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U20 Nationalmannschaft, Testspiel

Gelungener Start in die Vorbereitung

Deutschland - Südkorea 3:0 (2:0)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Volker Lieberum

03.06.2010   Als Abschluss des ersten Lehrgangs zur Vorbereitung auf die U20 Weltmeisterschaft im eigenen Land trug die deutsche U20 gestern ein Freundschaftsspiel gegen Südkorea aus. Die Gäste hatten ein Trainingslager in Deutschland verbracht, so dass sich ein solches Spiel organisatorisch anbot.

Doch auch spielerisch war Südkorea ein passender Vorbereitungsgegner. Die kleinen und wuseligen Südkoreanerinnen sind schnell, ballsicher und dribbelstark, so dass die deutschen Spielerinnen durchaus gefordert wurden. Schwächen offenbarten die Gäste vor allem im Kopfballspiel, zum Teil in der Defensive im Zweikampf und vor allem auf der Torhüterinnenposition, und auch solche Schwächen des Gegners zu nutzen, will erst einmal geübt sein.

U20 Deutschland

Die Startaufstellung des deutschen Teams. Obere Reihe von links:
Selina Wagner, Kristina Gessat, Dzsenifer Marozsan, Stefanie Mirlach, Sylvia Arnold, Marina Hegering.
Unten v.l.: Marith Prießen, Laura Brosius, Desiree Schumann, Svenja Huth, Jessica Wich

U20 Südkorea

Das Team aus Südkorea: oben v.l: Ari Song, Eunkyung Lee, Narae Kim, Yeonga Jeong, Hyunsook Seo, Sori Moon.
Unten v.l.: Mina Lee, Eunsom Kwon, Junyoung Kim, Yumi Kang, Eunha Jeoun

Dabei war Südkorea, wie Trainer Inchul Choi später erklärte, nicht in voller Stärke angetreten. Drei Spielerinnen waren mit der A-Nationalmannschaft unterwegs, zwei weitere Leistungsträgerinnen fehlten verletzt. Aber auch die übrigen Spielerinnen seien sehr stark, und er sei stolz auf seine Spielerinnen, die jetzt zehn Tage hart gearbeitet hätten und trotzdem gegen das deutsche Team, das er zum Favoritenkreis dieser U20 WM zählte, eine ordentliche Leistung geboten hätten.

Ähnlich waren die Voraussetzungen allerdings auch beim Gastgeber. Auch die deutschen Spielerinnen hatten die Belastung eines anstrengenden Lehrgangs mit Leistungstest in den Knochen, und auch auf deutscher Seite waren drei Spielerinnen, die schon zum Kreis der A-Nationalmannschaft gehören, noch nicht dabei. Kim Kulig, Bianca Schmidt und Alexandra Popp werden jetzt allerdings sehr bald mit Beginn des zweiten Lehrgangs zum Team stoßen, und eventuell werden auch noch vom Kader der U19, die bei der Europameisterschaft in Mazedonien drei gute Gruppenspiele gezeigt hat, dann aber leider im Halbfinale im Elfmeterschießen gegen Frankreich ausgeschieden ist, Spielerinnen in den U20 Kader aufgenommen.

Svenja Huth gegen Jinyoung Kim

Svenja Huth, die hier schneller ist als Jinyoung Kim, setzte von Beginn an Akzente und setzte sich auf ihrer rechten Seite immer wieder auch gegen mehrere Gegenspielerinnen durch

Vor 822 Zuschauern bei bestem Fußballwetter begannen die deutschen U20-Mädels stark, drängten Südkorea von vorne herein in die eigene Hälfte. Svenja Huth auf dem rechten Flügel war die auffälligste Spielerin der Anfangsphase, wurde im Strafraum schon gleich zu Beginn elfmeterverdächtig vom Ball getrennt und holte eine Minute später auf Zuspiel von Dzsenifer Marozsan einen Eckstoß heraus, den Marozsan herein gab und der zu einem gefährlichen Kopfball von Stefanie Mirlach führte, der nur knapp am Pfosten vorbei ging.

