Text und Fotos von Martin Kochem 25.7.2006
Es hat schon etwas Mystisches, dieses „Zwischenjahr“ vor der im September 2007 in China stattfindenden Weltmeister- schaft… Nach dem allerersten Triumph eines deutschen A-Teams bei dem bereits im März über die Bühne gegangenen Algarve Cup gelang nunmehr auch der „U 21“-Vertretung das Kunststück, den insgesamt 8-fachen Seriengewinner USA in die Knie zu zwingen und sich damit zum ersten Mal den Turniersieg beim „Open Nordic Tournament WU-21“ zu sichern, wie sich der in diesem Jahr vom Norwegischen Fussballverband ausgerichtete bzw. organisierte Wettbewerb offiziell tituliert.
Im Gegensatz zum damals eher als glücklich zu bezeichnenden Endspielsieg der „A“-Vertretung gegen die US-Girls in Faro darf der jetzige 2:0 (1:0)-Finalerfolg der deutschen U 21 jedoch getrost als verdient bezeichnet werden, bot die Elf von Trainer Helmut Horsch doch über das gesamte Turnier hinweg die konstanteste Leistung und war ihren Gegnern in nahezu allen Belangen überlegen.
 Die Startelf der USA im Finale: oben v.l.: Noelle Keselica, Angela Woznuk, Valeri Henderson,
Tiffany Weimer, Danesha Adams, Sarah Huffmann; unten: Brittany Taylor, India Trotter, Kendall Fletcher, Rachel Buehler, Lauren Wilmoth
 Die deutsche Startelf: oben v.l.: Uschi Holl, Annike Krahn, Lena Goeßling, Lydia Neumann, Janina Haye, Saskia Bartusiak; unten: Jennifer Zietz, Simone Laudehr, Melanie Behringer, Isabell Bachor, Anne van Bonn
Dies verwundert umso mehr, da die Mannschaft in dieser Formation zuvor noch nie unter echten Wettkampfbedingen zusammengespielt hatte, jedoch schneller als von allen erwartet zu einem echten Team wurde. Prunkstück dieser Mannschaft war / ist vor allem die Defensivabteilung um Annike Krahn, die zusammen mit Janina Haye die gegnerischen Angreifer regelrecht zur Wirkungslosigkeit verdammte und nur in einer kurzen Phase der Unkonzentriertheit zwei bedeutungslose Gegentreffer der Engländerinnen zuließ. Ideal ergänzt von den Außen Anne van Bonn auf der rechten sowie „Oldie“ Jenny Zietz auf der linken Seite, zeichnete sich die deutsche Viererkette vor allem durch Zweikampfstärke und Kompromisslosigkeit aus.
 Saskia Bartusiak (verdeckt) hat hier den Ball mit kraftvollem Einsatz vor Amanda Cinalli (15) erwischt. Simone Laudehr braucht nicht mehr einzugreifen
Im Mittelfeld brachte vor allem die erfahrene und vollständig wiedergenesene Saskia Bartusiak Ruhe & Ordnung ins deutsche Spiel, unterstützt von der quirligen Simone Laudehr und der technisch äußerst versierten Lena Goeßling, welche phasenweise immer wieder geschickt das Tempo aus dem Spiel nahm und damit die Philosophie des Trainers („den Gegner in eine bestimmte Ecke locken“) umzusetzen versuchte.
In einer von der Taktik geprägten ersten Spielhälfte bot sich den immerhin 250 Zuschauern trotz weniger Torchancen ein fußballerischer Leckerbessen, welcher nach 33 Minuten seinen ersten Höhepunkt hatte. Nach herrlicher Vorarbeit der erneut starken Isabell Bachor tauchte Goalgetterin Lydia Neumann plötzlich alleine vor Valeri Henderson auf und schob die Kugel im Stile einer echten Torjägerin kaltschnäuzig an dieser vorbei zur deutschen Führung ins Netz. Die US-Girls, welche bis dato nur einen knapp am Winkel vorbeizischenden Distanzschuss von Tiffany Weimer
|
Freude pur bei den Siegerinnen: Die deutsche U21 Natonalmannschaft feiert den erstmaligen Gewinn des Nordic Cups, der praktisch einer U21 WM gleichkommt
|
(13.) zu verzeichnen hatten, waren von diesem Treffer sichtlich geschockt und besaßen bis auf einen Heber der gleichen Spielerin nach einem Missverständnis zwischen Uschi Holl und Janina Haye (43.) gegen den kompakt stehenden deutschen Abwehrblock keine weitere Möglichkeiten.
