U20 Weltmeisterschaft 2010, ViertelfinaleUSA scheitert an NigeriaUSA - Nigeria 3:5 n.E. (1:1, 1:0) | ||
Text : Roland Baumann 29.07.2010 Das dritte Spiel im Viertelfinale brachte noch eine Riesenüberraschung bei dieser an Überraschungen schon reichen WM. Nach anfänglich klarer Überlegenheit des Topfavoriten USA und der frühen Führung durch Amber Brooks aus der 9. Minute zum 1:0, konnten die 'Falconets' aus Nigeria durch Helen Ukaonu in der 79. Minute ausgleichen, die Verlängerung offen gestalten und letztlich das Elfmeterschießen mit 4:2 für sich entscheiden. Natürlich wurde der Andrang in der Augsburger Impuls Arena nicht mehr so groß wie am letzten Donnerstag, als hier noch Deutschland um den Einzug ins Viertelfinale spielte, doch fieberten immerhin 7135 Zuschauer, darunter wieder ein großer Fanblock im nigerianischen grün-weiß-grün dem Aufeinandertreffer der USA mit Nigeria entgegen. Wer früh den Weg ins Stadion gefunden hatte, musste sich einer gewissenhafter Kontrolle am Eingang unterziehen, was ja grundsätzlich bei Massenveranstaltungen nicht verwerflich ist. Ist da auch keine Kamera in der Umhängetasche? Auch der Autoschlüssel in der Hosentasche wurde kontrolliert. Um so erstaunlicher, dass nachher beim Spiel etliche Zuschauer zum Beispiel Spiegelreflexkameras und als Wurfgeschoss taugliche Pet-Flaschen zücken konnten. ![]() In der Frühphase des Spiels zeigten die US-Girls eine überzeugende Leistung. Hier setzt sich Kristie Mewis gegen Osinachi Ohale durch. Im Hintergrund beobachtet Amber Brooks, die Torschützin zum 1:0, die Szene.
Die USA begannen das Spiel erwartungsgemäß früh mit druckvollen Angriffszügen. Bereits in der sechsten Minute wurde Casey Short links im Nigerianischen Starfraum bedient, scheiterte aber an der Keeperin Alaba Jonathan. Wenig später gibt es Freistoß für die USA, den Zakiya Bywaters ausführt. Die Abwehr geht zwar dazwischen, kann aber nur zur Ecke klären. Dabei wurden die 'Falconets' von dem kurz ausgeführten Eckstoß völlig überrascht. Während die Abwehr sich um den Elfmeterpunkt formierte, marschierte Kristie Mewis mit dem Ball ungehindert an der Torauslinie bis zum Torwartraum. Ein sauberer Pass auf Amber Brooks und es stand 1:0 für die USA. Während die Amerikanerinnen weiterhin das Spiel kontrollierten, gelang Nigeria erst in der 15. Minute ein erster vielversprechender Angriff. Doch der Pass von Amarachi Okoronkwo auf Ebere Orji in den Strafraum geriet etwas zu lang. ![]() Mit Paraden wie dieser hatte Alaba Jonathan maßgeblichen Anteil an dem überraschenden Sieg Nigerias Mit Beginn des zweiten Durchgangs änderte sich das Spiel. Mehr und mehr übernahmen die 'Falconets' die Initiative und kamen schon in der 50. Minute zu einer ersten guten Möglichkeit, als Orji nach einem tollen Pass von Cecilia Nku, sich gegen zwei Amerikanerinnen durchsetzte und ihr Schuss von Keeperin Bianca Henninger gerade noch über die Latte gelenkt werden konnte. Nach einem Freistoß für die USA von Christine Nairn in der 52. Minute, bei dem Keeperin Jonathan knapp vor Leroux an den Ball kam, war es für lange Zeit vorbei mit den Angriffsbemühungen seitens der Amerikanerinnen. Nigeria kontrollierte zusehends das Spiel, wenn auch nicht alle Spielzüge sauber zu Ende gespielt wurden. In der 77. Minute wurde der Einsatz dann auch belohnt. |
Alaba Jonathan, die nach dem Elfmeterschießen vom ihrem Team bejubelt wurde, konnte ihr Glück kaum fassen. Nigeria hatte das Viertelfinale erreicht! | |
Nachdem Orji vor dem US-Strafraum regelwidrig in die Zange genommen wurde, tippte sie den fälligen Freistoß nur kurz an und Helen Ukaonu hämmerte den Ball aus guten 25 Metern zum 1:1 Ausgleich unter das rechte Lattenkreuz. Biance Henninger im US-Tor hatte nicht den Hauch einer Abwehrchance. Mit diesem Schuss von Helen Okaonu wurde die Niederlage des US-Teams eingeleitet. Bianca Henninger im US-Tor hatte keine Chance bei diesem Ausgleichstreffer. Zwischenzeitlich machte sich bei den neutralen Zuschauern mehr und mehr die Sympathie für den Underdog aus Nigeria bemerkbar. Strittige Entscheidungen von Schiedsrichterin Alexandra Ihringova zu Gunsten der US-Girls wurde mit deutlichen Unmutslauten und Pfiffen kommentiert. In den Schlussminuten hatte Nigeria sogar noch Chancen, das Spiel in der regulären Spiel zu entscheiden, aber erst scheiterte Orji nach einer Flanke von Ukaonu und kurz drauf auch Charity Adule nach