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Mädchenfußball

Nachwuchsspielerin im Portrait

Wie erlebt eine 17-jährige heute den Frauenfußball?

Text von Cathrin Ruppert
Bilder: privat

29.04.2008   Gerade kürzlich verkündete der DFB wieder mit Stolz neue Rekordzahlen. 1.002.605 Mädchen und Frauen spielen inzwischen unter dem Dach des DFB Fußball. Die deutschen Frauen wurden 2007 zum zweiten Mal in Folge Weltmeister. Viele Vorurteile von früher scheinen vom Tisch gefegt. Doch wir wollten es genauer wissen. Was erlebt ein fußballspielendes Mädchen, wenn die Menschen in ihrem Umfeld erfahren, das sie Fußball spielt? Wie werden fußballspielende Mädchen heute gefördert, welche Hindernisse gibt es noch zu überwinden? Die 17-jährige Cathrin Ruppert recherchierte hierzu und stellt als Beispiel ihre fußballspielende Schul- kameradin Elli Gruber vor:

„Wenn man Autogramme gibt, dann kommt man sich schon cool vor!” Als sie mit 13 Jahren bei der SGS Amberg mit dem Fußballspielen anfing, hat sich Elli Gruber (17) wohl nicht erhofft, dass ihre Autogramme einmal begehrt sein werden. Und selbst jetzt hat sie sich noch nicht ganz daran gewöhnt, auch wenn diese bei den Fans des SC Regensburg schon gefragt sind.

Um überhaupt Fußballspielen zu können, musste sie sich zunächst jedoch gegen ihre Mutter durchsetzen, die damals noch der Meinung war, dass Fußball spielen doch nichts für Mädchen sei. Einmal überzeugt, unterstützt sie ihre Tochter heute dafür umso mehr, fährt sie dreimal pro Woche ins gut 50 km entfernte Training zu ihrem jetzigen Verein nach Regensburg und ist auch bei ihren Spielen dabei. Auch die Mütter von Ellis Mitspielerinnen fahren ihre Töchter regelmäßig ins Training, sind bei jedem Spiel dabei und engagieren sich abseits des Spielfeldes für den Verein, zum Beispiel in dem sie bei jedem Heimspiel Kaffe und Kuchen verkaufen.

Elli Gruber

Elli Gruber in der Halle. An ihrer Schule organisierte Elli ein Spiel Lehrer gegen Schülerinnen, nachdem ein Lehrer behauptet hatte, Mädchen könnten sowieso nicht Fußball spielen

Doch auch die Väter sind für viele Mädchen ein wichtiger Begleiter. So auch für Elli, die selbst sagt, dass sie ihrem Vater viel zu verdanken hat. Er sah schon früh ihr Talent und ging so mit der damals 10-jährigen Elli mindestens einmal in der Woche auf den Bolzplatz. Auch heute sieht er sich noch jedes Spiel seiner Tochter an und unterstützt sie, ebenso wie ihre Mutter, wo er kann.

Elli musste also nur zuerst den Widerstand von zu Hause überwinden und zeigen, dass Fußballspielen sehr wohl auch Mädchensache ist. Für ihre jetzt 12jährige Schwester war das einfacher, da die Vorurteile ausgeräumt waren, und so folgte sie Elli auf den Fußballplatz und spielt inzwischen selbst beim TSV Kümmersbruck. Dennoch erlebt Elli es immer noch, dass sie sich für ihr Hobby rechtfertigen muss. Gerade Jungs behaupten, dass Mädchen doch nicht Fußball spielen können, wenn Elli ihnen sagt, dass sie spielt. Aber „anscheinend können sie es ja doch”, sagt Elli darauf mit einem Grinsen im Gesicht und zeigt sie erstmal, was sie kann, dann verstummt so ziemlich jeder Kritiker.

Ihr Können brachte Elli auch zu ihrem jetzigen Verein, dem SC Regensburg, was sie selbst als sehr großes Glück ansieht. Dort kämpft sie gerade noch in der B-Jugend gegen den Abstieg, nächstes Jahr möchte sie dann aber in der Frauenmannschaft des


Elli Gruber

Elli Gruber am Ball. Elli würde sich wünschen, dass häufiger mal Talentscouts die Spiele der Mädchen besuchen

SC Regensburg 2. Bundesliga spielen. „Das wird zwar dann noch stressiger, weil man dann schon einen Tag vor dem eigentlichen Spiel fährt”, sagt sie mit einem Achselzucken, „aber das geht schon.”
Stress hat sie auch jetzt schon genug. Schule und Fußball unter einen Hut zu bringen ist nicht immer ganz einfach, trotzdem steht für Elli fest, dass sie das Abitur machen wird und gelernt wird dafür dann eben auch mal im Auto.

