U20 Weltmeisterschaft 2010, Gruppe DSo-Yun Ji und Sydney Leroux schießen ihre Teams zum SiegGhana - Südkorea 2:4 (1:1), USA - Schweiz 5:0 (3:0) | ||
Text: Christian Heidler 21.07.2010 Der zweite Spieltag der Gruppe D in Dresden brachte zwei Vorentscheidungen: Südkorea sicherte sich vorzeitig den Einzug ins Viertelfinale, die Schweiz verspielte hingegen ihre letzte Chance und muss nach der Vorrunde das Turnier verlassen. Mit 4 Punkten und 6:1 Toren besitzen die USA nun die weitaus bessere Ausgangsposition für ein Weiterkommen als Konkurrent Ghana. Bereits am Bahnhof wurden Dresden-Besucher auf die U-20-Frauen-Weltmeisterschaft hingewiesen und konnten sich den kurzen Weg zum Stadion erläutern lassen. Auch in der Innenstadt machten zahlreiche Plakate auf das Turnier aufmerksam. An den zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Sachsenmetropole tummelten sich Menschen aus nah und fern, so dass man fast geneigt war zu vergessen, dass es sich ganz überwiegend um gewöhnliche Touristen und nicht um Fußballfans handelte. Anhänger der Schweiz, USA, Südkoreas und vor allem Ghanas waren dann aber reichlich im schmucken Rudolf-Harbig-Stadion anzutreffen. Insbesondere die afrikanischen Fans waren optisch und insbesondere akustisch äußerst präsent und sorgten bereits vor dem Anpfiff der ersten Partie für gute Stimmung. Auch einige Vuvuzeelas hatten sich von der Männer-WM zur Juniorinnen-WM hinübergerettet. ![]() WM-Werbung: Vielerorts machten Stellwände die Passanten auf die in Dresden stattfindenden Spiele der U 20 WM aufmerksam. Foto: Christian Heidler Offiziell sollen 17.234 Zuschauer die Doppelveranstaltung an diesem wolkig-warmen Samstag besucht haben. Schwer zu sagen ob dies so stimmt, auch weil zwischen den beiden Begegnungen durchaus einige Fluktuation beim Publikum war. Nun, in dem großen Stadion hätten es gerne noch mehr Leute sein können, andererseits ist der Zuspruch im Vergleich zu anderen Spielen nicht so schlecht, zumal auch keine Schulklassen zu den Spielen beordert wurden. Bei Ghana - Südkorea konnten die Zuschauer Zeuge einer spannenden Partie zwischen zwei Mannschaften mit recht unterschiedlichen Spielanlagen werden, bei USA - Schweiz Beobachter einer spielerisch gutklassigen Begegnung. Und mit Toren wurde auch nicht gegeizt in den beiden Länderkämpfen.
Ghana – Südkorea 2:4 (1:1): ![]() Die Teams von Ghana (weiß) und Südkorea (rot-blau-rot) während der Nationalhymnen. Im Hintergrund die halbgefüllte Gegentribüne des reinen Fußballstadions in Dresden Foto: Steffen Langbein Ghana bot den typisch afrikanischen Fußball (auch wenn der bei der Männer-WM in Südafrika nicht mehr praktiziert wurde), der immer etwas improvisiert wirkte. Manchmal störten sie den Gegner mit robustem Körpereinsatz, andere Male ließen sie den Gegner frei gewähren und warteten lediglich auf dessen Fehler. Im Ballbesitz verzettelten sich die Ghanaerinnen oftmals im Klein-Klein, um dann wieder mit schönen Ballstafetten zu überraschen. Südkorea hingegen spielte diszipliniert und organisiert. Viele Spielzüge sahen einstudiert aus und häufig wurde versucht, Ji gut in Szene zu setzen. Unerwarteterweise entpuppte sich der Asienvertreter aber auch als das härter agierende Team. Im Ganzen war es somit wenig verwunderlich, dass Südkorea die erste Tormöglichkeit erarbeitete, in der gesamten Begegnung mehr Chancen hatte und eine leichte Feldüberlegenheit errang. |
Ausgleich. Südkoreas Narae Kim erzielt per Freistoß das 2:2. Torfrau Patricia Mantey fliegt vergebens. Foto: Christian Heidler | |
