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U20 Nationalmannschaft, Testspiel

Klarer Sieg gegen die USA

Deutschland - USA 3:1 (2:1)

Text und Bilder von Tom Schlimme

14.06.2010   Spiele deutscher Nationalmannschaften gegen die USA, den ersten der Weltrangliste im Frauenfußball, sind etwas besonderes, und deutsche Siege gerade in jüngster Zeit relativ selten. Um so bemerkenswerter ist der Erfolg der deutschen U20, die gestern in Herford beim zweiten Testspiel zur Vorbereitung auf die WM glatt und verdient gegen die US-Girls gewinnen konnte.

Dabei begannen die jungen Amerikanerinnen wesentlich stärker als Deutschlands erster Testspielgegner Südkorea in Gießen vor 11 Tagen und zeigten, wieso sie ebenso wie Deutschland zum engsten Favoritenkreis bei dieser WM gezählt werden. So waren die ersten zehn Minuten sehr ausgeglichen und von gegenseitigem Abtasten geprägt, mit leichtem Übergewicht für die USA. In der zehnten Minute setzte sich Sidney Leroux links im Strafraum durch, gefährliche Situation, halbspitzer Winkel vor dem Tor, doch der Stürmerin gelang nur ein Mittelding zwischen Flanke und Torschuss, so dass der Ball an Freund, Feind und Tor vorbeiging. Gleich im Gegenzug kam Selina Wagner dann im US-Strafraum an den Ball, kam trotz Bedrängnis auch zum Schuss, aber ebenfalls vorbei.

U20 Deutschland

Die Startformation der deutschen U20. Oben v.l.n.r.: Bianca Schmidt, Valeria Kleiner, Kristina Gessat, Kim Kulig, Dzsenifer Marozsan, Stefanie Mirlach
Unten: Tabea Kemme, Selina Wagner, Almuth Schult, Svenja Huth, Alexandra Popp

U20 USA

Die Startformation der USA. Oben v.l.n.r.: Tiffany McCarty, Adrianna Franch, Sidney Leroux, Kristie Mewis, Toni Pressley, Victoria Di Martina
Unten: Zakiya Bywaters, Crystal Dunn, christine Nairn, Amber Brooks, Kendall Johnson

Nur eine Minute später konnte Wagner dann aber in einer unübersichtlichen Situation nahe am Pfosten des amerikanischen Tores einen Ball erobern, den US-Abwehrspielerin Crystal Dunn besser ins Aus geschossen hätte, und gab den Ball gut in die Mitte vor das Tor, wo Alexandra Popp keine Mühe mehr hatte, den Führungstreffer zu erzielen. Ein kleines Gastgeschenk der Amerikanerinnen, welches das deutsche Team jubelnd annahm. Und es ging weiter. Deutschland stürmte, Svenja Huth, wieder mit einigen guten Dribblings auf der rechten Seite, holte in der 15. Minute einen Freistoß heraus. Dzsenifer Marozsan brachte den Ball flach vor das Tor, die US-Abwehr sah erneut schlecht aus, ließ den Ball passieren, und Stefanie Mirlach konnte zum 2:0 einschießen.

Die Amerikanerinnen versammelten sich sofort nach diesem Gegentor im eigenen Strafraum, steckten die Köpfe zusammen und bildeten einen Kreis. Offensichtlich war man nicht gewillt, sich hier abschlachten zu lassen, und diese kleine Geste der Sammlung und Konzentration schien auch zu helfen, denn obwohl das deutsche Team nun mit viel Selbstbewußtsein und der Führung im Rücken stark aufspielte, hielten die Amerikanerinnen gut dagegen und kamen auch selbst immer wieder nach vorne. Dies wurde dann auch fünf Minuten später schon belohnt, eine deutsche Spielerin verpasste einen steil in die Spitze gespielen Ball, damit war Leroux durch, Keeperin Almuth Schult kam früh raus und ihr entgegen, doch eine solche Chance lässt sich eine Sydney Leroux nicht entgehen, souverän erzielte sie den Anschlusstreffer.