Zuspiel von Orji an der in dieser Phase besten Amerikanerin, Bianca Henninger. Nach einer tollen Kombination von Desire Oparanozie über Orji auf Ukaonu, die dann aber nur knapp über das Tor zielte, pfiff Ihringova die reguläre Spielzeit ab. Unter dem tosenden Beifall der Zuschauer musste die Entscheidung vertagt werden. ![]() Christine Nairn, die hier gegen Charity Adule einen Gegenangriff einleitet, war die erste Unglückliche, die einen Elfer vergab Es stellte sich die Frage, ob Nigeria die Kraft für weitere 30 Minuten aufbringen könnte. Doch zu Beginn der Verlängerung wurde diese Frage gleich durch eine andere ersetzt: 'Was war los mit den US-Amerikanerinnen?'. In der 97. Minute setzte sich Esther Sunday an der linken Seite durch und Henninger musste wieder in höchster Not retten. Drei Minuten später narrte Oparanozie gleich drei US-Abwehrspielerinnen, verzog aber völlig freistehend. Und in der 104. Minute musste wieder Henninger einen Distanzschuss von Charity Adule zur Ecke klären. Bis zum Seitenwechsel hatten die US-Amerikanerinnen nicht einen Ball vors nigerianische Tor gebracht. Besser wurde es dann im zweiten Durchgang der Verlängerung, dazu sogar richtig spannend. Einen ersten Versuch unternahm die eingewechselte Molli Pathman mit einem 25 Meter Distanzschuss. Nach einer Ecke für Nigeria, wobei Oparanozie ein Zuspiel von Orji knapp über das Tor setzte, konterten die Amerikanerinnen über die Außenbahn mit Meg Morris, die frei durch kam, aber an der Fußspitze von Keeperin Jonathan scheiterte. Dann brachte Orji ihre Teamkollegin Oparanozie ins Spiel, doch fehlte der 18-Jährigen die Kraft zu einem kontrollierten Schuss. Den Schlusspunkt setzte Kristie Mewis, die erst mit einem Distanzschuss die Latte traf und wenig später nach einem Eckball am Superreflex der nigerianischen Keeperin Jonathan scheiterte. Die 120 Minuten waren vorbei, aber noch immer keine Entscheidung gefallen. |
Mollie Pathman, hier im Laufduell mit Rebecca Kalu, weckte mit ihrem Distanzschuss aus guten 25 Meter im zweiten Durchgang der Verlängerung wieder die Lebensgeister im US-Team. Es ging ins Elfmeterschießen. Nigeria durfte die erste Schützin stellen. Das nervenaufreibende Prozedere konnte losgehen. Die erste Nigerianerin, Kapitänin Joy Jegede, verwandelte sicher. Im Gegenzug trat die US-Kapitänin Christine Nairn an - und scheiterte. Jonathan ahnte die Ecke und drehte den Ball gerade noch um den Pfosten. Dann trafen Ukaonu und Pathman für ihre Teams. Den Schuss von Ester Sunday konnte Bianca Henninger parieren, Jubel bei den Amerikanerinnen, aber Schiedsricherin Ihringova machte einen Strich durch die Rechnung: Wiederholung! Wieder trat Sunday an, wieder parierte Henninger und wieder hatte Ihringova das letzte Wort: erneute Wiederholung! In der Fernsehwiederholung war in beiden Fällen klar erkennbar, dass Henninger sich tatsächlich zu früh von der Linie wegbewegte, die Entscheidung von Ihringova war somit nachvollziehbar. Beim dritten Versuch waren Henningers Nerven am Ende, fast ohne Reaktion ließ sie Sundays diesmal allerdings auch harten und platzierten Schuss passieren. Den Hammer von Mewis links unter das Lattenkreuz beantwortete Oparanozie mit ihrem Hammer unter das rechte Lattenkreuz. Dann trat Jungstar Sydney Leroux an. Aber wie im Spiel selbst, war der 20-Jährigen auch im Elfmeterschießen das Glück nicht wohl gesonnen. Ihr satter Schuss ging glatt über das Tor. Aus und vorbei! Die USA waren draußen, Nigeria im Halbfinale. Geschockt und untröstlich weinend schlich Leroux vom Platz. Grenzenloser Jubel auf der anderen Seite. Während die Mädels in Grün ihre Torhüterin hoch leben ließen, holte sich Desire Oparanozie beim nigerianischen Fanblock eine Fahne in grün-weiß-grün und wollte eine Ehrenrunde drehen. Dabei kam es zu einer weniger schönen Szene. Als Oparanozie mit ihrer Flagge bei der US-Bank vorbei kam, fühlten sich offenbar US-Betreuer oder Spielerinnen provoziert. Es gab eine wilde Keilerei, in derem Verlauf vermutlich die Flagge von der Fahnenstange gerissen wurde. Jedenfalls stand Oparanozie plötzlich, die blanke Fahnenstange wild schwingend im Getümmel. Glücklicherweise wurden die Streithähne bald beruhigt, aber solche Szenen sind völlig überflüssig und schaden nur dem Ansehen des Frauenfußballs. ![]() Sydney Leroux war nach dem verschossenem Elfmeter untröstlich und ließ den Tränen freien Lauf
USA:
| |