U20 Weltmeisterschaft 2010, Gruppe BVon Trommeln beflügeltBrasilien - Schweden 1:1 (0:1) | ||
Text und Bilder von Tom Schlimme 17.07.2010 Im zweiten Spiel der Gruppe B ging gelang den Samba-Fußballerinnen aus Brasilien deutlich mehr als bei der Auftaktniederlage gegen Nordkorea. Mit einer zweiten Niederlage wäre allerdings auch die vorzeitige Heimreise der brasilianischen Auswahl besiegelt gewesen. Am Ende stand ein 1:1 zu Buche, während Nordkorea gegen Neuseeland deutlich gewann. Damit ist Nordkorea bereits im Viertelfinale, die Entscheidung zwischen Brasilien und Schweden wird auf den dritten Gruppenspieltag vertagt. Gegen Nordkorea war nur Kindergekreische zu hören, gegen Schweden tönten aus eine Ecke Samba-Trommeln durchs Stadion, und diese schienen das brasilianische Team zu beflügeln, denn im Vergleich mit dem Spiel gegen Nordkorea waren die Brasilianerinnen nicht wieder zu erkennen. In den ersten 30 Minuten schnürten sie das schwedische Team dermaßen in der eigenen Hälfte ein, dass von schwedischen Angriffen kaum etwas zu sehen war, der Ball war fast nur zwischen Mittellinie und schwedischem Strafraum. Dort war allerdings meist Endstation, besonders gefährliche Torszenen erarbeiteten sich die Brasilianerinnen bei aller Überlegenheit nicht. Die Startformation von Brasilien. Oben v.l.n.r.: Juliana Cardozo, Rafaelle, Aline, Aline Fernanda, Andressa, Thaynara. Die Startformation von Schweden. Oben v.l.n.r.: Antonia Göransson, Olivia Schough, Mia Karlsson, Elin Borg, Emilia Appenqvvist. Brasiliens Trainer Marcos Gaspar brachte diesmal Leah gleich von Beginn an, und diese sorgte mit ca. 6-7 ihrer Handstand-Überschlag Einwürfe für Gefahr, zeigte aber auch, dass sie eine gute Fußballerin ist, indem sie ihre rechte Abwehrseite meist gut im Griff hatte und früh im Spiel in gefährlicher Situation gegen Sofia Jakobsson klärte und dazu noch viele Impulse nach vorne setzte. In dieser Szene gleich zu Spielbeginn war Sofia Jakobsson (9) fast schon durch - doch Leah (2) konnte die schwedische Stürmerin noch aufhalten Nachdem den Schwedinnen in der ersten halben Stunde außer einem Eckstoß, der gefährlich durch den brasilianischen Fünf-Meter-Raum trudelte, nach vorne wie gesagt fast nichts gelungen war, änderte das schwedische Team seine Taktik etwas, störte die Brasilianerinnen früher, spielte ein allerdings sehr kraftaufwendiges Pressing. Selbst mit diesem Aufwand sollte es aber in der ersten Hälfte nicht gelingen, die erdrückende Dominanz der Brasilianerinnen in dieser Halbzeit abzustellen, das Spiel wurde nur einen Tick offener. Doch im Fußball zählen nicht die Spielanteile, sondern die Tore. Und das erste Tor schoss Schweden! Brasiliens Keeperin Aline hatte gerade eine Flanke gut vom Kopf von Antonia Göransson geholt und den Ball nach vorne geworfen. In zentraler Position vor dem |
Umkämpft wie dieses Kopfballduell zwischen Schwedens Kapitänin Emilia Appelqvist (links) und Brasiliens Elfmetertorschützin Rafaelle war das gesamte Spiel | |
|
Strafraum geriet Brasilien unter Druck, Ergebnis sicher auch des frühen Störens, das Schweden zu diesem Zeitpunkt erst seit fünf Minuten begonnen hatte, und Andressa verlor das Leder an Sofia Jakobsson, die mit gutem Auge die noch vorne, aber nicht im Abseits, postierte Antonia Göransson bediente. Göransson hatte dann keine Mühe, in der 36. Minute ihr drittes WM-Tor im zweiten Spiel zu erzielen. Brasiliens Keeperin Aline holt hier einen Ball sicher vom Kopf von Sofia Jakobsson, ihre Teamkollegin Aline Fernanda mit der Nr. 15 hätte diesen Ball nicht abwehren können. Doch dieser Szene folgte das Führungstor für Schweden! Kurz vor der Pause tankte sich Brasiliens Ketlen links am Strafraum an mehreren Schwedinnen vorbei, gab nach innen, Kapitänin Estergiane nahm den Ball an, drehte sich um ihre Gegenspielerin und schoss, doch die Bedrängnis war zu groß, der Schuss zu