Marith Prießen gegen Sydney Leroux

In dieser Szene aus der zweiten Halbzeit hat Sydney Leroux (rechts) gegen Marith Prießen das Nachsehen, in der ersten Hälfte gelang der amerikanischen Star-Stürmerin jedoch der Anschlusstreffer für ihr Team

Leroux hätte später in dieser Halbzeit sogar noch ausgleichen können, doch ihr von der Strafraumgrenze schön auf den Winkel gezielter Schuss ging dann doch knapp vorbei, das Ding wäre unhaltbar gewesen. Aber auch Deutschland kam noch vor dem Pausenpfiff zu Chancen, so holte Marozsan einen Freistoß an der Strafraumgrenze heraus, den sie auch selber schoss, gut über die Mauer, aber das Leder senkte sich zu spät und flog eine Ballbreite über die Latte. Wenig später traf Marozsan dann bei einer anderen Gelegenheit sogar das Holz, aber es blieb dann beim 2:1 zur Pause.


Tor Alexandra Popp

Das Tor zum 1:0. Selina Wagner (ganz rechts) hat Crystall Dunn (verdeckt mit der Nr. 4) den Ball abgenommen und nach innen gegeben, Alexandra Popp (Nr. 11) hat freie Schussbahn. Endlich mal wieder ein Sieg eines deutschen Teams gegen die USA!

Beide Teams begannen die zweite Hälfte mit zahlreichen Wechseln. Das deutsche Team fand sich dabei schneller zurecht. Ein steiler Pass aus dem Mittelfeld erreichte Marozsan, die zog davon und verwandelte genauso souverän wie Leroux auf der Gegenseite in der ersten Halbzeit (49.). Seitens der USA gab es diesmal aber kein Aufbäumen mehr, Deutschland blieb nun das spielbestimmende Team.

Dzsenifer Marozsan gegen Christine Nairn

Dzsenifer Marozsan, hier im Kopfballduell mit Christine Nairn, erzielte das 3:1 für Deutschland. Im Hintergrund Schiedsrichterin Marija Kurtes

Insbesondere Dzsenifer Marozsan spielte nun wie aufgedreht und dribbelte ihre Gegenspielerinnen schwindelig. Taktisch/spielerisch agierte das Team in der Zentrale und in der Abwehr, wo Bundestrainerin Maren Meinert in der ersten Halbzeit noch Probleme gesehen hatte, nun auch sehr gut. Aber auch die eingewechselten Spielerinnen setzten Akzente. Jessica Wich, für Huth gekommen, konnte sich einige Male gut durchsetzen, hatte nur etwas Pech im Abschluss. Marina Hegering, für Stefanie Mirlach gekommen, bot im Mittelfeld eine starke Leistung, Marith Prießen für Valeria Kleiner war ebenfalls gleichwertig, auch die später eingesetzten Ramona Petzelberger und Sylvia Arnold hatten noch gute Szenen, und so schaukelte die deutsche U20 diesen Sieg gegen die USA ohne Probleme nach Hause.

Marina Hegering  gegen Samantha Mewis

Beide wurden in der zweiten Halbzeit eingewechselt, beide mit guten Spiel: Marina Hegering (links) und Samantha Mewis

Auf amerikanischer Seite ist als stärkste Spielerin Sidney Leroux zu nennen, die allerdings in der zweiten Halbzeit untertauchte, außerdem fiel Kristie Mewis auf, die in der zweiten Halbzeit das amerikanische Offensivspiel dominierte. Es fällt schwer, auf deutscher Seite Spielerinnen besonders hervor zu heben. Das Team zeigte sich sehr einheitlich. Die drei A-Nationalspielerinnen ragten nicht hervor, fielen aber auch nicht ab. Es war ja auch ihr erstes Spiel mit diesem Team und das gleich gegen diesen schweren Gegner, dafür lief es schon sehr gut und lässt auf noch bessere Leistungen hoffen.