Dennoch fiel der erste Treffer auf der Gegenseite. Deborah Afriyie wuchtete das Spielgerät von der linken Strafraumecke in den linken oberen Winkel (28.). Torfrau So-Ri Moon sah da nicht besonders gut aus. Ghanas Anhang hatte allen Grund zum Jubeln. Südkorea ließ sich davon aber nicht wirklich beeindrucken und strebte nach dem Ausgleich. Dieses gelang denn auch noch vor der Pause als ein direkt auf das Tor getretener Freistoß kurz vor Patricia Mantey von der dazwischen spritzenden Ji ins Netz gedrückt werden konnte. Ghanas Torfrau verletzte sich bei dem Zusammenprall mit der Torschützin, Schiedsrichterin Christina Pedersen wollte aber keinen regelwidrigen Einsatz der Südkoreanerin gesehen haben. ![]() Ghana und seine Fans. Schon vor dem Spiel grüßte das Team seinen farben- und sangesfrohen Anhang. Foto: Steffen Langbein Auch im zweiten Durchgang wogte das nicht unbedingt hochklassige, aber stets spannende Spiel hin und her und wieder gingen die ganz in Weiß gekleideten Afrikanerinnen in Führung. Diesmal war die von mehreren Gegenspielerinnen umringte Afriyie im Strafraum beim Schußversuch geblockt worden und Cudjoe netzte den Abpraller ein (56.). Die Koreanerinnen antworteten nun aber schneller. Narae Kim versenkte einen Freistoß direkt ins ghanaische Gehäuse (62.). Weitere 8 Minuten später erhöhte Jin-Young Kim mit einem Schlenzer ins lange Eck auf 2:3, doch erst mit dem bereits beschriebenen Kopfballtreffer von Ji kurz vor Spielende war das Match wirklich zugunsten des Teams von Trainer In-Cheul Choi entschieden.
Ghana:
Ja, auch wenn man es bei dem Endstand von 5:0 kaum glauben mag, die Eidgenossinnen zeigten durchaus ein gefälliges Spiel, versteckten sich keineswegs, sondern erarbeiteten sich ihre Torchancen. Dafür, dass sie gegen die Amis letztlich nichts zu bestellen hatten, gab es vor allem zwei Gründe. Zum Einen fehlte der Schweizer Offensive die Durchschlagskraft. Insbesondere Ramona Bachmann wirbelte durch und in die amerikanische Abwehr und lief sich darin fest, statt vorher das Abspiel zu einer Teamgefährtin zu suchen. Zum Anderen war die Defensive mit der bärenstarken Sydney Leroux schlichtweg überfordert. |
Sydney Leroux erzielte 3 Tore für die USA und war der Star des Abendspiels. Archivbild: Tom Schlimme Leroux war es denn auch, die mit einem wunderschönen Schuß in den Winkel das 2:0 ihrer Farben markierte (23.). In der 2. Halbzeit ließ sie dann noch zwei sich ziemlich gleichende Treffer folgen, als sie bei Kontern die Schweizer Torfrau Nathalie Schwery umkurvte, bevor sie den Ball in die Maschen beförderte. Während die Schweiz in Person von Jehona Mehmeti mit einem Volleyschuss an Torfrau Bianca Henninger scheiterte, bewies auf der Gegenseite Zakiya Bywaters mehr Effektivität und schob die Kugel an Schwery vorbei ins lange Eck (3:0, 25. Minute). Dicke Chancen besaß auch die beim HSV spielende Crnogercevic, doch einmal strich ihr fulminanter Schuss am langen Eck vorbei und in der Nachspielzeit krachte ihr Schuss an die Latte. ![]() Hopp Schwiiz! Die Schweiz nahm des öfteren das US-Tor ins Visier – allein, ein Treffer wollte Wilhelm Tells Nachfahren nicht gelingen. Foto: Christian Heidler Die zweite Halbzeit begann mit einem Doppelwechsel bei der Schweiz und einem heimlichen Austausch der Unparteiischen (Ihringova für Fukano). Die „Nati“ mobilisierte noch mal alles für eine Wende, doch die CONCACAF-Meisterinnen machten ihnen schnell einen Strich durch die Rechnung. Mit dem 4:0 war die Partie endgültig gelaufen, dennoch bemühte sich das Team von Kapitänin Danique Stein um Resultatsverbesserung. Allein, nicht mal ein Ehrentreffer wollte den Roten gelingen. Die USA taten längst nur noch das Nötigste, setzten ab und an Konter und kamen so auch noch zu Leroux’ drittem Treffer. Nach dem Schlußpfiff verabschiedeten sich beide Mannschaften beim Publikum, wobei die US-Amerikanerinnen ein „Danke Dresden“-Banner zeigten. So endete ein abwechslungsreicher Fußballtag im Rudolf-Harbig-Stadion.
USA:
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