Dass dem Frauenfußball (noch) die Attraktivität fehlt und dass vor allem noch viel mehr Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden muss, bestätigt auch Elli. Insbesondere durch Wecken des Medieninteresses, Werbung und zuschauerfreundlichere Anstoß- zeiten könne in diesem Bereich noch sehr viel verbessert werden. Wie viele andere, würde auch Elli gern mehr Frauenfußballspiele im Fernsehen verfolgen, aber „die Nationalmannschaft spielt ja immer irgendwann nachmittags.” Trotzdem verfolgt Elli, am liebsten natürlich live im Stadion, aber meistens über das Internet, sowohl die erste, als auch die zweite Bundesliga und auch in der Nationalmannschaft kennt sie sich aus. Dennoch schaut sie selbst eigentlich lieber den Männern beim Fußballspielen zu, denn „die spielen einfach schneller und attraktiver, aber das ist ja allgemein bekannt.”

Elli kämpft auch selber dafür, dass der Frauenfußball noch bekannter und vor allem beliebter wird. An unserer Schule (reine Mädchenschule) stellte sie mit ihren Klassenkameradinnen ein Benefizspiel Schülerinnen gegen Lehrer auf die Beine, nachdem ein Lehrer meinte, dass Frauen nicht Fußball spielen könnten. Die Halle war voll, die Stimmung gut und aufgrund der physischen Vorteile konnten die Lehrer letztlich das Spiel für sich gewinnen. Dennoch ist es Elli gelungen, bei vielen Schülerinnen das Interesse am Fußball zu wecken und der Plan für das nächste Match steht schon.

Sie selbst betrachtet insbesondere die Förderung und Unterstützung von jungen Mädchen und Frauen im Fußball als kritisch und noch nicht ausreichend. „Die Männer bekommen Millionen und die Frauen bringen doch die gleiche Leistung, aber Frauen werden oft wie Hobbyfußballer angesehen.” Und dass diese ihren Sport oft noch neben zusätzlichen Belastungen wie Schule, Studium oder Beruf ausüben (müssen), inzwischen aber auch sehr ansehnliche Leistungen bringen und trotzdem fast nichts dafür bekommen und stattdessen noch dazu oft belächelt werden, sieht Elli als große Ungerechtigkeit.

Zwar ist es für sie bis jetzt auch noch ein, wenn auch zeit- intensives, Hobby, trotzdem hofft sie Karriere im Fußball zu machen.


Die Nationalmannschaft wäre ihr größter Traum und auch als Spielerin für den FC Bayern München aufzulaufen, will Elli verwirklichen. Dass sie ganz selbstverständlich sagt, dass sie dann wohl in München nebenher studiert, zeigt aber auch wieder deutlich, dass die Förderung und Optimierung des Frauenfußballs in Deutschland noch lange nicht abgeschlossen ist, denn es wäre schon wünschenswert, dass sich auch Frauen wenigstens ein paar Jahre einmal ganz auf ihren Sport konzentrieren können.

Elli Gruber

Elli im Trikot des FC Bayern München. Noch ist es ein Fantrikot, doch Ellis Ziel ist es, irgendwann für den FC Bayern zu spielen

Elli Gruber erhofft sich, dass mehr Talentscouts zur Förderung von jungen Spielerinnen eingesetzt werden. „Die gibt es bei uns kaum oder gar nicht.”
Auch die WM 2011 in Deutschland sieht sie als große Chance für den FF. „Dass wie bei den Männer eine Euphorie durchs Land geht…” Auf die Frage, ob sie denn dann schon mitspielt, grinst sie und sagt etwas schüchtern: „Nee, ich glaub, das ist noch zu früh.”
Als ich dann auf ihr Vorbild Simone Laudehr verweise, die zufälligerweise im genau gleichen Verein gespielt hat, in dem Elli heute spielt (SC Regensburg), meint sie: „Die hatte einfach wahnsinnigen Dusel bei ihrer Entdeckung. Dass sie gut spielt und großes Talent hat, ist klar, aber da gibt es viele, die auf Grund der mangelnden Talentscouts dann leider nicht entdeckt werden.”

Mit der WM im eigenen Land wird es für Elli Gruber wohl noch nichts, aber ihren großen Traum für den FC Bayern München zu spielen, hat sie bis dahin vielleicht ja schon verwirklicht!
Und bis dahin kann sie sich ja noch im Autogramme schreiben für die Fans des SC Regensburg üben…


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