Kim Kulig gegen Kristie Mewis

Kim Kulig (links) im Zweikampf mit Kristie Mewis, der besten Amerikanerin der zweiten Halbzeit

Zur Qual der Wahl auf der Torhüterposition lassen sich auch keine Schlüsse ziehen, dafür wurden beide Keeperinnen (in der zweiten Hälfte wurde Desiree Schumann eingesetzt) zu wenig geprüft. So bleibt wohl vor allem die positive Erkenntnis, dass der deutsche Kader aus so vielen starken Spielerinnen besteht, dass es auf einigen Positionen schwer werden wird, die Entscheidungen zu treffen, wer nun schlussendlich spielen wird. Turid Knaak war in diesem Spiel etwas schwächer als Selina


Wagner, für die sie in der zweiten Halbzeit spielte, aber was sagt das schon...

Dies war dann auch einer von zwei Punkten, die Maren Meinert in der Pressekonferenz nach dem Spiel besonders unterstrich: „Wir sind schwer in das Spiel rein gekommen, die Tore haben uns dann natürlich sehr geholfen. In der zweiten Halbzeit lief es dann deutlich besser, da hatten wir dann auch mehr Raum. Ich ziehe zwei wichtige Punkte als Fazit aus dem Spiel: Die Amerikanerinnen zu schlagen, ist gut für unser Selbstvertrauen, und wir haben gesehen, dass es nach den vielen Wechseln keinen Bruch im Spiel gab, wir 21 starke Spielerinnen im Kader haben, die sich gegenseitig ersetzen können.”

Tor Stefanie Mirlach

Das hat gut getan: Stefanie Mirlach (Nr. 2) erzielt hier das 2:0 für Deutschland. Ein Sieg, der dem Team Selbstvertrauen für die WM geben wird!

Die Trainerin des amerikanischen Teams, Jill Ellis, war froh, den Vergleich mit dem starken deutschen Team zu diesem Zeitpunkt gemacht zu haben. Sie hätten hier viel an Erfahrung gewonnen, das Spiel sei für ihr Team zum Charaktertest geworden, und sie sei hoffnungsfroh im Blick auf die WM. Es seien ja auch noch einige Wochen bis dahin.

Am Mittwoch testet die deutsche U20 dann letztmals, diesmal gegen Japan (11:00 Uhr in Gütersloh, Heidewaldstadion), und am 13. Juli wird in Bochum das Eröffnungsspiel dieser Weltmeisterschaft gegen Costa Riga angepfiffen. Das deutsche Team wird nach diesem Sieg gegen die USA die Bürde der Favoritenrolle nicht mehr abschütteln können. Doch gefragt, ob nicht durch das Heimpublikum und die hohe Erwartung nicht zu viel Druck auf ihrem Team lasten würde, erklärte Meinert: „Die Spielerinnen genießen die Anfeuerung und die Atmosphäre, sie freuen sich über jeden Zuschauer, der kommt. Wir haben sonst auch nicht so viele Heimspiele, wir freuen uns einfach auf diese WM!”

Trainerin Jill Ellis

US-Trainerin Jill Ellis nahm die Niederlage locker, es seien ja noch einige Wochen bis zur WM



U20 Deutschland:
Schult (46. Schumann) - Schmidt, Kleiner (46. Prießen), Gessat, Kemme - Huth (46. Wich), Kulig (76. Bagehorn), Mirlach (46. Hegering), Wagner (46. Knaak) - Marozsan (76. S. Arnold), Popp (60. Petzelberger)

U20 USA:
Franch - McCarty (71. Hayes), Dunn, Pressley, Johnson - K. Mewis, Brooks (46. S. Mewis), Nairn, Bywaters (46. Short, 82. Verloo) - Leroux, DiMartino (46. Quon)

Tore:
1:0 Popp (12.)
2:0 Mirlach ( 17.)
2:1 Leroux (23.)
3:1 Marozsan (49.)

Gelbe Karten: keine

Schiedsrichterin: Marija Kurtes (Düsseldorf)
Assistentinnen: Marina Wozniak, Kathrin Heimann

Zuschauer: 1611


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