s Leserbrief



Leserbrief

Pro Fahle, Pro Mannschaft, Pro FSV

Von Tom Schlimme

9.5.2005    Heute erreichte uns folgender Leserbrief von FSV Fan Uwe Hortig, für den wir uns herzlich bedanken und den wir gerne abdrucken. Zur Illustration habe ich zwei Bilder von der Pressekonferenz gestern beigefügt.

Leserbrief:

Pro Fahle, Pro Mannschaft, Pro FSV

Als langjähriger Fan und ständiger Tribünengast der FSV-Frauen bin ich sehr betroffen von den gestrigen Geschehnissen. Schon auf der Tribüne hatte ich aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen Hintergründe zur „Pro Fahle-Demo“ erfahren, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: Der Hauptsponsor, Herr Buresch, habe – quasi im Alleingang – entschieden, einen neuen Trainer zu verpflichten, der sich selbst angeboten habe und bereit sei für billiges Geld zu arbeiten. Der „Auserwählte“ würde nach dem Spiel auf der Pressekonferenz im VIP-Raum vorgestellt.

Heute vormittag, beim Studium der einschlägigen Presseartikel, wurden meine schlimmsten Befürchtungen noch bei weitem übertroffen und ich habe mich deshalb entschieden meine persönliche Meinung dazu einfach in diversen Internetforen anderen Freunden des Frauenfußballs als Diskussionsgrundlage zur Verfügung zu stellen.

Nach diversen Flops bei Trainereinstellungen des FSV Frankfurt in der „Nach Bernhard-Ära“ war ich Herrn Fahle gegenüber zunächst auch sehr skeptisch eingestellt, wurde dann aber relativ rasch durch seine geleistete Arbeit und seine Ansichten im „team-portrait“ des FSV in der Zeitschrift „die elf“ (Ausgabe 6/2005 vom 21. April) überzeugt.

Einige Spielerinnen kurz vor Beginn der Pressekonferenz.

Bild: Tom Schlimme

Die FNP zitiert in ihrer Ausgabe vom 9.5.2005 Spielführerin Sandra Smisek wie folgt: «Das erste Mal seit vier Jahren ist ein Trainer da, der zu uns passt, der gute Leistungen aus der Mannschaft herausholt und bei dem wir eine Perspektive sehen. »

Diese Aussage deckt sich 100% mit meinen Beobachtungen und von daher schließe ich mich als Fan voll der ebenfalls dort im folgenden zitierten Forderung des Teams an:

« „Es stößt bei uns auf Unverständnis, dass er gehen muss. Wir würden selbst für weniger Geld beim FSV bleiben, um mit ihm weiter arbeiten zu können“, forderte Spielführerin Sandra Smisek im Namen der Mannschaft den Abteilungsleiter zur Revidierung der Entscheidung, sich von Frank Fahle zu trennen, auf. »

Damit genug des Vorgeplänkels, hiermit komme ich zu meiner rein subjektiven Sicht der Dinge:

Die Situation des Traditionsvereins FSV Frankfurt als mittlerweile nur noch 2. Kraft in der Mainmetropole hinter dem FFC ist zweifellos schwierig, besonders im Hinblick auf die Akquisition von Sponsorengeldern. Wie es dazu kommen konnte, daß der FSV seine führende Rolle im Frauenfußball verloren hat soll hier nicht näher thematisiert werden. (Für mich eindeutig eine Folge von Inkompetenz der Verantwortlichen, oder ums anders zu formulieren: Der Dietrich war halt cleverer...) Ein Kernproblem ist einfach die geringe Wertschätzung der Frauenbundesliga in der Öffentlichkeit und besonders in den Medien.


Gute Geister hatten dieses Transparent im VIP-Raum, in dem die Pressekonferenz stattfand, aufgehängt.

Bild:Tom Schlimme

Auch ich habe mich gefreut als mit „Laser Paradise“ zu Saisonbeginn ein neuer Hauptsponsor gefunden wurde der dann auch gleich mit ungewöhnlichen Ideen wie der Schiffstour auf dem Main auffiel. Erste leichte Zweifel kamen mir dann beim Blick in das „Frauenfußball Bundesliga-Magazin“ als Herr Buresch sich auf das Mannschaftsfoto drängte, ein Vorgang der eigentlich nicht alltäglich ist. Es sei ihm gegönnt, für sein finanzielles Engagement stehen ihm Gegenleistungen in Form von Werbemaßnahmen zu.

Nun weiß ich nicht, ob es stimmt was mir zugetragen wurde, nämlich daß die Trainerentscheidung „contra Fahle, pro Schwalenberg“ auf dem Mist von Herrn Buresch gewachsen ist; einige Indizien sprechen allerdings dafür.

Dass die Abhängigkeit von einem einzigen Sponsor für Fußballvereine gefährliche Folgen haben kann ist hinlänglich bekannt, es gibt genügend Negativbeispiele. Sollte es also stimmen ist hier für mich der Punkt erreicht, wo die Einflußnahme eines Sponsors eine nicht mehr akzeptable Größenordnung erreicht. Aus sportlichen Entscheidungen haben sich Sponsoren herauszuhalten! Krass formuliert: Geld geben, Klappe halten!

