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Leserbrief
Eine EM als Fernsehereignis
Eine Betrachtung zur Übertragung der EM durch Eurosport | ||
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Leserbrief von Klaus Dieter Schneider Zwei der bislang fünf Titel für Deutschland bei Europa- meisterschaften habe ich als Fan im Stadion live miterlebt: 1995 in Kaiserslautern und 2001 zwei Vorrundenspiele in Erfurt und die Finalspiele in Ulm. 2005 fand das Endturnier um den Europa-Titel in England statt. Ohne Urlaub ist man zwangsläufig auf das Fernsehen angewiesen und abhängig davon, was gesendet wird. Dass die deutschen Spiele über- tragen werden, davon war ich überzeugt. Doch gefreut hat mich die Nachricht, dass sämtliche Spiele dieser EM übertragen werden – erstmals auf dem Spartensender Eurosport. Also habe ich mir die Termine dick angestrichen und gespannt der Dinge geharrt. Und los ging es – mit Tennis! Die erste Halbzeit Dänemark-Schweden fiel der Entscheidung beim Finale der French-Open in Paris zum Opfer. OK – war wohl ein spannendes Finale und einfach ausblenden geht auch nicht (aber rechtzeitige Information sollte möglich sein). Es ist bekannt, dass ein Tennisspiel keine 90 Minuten dauert (sorry, Herr Herberger). Wäre diese knappe Termin-Ansetzung bei einer Männer-EM auch möglich? Das erste Spiel unserer Mannschaft gegen Norwegen. Ein stressiger (Mon-)Tag liegt hinter mir während dem ich mich auf ein schönes Fußballspiel freute. Nur Füße hochlegen und gucken. Na ja. Das Spiel wurde gewonnen ohne überzeugend gespielt zu haben. Weniger überzeugend war allerdings die Qualität der TV-Übertragungen. Vorberichte reduzierten sich oft auf 10-Sekunden-Szquenzen vom Aussteigen aus dem Bus. Wenn man Glück hatte war die anschließende Werbung zu Ende bevor die zweite Nationalhymne gespielt wurde. Die übertragenen Bilder waren ja ganz OK. Immerhin sollen lt. Eurosport 11 Kameras pro Spiel eingesetzt worden sein. Auch die Bildregie war – über alle Spiele hinweg – einwandfrei und meist auf dem Laufenden. Die Tonqualität ließ jedoch manchmal zu wünschen übrig, gerade auch bei den Statements der Trainer nach dem Spiel, von der Stadionkulisse oft übertönt wurden. Besonders nervend allerdings waren über weite Strecken die beiden Kommentatoren. Fakten, |
Fakten, Daten, Daten. Das schien zu Beginn der Übertragungen das
Motto zu sein: Ich weiß was (kann’s ja ablesen) und das sage ich euch jetzt. Wer wann gegen wen sein Debüt gab und in wie viel Spielen bisher soundso-viele Tore geschossen hat usw. Frei nach dem Motto: was auf dem Spielfeld passiert seht ihr ja selbst.