Sori Moon

Südkoreas Keeperin Sori Moon wirkte einige Male unsicher, vor allem bei hohen Bällen

Damit sind auch gleich die drei stärksten Spielerinnen im deutschen Team genannt. Huth dribbelte auf rechts ihre Gegnerinnen schwindelig und gab viele gefährliche Flanken in den Strafraum, Marozsan füllte die Rolle der Spielgestalterin gut aus und Mirlach entwickelt in diesem Team beachtliche


Tor Stefanie Mirlach

Stefanie Mirlach (Nr. 2) hatte die Lufthoheit im Strafraum der kleingewachsenen Südkoreanerinnen. In dieser Szene erzielt sie per Kopf das 1:0 für Deutschland

Führungsqualitäten im defensiven Bereich, ist außerdem bei ihren Vorstößen aufgrund ihrer Körpergröße und Kopfballstärke eminent torgefährlich.

Dzsenifer Marozsan

Dzsenifer Marozsan kurbelte das deutsche Angriffsspiel erfolgreich an, traf aber selber nur die Latte des südkoreanischen Tores

Aber auch von den anderen deutschen Spielerinnen fiel keine deutlich ab. Keeperin Desiree Schumann bekam zwar nicht übermäßig viel zu tun, musste aber schon einige Male in schwierigen Situationen eingreifen und meisterte diese souverän. So auch gleich in der Anfangsphase, als bei einem Gegenzug Yumi Kang plötzlich vor ihrem Tor auftauchte, Schumann aber schnell genug heraus war und klären konnte. Die richtigen Chancen gab es erst mal nur auf der anderen Seite, wo Marina Hegering Huth gut anspielte, die setzte sich rechts wieder durch, gute Flanke, Jessica Wich verpasste mit dem Kopf.

Jessica Wich gegen Yeonga Jeong

Jessica Wich, hier am Ball gegen Yeonga Jeong, beackerte die linke Angriffsseite des deutschen Teams

Flanken, Eckstöße und Freistöße strichen ein ums andere Mal durch den südkoreanischen Torraum, wo Keeperin Sori Moon viele Bälle unterlief, doch häufig kam dann auch keine deutsche Spielerin an den Ball. Durch frühes Stören und Balleroberungen drängten die deutschen Spielerinnen Südkorea etwa 20 Minuten lang in die eigene Hälfte zurück, doch die ganz großen Chancen konnten dabei nicht erarbeitet werden. Erst in der 25. Minute gelang den Asiatinnen auf ihrem rechten Flügel ein Durchbruch, Mina Lee war es, die sich hier durchsetzte, aber ihre zu schwache Mischung aus Flanke und Torschuss war kein Problem für Schumann. Glück für Deutschland, Yumi Kang wäre in der Mitte frei gewesen.

In der 26. Minute wurde ein Freistoß von Marozsan, die alle Standards trat, schlecht abgewehrt, Selina Wagner nahm den Ball volley, schöner Schuss, der Ball zappelte im Netz, aber abgepfiffen wegen Abseits. Richtige Entscheidung des Schiedsrichterteams, denn Sylvia Arnold war direkt vor der Torhüterin deutlich im Abseits und fälschte den Schuss wahrscheinlich noch ab, störte aber zumindest die Keeperin und griff damit ins Spiel ein. Nur eine Minute später tropfte der Ball nach einer unübersichtlichen Situation im Strafraum an den Pfosten des koreanischen Tores. In der 31. Minute fiel dann auch der hochverdiente Führungstreffer: Ecke Marozsan, Kopfball Mirlach, Fußball kann sehr einfach sein!

