U20 Weltmeisterschaft 2010, Gruppe A und BWM-Feeling in der Augsburger Impuls ArenaFrankreich – Deutschland 1:4 (0:2) DVR Korea – Schweden 2:3 (1:1) | ||
Text : Roland Baumann Bilder: Sascha Pfeiler 23.07.2010 Nachdem bei den ersten Spieltagen noch eher beschauliches Zuschauerinteresse zu registrieren war, galt am dritten Spieltag schon früh: „ausverkauft”. Der Grund war natürlich schnell gefunden, schließlich trat im ersten Spiel des Tages das deutsche Team hier zu seinem einzigen Gastspiel in der Augsburger Impuls Arena an. Fairerweise muss man aber anerkennen, dass ein Großteil der Zuschauer auch noch beim zweiten Spiel dabei waren. Und auch die anderen Teams hatten Fans auf ihrer Seite. So waren auch französische und schwedische Gesänge zu hören. Selbst Korea hatte Unterstützung. Ein, wenn auch einsamer, deutscher Fan schwenkte unermüdlich die nordkoreanische Flagge. ![]() Die 26.273 Zuschauer ließen richtiges WM-Gefühl im weiten Rund der Augsburger Impulse Arena aufkommen.
Frankreich – Deutschland 1:4 (0:2): ![]() Die beiden Einwechslungen im direkten Vergleich, Marina Makanza im Luftkampf gegen Kim Kulig Die zweite Halbzeit begann gleich wieder mit einer guten Chance, als Turid Knaak mustergültig auf der linken Seite angespielt wurde, aber aus bester Position über das Tor zielte. Besser machten es die Französinnen im Gegenzug. Irgendwie war die deutsche Defensive gedanklich noch nicht auf dem Platz. Gegen die halbherzigen Abwehrbemühungen konnte sich Pauline Crammer durchsetzen und den 1:2 Gegentreffer laden. Die personelle wie taktische Umstellung der Französinnen bereitete der deutschen Elf längere Zeit durchaus Probleme. Erst in der 60. Minute wendete sich wieder das Blatt. Kristina Gessat hatte einen Angriff abgefangen und leitete mit ihren Pass auf Knaak auf der linken Seite einen Gegenangriff ein. Deren Hereingabe auf Popp passte wieder genau, so dass die Duisburgerin wenig Mühe hatte, ihren dritten Treffer zu markieren. Und schon lief wieder das Spiel der Deutschen. Nach mehreren guten, aber vergebenen Chancen arbeitete sich die erst eingewechselte Kim Kulig auf der linken Seite bis zum Strafraum durch. Dort sah sie die auf rechts mitgelaufene Marozsan in besserer Position, wieder ein sauberes Zuspiel und es stand 1:4. ![]() Dzsenifer Marozsan brauchte eine Weile, um wieder richtig Tritt zu fassen. Dann aber gelang ihr doch noch der Treffer zum 1:4 Endstand |
Es war wieder ein großartiger Tag für Alexandra Popp (hier im Laufduell mit Charlotte Bilbault), die mit ihren drei Treffern maßgeblichen Anteil am deutschen Sieg hatte | |
Angesichts der deutlichen Führung schlich sich aber wieder der Schlendrian ein. In der 79. Minute handelte sich die deutsche Abwehr einen Freistoß ein, der zwar geblockt wurde. Der Ball aber kam zu Lea Rubio, die aus 30 Metern abzog und in Wembley-Manier senkrecht nach unten prallte, bevor der Ball wieder ins Feld zurücksprang. Desirée Schumann im deutschen Tor zeigte dabei keinerlei Reaktion. Manch einer sah hier Tor für Frankreich, Schiedsrichterin Ihringova ließ aber weiter spielen. (Im Fernsehen war zu erkennen, dass der Ball hinter der Torlinie aufsprang, der Treffer hätte zählen müssen).
