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Nordic Cup 2008 - Finale:

Die Grenzen aufgezeigt

USA - Deutschland 3:0 (2:0)

Text und Fotos von Martin Kochem

21.07.2008   Die USA bleiben auch bei der 29. Auflage des bereits seit dem Jahre 1990 ausgetragenen Open Nordic Tournaments das Maß aller Dinge und sicherten sich durch einen ungefährdeten 3:0-Finalerfolg über das nahezu chancenlose deutsche Team bei ihrer elften Teilnahme bereits zum neunten Male den Titel.

Vor knapp 600 Zuschauern im Domnarsvallen zu Borlänge legten die US-Girls von Beginn an los wie die Feuerwehr und erspielten sich mit flüssigen sowie schnellen Kombinationen eine Chance nach der anderen. So traf Ella Masar nach klugem Rückpass von Tina DiMartino nur die Latte (3.) und setzte nur wenige Sekunden später einen Flachschuss aus halbrechter Position nur knapp am langen Pfosten vorbei. Die bis zur ihrer verletzungsbedingten Auswechslung auf der rechten Aussenbahn kaum zu bremsende DiMartino bediente nur wenig später Brittany Klein, deren Schuss von der vielbeinigen deutschen Abwehr im letzten Moment abgeblockt werden konnte.

U23 Deutschland

Die deutsche Final-Startformation: oben v.l.n.r. Marxkord, Schmidt, Schiewe, N. Banecki, Goddard
Unten v.l.n.r. Löwenberg, I. Kerschowski, Thomas, Weber, Weiß, Baunach

Nach sieben Minuten konnte die vielbeschäftigte Lisa Weiß im deutschen Gehäuse einen Schlenzer von India Trotter entschärfen und hatte sechs Minuten später Glück, dass ein weiterer Kracher von Trotter knapp am linken Pfosten vorbeizischte. Es ergaben sich nunmehr Chancen im Minutentakt und der Führungstreffer der US-Girls schien nur eine Frage der Zeit. Erst meisterte die mit Abstand beste Deutsche mit der Rückennummer 1 einen Knaller von DiMartino (13.), dann warf sich Daniela Löwenberg bei einem Schussversuch von Kiki Bosio im letzten Moment dazwischen (14.). Nachdem ein weiterer Fernschuss von Bosio (18.) ebenfalls nicht sein Ziel fand, schienen die US-Girls, nicht zuletzt aufgrund des verletzungsbedingten Ausscheidens von DiMartino, etwas zu resignieren.

Daniela Löwenberg und Tina DiMartino

Daniela Löwenberg (Nr. 18) sieht hier im Laufduell nur die Hacken von Tina DiMartino, die dann aber bald verletzt ausscheiden mußte

Doch nach 26 Minuten nutzte Trotter ein Luftloch von Pia Marxkord aus, lief alleine auf das deutsche Gehäuse zu und ließ Weiß beim längst überfälligen US-Führungstreffer keine Abwehrchance. In der 35. Minute spazierte Katherine Reynolds auf der rechten Außenbahn entlang und deren klugen Pass in die Mitte verwandelte die mitgelaufene Masar ohne Mühe zum 2:0 – eine Art Vorentscheidung war bereits zu diesem frühen Zeitpunkt gefallen. Fast hätte Nikki Krzysik mit einem Heber zum 3:0 getroffen, jedoch lenkte Weiß die Kugel im allerletzten Moment mit Mühe über die Latte (37.).

1:0 für die USA

Das 1:0 für die USA: India Trotter schiebt den Ball überlegt an Torfrau Lisa Weiß vorbei ins Netz - Carolin Schiewe kommt zu spät

Nachdem das Team von Bundestrainerin Bettina Wiegmann vor der Halbzeit kaum einmal über


U23 USA

Gewinner des Open Nordic Tournaments 2008: das US-Team

die Mittellinie, geschweige denn zu einer einzigen Torchance gekommen war, änderte sich das Bild in der Anfangsviertelstunde der 2. Halbzeit wenigstens ansatzweise, was aber auch daran lag, dass die US-Girls mindestens zwei Gänge zurückschalteten. Die für die enttäuschende Stephanie Goddard eingewechselte Sylvie Banecki bediente in der 50. Minute Isabel Kerschowski, doch deren Schuss von der Strafraumgrenze touchierte nur die Lattenoberkante des von der beschäftigungslosen Val Henderson gehüteten US-Tores.

