U20 WM 2010, Gruppe CJapan mit achtbarem AbgangJapan - England 3:1 (1:0) | ||
Text und Bilder von Tom Schlimme 22.07.2010 Die zwei vor der WM am stärksten eingeschätzten Mannschaften der Gruppe C, Japan und England, sind ausgeschieden, Mexiko und Nigeria sind im Viertelfinale, so überraschend verläuft dieses Turnier. Dabei gelang es Japan im letzten Gruppenspiel immerhin, gegen England einen klaren Sieg zu erzielen. Da im anderen Spiel der Gruppe C Mexiko und Nigeria unentschieden spielen und damit auf je fünf Punkte kamen, reichte es für Japan mit vier Punkten jedoch nicht mehr zum Weiterkommen. Das Spiel begann gut mit einer Chance für Englands Jordan Nobbs, die aber genau auf Japans für asiatische Verhältnisse geradezu riesige Keeperin Erina Yamane (1,87m Körpergröße) zielte. In der dritten Minute verpasste auf der Gegenseite Emi Nakajima eine Flanke im Fünfmeterraum nur knapp. Da sah das Spiel noch nach einem interessanten, offenen Schlagabtausch aus, die Ausgangsposition, die beiden Teams nur bei einem hohen Sieg die Chance auf ein Weiterkommen ermöglichte, war ja auch vielversprechend. Im Singen sind sie vorne: die britischen Spielerinnen sangen die Nationalhymne so laut mit, dass ich sie aus 20 Meter Entfernung noch hören konne. Es singen von links nach rechts: Michelle Hinnigan, Rebecca Spencer, Chelsea Weston und Gilly Flaherty Doch der Anfangselan war schnell dahin, beide Teams neutralisierten sich im Mittelfeld, und bei beiden gelang es kaum einmal, mehr als drei Stationen hintereinander in Ballbesitz zu bleiben. Es dauerte bis zur 13. Minute, ehe England durch einen Freistoß wieder zu einer Gelegenheit kam, doch Michelle Hinnigan traf wieder genau Keeperin Yamane. Diesmal wurde es aber doch noch mal gefährlich, denn Yamane ließ den Ball senkrecht nach oben abklatschen und beim Herunterfallen traf der Ball die Latte. Außer einem Eckstoß, der vermeidbar gewesen wäre, kam für England jedoch nichts zählbares aus dieser Situation heraus. Die Startformation von England. Oben v.l.n.r.: Lucy Bronze, Isobel Christiansen, Toni Duggan, Rebecca Spencer, Kerys Harrop, Gilly Flaherty. Die Startformation von Japan. Oben v.l.n.r.: Erina Yamane, Yuria Obara, Saki Kumagai, Natsuki Kishikawa, Megumi Takase, Akane Saito. Japan hielt dagegen, guter Pass auf Mana Iwabuchi in den Strafraum, doch Englands Keeperin Rebecca Spencer war schnell genug draußen und als erste am Ball. Dann schoss Nakajima von der Strafraumgrenze aufs englische Tor, doch knapp drüber. Doch zu diesem Zeitpunkt war schon eine gewisse Überlegenheit Japans zu erkennen, die wenig später auch in die Führung umgemünzt werden sollte. Auf dem linken Flügel setzte sich eine der schmächtigsten japanischen Spielerinnen, Yuria Obara, gegen drei Engländerinnen durch, die den Ball eigentlich schon sicher hatten, passte von der Grundlinie in den Strafraum, und Nakajima konnte völlig frei das Tor für Japan erzielen. Das 1:0 durch die japanische Nummer 14, Emi Nakajima, die von links angespielt wurde. Wieso ist eigentlich Englands Sturmspitze Tony Duggan (Nr. 9) hier im eigenen Strafraum, wo ist die englische Verteidigung? Schon in der nächsten Minute hätte Toni Duggan für England ausgleichen können, doch ihr Schuss ging über das japanische Tor. England kam zu weiteren Chancen in der ersten Hälfte, zweimal reagierte Japans Keeperin Erina Yamane sehr gut, insgesamt fehlte dem englischen Spiel aber einfach die Präzision und von einem geordneten Spielaufbau kann man schon gar nicht sprechen. Japan wirkte etwas kompakter, die japanischen Spielerinnen körperlich überraschend stark, ohne dabei ihre lange bekannte technische |
Natsuki Kishikawa (Nr. 4) köpft hier das 2:0 für Japan. Der Eckstoß war vom rechten Bildrand getreten worden, Englands Keeperin Rebecca Spencer agiert unglücklich, weil sie halb heraus kommt, aber weit vom Ball weg bleibt. Die Kugel wird sich gleich über sie in die Maschen senken. Schade für Japan, mit diesem Tor hätten sie das Viertelfinale erreichen können, doch das Remis im anderen Gruppenspiel zwischen Mexiko und Nigeria verhinderte das Weiterkommen | |