Leider beschränkte sich diese Praxis nicht nur auf die ersten Spiele. Noch im Halbfinale Norwegen-Schweden wurde dem Zuschauer gleich dreimal offenbart, dass Isabell Herlovesen die Tochter des ehemaligen Gladbach- Profis Kai Erik Herlovensen ist. Viele Worthülsen gingen über den Sender (ist bei den öffentlichen ja nicht anders) aber bei sachliche Fehlern stockt einem schon mal der Atem. Beispiel „Finnland gehört ja nicht direkt zu Skandinavien“. Zum Glück war in diesem Spiel (SF-DK) Bernd Schröder Gastkommentator und hat einige fachliche Beiträge liefern können. Immerhin wurde auch mal richtig vermeldet, dass Oslo die Hauptstadt Norwegens ist – wer hätte das gedacht. In den Vorrunden - Spielen erlebten wir Fernseh-Zuschauer zwei Kommentatoren, Ralf Itzel und Andreas Jörger. Mir hat Jörger aufgrund höherer Sachkompetenz besser gefallen. Leider durfte dann Itzel beide Halbfinals und das Finale kommentieren. Manchmal ist es auch gut, ein Fußballspiel ohne Ton anzusehen. Das zweite Spiel gegen Frankreich verfolgte ich in einer Gaststätte in der Frankfurter Innenstadt, wo man sich auf dem Weg zur S-Bahn auf ein/zwei Feierabend-Biere trifft. Der Fernseher über der Theke läuft immer – ohne Ton (meist N24 oder Premiere- Konserven). Heute gab’s auf meinen Wunsch mal Eurosport. Ich habe mich bewusst zurückgehalten und die Reaktion der Leute beobachtet. Manche schauten längere Zeit auf den Bildschirm, aber so recht wahrgenommen haben das Spiel nur meine unmittelbaren Gesprächspartner, die sowieso von meiner Vorliebe FF-Fußball wissen. Zum Glück gibt es Video-Recorder, die Zuhause aufzeichnen. Zum letzten Spiel der Vorrunde stand ich nämlich vor verschlossenen Toren. Das Gelände der 1. FFC Frankfurt am Brentanobad war hermetisch abgeriegelt weil die (Männer)Nationalmannschaft den Platz zum Trainingsquartier deklariert hat. Die zweite Halbzeit des Spieles konnte ich dann wieder vor dem TV verfolgen. Erneut in |
einer Gaststätte, wo sich drei ältere Herren den Sonntagskaffee im Bierglas servieren ließen. Aber alle Achtung. Die drei verfolgten nicht nur das Spiel im Fernsehen, sondern waren auch gut über den Frauenfußball informiert: Deutschland ist Weltmeister und Olympiasieger (???) und überhaupt, die Birgit Prinz spielt in Frankfurt. Live im Stadion aber haben sie noch kein Spiel gesehen. Nun hat sich meine Vorliebe für den Frauenfußball herum gesprochen. Während der Europa- meisterschaft bin ich mehrfach aus Freundes- und besonders Kollegen- kreisen auf Ereignisse und Ergebnisse angesprochen worden. Einige haben die TV-Übertragungen verfolgt, andere nur die Presse- berichte gelesen. Ich habe aber das Gefühl, dass bei so manch einem der FF angekommen ist. Direkt oder Indirekt. Ein Beispiel vom Samstag. Nach dem Mittagessen verabschiedet mich der Keller. „Einen schönen Tag noch und viel Spaß beim Fußball [Confed gegen Tunesien]“ Meine Entgegnung „Mein Interesse gilt mehr dem morgigen Endspiel der Frauen bei der Europa- meisterschaft“ Seine Reaktion darauf - nach einer deutlichen Gedankenpause: „Ach ja, die haben schon einen tollen Job gemacht“. Immerhin hatte er dies registriert. Zum Finale trafen wir uns dann auf einer Grillpartie. In England Gewitterregen und hier Sonnenschein, der auf dem kleinen Camping-TV störend reflektierte. Den Anwesenden, mehrheitlich Fans von Eintracht Frankfurt waren allerdings anfangs das Spielgeschehen recht egal. Erst die beiden, schnell hintereinander erzielten Tore steigerten die allgemeine Aufmerksamkeit – bis zur Halbzeitpause. Den zweiten Spielabschnitt nahm man in Erwartung des Schlusspfiffes zur Kenntnis. Schließlich lief im anderen Programm schon die nächste Begegnung im Fedcup im Frankfurter Stadion. Dennoch fielen nach Schlusspfiff in Blackburn einige anerkennende Worte zur Leistung der deutschen Mannschaft. So richtig über den Titel gefreut habe wohl nur ich mich in dieser Runde. Danach – am Grill, um die Fußballfans nach der wichtigen Partie Griechenland-Japan mit reichlich Würsten zu stärken.
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