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Deutsche Meisterschaft der B-Juniorinnen

„Turbinchen” im Endspiel

Zwischenrunde, Gruppe A

Text von Matthias Behlert
Bilder von Nico Schinkel

10.06.2009   Von Freitag, den 5. Juni bis Sonntag, den 7. Juni 2009 fand im Sportforum Hohenschönhausen in Berlin die Zwischenrunde der Gruppe A um die Deutsche Meisterschaft der B-Juniorinnen (U17) statt. Qualifiziert hatten sich als Gruppensieger ihrer jeweiligen Regionalverbände FC Bayern München, SG Wattenscheid 09, 1. FC Saarbrücken und 1. FFC Turbine Potsdam. Alle Spiele mit Ausnahme einer zeitgleichen Begegnung am letzten Spieltag wurden im Stadion des Berliner Fußballclubs Dynamo am Weißenseer Weg ausgetragen. Gespielt wurde jeweils zweimal 30 Minuten.

05.06.09, 17.00 Uhr:
SG Wattenscheid 09 – 1. FFC Turbine Potsdam 0:1 (0:0)

Diese erste Partie war gleich schon mal vorentscheidend für den Turniersieg und wurde von beiden Mannschaften dann auch prompt falsch begonnen. Wattenscheid - mit beeindruckender Abwehr, aber praktisch nicht vorhandenem Sturm - war offensichtlich auf ein torloses Unentschieden aus, und um ein Haar wäre ihnen dies auch gelungen. Bis etwa in die Mitte der Potsdamer Hälfte waren sie ein mindestens ebenbürtiger Gegner, doch was von dort aus dann in Richtung Turbine-Tor ging, war mehr als kümmerlich. Potsdams U17-Nationaltorhüterin Anna Felicitas Sarholz wurde während der gesamten Partie kein einziges Mal ernsthaft geprüft.
Die „Turbinchen” hingegen – obwohl sie sich angesichts des erst 4 Tage zuvor zu Ende gegangenen NO-Turniers doch wahrlich nicht über mangelnde Spielpraxis beklagen konnten - begannen sehr unkonzentriert, vertändelten maßlos viele Bälle und wirkten 45 Minuten lang völlig konzeptlos. Mitte der 2. Halbzeit, als sich auch die wenigen Turbinefans auf der Tribüne lautstark bemerkbar zu machen begannen, änderte sich dies jedoch schlagartig. Nun wurde allen klar: ein Tor muss her. Ihr Spiel wurde zunehmend sehenswert, jetzt lief der Ball, und 3 Minuten vor dem Abpfiff fand er dann auch endlich den Weg über die gegnerische Torlinie.

05.06.09, 18.30 Uhr:
FC Bayern München – 1. FC Saarbrücken 4:1 (2:0)

Diese Partie wurde von beiden Seiten von Beginn an deutlich offensiver geführt als die vorangegangene, und nach zehn Minuten hätte man noch auf ein torreiches Unentschieden als Endergebnis tippen können. Allerdings offenbarten sich nun zunehmend Schwächen in der Saarbrücker Abwehr; eine Zuordnung war praktisch nicht vorhanden, und fast jeder bayerische Pass in die Spitze fand den Weg zu einer Münchner Spielerin. Wenige Minuten nach einem verwandelten Elfmeter erhöhte München durch einen prachtvollen Schuss aus ca. 25 m und relativ spitzem Winkel auf 2:0. Der Saarbrücker Torfrau war die Sicht verdeckt, und so schlug der Ball erbarmungslos im unteren langen Eck ein.
Nach dem Anschlusstreffer per Kopfball zu Beginn der 2. Halbzeit rückte ein 2:2 oder 3:3 am Ende noch einmal in den Bereich des Möglichen, doch gaben die Saarbrückerinnen das Spiel nun selbst aus der Hand. Durch einen Pass von der Seite auf die Torfrau, den eine Bayern-Spielerin mühelos erlaufen konnte, fiel das 3:1, und das 4:1 war anschließend nur noch eine Frage der Zeit. Um dem Saarbrücker Sturm die Zähne zu ziehen, hatte es übrigens genügt, Dzsenifer Marozsán zu doppeln, und das sollten die beiden anderen Teams ebenso halten.

