U-20 Weltmeisterschaft 2010, 1. HalbfinaleMit geballter Frauenpower ins FinaleDeutschland Südkorea 5:1 (2:0) | ||
Text von Marion Kehren 30. Juli 2010 Das kleine Sommermärchen darf weiter geträumt werden. Der hoch gehandelte Titelaspirant Deutschland steht nach einer bravourösen Leistung gegen Südkorea zu Recht im Finale der U20 Heim-WM.
Das erste Halbfinale in Bochum startete mit einer Schweigeminute in Gedenken an die 21 Toten und unzähligen Verletzten der Loveparade in Duisburg am letzten Wochenende. Eine eiskalte Schauer lief einem den Rücken hinunter; denn das Unglück hatte sich nur wenige Kilometer vom Stadion in Bochum entfernt zugetragen.
Schweigeminute in Gedenken an die Opfer der Loveparade. Als Schiedsrichterin Silvia Reyes die Halbfinalpaarung pünktlich anpfiff, setzte die erste starke Regenschauer ein, was der Stimmung auf den Rängen aber keinen Abbruch tat. In den Anfangsminuten war die Partie noch völlig offen und die Asiatinnen zeigten wenig Respekt vor dem Weltmeister von 2004. So war es auch Südkorea, die die erste Schussmöglichkeit vorweisen konnten, aber der ausgeführte Freistoß von Kim Narae blieb ohne Wirkung. Die Reaktion der deutschen Mannschaft ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Nach einem Einwurf von Bianca Schmidt leitete Hegering den Ball weiter auf die gut positionierte Sylvia Arnold. Diese legte sich den Ball allerdings zu weit vor und die Chance war dahin.
Sylvia Arnold war maßgeblich an der Chancenvielfalt beteiligt und setzte sich für ihr Team ein, wie hier im Gefecht gegen Seo Hyun Sook. Die körperlich unterlegenen Asiatinnen versuchten über die Schnelligkeit ihr Manko wett zu machen, was gerade am Anfang einige Male gelang. So auch in der 7. Minute, als sie gleich zwei Mal hintereinander einen Eckstoß zugesprochen bekamen. Leider waren sie aber im Abschluss nicht konsequent genug und konnten von Glück reden, als ein direkter Konter von Popp auf Arnold nicht sein Ziel erreichte. In der zehnten Minute die bis dato beste Tormöglichkeit der Koreanerinnen. Eine ausgeführte Ecke landete direkt vor den Füßen von Jung Hae In, aber den schwach geschossenen Ball kann Torhüterin Almuth Schult abwehren.
Das Team von Maren Meinert schien nun genug von den Spielchen der Koreanerinnen zu haben und legte den Vorwärtsgang inkl. Turbo ein. Nach 13 Minuten klingelte es, nach einem Angriff über den linken Flügel, zum ersten Mal im Tor der Asiatinnen. Alexandra Popp bediente hierbei Tabea Kemme goldrichtig, die den Ball nach innen auf Svenja Huth flanke und diese brauchte nur noch den Fuß hinzuhalten.
Von da ab war die Richtung des deutschen Teams klar definiert und es entwickelte sich ein munteres Spielchen. Besonders gefielen dabei Dzsenifer Marozsan und Sylvia Arnold, die maßgeblich an der Chancenvielfalt ihres Teams beteiligt waren. Korea kam in der Folge nur noch ganz selten aus der eigenen Hälfte heraus, zu groß war die deutsche Übermacht. Chance um Chance reihte sich aneinander und eine sah dabei nicht sonderlich glücklich aus: Die koreanische Keeperin Moon So Ri fiel mehr durch ihre ständigen Abklatscher auf, anstatt mit guten Paraden zu glänzen.
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Nach vier erfolgreichen Spielen in Bochum ließ es sich die deutsche Mannschaft nicht nehmen, sich bei der Stadt und den Fans zu bedanken. | |
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In der 26. Minute läutete es erneut im Kasten der Koreanerinnen. Nach einem Angriff von Popp und einer katastrophalen Abwehrleistung von Jeong Yeonga, die den Ball auf Kulig abfälschte, war diese die lachende Dritte und versenkte das Leder unhaltbar aus knapp 20 Metern. Die wackeren Asiatinnen steckten nicht auf und versuchten ihr Bestes um den Anschlusstreffer zu erzielen, aber letztendlich fehlte die Durchschlagskraft, um sich gegen das hoch motivierte deutsche Team durchsetzen zu können. Bis zur Halbzeit gab es noch eine Vielzahl von Möglichkeiten das Resultat zu verändern, aber keines der beiden Teams konnte daraus Profit schlagen.