Nur zwei Minuten später folgte sodann die schönste Szene des gesamten Spiels, doch besagte Henderson verhinderte nach herrlichem Fallrückzieher der mitaufgerückten Carolin Schiewe mit einer Glanzparade den deutschen Anschlusstreffer. Wer weiss schon, wie das Spiel gelaufen wäre, hätte wenigstens eine dieser beiden Chancen gesessen…

Doppeltorschützin Ella Masar

Ella Masar war mit 2 Treffern die Matchwinnerin

So aber bekamen die Frauen von US-Coach Bill Irwin das Spiel nach diesem deutschen Strohfeuer wieder allmählich in den Griff und versetzten der deutschen Elf nach gut einer Stunde den endgültigen K.O., als die glänzend aufgelegte Ellen Masar der deutschen Torfrau nach einem herrlichen Alleingang erneut keine Chance ließ. Nach diesem dritten US-Treffer war der Kuchen endgültig gegessen und bis auf zwei weitere Gelegenheiten durch Sylvie Banecki (81.) sowie einem Trotter-Heber (83.) tat sich letztendlich nicht mehr viel. So hieß der hochverdiente Sieger nach 90 Minuten sowie des ganzen Turniers USA, während sich die deutschen Mannschaft wie bereits im vergangenen Jahr mit dem 2. Platz begnügen musste.

Kiki Bosio und Katharina Baunach

Kiki Bosio (links) war selten so leicht zu stoppen wie hier durch Katharina Baunach

DFB-Coach Bettina Wiegmann sah auf der anschliessenden Pressekonferenz vor allem in der „total verschlafenen 1. Halbzeit” die Hauptursache für die klare und verdiente Niederlage und war hinscihtlich ihres Teams nur mit der Anfangsviertelstunde der 2. Halbzeit einverstanden. Insgesamt zog die Bundestrainerin jedoch ein überaus positives Turnierfazit und sah ihre Auswahl in Richtung U 20-WM in Chile wieder einen Schritt weiter. „Wichtig war hier für die meisten meiner Spielerinnen, weitere internationale Erfahrung zu sammeln und außerdem ich bin der Meinung, dass sich der 2. Platz unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die Mädels erst 14 Tage im Training waren, durchaus sehen lassen kann…”


Startformation der USA

Die Startformation der USA: oben v.l.n.r. Reynolds, Schnur, Henderson, Sauerbrunn, Averbuch
Unten v.l.n.r. Krzysik, DiMartino, Masar, Trotter, Klein, Bosio

Zufrieden war natürlich auch US-Coach Bill Irwin, welcher sein Team bereits die letzten sechs Monate auf dieses Event vorbereiten konnte:

„Wir waren hier heute das erste Mal gefordert und standen dementsprechend unter Druck. Wir haben zu viele Chancen vergeben. Das zweite Tor war einstudiert und man freut sich als Trainer immer, wenn etwas im Training Einstudiertes dann im Spiel auch klappt. Glücklich bin ich vor allem darüber, dass wir unsere Defensivabteilung haben derart stabilisieren können, dass wir hier ohne Gegentor durch das gesamte Turnier marschiert sind. Kompliment aber auch an das deutsche Team. Wir wußten, dass die sehr gefährlich werden können, wenn man ihnen zu viel Platz lässt…”

Man darf auf jeden Fall gespannt sein, welcher Mannschaft es als nächstes gelingen wird, diesen in dieser Altersklasse übermächtigen US-Girls den Titel des Nordic-Cup-Gewinners zu entreißen…..

Bianca Schmidt gegen Meghan Schnur

Bianca Schmidt (hier im Zweikampf mit Meghan Schnur) kam im Finale nicht wie gewohnt zur Geltung - wie viele deutsche Spielerinnen

USA
Henderson – Krzysik (88. Moore), Bosio, Klein (89. Quinn), Sauerbrunn – Schnur, Trotter (84. Larkin), Masar, Averbuch – DiMartino (20. Frierson, 58. Hanks), Reynolds

Trainer: Bill Irwin

Deutschland:
Weiss – Marxkord, Löwenberg (80. Schlanke), Schiewe, Baunach (78. Schröder) - Thomas, Weber (69. Höfler), Schmidt, N. Banecki (73. Hartel)– I. Kerschowski, Goddard (46. S. Banecki)

Trainerin: Bettina Wiegmann

Tore:
1:0 Trotter (26.)
2:0 Masar (35.)
3:0 Masar (64.)
Gelbe Karte: Schmidt

Schiedsrichterin: Ester Staubli (SUI)

Assistentinnen: Belinda Brem (SUI), Lorraine Clark (SCO)

Zuschauer: 573


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