Dzsenifer Marozsán

Dzsenifer Marozsán (11) hatte es in diesem Turnier wirklich nicht leicht. Die einzige richtig gefährliche Angreiferin des 1. FC Saarbrücken wurde meist von mehreren Abwehrspielerinnen angegriffen. Szene aus FC Bayern München – 1. FC Saarbrücken

06.06.09, 15.00 Uhr:
SG Wattenscheid 09 – FC Bayern München 1:1 (0:1)

Nach einem Freistoß fiel bereits in der 9. Minute das 1:0 für Bayern, doch in den restlichen 21 Minuten der 1. Halbzeit rannten die Münchnerinnen vergeblich gegen die wieder sehr gut sortierte Wattenscheider Abwehr an. Mit dem Wiederanpfiff schienen die Mädels aus dem Ruhrgebiet dann endgültig in Berlin und im Turnier angekommen zu sein, zumal es nun ja um alles oder nichts ging. Nun waren sie es, die das Spiel machten, und plötzlich zeigte sich, dass Wattenscheid auch einen Sturm hat. Die Münchnerinnen hingegen, die doch so glänzend kombinieren konnten, solange man ihnen nur den Raum dafür ließ, wirkten nun,


Jalila Dalaf

Die Löcher in der Wattenscheider Abwehr waren nur ganz, ganz klein, wie die Potsdamerin Jalila Dalaf hier erfahren muss. Szene aus dem Eröffnungsspiel der Zwischenrunde der Gruppe A der B-Juniorinnen zwischen der SG Wattenscheid 09 und dem 1. FFC Turbine Potsdam. Die „Turbinchen” gewannen am Ende diese vorentscheidende Begegnung kanpp mit 1:0

da sie erstmals in diesem Turnier ernsthaft unter Druck gerieten, erstaunlich blass und hilflos. Der Ausgleich war dann auch nur eine Frage der Zeit, und am Ende war Wattenscheid dem Sieg näher als München.

06.06.09, 16.30 Uhr:
1. FFC Turbine Potsdam - 1. FC Saarbrücken 3:2 (3:0)

In der 1. Halbzeit gelangen Saarbrücken nur in den Anfangsminuten zwei gefährliche Vorstöße, da die Potsdamer Abwehr Dzsenifer Marozsán zunächst nicht die gebührende Aufmerksamkeit zukommen ließ. Als diese jedoch etwa ab der 5. Spielminute konsequent gedoppelt wurde, konnte sich die „Turbinchen” beruhigt auf das Spiel nach vorn konzentrieren – was sie dann auch mit deutlicher Überlegenheit taten, wovon 3 Tore ein beredtes Zeugnis ablegen. In der 2. Halbzeit jedoch begingen sie den Fehler, den Spielbetrieb weitgehend einzustellen – in dem Irrglauben, dieses Ergebnis nun in Ruhe verwalten zu können. Gleichzeitig machte sich nämlich bei Saarbrücken ein letztes verzweifeltes Aufbäumen bemerkbar, und irgendwann war Dzsenifer Marozsán dann eben doch mal durch... Als wenig später die Potsdamer Torfrau eine verirrte Hereingabe nicht mehr über die Latte lenken konnte, sondern sich der Ball an den Innenpfosten senkte, war der ach so sichere Vorsprung fast dahin. Der Rest der Zeit bestand dann für Potsdam mehr aus Zittern in der eigenen Hälfte als aus dem Versuch, den alten Toreabstand wieder herzustellen. Nun ja, es ist ja noch mal gut gegangen; trotzdem hat sich hier wieder gezeigt, wie sträflich es ist, sich auf einem vermeintlich sicheren Vorsprung ausruhen zu wollen.