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Stärke eingebüßt zu haben. So kam auch Japan noch zu einigen Gelegenheiten in der ersten Hälfte, es blieb jedoch bei der verdienten 1:0 Führung Japans zur Halbzeit. Yuria Obara bereitete die japanische Führung vor, indem sie von der Eckfahne kommend drei Engländerinnen aussteigen ließ und einen genauen Pass in die Mitte spielte Dieses eine Tor hätte nicht gereicht, um bei einem knappen Sieg einer Mannschaft im anderen Spiel am dort unterlegenen Team vorbei zu ziehen, und so drückte Japan nach der Pause kräftiger auf die Tube. Ohne Durchschlagskraft allerdings. Bei England ging gerade gar nichts mehr, bis mit der Einwechslung von Danielle Carter in der 52. Minute auf einmal frischer Wind ins englische Team kam. Carter kam prompt zu einigen Torchancen, doch die Keeperin vereitelte diese oder der Ball ging doch noch am Tor vorbei. Von einer , eigentlich zu erwartenden, englischen Lufthoheit konnte im Spiel gegen die kleingewachsenen Japanerinnen keine Rede sein. Hier zeigt Mana Iwabuchi, wie hoch sie springen kann, während Chelsea Weston am Boden kleben bleibt Carter war es dann aber auch, die in der 61. Minute die bis dahin größte englische Chance versiebte. Nach einem Freistoß herrschte heillose Verwirrung im japanischen Strafraum, plötzlich hatte Carter den Ball vor ihren Füßen, doch aus neun Metern zielte sie über das Tor. England drückte jetzt, aber zu planlos. Die Japanerinnen setzten gelegentliche Konter dazwischen, dafür, dass sie mindestens noch eines, besser zwei Tore schießen mussten, boten sie jetzt aber auch zu wenig. Der englische Druck hielt aber nur bis ca. zur 70. Minute an, dann wurde das Spiel wieder ausgeglichen mit Vorteilen für Japan, und die Japanerinnen wurden dann auch belohnt: Natsuki Kishikawa drückte einen Eckstoß mit gekonntem Kopfball zum 2:0 in die Maschen. Der Jubel bei Japan war riesig, die Spielerinnen wussten, dass zu diesem Zeitpunkt Mexiko mit 0:1 hinten lag, man wäre jetzt an Mexiko vorbei auf dem zweiten Gruppenplatz! In der Euphorie setzte Misaki Kobayashi wenig später gleich noch einen Lattentreffer hinterher, und nach einem Freistoß traf noch einmal Natsuki Kishikawa sogar zum 3:0. Englands Stürmerin Toni Duggan war auf beiden Flügeln zu finden, konnte sich aber zu selten so gut durchsetzen wie hier gegen Akane Saito. Immerhin verwandelte sie den Foulelfmeter souverän zum englischen Ehrentreffer England kam noch zum Ehrentreffer, nach einem Foul an Danielle Carter, die Trainerin Mo Marley ruhig früher hätte bringen können, verwandelte Toni Duggan den fälligen Elfmeter souverän. |
Doch die Reaktionen und die Körpersprache der japanischen Spielerinnen in diesen letzten Minuten zeigte schon, es war egal, Mexiko hatte im anderen Spiel ausgeglichen, Japan konnte auch mit einem hohen Sieg das Viertelfinale nicht mehr erreichen. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel freute sich der japanische Trainer Norio Sasaki für seine Spielerinnen, dass sie immerhin mit einem Sieg über England diese WM beenden konnten. Er hoffe, dass die beiden im Turnier verbliebenen Mannschaften aus Süd- und Nordkorea für Asien erfolgreich sein würden. Er selbst war natürlich enttäuscht, dass Japan als Asienmeister nicht mehr zeigen konnte, eine Ursache sei gewesen, dass sich drei seiner wichtigsten Abwehrspielerinnen verletzt hätten und man die Abwehr völlig umstellen musste. Doch am Ende zähle vor allem, dass seine Spielerinnen durch die Begegnungen mit Teams von drei Kontinenten sehr an Erfahrung gewonnen hätten, die bei der WM 2011 von Nutzen sei. Ohne Namen zu nennen, könne er schon sagen, dass wohl vier Spielerinnen dieses Teams auch 2011 nach Deutschland fahren würden. Lucy Bronze (links) hatte ihre liebe Mühe mit Mana Iwabuchi Englands Trainerin Mo Marley haderte mit dem ersten Gegentor, das recht früh gefallen sei. In der zweiten Halbzeit sei man dann sehr offensiv angetreten und habe prompt hinten weitere Tore gefangen. Natürlich sei sie enttäuscht über das Abschneiden ihres Teams, das auf europäischer Ebene ja sehr gut da stehe. Doch aus dem Gefühl, die Nummer eins in Europa zu sein, sei viel Druck auf ihrem Team gelegen, und auf diesem hohen internationalen Level sei es nicht gelungen, den hohen Erwartungen gerecht zu werden. Mit einem Sieg und einer tiefen Verbeugung verabschiedete sich das japanische Team von den Zuschauern
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