U20 Weltmeisterschaft 2010, Gruppe BBrasilien mit enttäuschendem WM-BeginnBrasilien - Nordkorea 0:1 (0:0) | ||
Text und Bilder von Tom Schlimme 14.07.2010 Zeitgleich mit dem Eröffnungspiel in Bochum wurde auch in Bielefeld die U20 Weltmeisterschaft 2010 eröffnet. Dabei erwies sich das Team aus Nordkorea als zu schwerer Brocken für die eigentlich favorisierten Brasilianerinnen. Am Ende stand ein 1:0 für Nordkorea, das den Spielverlauf gerecht wiederspiegelt. Ich muss einschränkend eingestehen, dass ich die erste Viertelstunde des Spiels nicht gesehen habe. Ich bin mit der Bahn angereist, und der von mir gebuchte ICE fiel einfach komplett aus, weil die Klimaanlage repariert werden musste, so dass ich mit einem späteren Zug zu spät kam. Pünktlichkeit widerspricht der Religion der Bahn, eine Regel, an die ich als Vielbahnfahrer leider allzu oft immer wieder neu erinnert werde. Doch nach allem, was mir erzählt wurde, war diese erste Viertelstunde auch nicht gerade von einem Zauberwirbel der Brasilianerinnen geprägt. Reklamieren statt Agieren: Brasiliens Verteidigerin Bruna will hier ein Handspiel von Hyon Hi Yun gesehen haben. Die Schiedsrichterin ließ aber weiterspielen, Yun zog ab, verfehlte aber das Tor. Glück für Brasilien, dass es nicht schon nach 20 Minuten 0:1 stand! Ich bekam dann jedenfalls zuerst einmal Angriffe von Nordkorea zu sehen, die meist über die Flügel vorgetragen wurden. Vor allem auf dem linken Flügel Nordkoreas konnten sich Song Mi Yun und Myong Gum Kim öfters durchsetzen. Ein hoher Ball in den Strafraum Brasiliens führten dann auch zur ersten guten Gelegenheit, die ich zu sehen bekam, als die Brasilianerinnen Hand reklamierten, Hyon Hi Yun aber ungestört zum Schuss kam und etwa vom Elferpunkt aus einen halben Meter vorbei schoss. Dann kam Mi Gyong Choe zu einem gefährlichen Kopfball nach Flanke von von Myong Gum Kim, doch Brasiliens Keeperin Aline hielt sicher. Und Brasilien? Tausende von Kinderstimmen im etwa halbgefüllten Stadion brüllten für Brasilien, und die Geräuschkulisse schwoll mächtig an, als Alanna auf der linken Seite einen schönen Lauf bis fast zur Grundlinie hinlegte und eine lehrbuchmäßige Flanke vor das nordkoreanische Tor abzog - mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass dort keine Brasilianerin wartete. Wiederum Alanna kam dann in der 38. Minute im Zentrum zu einem strammen Schuss, traf aber nur eine Koreanerin statt ins Netz. Immerhin, Brasilien hatte nach durchwachsener Anfangsphase dann gegen Ende der ersten Halbzeit das Spiel etwas besser im Griff und war leicht feldüberlegen. Brasiliens Stürmerin Alanna kann hier zwar Un Hui Hyong nur hinterher rennen, war aber in der ersten Halbzeit noch die wirkungsvollste Offensivkraft der Brasilianerinnen So erwartete ich eigentlich nach Wiederanpfiff stärker werdende Brasilianerinnen, doch statt dessen sah ich nun Nordkorea wieder vermehrt stürmen. Die Nordkoreanerinnen kamen dann auch zu einer etwas kuriosen Chance, als Un Ha Won den Ball in den Strafraum brachte, eine Brasilianerin wehrte ab, schoss aber mit Wucht eine Teamkameradin an, der Ball flipperte zu Nordkorea, Schuss, gerade noch zur Ecke abgewehrt. Brasilien wurde in dieser Phase in die eigene Hälfte zurückgedrängt, kam erst in der 60. Minute über Alanna zu einem harmlosen Konter. In der 62. Minute kamen die Brasilianerinnen dann erstmal seit langem wieder in den Strafraum von Nordkorea und auch zu einem Schuss, der aber abgeblockt wurde. In der 65. kam dann die eingewechselte Leah zum ersten ihrer berühmten Flic-Flac-Einwürfe. Nicht ungefährlich, |
