U20 Weltmeisterschaft 2010, Gruppe CViele Tore, kaum ZuschauerEngland - Nigeria 1:1 (1:0), Mexiko - Japan 3:3 (3:1) | ||
Text und Bilder von Sascha Pfeiler 15.07.2010 Am zweiten Tag der FIFA U20 Weltmeisterschaft 2010 stand der erste Spieltag in Augsburg auf dem Programm. Für die ersten beiden Gruppenspieltage ist die bayerische Stadt, etwa 70 km nordwestlich von München, die Heimat der Gruppe C. Stellt euch vor, es ist WM in Deutschland und niemand geht hin. Wunderschönes Sommerwetter, vielleicht etwas zu warm, ein tolles Stadion, moderate Eintrittspreise und attraktive Gruppenpartien. Die Voraussetzungen lesen sich gut, nur die Anstoßzeiten an einem Werktag trüben die Vorfreude auf WM-Atmosphäre etwas. ![]() Leere Ränge in beiden Gruppenspielen am ersten Spieltag in Augsburg Etwa eine Stunde vor Anpfiff der ersten Begegnung des Tages, England - Nigeria (11:30 Uhr), der Parkplatz vor der Arena ist leer, um das Rund geschäftiges Treiben. Die Getränke- und Brezelnverkäufer treffen die letzten Vorbereitungen an ihren Ständen, einige Offizielle mit Funkgeräten in den Händen geben letzte Anweisungen und die an ihrer blauen Kleidung mit Rückenaufschrift "Volunteer" gut erkennbaren freiwilligen Helfer warten auf die Zuschauer. Apropos Volunteers: Ein großes Lob an all die freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer, die zu jeder Zeit sehr freundlich Auskunft gaben und bei jedem Problem selbstlos halfen. Fünf Minuten vor Anpfiff das selbe Bild. Im Stadion sind nur sehr vereinzelt ein paar Sitzplätze besetzt, fernsehwirksam besonders auf der Gegentribüne. Der Stadionsprecher kündigte die erste Partie an und schon kam doch irgendwie sowas wie WM-Atmosphäre auf. Fahnenkinder mit FIFA-FairPlay-Transparent und den beiden Landesflaggen kamen aus dem Spielertunnel auf den Platz, gefolgt vom Schiedrichtergespann und beiden Mannschaften. Die Nationalhymnen schallten durch das fast leere Stadion. ![]() Speziell Kinder freuten sich über einen besonderen Zuschauer, Karla Kick, das WM-Maskottchen für die Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland. Das erste Spiel der FIFA U20 Weltmeisterschaft in Augsburg wurde pünktlich um 11:30 Uhr angepfiffen und plötzlich war alles anders. Englische Fans begannen mit England, England-Rufen und eine Gruppe nigerianischer Fans feierten das gesamte Spiel über mit Trompeten und afrikanischen Tänzen ... endlich! Es ist WM in Augsburg! Erst Mitte der zweiten Begegnung des Tages, Mexiko - Japan, verkündete der Stadionsprecher die offizielle Zuschauerzahl. 2.400 seien es in der WM-Arena zu Augsburg, erstauntes Raunen im Rund. Da fühlte sich jeder im Stadion, inklusive Getränke- und Breznverkäufer, Volunteers und Pressevertreter, doppelt angesprochen. Aber kommen wir zu den Spielen: ![]() Japans Starspielerin Mana Iwabuchi riss das erste Gruppenspiel ihres Teams an sich und erkämpfte mit ihrem Treffer zum 3:3 Ausgleich noch einen Punkt. |
Die beiden Hauptdarsteller des ersten Spiels des Tages, England - Nigeria, nebeneinander. Kerys Harrop (rechts) erzielte die Führung für England in der ersten Halbzeit. Desire Oparanozie traf in der zweiten Hälfte verdient zum Ausgleich. | |