Auch in Durchgang zwei warteten die Spielbeobachter auf den Rängen (darunter zwischenzeitlich auch die auf den Plätzen 3 bis 8 gelandeten Mannschaften) vergeblich auf die US-amerikanische Großoffensive – vielmehr gelang es der deutschen U 21, sich immer wieder zu befreien und aus Eigeninitiative heraus gefährliche Gegenangriffe zu starten. So verzog die nach dem Wechsel deutlich verbesserte Melanie Behringer nach einer ihrer vielen Einzelaktionen nur denkbar knapp (66.), bevor sodann die Zeit der sich vor Spielbeginn nur auf der Reservebank wieder findenden und erst zur 81. Minute eingewechselten Shelley Thompson kommen sollte. Nachdem Thompson jeweils im letzten Moment gerade noch eben gebremst werden konnte (83./85.), staubte die Neu-Hamburgerin einen vom Innenpfosten zurück ins Feld springenden Pfostenschuss von Isabell Bachor eiskalt ab und hämmerte das Leder zur endgültigen Entscheidung in die Maschen (87.).
 Janina Haye (Nr 14) lieferte sich mit India Trotter (Nr. 21) heiße Duelle -
Lena Gößling (Nr. 15) und Tiffany Weimer auf sicherer Distanz
Selbst der Ehrentreffer blieb den an diesem Tage etwas lethargisch wirkenden US-Girls verwehrt, als ein Kopfball von Bristyn Davis von der Unterkante der Latte wieder heraussprang (91.). So hielt die vor kurzem 24 Jahre jung gewordene Torfrau-Legende der U 21, Uschi Holl, ihren Kasten auch im 25. Länderspieleinsatz für die U 21 sauber und erklärte nach Schlusspfiff lächelnd ihren Rücktritt (aus der U 21 wohlgemerkt).
 Die beiden Torschützinnen Shelley Thompson (links) und Lydia Neumann
Der ohnehin guten Stimmung tat dieser „Rücktritt“ jedoch keinen Abbruch und auch die Tatsache, dass der eigentliche Nordic Cup-Winner des Jahres 2006 Schweden heißt (laut den etwas eigenwilligen Statuten darf sich nämlich die bestplatzierte skandinavische Mannschaft „Nordic Champion“ nennen…) fiel da nicht mehr groß ins Gewicht.
Die ausgelassene Freude nach Abpfiff war erst der Anfang einer langen „deutschen Nacht“, welche
|
wohl am späteren Abend mit den Feierlichkeiten rund um den Europameisterschaftstitelgewinn der „U 19“ fortgesetzt wurde….
 Abpfiff! Die aus- oder nicht eingewechselten Spielerinnen stürmen den Rasen, um mit ihren Mitspielerinnen den Sieg zu feiern
Hochzufrieden und ebenfalls glücklich über den ersten Turniergewinn war auch Coach Helmut Horsch:
„Von der Organisation her war dies heute das mit Abstand beste Spiel von uns bzw. der beste Turniertag. Die Mischung, das Tempo auch mal rauszunehmen und dann wieder zu forcieren, hat einfach 100%ig gestimmt – großes Lob dabei speziell an Lena Gößling, die diese Aufgabe hervorragend gelöst hat. Das Engagement und die Konstanz meiner Mannschaft haben mich schon mehr als beeindruckt. Auch wenn wir gegen England saumäßig gespielt haben, so hat doch insgesamt die beste Mannschaft des Turniers dieses auch verdient gewonnen. Die US-Amerikanerinnen hatte ich allerdings physisch stärker erwartet. Natürlich gibt es noch so einiges zu verbessern, wie z.B. das (sichere) Passspiel und sich aus engen Situationen zu befreien etc. Trotzdem hat die Mannschaft großes Potential und besitzt ein gehobenes technisches Niveau. Die jahrgangsmäßig in Frage kommenden Spielerinnen haben jedenfalls für die bevorstehende U 20-WM jede Menge Eigenwerbung betrieben."
 Banane als Nervennahrung: U21-Bundestrainer Helmut Horsch
USA:
Henderson – Fletcher, Taylor, Buehler, Wilmoth – Keselica, Trotter (78. Davis), Woznuk, Huffmann (46. Gray) – Adams (90.+ 4 Griffin), Weimer (62. Cinalli)
Trainer: Jillian Ellis
Deutschland:
Holl – van Bonn (63. Schröder), Haye, Krahn, Zietz – Laudehr (90. Oster), Bartusiak, Goeßling, Behringer – Bachor (90.+4 Schmidt), Neumann (81. Thompson)
Trainer: Helmut Horsch
Tore:
0:1 Neumann (33.)
0:2 Thompson (87.)
Karten: keine
Schiedsrichterin: Wendy Thoms (ENG)
Assistenten: Marianne Braathen, Monica Lokkeberg (beide NOR)
Zuschauer: 250
Zur FanSoccer-Startseite
|