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Junglöwinnen räumen ab - Teil 2

Finale im U17 Niederrheinpokal 2011: VfL Borussia Mönchengladbach - FCR 2001 Duisburg

27.07.2011
Text von Stephan Tegründe, Bilder von Martin Meier

FCR U 17 FVN Pokalsieger 2011

Die glücklichen Junglöwinnen - mit Trainer Oliver Lörsch (li.) und Co Martin Neuhaus - präsentieren stolz ihre Trophäe.

Die U17 Juniorinnen des FCR machten es ebenso spannend wie zuvor die U15, doch letztlich waren sie genauso erfolgreich. Die Siegestrophäe des Fußballverbands Niederrhein bleibt im Bereich der U17 Juniorinnen weiterhin in Duisburger Hand. Vom Elfmeterpunkt treffsichere Junglöwinnen und eine glänzend aufgelegte Meike Kämper im Tor sicherten dem FCR 2001 Duisburg auch in der Saison 2010/11 den Verbandspokaltitel. In einer hart geführten Begegnung behielten sie am Ende mit 5:3 (1:1, 1:1) nach Elfmeterschießen gegen die Auswahl des VfL Borussia Mönchengladbach die Oberhand.

Madeline Gier und Daria Streng
Im zweiten Spiel am Haus Lütz standen sich im Finale um den U17-Niederrheinpokal die Mannschaften des FCR 2001 Duisburg und des VfL Borussia Mönchengladbach gegenüber. Die Duisburgerinnen, die ihr Saisonziel (die Teilnahme an der Endrunde zur Deutschen B-Juniorinnen-Meisterschaft) knapp verpasst hatten, wollten in der für sie nicht optimal verlaufenen Saison noch unbedingt einen versöhnlichen Abschluss erzielen. Die Fohlinnen, deren 1. Frauenmannschaft jüngst den Aufstieg in die 2. Bundesliga (Süd) feiern konnte, schicken sich seit einiger Zeit an, den beiden ‚großen’ Mannschaften aus Duisburg und Essen Paroli zu bieten, was im U17-Niederrheinpokal auch deshalb gelang, da die SGS und der FCR bereits im Halbfinale aufeinander trafen. Dieses Spiel gewannen die Duisburgerinnen deutlich mit 5:1; mit dem gleichen Ergebnis hatten die Jungfohlinnen in der Vorschlussrunde den BV Borussia Bocholt bezwungen. Es war also ein kampfbetontes und enges Match zu erwarten.


Bild links: Die Torschützin und 'ihre' Assistentin: Madeline Gier (li.) und Daria Streng freuen sich über die verdiente 1:0-Führung.


Und es wäre vorschnell, aus den recht klaren Ergebnissen der beiden Ligaspiele gegeneiDaria Strengnander Schlüsse für dieses Finale zu ziehen (beide Spiele hatte der FCR recht klar mit 4:0 und 4:1 für sich entschieden), denn zum einen entwickeln Entscheidungsspiele oft eine eigene Dynamik, und zum anderen fehlten in den Reihen des FCR mit der U16-Nationalspielerin Sharon Beck und den Auswahlspielerinnen Franziska Göbel (beide wechseln zur SG Essen-Schönebeck) und Vanessa Wahlen (nach Bayer 04 Leverkusen) wichtige Stützen. Dies machte dem neuen Trainer Oliver Lörsch (bei der Borussia wohlbekannt) die Aufgabe nicht unbedingt leichter.

Vor gut 200 Zuschauern begann der FCR stark, vor allem über die U16-Nationalspielerin Daria Streng im zentralen Mittelfeld und die gerade erst 15-jährige Madeline Gier liefen gute Aktionen. Die ersten Chancen wurden allerdings noch überhastet vergeben. Im Gegenzug ergab sich auch eine gute Möglichkeit für die Borussia, die jedoch in letzter Sekunde geklärt wurde. Bei der anschließenden Ecke wurde Meike Kämper im FCR-Tor zum ersten Mal unsanft angegangen; dies sollte sich leider das Spiel über nahtlos durchziehen.
In der 13. Minute gelang Streng ein wunderbarer, Spiel öffnender Pass auf Gier, die sich auf der linken Seite geschickt durchsetzte, in den Gladbacher Strafraum eindrang und aus spitzem Winkel der Torhüterin keine Chance ließ – 1:0 für den FCR!

Bild rechts: Vor allem die U16-Nationalspielerin Daria Streng (FCR) war oft nur durch sehr aggressiven und manchmal zu harten Einsatz zu stoppen.


Meike KämperWer nun allerdings glaubte, das Tor würde den Löwinnen noch mehr Sicherheit im Spielaufbau geben, sah sich schnell getäuscht. Die Borussia hielt dagegen, was oft auch mit einem überharten Einsteigen einherging – so in der 21. Minute gegen Michelle Gatzki, die von hinten von den Beinen geholt wurde. Pfiff oder Karte blieben unverständlicherweise aus, die Spielerin musste minutenlang an der Seitenlinie behandelt werden; leider war schnell klar, dass sie das Spiel nicht würde fortsetzen können. Für sie kam Jasmin Acarsoy ins Spiel. Kurz darauf erzielte FCR-Stürmerin Gurbet Kalkan ein weiteres Tor, was jedoch - nach Ansicht des Schiedsrichters - wegen eines vorausgegangenen Fouls von Acarsoy keine Anerkennung fand – angesichts der nachfolgenden großzügigen Regelauslegungen des Referees eine fragwürdige Entscheidung. Der schnelle Gegenzug der Borussia brachte einen Lattentreffer ein – und nach diesen Ereignissen war ein Bruch im Spiel des FCR nicht zu übersehen: Passgenauigkeit und Kombinationsfreude schienen verflogen, und die Gladbacher wurden nicht nur körperlich, sondern auch spielerisch stärker. Ein ums andere Mal setzte sich Carolin Corres über links durch und bereitete der Löwinnenabwehr Schwierigkeiten. Und schließlich war es folgerichtig auch Corres, die nach einem Freistoß, der nicht weit genug geklärt wurde, aus gut 20m abzog –der Ball wurde so unglücklich abgefälscht, dass Kämper chancenlos war –insgesamt ein glücklicher, aber doch verdienter Ausgleich für die Fohlinnen kurz vor der Pause.