Frankreich:
DVR Korea – Schweden 2:3 (1:1): ![]() Gegen die laufstarken Nordkoreanerinnen hatten die Schwedinnen lange Zeit große Probleme, hier versuchen Kristin Karlsson und Emilia Appelqvist, Choe Mi Gyong vom Ball zu trennen Ein erster zaghafter Versuch war in der 17. Minute zu verzeichnen. Sofia Jakobsson, die in ihrer Spielweise an Lotta Schelin erinnert, konnte sich auf der linken Seite durchsetzen, doch war ihr Schuss viel zu harmlos. Auch die nächste Möglichkeit blieb ungenutzt. Hong Myong Hui, die koreanische Torhüterin, schnappte sich trotz Blick voll in die Sonne eine hoher Hereingabe vor eben Jakobsson. Im Gegenzug fiel dann der längst verdiente Führungstreffer der Asiatinnen. Ein hart getretener Distanzschuss knallte an die Latte, der Ball sprang Koreas Nummer elf, Kim Myong Gum vor die Füße, die im Nachschuss Hilda Carlen keine Chance ließ. Und Korea setzte nach. Nach einem Eckstoß traf Yun Hyon Hi mit ihrem Kopfball aber nur den linken Pfosten. Eine Riesenchance ergab sich für Nordkorea in der 37. Minute, als Yun Hyon Hi steil geschickt wurde, auch Keeperin Carlen ausspielen konnte, dabei aber sehr weit nach links abgedrängt wurde. Ihr Rückpass auf Kim Myong Gum kam an, doch traf die Stürmerkollegin wieder nur den Pfosten des verwaisten Tores. Bei so vielen vergebenen Chancen musste die Strafe bei Fuße folgen. ![]() Berechtigter Jubel schwedischer Fans nach dem zu dem Zeitpunkt etwas glücklichen Ausgleich zum 1:1 kurz vor der Pause Kurz vor der Pause gelang Jakobsson nach einem Befreiungsschlag ein Konter, bei dem sie auch Koreas Keeperin Hong Myong Hui keine Chance ließ und erzielte den sehr glücklichen Ausgleichstreffer. So ging es statt mit einer klaren Führung für Nordkorea mit einem schmeichelhaften 1:1 in die Pause. |
Es sollte für das koreanische Team aber noch dicker kommen. Vermutlich angestachelt durch ein paar passende Worte des Trainers Calle Barrling, schnappte sich die bis dahin eher unauffällige Antonia Göransson das Leder am Mittelkreis und rannte los. Dabei überlief sie vier koreanische Abwehrspielerinnen und versetzte auch Keeperin Hong Myong Hui und schon führte Schweden mit 1:2. Doch Korea war keineswegs geschockt. Nach einer guten Flanke von Kim Chung Sim vors schwedische Tor verfehlte Choe Mi Gyong nur knapp das Ziel. ![]() Mit ihrem kraftvollen Solo in der 52. Minute leitete Antonia Göransson die Wende im Spiel ein. Sin Sol Ryon (20) und Jon Myong Hwa, der wenig später der Treffer zum 2:2 gelang, hatten hier das Nachsehen ![]() Nach ihrem Führungstreffer ließ sich Antonia Göransson von Kristin Karlsson und Amanda Ilestedt richtig herzen Jetzt begann ein offener Schlagabtausch. Zunächst kam Schweden mit Kristin Karlsson und ihrem Sprint aus dem Mittelfeld. Ihr anschließender Pass fand Göransson, die jetzt aber nur die Latte traf. Dann machte Korea wieder Druck. Die schwedische Abwehr brachte den Ball nicht aus der Gefahrenzone. Die Flanke von Kim Chung Sim brachte Jon Myong Hwa ins Spiel, die auch gleich den Ausgleichstreffer markierte. Beim folgenden Anstoß hatte das schwedische Team enorme Probleme. Zunächst wurde der Ball regelwidrig direkt nach hinten abgespielt mit der Folge, dass der Anstoß wiederholt werden musste. Beim zweiten Versuch startete Sofia Jakobsson außerhalb des Anstoßkreises klar vor dem Anstoß in die koreanische Spielhälfte. Wieder musste der Anstoss wiederholt werden. Diesmal bolzte die anstoßende Spielerin ohne Rücksicht auf ihre ebenfalls im Mittelkreis stehende Mitspielerin den Ball einfach Richtung koreanische Eckfahne. Das ist zwar regelkonform, aber bestimmt nicht Sinn der Sache. Wer um den Einzug ins Viertelfinale einer Fußball-WM kämpft, sollte sich mit den einfachen Regeln des Spielanstoßes auskennen. In der Schlussphase schienen die Koreanerinnen langsam platt zu sein. Dagegen gewann Schweden mehr an Sicherheit und brachte auch mehr Druck hinter seine Angriffsbemühungen. Bei einem dieser Angriffe in der 75. Minute war die koreanische Abwehr nicht im Bilde. Dazu verpasste Keeperin Hong Myong Hui eine Flanke. Kristin Karlsson spielte einen Heber Richtung Tor, Hyon Un Hui versuchte zwar noch per Kopf zu klären, doch wurde daraus lediglich eine Verlängerung ins eigene Tor. Schweden führte erneut. Der Kräfteverschleiß auf koreanischer Seite machte sich bemerkbar. Das schwedische Team kontrollierte jetzt mit wenig Aufwand das Spiel und band den Gegner mit Abwehraufgaben. Die Partie war gelaufen, es blieb bei der schwedischen 2:3 Führung. Damit entging Schweden dem direkten Aufeinandertreffen mit der deutschen Elf bereits im Viertelfinale.
DVR Korea:
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