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B-Juniorinnen Meisterschaft Endrunde 2012

Gekämpft wie die Löwinnen - FCR Nachwuchs beweist Riesenmoral

Gruppenspiele in Sachsen

Bericht und Fotos von Martin Meier

07. Juni 2012Durch einen enormen Schlussspurt mit einer beeindruckenden Siegesserie in der Regionalliga West hatten  die U17 Juniorinnen des FCR Duisburg am letzten Ligaspieltag das Ticket zur Teilnahme an der in Leipzig stattfindenden DM Zwischenrunde gesichert und trotz des verletzungsbedingten Ausfalls von Topstürmerin Madeline Gier trat man mit großem Selbstbewusstsein die Reise nach Sachsen an. Dass im Turnier selbst kein Punktgewinn gelingen wollte und am Ende nur der vierte Gruppenplatz heraussprang, war mehr als bedauerlich und spiegelte bei weitem nicht das Engagement und den Einsatzwillen wieder, mit dem die tapferen Junglöwinnen in Leipzig zu Werke gingen.

Die Junglöwinnen "Gubi" Kalkan, "Jojo" Niewiadomski und Daria Streng feiern nach Spielende ausgelassen die Bundesliga-Qualifikation

Viele Dank, Trainer! - Die Spielerinnen stürmen nach dem 1:1 Ausgleichstreffer gegen den 1. FFC Frankfurt auf Coach Oliver Lörsch zu

Wibke Meister Unglücklicher hätte die Vorbereitung auf die DM Zwischenrunde kaum verlaufen können. Im letzten Pflichtspiel vor dem Turnier verletzte sich FCR Stürmerin Madeline Gier, die mit 11 Treffern in den letzten 8 Ligaspielen für einen Torrausch gesorgt hatte, während der 1:3 Pokalniederlage bei der SG Essen Schönebeck nach einem Zusammenprall so schwer, dass der Traum von der Endrundenteilnahme der 16 Jährigen jäh platzte. Der erste Schockt wandelte sich innerhalb der von Oliver Lörsch trainierten Mannschaft schnell in ein "Jetzt-erst-recht" Gefühl und so ging man in selbstbewusst in die erste Zwischenrundenbegegnung, in der kein Geringerer als der Deutsche Abonnementsmeister Turbine Potsdam wartete. Während man die Anfangsphase neutral gestalten und sogar die erste Ecke der Begegnung herausholen konnte, zeigten sich sehr schnell die Vorzüge des Fußball-Internats in Potsdam, in dem die Spielerinnen kontinuierlich ein tägliches Training absolvieren können. Traumwandlerisches Kurzpassspiel, effiziente Chancenverwertung und die Überlegenheit nach Standard Situationen brachten den jungen "Torbienen" eine komfortable 0:3 Pausenführung.

Auch von zwei weiteren Gegentreffern nach dem Seitenwechsel ließen sich die Hüttenheimerinnen allerdings nicht beeindrucken und sorgten nach zwei schönen Spielzügen durch Nadine Spitalar und Leonie Sacher für den 2:5 Anschluss, dem Potsdam kurz vor Ende bei aufgerückter FCR Abwehr noch das 2:6 folgen ließ.

Nadine SpitalarWesentlich besser waren die Chancen in der für den nächsten Tag angesetzten Partie gegen den Nordmeister Werder Bremen und direkt nach Spielbeginn sahen die Zuschauer bei sonnigem Fußballwetter ein optisches Übergewicht der Junglöwinnen. Mehrere gute Chancen konnten herausgespielt werden, doch während Abwehrspielerin Jolina Niewiadomski einen Flugkopfball knapp  über das Gehäuse setzte, scheiterte Nadine Spitalar nach einer Viertelstunde frei vor dem Tor an dem Klassereflex der Bremer Keeperin. Es kam was kommen musste: 2 Minuten später konnten die Hanseatinnen einen Fehler in der Abwehr zur 1:0 Führung nutzen und dieses unglückliche Tor lähmte ersmal die FCR Ambitionen bis zum Seitenwechsel. Nach dem Pausentee verlagerte sich der Nordmeister zunehmend auf Ergebnissicherung, leitete aber trotzdem durch die quirlige Nationalspielerin Manjou Wilde immer wieder gefährliche Konter ein.

Trotzdem drückte die Lörsch-Truppe der Begegnung nun ihren Stempel auf, doch das oft beschworene Glück des Tüchtigen wollte sich an diesem Tag partout nicht auf die Seite der in Orange gekleideten Duisburgerinnen schlagen, was durch zwei Lattentreffer von Chantal Huppertz und Daria Streng dokumentiert wurde.

Doch das Pech erwies sich auch weiterhin als treuer Begleiter des FCR, denn zu der bitteren 1:0 Niederlage gesellten sich nun auch noch erlittene Verletzungen die einen Einsatz von Jolina Niewiadomski, Tabitha Lingier und Nationalspielerin Daria Streng im abschließenden Gruppenspiel gegen den 1. FFC Frankfurt unmöglich machen sollten.