Bild links: "Nur keine Panik, ich hab' alles im Griff", scheint FCR-Torhüterin Meike Kämper ihren Mitspielerinnen signalisieren zu wollen ...


Die 2. Halbzeit begann so, wie die erste endete. Wechsel gab es keine und weder an der wirklich nicht mehr gesunden Gladbacher Härte noch der unverständlichen Nachsicht des Schiedsrichters diesbezüglicMeike Kämperh änderte sich etwas – leider auch nicht an der Abschlussschwäche der Junglöwinnen vor dem Tor. Auf der anderen Seite war es immer wieder Corres, die über die linke Seite gefährliche Aktionen startete, aber auch wenn ihr Ball gefährlich vor das Tor kam, machte die sichere Meike Kämper sämtliche Gladbacher Chancen zunichte. Auf der Gegenseite war dies häufig nur durch Fouls möglich, die jedoch so gut wie möglich vom Unparteiischen ignoriert bzw. nicht geahndet wurden. Zu erwähnen sei hier besonders der ‚Rettungsversuch‘ einer Gladbacher Abwehrspielerin kurz vor dem eigenen Strafraum unter Zuhilfenahme beider Arme, aber auch hier blieben sowohl ein Freistoßpfiff als auch ein durchaus vertretbarer Platzverweis aus. Schließlich übertrug sich die Härte auf das gesamte Spiel, denn die Duisburgerinnen hielten verständlicherweise dagegen, und darunter litt die spielerische Qualität immer mehr. Es ergaben sich in der Folge auf beiden Seiten kaum noch zwingende Chancen, zudem hatten die Stürmerinnen auf beiden Seiten nicht ihren zielsichersten Tag erwischt. Auch in den 2x10 Minuten Verlängerung konnte sich keine der Mannschaften entscheidend durchsetzen, in dieser Partie musste also ebenfalls der Shootout eine Entscheidung bringen. Den zahlreichen Zuschauern – zu denen sich inzwischen auch zwei US-College-Mannschaften gesellt hatten – wurde wirklich Spannung und Dramatik pur geboten.
Gladbachs Trainer Eike Hendrich hatte in der 98. Minute noch einmal gewechselt, offensichtlich um eine sichere Elfmeterschützin zu bringen. Die ersten beiden Schützinnen verwandelten sicher. Dann trat die kurz zuvor eingewechselte Spielerin an – und verschoss! Nach zwei weiteren verwandelten folgte als nächste Duisburgerin die Kapitänin Isabel Hochstein, die mit ihrem Treffer die Fohlinnen unter Druck setzte. Der nächste Elfmeter musste versenkt werden – aber Meike Kämper ahnte die Ecke und parierte souverän. Sekunden später war sie unter einer Traube jubelnder Mitspielerinnen sowie den zuvor siegreichen U15-Mädchen des FCR verschwunden...

Bild rechts: ... und lässt ihrer Geste Taten folgen: sie pariert den vierten Gladbacher Elfmeter und sichert ihrer Mannschaft damit den Niederrheinpokal.

Als bedauerlich empfanden es natürlich viele Zuschauer (und auch Beteiligte), dass die beiden Spiele nicht hintereinander angesetzt wurden, sondern sich überschnitten. Der Grund dafür: die Borussia-Juniorinnen hatten im Anschluss noch ein lang terminiertes Spiel gegen die U15-High School Girls von Creeks Clash aus Florida, die sich während der WM auf einer zweiwöchigen Europatour befanden, zudem folgte bereits zeitnah das ‚kleine Finale‘ der Frauen-WM.
Aber dennoch dürften letztlich alle Anwesende durch die tolle Spannung einigermaßen entschädigt worden sein. Es war eine insgesamt gelungene Veranstaltung - mit einem glücklichen Ende für die Mannschaften des FCR 2001 Duisburg, der damit im Jahr 2011 alle drei Jugend-Niederrheinpokale (U13, U15, U17) gewinnt.




Stenogramm:

VfL Borussia Mönchengladbach:
Hielscher – Bleckmann (K), Straßburger (98. Teixeira Mendes), Wählen, Seehafer – Kufner, Hackenberger (70. Klemz), Corres, Visser – Schoepp, Schmitz.

FCR 2001 Duisburg:
Kämper – Linker, Hochstein (K), Mück, Klem – Sieberg, Schenk, Gatzki (21. Acarsoy), Streng – Gier, Kalkan

Tore:
0:1 Gier (13.)
1:1 Corres (36.)

Elfmeterschiessen:
1:2 Streng; 2:2 Visser; 2:3 Sieberg; Teixeira Mendes verschießt; 2:4 Gier; 3:4 Schmitz; 3:5 Hochstein; Kämper hält gegen Wählen.

Gelbe Karten: - / -

Zuschauer: ca. 230



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