schwach genau auf Schwedens Keeperin Hilda Carlen. Doch diese Szene deutete an, auf was man sich in der zweiten Hälfte einstellen konnte, drückende Brasilianerinnen, die Chancen mit der Brechstange erzwingen würden. So jedenfalls meine Überlegungen zur Pause. Es kam dann etwas anders, die zweite Halbzeit geriet ausgeglichener als die erste. Die Schwedinnen ließen sich nicht mehr ganz so extrem in die eigene Hälfte drängen. Dafür wurden aber die Angriffe Brasiliens torgefährlicher, als sie es in der ersten Hälfte gewesen waren. Schon in der 46. Minute gelang der gerade eingewechselten Ludmila rechts ein guter Lauf, guter Pass nach innen, Keeperin Carlen blockte den Schuss von Andressa gut ab. Doch wenig später verursachte Carlen einen völlig unnötigen Foulelfmeter, indem sie Alanna von hinten umschubste. Rafaelle verwandelte völlig unhaltbar in der 53. Minute zum 1:1. Wieso Schwedens Keeperin Hila Carlen hier Alanna von hinten umschubste, wird sie selber nicht mehr wissen. Das Foul geschah außerhalb des Fünfmeterraumes in der Nähe der Torlinie, und beim Tor waren schon schwedische Abwehrspielerinnen postiert. „Wir werden über diese Szene nicht lange diskutieren, Hilda hat bei dieser WM zwei gute Spiele für uns gemacht!” erklärte der schwedische Trainer später. Nun gab es Strafraumszenen auf beiden Seiten, das Spiel war offen und hart umkämpft. Eine gewisse Überlegenheit Brasiliens bestand aber immer noch. Kurios: die in der 50. Minute eingewechselte Schwedin Kristin Karlsson überraschte das Publikum mit zwei Handstand-Überschlag-Einwürfen Marke Leah, die ebenso für Gefahr sorgten, wie die der Brasilianerin. „Kristin war früher Turnerin auf hohem Niveau, und wir mussten lachen, als wir die Einwürfe von Leah sahen, weil wir wussten, dass wir eine Spielerin haben, die das auch kann!” sagte Trainer Calle Barrling später hierzu. „Ich hoffe, das Publikum hatte auch seinen Spaß daran”, erklärte er noch. Glück hatte Schweden in der 79. Minute, als Carlen gegen Ludmila herausgekommen war und den Ball nur halb erwischte. Die Kugel kullerte jedoch nur an den Pfosten. |
Jakobsson kam noch in guter Position gut angespielt von Göransson zu einem Schuss, traf aber nur die Keeperin, dann wurde Schwedens beste Stürmerin ausgewechselt. Barrling erklärte mir dazu später, es gäbe drei schwere Spiele zu bestehen, und er habe Jakobsson etwas schonen wollen. Es blieb also beim 1:1, und Barrling sagte dazu in der Pressekonferenz: „Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit kontrolliert, auch wenn Brasilien öfter den Ball hatte. Aber wer hätte vorher etwas anderes erwartet, wir jedenfalls nicht. Brasiliens Einwechselspielerinnen waren dann aber sehr stark und haben uns sehr unter Druck gesetzt und in Schwierigkeiten gebracht. Mein Team hat sich gut geschlagen, ich habe vier gute Chancen auf jeder Seite gesehen, auch von daher geht das Ergebnis in Ordnung.” Der schwedische Trainer war erstaunt über die Stärke der brasilianischen Einwechselspielerinnen, die wie hier Ludmila, die zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, mächtig für Druck sorgten. Tilda Heimersson kann da nur hinter her rennen.
Brasiliens Trainer Marcos Gaspar wirkte etwas enttäuscht nach dem Spiel. Er sah bei seinem Team größere Spielanteile und auch größere Chancen. Ein individueller Fehler sei mit dem Gegentor krass bestraft worden. Erneut befragt, wieso er wieder mit Libero gespielt hatte und ob jetzt alle Trainer in Brasilien so defensiv agieren würden wie Carlos Dunga bei den Männern, erklärte Gaspar etwas genervt wirkend, er habe eine offensive brasilianische Mannschaft gesehen, die weiter hart arbeiten werde, um das letzte Gruppenspiel erfolgreich zu gestalten. Hilda Carlen pariert hier sauber vor der angreifenden Alanna. Brasilien scheiterte öfter an der - bis auf die eine Szene - starken schwedischen Keeperin
Brasilien:
| |