England - Nigeria 1:1 (1:0): ![]() Mit dem Halbzeitpfiff erziehlte Kerys Harrop per Kopfball nach einer Ecke das 1:0 für England. Der Jubel über das erste Tor des Turnieres für England war folglich groß. Bereits nach 6 Minuten musste Englands Nationaltrainerin Mo Marley zum ersten Mal auswechseln. Verletzt musste Jessica Holbrook vom Platz, für sie kam Lucy Staniforth. Beide Teams taten viel für das Spiel, bei ausgeglichenem Ballbesitz hatten aber die Nigerianerinnen die klareren Torgelegenheiten im ersten Durchgang. Sowohl Esther Sunday als auch Desire Oparanozie scheiterten jeweils mit sehr guten Möglichkeiten an Englands Torfrau Rebecca Spencer. In der 45. Minute war dann aber England am Zug. Die hochgewachsene Abwehrspielerin Kerys Harrop traf nach einem Eckball von Lucy Staniforth per Kopf zum 1:0 Halbzeitstand. In Halbzeit zwei mussten die "Falconets" aus Nigeria nun noch mehr tun und das taten sie auch. Offensivbemühungen fanden fast ausschließlich vor dem englischen Tor statt. Die Statistik von 2:9 Torschüssen zugunsten der Afrikanerinnen spricht für sich. Ebere Orji scheiterte wie auch schon einmal in der ersten Hälfte alleine vor Rebecca Spencers Tor an ihren eigenen Nerven, als sie den Ball nach Hereingabe von Desire Oparanozie nur noch ins leere Tor einschieben musste, aber anstatt direkt abzuziehen, stoppte sie den Ball erst und somit konnte die heraneilende Lindsey Cunningham noch klären. In der 60. Spielminute machte es dann Desire Oparanozie selber. Sie verwandelte einen schnellen Konter über Ebere Orji in Torjägermanier zum verdienten 1:1. In der verbleibenden halben Stunde drängte Nigeria gar auf den Siegtreffer. Die gut gestaffelte englische Verteidigung wusste dies aber zu verhindern und so blieb es beim für die "Three Lions" etwas glücklichen Unentschieden. Zu Erwähnen bleibt noch, dass die Partie zu jeder Zeit absolut fair abgelaufen ist. Schiedsrichterin Jenny Palmqvist aus Schweden musste keiner Spielerin eine gelbe Karte zeigen.
England: |
Mexiko - Japan 3:3 (3:1): Der japanische Führungstreffer rüttelte die Mittelamerikanerinnen regelrecht wach und folglich übernahm "El Tri" das Spiel. Etwas überraschend gehörte der Rest der ersten Halbzeit den stark aufspielenden Mexikanerinnen. In der 31. Minute leitete Stephany Mayor einen schnellen Konter über rechts ein, flankte in den japanischen Strafraum und Renae Cuellar behielt die Nerven. Sie überwand Japans Torfrau Erina Yamane mit einem wunderschönen Schuss ins rechte obere Eck zum Ausgleich. Mit einem Doppelschlag vor der Pause erhöhten die Mexikanerinnen durch Charlyn Corral (41.) und Nayeli Rangel (45.) zum etwas überraschenden Pausenstand von 3:1. ![]() Mit 3 Treffern in der ersten Halbzeit überaschte "El Tri" die ambitionierten Japanerinnen Die zweite Halbzeit gehörte dann dem Team aus Japan, die mit etwas Wut aus der Pause kamen. Mana Iwabuchi drehte richtig auf und brachte die mexikanische Abwehr ein ums andere Mal in Bedrängnis. In der 64. Spielminute lenkte die Torschützin zum zwischenzeitlichen 1:1 Renae Cuellar einen japanischen Eckball unglücklich und unhaltbar für Torfrau Cecilia Santiago ins eigene Tor. Japan drückte nun auf den Ausgleich, Mexiko nur noch mit Entlastungsangriffen. Die vor dem Turnier so hochgelobte Mana Iwabuchi zeigte ihr ganzes Können und spielte mit der mexikanischen Abwehrreihe Katz und Maus. Doch die Uhr lief gegen die Japanerinnen. Als sich die Zuschauer schon mit dem Überraschungssieg der mexikanischen Auswahl anfreundeten, setzte Iwabuchi zum letzten Mal einen Torschuss an. Aus gut 25 Metern konnte sie den Ball ungestört annehmen und abziehen. Der 3:3 Ausgleich zwei Minuten vor Ende der Partie war von Japan erkämpft und letztlich auch verdient.
Mexiko:
| |