Svenja Huth

Keine deutsche Spielerin wurde so oft gefoult wie Svenja Huth. Hier ist Yeonga Jeong die Übeltäterin

Südkorea war inzwischen aber etwas mutiger und kombinationssicherer geworden und spielte nun auch mehr nach vorne. Schumacher musste einen Flachschuss von Jinyoung Kim aus der Ecke fischen, was ihr aber ohne Probleme gelang. Doch das Spiel wurde ausgeglichener und Bundestrainerin Maren Meinert versuchte, ihr Team von der Seitenlinie aus lautstark wachzurütteln. Das Team fing sich dann auch, blieb überlegen. Huth holte einen weiteren Freistoß aus ausichtsreicher Position, Marozsan gab den Ball herein,


Sori Moon unterlief auch diesen Ball - aber keine deutsche Spielerin kam richtig dran. Doch wenig später brachte ein genialer Steilpass von Marina Hegering aus dem Mittelfeld Selina Wagner in Position, diese rannte mit dem Ball alleine auf Sori Moon zu und schloss mit einem platzierten Flachschuss ins lange Eck ab. 2:0, das war ein aus deutscher Sicht ordentlicher und verdienter Pausenstand.

Selina Wagner

Selina Wagner ist hier ihrer Gegenspielerin davon gelaufen und holt aus, um das 2:0 zu erzielen

Die zweite Halbzeit begann wie die erste, Huth setzte sich rechts durch, Flanke, keine kam dran. In der 57. Minute traf Marozsan die Latte, Deutschland blieb überlegen. In der 60. Minute hatte dann die eingewechselte Anne Bartke eine ähnliche Gelegenheit, wie sie Wagner zum 2:0 genutzt hatte, lief mit Ball allein auf die zur Pause eingewechselte Keeperin Jisoo Jung zu, ihr Schuss wurde aber zur Ecke gelenkt. Doch wenig später gelang dann der auch sehr gut spielenden Sylvia Arnold die Krönung ihrer Leistung, indem sie in einer schönen Einzelaktion zentral aus dem Mittelfeld heraus auf den Strafraum zu ging und etwa zwei Meter vor der Strafraumgrenze einfach abzog. Unhaltbar, 3:0!

Sylvia Arnold

Sylvia Arnold nimmt Maß: Mit diesem Schuss erzielte sie das 3:0 für Deutschland. Ihre Zwillingsschwester Julia im Hintergrund sieht´s kommen!

Südkorea kam noch zu kleineren Torgelegenheiten, aber das deutsche Team blieb auch nach der klaren Führung überlegen und erspielte sich weiter ein Chancenplus, es blieb jedoch beim 3:0. Dieser Sieg gibt Selbstvertrauen, freute sich Trainerin Maren Meinert nach dem Spiel. Korea sei technisch und spielerisch sehr gut gewesen, mit etwas mehr Glück im Abschluss bei Südkorea wäre der Sieg nicht so deutlich ausgefallen. Eine nette Aussage gegenüber den Gästen, die ich nicht so teilen kann. Von deutscher Seite wurden meiner Ansicht nach deutlich mehr und bessere Chancen vergeben, so dass der Sieg auch hätte höher ausfallen können, wenn nicht müssen. Doch Werbung für die U20 WM, wie Meinert betonte, war dieses Spiel allemal. Jetzt kann man gespannt sein auf das Vorbereitungsspiel gegen die USA in Herford (13. Juni, 14.00 Uhr).

Deutschland:
Schumann - Mirlach, Prießen, Gessat, Brosius (84. Joswiak) - Huth, Hegering (46. J. Arnold), S. Arnold (75. Höß), Wich (46. Bartke) - Marozsan, Wagner

Südkorea:
Sori Moon (46. Jisoo Jung) - Hyunsook Seo, Yeonga Jeong, Yumi Kang, Junyoung Kim, Eunkyung Lee, Eunsom Kwon (46. Hyeri Kim), Mina Lee (70. Youngju Lee), Eunha Jeoun (46. Hyunyoung Lee), Ari Song (46. Minsun Lee), Narae Kim

Tore:
1:0 Mirlach (31.)
2:0 Wagner (43.)
3:0 S. Arnold (60.)

Gelbe Karten: keine

Schiedsrichterin: Dr. Christiane Wenkel (Höchster)
mit Sabine Stadler und Anna Katharina Scheib

Zuschauer: 822


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