Kung Fu Einlage von Bianca Schmidt, gegen die nicht immer glücklich agierende Jeong Yeonga. Nach der Halbzeit ging es gleich munter weiter. Zwar erhielten die Koreanerinnen einen Freistoß aufgrund eines Fouls von Prießen, Kim Jin Young konnte aber die ihr gebotene Chance nicht nutzen. Dafür machte aber in der nächsten Sequenz die DFB-Elf alles richtig. Arnold konnte sich gleich gegen zwei Bewacherinnen durchsetzen. Ihr Schuss wurde allerdings abgefälscht und landete direkt vor den Füßen von Tieffliegerin Alex Popp. Diese Einladung ließ sich die Duisburgerin natürlich nicht nehmen und schob das Leder über die Linie. Als dann drei Minuten später Kulig für erneuten Jubel sorgte, war der Drop wohl endgültig gelutscht.
Kim Hye Ri und Kim Narae können Alexandra Popp auf dem Weg zum 3:0 nicht aufhalten. Der Jubel auf den Rängen nahm kein Ende mehr und so langsam konnte man sich wohl die Frage stellen, wer diese deutsche Mannschaft eigentlich noch stoppen sollte? Die Koreanerinnen kamen zwar in der 64. Minute durch ihre Ausnahmestürmerin Ji So Yun, nach einem sehenswerten Sololauf, zum Ehrentreffer, aber wirklich Sorgen hat sich im Stadion wohl niemand gemacht. Für die verrückteste Situation sorgte allerdings Jeong Yeonga. Sie fing im Strafraum einen zuvor ans Lattenkreuz geprallten Ball, der wieder ins Feld flog, mit den Händen auf. Ein eindeutiger Fehler den die Unparteiische ahnen musste und es gab, nach kurzer Nachfrage bei der Linienrichterin, Strafstoß für Deutschland. Popp trat an und verwandelte souverän zum 5:1.
Die Schiedrichterin hatte es zunächst gar nicht bemerkt, dass Jeong Yeonga den Ball noch innerhalb des Spielfeldes gefangen hatte. Erst der vehemente Protest der deutschen Spielerinnen veranlasste sie dazu sich mit ihrer Linienrichterin zu beraten. Danach nahm das deutsche Team merklich das Tempo aus dem Spiel. Die letzten 20 Minuten wurde die Mannschaft auf einer wahnsinnigen Euphoriewelle getragen. Angefangen über die Laola, diversen Schlachtgesängen und stehenden Ovationen was musste das für ein Gefühl für die Spielerinnen sein?
Nach dem Schlusspfiff gab es kein Halten mehr und das Team bedankte sich auf seine Weise mit einem riesigen Banner "Danke Bochum! - Auf nach Bielefeld“. Und die Koreanerinnen? Sie bedankten sich ebenfalls bei ihren mitgereisten Fans; denn schämen mussten sie sich wahrlich nicht, immerhin hatten sie das Halbfinale erreicht. |
Auf der anschließenden Pressekonferenz zeigte sich Koreas Trainer Choi In-Cheul als guter Verlierer und fairer Sportsmann.“ Ich bin sehr stolz auf meine Spielerinnen, sie haben versucht das umzusetzen was sie gelernt haben. Allerdings war es schon eine ziemliche Belastung für einige im Halbfinale zu stehen, vielleicht war der Druck für einige zu hoch. Für Deutschland war mit Sicherheit der Heimvorteil von Nutzen. Ich gratuliere zum Sieg und zum Einzug ins Finale. Wir werden versuchen uns jetzt auf das Spiel um Platz 3 vorzubereiten und uns neu zu motivieren.“
Trainerin Maren Meinert konnte eigentlich nur stolz auf ihre Mannschaft sein:“ Es war ein Traum von uns das Finale zu erreichen, dass haben wir jetzt geschafft. Wir hatten großen Respekt vor dem Gegner und wir wussten von ihrer individuellen Klasse. Das hohe Ergebnis spiegelt den Spielverlauf nicht ganz wieder. Jetzt freu ich mich einfach darauf, dass wir am Sonntag gemeinsam das Endspiel erleben dürfen.
Moon Son Ri hatte heute einen rabenschwarzen Tag. Sie kassierte nicht nur fünf Gegetore, sie konnte auch die harten und plazierten Schüsse der deutschen Spielerinnen nur abklatschen lassen und war somit ein großer Risikofaktor für ihre Mannschaft.
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