07.06.09, 10.00 Uhr:
1. FFC Turbine Potsdam – FC Bayern München 1:0 (1:0)

Dieses Spiel fand als einziges nicht im BFC-Stadion, sondern auf einem benachbarten Platz ohne Zuschauertribüne statt. Da es seit dem vorangegangenen Nachmittag ununterbrochen geregnet hatte (erst kurz nach Spielbeginn hörte es auf), war der Rasen restlos durchgeweicht, ansonsten jedoch in sehr gutem Zustand.
Die Lehre aus den beiden vorangegangenen Spielen der Münchnerinnen konnte für Potsdam nur heißen, Bayern auf keinen Fall zur Entfaltung kommen zu lassen, ihnen also keine Räume zu bieten, in denen sie ihr eigenes Spiel entwickeln können. Diese Lehre haben sie dann auch bravourös beherzigt. Abgesehen von ein, zwei potentiell gefährlichen Situationen in der Anfangsphase, als sie sich ein wenig „hinten rein drücken” ließen, haben die „Turbinchen” konsequent nach vorn gespielt und dem Gegner ihr eigenes Spiel aufgezwungen. Das 1:0 kurz vor der Pause durch einen herrlichen Schuss von Felicitas „Flici” Mayr aus halblinker Position war dann auch die logische Konsequenz.
Obwohl sie nun ein Tor „Reserve” hatten – denn ein Unentschieden hätte ihnen ja zum Turniersieg genügt -, wiederholten die Potsdamerinnen nicht den Fehler vom Vortag, sondern hielten München konsequent weiter unter Druck. Das war auch dringend notwendig, denn der FCB steckte zu keinem Zeitpunkt auf, wurde zum Ende der Partie hin sogar zunehmend stärker. Allerdings fand kein Ball den Weg ins Potsdamer Tor. München selbst vergab aus Nahdistanz zwei „Hundertprozentige”, und die wenigen Schüsse, deren Richtung stimmte, wurden von „Felix” Sarholz trotz des glitschigen Bodens souverän gehalten.
Alles in allem also ein verdienter Turniersieg der „Turbinchen”, auch wenn sie diesen in den vorangegangenen beiden Spielen fast verschenkt hätten. Aber bei 15- bis 17-Jährigen sind solche Fehler natürlich verzeihlich – umso mehr, wenn sie am Ende ohne Konsequenz bleiben – und zum Lernen da.


07.06.09, 10.00 Uhr:
1. FC Saarbrücken – SG Wattenscheid 09 1:3 (1:2)

Da die beiden Partien des dritten und letzten Spieltages zeitgleich angepfiffen wurden, kann ich zu dieser Begegnung nur sagen, dass das Ergebnis meinen Erwartungen entspricht. Außerdem erlaube ich mir rückblickend das Fazit, dass Wattenscheid 09 neben Turbine Potsdam wohl der größte Favorit auf den Turniersieg war. Leider haben die Mädels diese Chance durch eine falsche Grundorientierung im Spiel gegen Turbine und in der ersten Halbzeit gegen München vergeben.

Wattenscheid - Potsdam

Nur nicht mit zu vielen Spielerinnen über die Mittellinie - die SG Wattenscheid ging das Spiel gegen den 1. FFC Turbine Potsdam sehr vorsichtig an. Wohl zu vorsichtig!



Schlussstand:

Platz Verein Punkte Tore
1. Turbine Potsdam 9 5:2
2. Bayern München 4 5:3
3. SG Wattenscheid 4 4:3
4. 1. FC Saarbrücken 0 4:10

Da der FCR Duisburg das Turnier der Gruppe B; welches zeitgleich in der Nähe von Stuttgart stattfand, gewonnen hat und von vornherein feststand, dass der Sieger dieser Gruppe Gastgeber des Endspiels sein wird, findet das Finale am kommenden Sonntag, den 14.06.2009 um 11.00 Uhr im Duisburger Leichtathletikstadion am Kalkweg statt.

Am Turnier insgesamt ist lediglich die geringe Zuschauerzahl zu bedauern. Selbst von den Anhängern von Turbine Potsdam, die doch überwiegend ganz in der Nähe wohnen, waren jeweils kaum mehr als 20 vor Ort. Dabei waren die Spiele durchaus sehenswert. Besonders am Freitag, als auf den benachbarten Sportanlagen trainiert wurde und viele Eltern ihre kleineren Kinder abholten, gab es etliche zufällige Zuschauer, die Fragen stellten wie „Wer spielt denn da?” oder „Um was geht es denn da?” und anschließend interessiert zuschauten. Ich denke, hier sind vor allem die jeweiligen Landes- und Regionalverbände gefragt, einen Weg zu finden, um in angemessener Weise darüber zu informieren und mehr Zuschauern solche hochrangigen Nachwuchsturniere schmackhaft zu machen.


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