Amelie Heun, Leonie SacherWährend in ähnlichen Situationen bei anderen Teams gewöhnlicherweise zumindest Dissonanzen zu beobachten sind, rückten die Junglöwinnen nach den beiden Niederlagen noch enger zusammen und die bis in die Haarspitzen motivierte Truppe stellte sich mit vielen jungen Spielerinnen im abschließenden Gruppenspiel dem Favoriten vom FFC Frankfurt entgegen.

Die Aktiven auf dem Rasen waren nicht alleine. Während die in einer Vielzahl mitgereisten Eltern ihren Nachwuchs bei jeder Aktion mit spontanem Beifall bedachten, entfachte die mit vielen lädierten Spielerinnen bestückte FCR-Ersatzbank ein wahres Anfeuerungs-Inferno. Mit Sprechchören und Schlachtrufen, wie sie in dieser Altersklasse noch nichteinmal vom Publikum zu vernehmen sind, peitschten sie das eigene Team immer wieder nach vorne.
Die Hüttenheimerinnen wirkten frischer und trieben die über weite Strecken einfallslosen Hessinnen in der Folgezeit immer wieder zu Fehlpässen. Leider hatte das zur Pause erkämpfte 0:0 nur bis zur 40. Minute Bestand, als Sophia Krausmann das Leder gekonnt zur glücklichen 0:1 Führung im Duisburger Gehäuse unterbrachte.

Chantal HuppertzWer nun eine Schockstarre der Lörsch Elf erwartet hatte, sei an den Anfang des Absatzes verwiesen: Während die Unterstützung von der Bank nun noch lauter wurde, fasste sich Chantal Huppertz 4 Minuten später ein Herz und zimmerte das runde Spielgerät aus über 20 Metern unhaltbar für FFC Torfrau Zimmermann zum vielumjubelten 1:1 Ausgleich in die Maschen. Der Adressat des Dankes war schnell ausgemacht, denn die komplette Belegschaft stürmte zugleich in Richtung Trainerbank zu Coach Oliver Lörsch, der gegenwärtig beim FCR aus nicht näher bekannten Gründen bei der Besetzung des Trainerpostens für die kommende U17 Bundesligasaison nicht die erste Option zu sein scheint. Die FCR Spielerinnen hatten nach dem Ausgleich Feuer gefangen und stürzten sich nun auf nahezu jeden Ball. In dieser Drangphase avanchierte Verteidigerin Viviane Mück dann zur tragischen Heldin der Begegnung. Die bereits vorher erfolgreiche Frankfurterin Krausmann profitierte von einem Abspielfehler der Duisburgerin und sorgte vorbei an der herausstürmenden FCR Keeperin Sarah Deinert für die 2:1 Führung des Teams aus der Mainmetropole. Auch ein letztes Aufbäumen in den Schlussminuten brachte nicht den erhofften Erfolg und so standen großartig kämpfende Junglöwinnen nach Spielende mit hängenden Köpfen,  traurig  mit größtemteils leerem Blick und null Punkten auf der Habenenseite auf dem grünen Rasen des Sportplatzes der Egidius-Braun-Sportschule.

Während das Team in den letzten Wochen und Monaten immer wieder seinen Leistungsnachweis erbracht hat, ist es nun an der sportlichen Leitung, ob des nahenden Transferschlusses möglichst schnell Klarheit für den Kader der kommenden B-Juniorinnen Bundesligasaison zu schaffen. Bislang konnte noch keine einhellige Aussage über die Trainerposition getroffen werden, was für Außenstehende zumindest ansatzweise irritierend erscheint. Hier ist die Führung sicherlich gut beraten, möglichst zeitnah klare Fakten zu schaffen, denn das haben sich die jungen Löwinnen mit dem großen Kämpferherz mit Gewissheit verdient.


FCR 2001 Duisburg, 1. FFC Turbine PotsdamLaura Erdmann, Sarah Schmitz


Spielerinnenkader des FCR 2001 Duisburg:

Sarah Deinert, Jennifer Radüchel, Jessica Danehl, Viviane Mück, Isabel Schenk, Jolina Niewiadomski, Celina Klem, Lisanne Grusa, Chantal Huppertz, Daria Streng, Tabitha Lingier, Sara Walter, Sarah Schmitz, Sara Walter, Nadine Spitalar, Leonie Sacher, Gurbet Kalkan, Maurine Maraun

Gruppenpaarungen von Duisburg:

FCR 01 Duisburg - Turbine Potsdam 2:6 (0:3)
Sv Werder Bremen - FCR 01 Duisburg 1:0 (1:0)
FCR 01 Duisburg - 1. FFC Frankfurt 1:2 (0:0)

Torschützinnen des FCR:
1 x Nadine Spitalar
1 x Leonie Sacher
1 x Chantal Huppertz



Weitere Bilder unter: http://martinmeier.eu


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