Norddeutschen am Drücker. Hamed schloss ein Solo mit einem Linksschuss aus 25 Metern ab, den Metzger nun sicherer halten konnte (51.). Die einzige Chance des zweiten Durchgangs für die Saarbrückerinnen hatte Wagner. Marozsan jagte Witting auf dem rechten Flügel den Ball ab, flankte in die Mitte, aber Wagner brachte im Kopfballduell mit Kameraj nur einen schwachen Stoß zustande, den Weber sicher aufnehmen konnte (54.).

In den letzten fünf Minuten passierte nicht mehr viel. Das mag auch daran gelegen haben, dass mittlerweile das 4:2 für Bayern gefallen war und der HSV nun ein 7:0 zum Finaleinzug gebraucht hätte. Saarbrücken wechselte noch einmal, brachte Ivonne Neustädter für Zemira Talunzjic. In der Schlussminute wurde noch einmal Wolfgramm von Hamed angespielt. Die drehte sich am Strafraum um Büch, aber ihr wenig zwingender Schuss wurde von Metzger gehalten. Nur noch für die Statistik war der letzte Wechsel des HSV: Jennifer Torba kam für Cornelia Wilken, zehn Sekunden später war Schluss.

Der HSV kam zu einem dem Spielverlauf entsprechenden, ungefährdeten 2:0-Sieg. Auch wenn Saarbrücken in der zweiten Halbzeit etwas besser auftrat, reichte es nicht, um die Rothosen in Bedrängnis zu bringen. Sie waren schlichtweg zu harmlos. Die Hanseatinnen hatten mehr Spielanteile, verpasste jedoch das Herausspielen klarer Torchancen. Sein Manko hatte der Traditionsclub von der Elbe im Flügelspiel: Die Hereingaben kamen flach oder halbhoch und viel zu kurz. Das Erfolgsrezept des ersten Durchgangs mit Pässen in die Tiefe ging allerdings auch nicht mehr auf, weil der Gegner nun etwas defensiver organisiert stand. So ging dann auch Annika Rode, die von der Spielanlage her - wie Vereinskollegin Kathrin Patzke - von Pässen in die Tiefe und schnellem Antritt lebt, mangels Raum im weiteren Verlauf mehr ins Mittelfeld zurück. Am Ende war das 2:0 doch ein Sieg ohne Wert, und die Bayern feierten lautstark ihren Einzug ins Finale gegen Turbine Potsdam.

Sinah Schmolzi

HSV-Talent Sinah Schmolzi nach ihrer Auswechslung

Hamburger SV

Weber - Witting, P. Kameraj, Wilken (60. Torba), Hamed - Edler, Gara, Agushi (31. Reimers) - Schmolzi (42. Schneider), Rode, Wolfgramm

1. FC Saarbrücken

Metzger - A. Büch, A. Müller, Kaiser (44. Veith), Mittermüller (45. Glodow) - Skradde, Poß, Talunzjic (56. Neustädter), Wagner - Marozsan, de Bagger

Tore:
1:0 Wolfgramm (13.)
2:0 Edler (41.)

Karten: -

Schiedsrichter: Mirka Dalien (Süsel)

Zuschauer: 50


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