Trainerentscheidungen sind alleine Sache des Managements aber dieses ist beim FSV seit einiger Zeit absolut überfordert. Nichts gegen dich lieber Karl-Heinz Kauß (KHK), der du das sicher auch liest – wir kennen uns persönlich und ich schätze Dein Engagement –, aber ich rate ganz dringend ab sich in so eine gefährliche Abhängigkeit zu begeben. Warum wird jemand lieber Hauptsponsor bei unserem FSV als Sponsor Nummer 99 beim FFC?

Wenn Herr Buresch als Sponsor auf dieser Trainerentscheidung besteht, sie quasi zur „sine qua non-Bedingung“ erhebt, dann weg mit Buresch. Wehret den Anfängen, der FSV ist kein Tummelplatz für profilierungssüchtige Neurotiker! Wer weiß an welche „Bedingungen“ ein Sponsor dann weiterhin die Zusammenarbeit knüpfen wird. Es ist beim FSV immer irgendwie weitergegangen und würde auch in einem solchen Fall weitergehen.

FanSoccer.de zitiert Folgendes: „Kauß erklärte auf kritische Nachfragen der Pressevertreter, ob man denn mit noch weniger Geld überhaupt eine bundesligataugliche Mannschaft zusammenstellen könne, die Mannschaft werde dann halt ein neues Gesicht bekommen, man wolle seriös wirtschaften und könne kein Geld ausgeben, das nicht vorhanden sei.“

Frank Fahle hat das Team auf einen sehr guten Weg gebracht nachdem die Altlast Strödter endlich (und hoffentlich für alle Zeiten) beseitigt ist. Ich habe den „Neuaufbau“ der 2. Frauenmannschaft unter KHK aus der Nähe miterlebt, dieser Neuanfang hat das Team in die Landesliga geführt hat. Ein Abstieg der 1. Mannschaft aus der Bundesliga wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Ende des Frauenfußballs im FSV Frankfurt.


Es ist richtig kein Geld auszugeben das man nicht hat, darüber braucht nicht zu diskutieren zu werden, aber wenn Herr Fahle sagt, daß es nicht am Geld gescheitert wäre glaube ich ihm und wenn die Mannschaft eine Fortsetzung der Zusammenarbeit fordert dann gibt es keine nachvollziehbaren Gründe den Trainer zu wechseln. „Billiglösungen“ beim Thema Trainer hatten wir übrigens schon, gebracht haben die allerdings nichts. Natürlich kenne ich keine Interna und erst recht keine Zahlen, bin aber in sehr großer Sorge um die Zukunft des Frauenfußballs am Bornheimer Hang.

Erst geht der Trainer, dann die Spielerinnen und zum Schluß die Fans! Wenn dann der Letzte zum FFC getrieben wurde ist allerdings niemand mehr da, der den Totengräbern des Frauenfußballs am Bornheimer Hang zu ihrer Mission gratuliert.

Ich als Fan will DIESES Team auch nächste Saison am Bornheimer Hang sehen und keine „Billiglösungen“! Es haben schon viel zu viele junge talentierte Spielerinnen in den letzten Jahren den FSV verlassen. Diese Entwicklung muß gestoppt werden, nicht beschleunigt!

Das Wort „Funktionär“ kommt von funktionieren. Das Management hat im Hintergrund die Fäden zu ziehen und die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der FSV Frankfurt eben nicht den Weg anderer Traditionsvereine wie Bergisch-Gladbach oder Siegen geht, sondern eventuell wieder an seine Glanzzeiten anknüpfen kann. Wenn es das nicht schafft hat es versagt und muß die Notbremse ziehen. Auf dem jetzt eingeschlagenen Weg erscheint mir ein Überleben nicht mehr möglich. Nicht Selbstdarsteller und Profilneurotiker sind gefragt sondern Kompetenz!

Ich habe auch keine Patentlösungen. Nur, der Weg, der sich hier abzeichnet scheint verhängnisvoll, auch hinsichtlich des schwierigen Standings der Frauenabteilung im Gesamtverein. Von dort ist keine Hilfe zu erwarten. Man sollte in der Frauenabteilung erfahrene Kräfte aus den erfolgreichen Zeiten zurück ins Boot holen.

Einen Namen möchte ich ins Spiel bringen: Monika Koch-Emsermann! Ich weiß von gemeinsamen Bekannten daß Sie keine große Lust haben sich das (noch mal) anzutun aber ich sehe weit und breit niemanden mit Ihrer Kompetenz. Liebe Monika, wollen Sie wirklich mit ansehen, wie ein Teil Ihres Lebens, wenn nicht sogar Ihr Lebenswerk, von Dilettanten zerstört wird? Es ist eine Minute vor 12...

Uwe Hortig
Ueberauer Str. 4
64354 Reinheim


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