Den macht sie sicher: Un Byol Ho (Nr. 15) frei vor Brasiliens Keeperin Aline schiebt den Ball souverän ins lange Eck. Nordkorea gewinnt mit diesem Tor gegen Brasilien | |
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aber letztlich ohne Ergebnis. Mitten in diese Phase, in der Brasilien nun wieder stärker wurde, kam dann das Tor für Nordkorea. Mi Gyong Choe spielte einen Diagonalpass in die Lücke der brasilianischen Innenverteidigung zur eingewechselten Un Byol Ho, deutlich kein Abeits, und Ho vollendete souverän ins lange Eck. Die Spielerinnen aus Brasilien schafften es nicht, nun das Heft in die Hand zu nehmen und einen wütenden Sturmlauf hinzulegen. Im Mittelfeld blieb Nordkorea überlegen, was für mich letztlich den Schlüssel dieses Erfolgs darstellt. Aber auch die Stürmerinnen Brasiliens enttäuschten, konnten sich kaum einmal durchsetzen. In der 72. Minute donnerte Kapitänin Estergiane den Ball aus fast 40m auf das Tor von Nordkorea, ein Schuss, der den ganzen Frust und die Ratlosigkeit im Spiel Brasiliens auf den Punkt brachte. Das sehenswerteste im Spiel Brasiliens: einer von drei Flic-Flac-Einwürfen von Leah. Ganz korrekt müsste es übrigens eigentlich "Handstandüberschlag-Einwurf" heißen! Dazu kam noch, dass ab Mitte der zweiten Halbzeit immer wieder mal Spielerinnen von Brasilien von Krämpfen geplagt wurden, ein sicheres Zeichen von Erschöpfung und körperlicher Überforderung. Trainer Marcos Gaspar sagte hierzu befragt später in der Pressekonferenz, das Spiel sei sehr hart und anstrengend gewesen und sein Team habe nicht so viel Zeit gehabt wie Nordkorea, um sich auf diese WM vorzubereiten. Doch sein Team sei fit, schob er ohne weitere Erklärung noch nach. So fehlten den Brasilianerinnen alle Mittel, um das Ruder noch herum zu reißen. Leah kam zu insgesamt drei Flic-Flac-Einwürfen, von denen vor allem der dritte noch etwas Gefahr brachte, das war alles. Ein geordnetes Aufbauspiel fand bei Brasilien fast gar nicht statt, oft resultierten die Angriffsversuche einfach aus weiten |
Abschlägen von Keeperin Aline, eine Methode, die nichts einbrachte. Nordkorea steht im Mittelfeld sehr kompakt, hat durchsetzungsfähige Stürmerinnen und starke Abwehrspielerinnen, das wird auch für andere Mannschaften noch ein schwerer Brocken werden. Dabei erschienen mir die Nordkoreanerinnen allerdings körperlich etwas kleiner und schmächtiger als die im zweiten Spiel der Gruppe B später auftretenden Spielerinnen aus Schweden und Neuseeland. Vielleicht ergeben sich hieraus Möglichkeiten für zumindest diese beiden Teams - und im Falle eines Aufeinandertreffens auch für das deutsche Team - über körperbetontes Spiel und Kopfballspiel zum Erfolg gegen Nordkorea zu kommen. Brasilien in dieser Form übrigens stellt für das deutsche Team meiner Einschätzung nach keine allzu große Gefahr dar. Eine schlüssige Erklärung, wieso einige seiner Spielerinnen schon früh in der zweiten Hälfte von Krämpfen geplagt wurden, konnte Brasiliens Trainer Marcos Gaspar nicht abgeben „Ein Eröffnungsspiel gegen Nordkorea ist immer sehr schwierig zu spielen, das Spiel war sehr hart, ich bin in meinen Gedanken schon beim Spiel gegen Schweden” war zunächst der einzige Kommentar von Brasiliens Trainer Marcos Gaspar in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Gefragt, warum er denn mit Libero agiert hatte, schob er dann noch nach, ihm sei bewusst gewesen, dass Nordkorea mit langen Bällen agieren würde, deswegen habe er eine Spielerin etwas zurück gezogen. Norkoreas Trainer Kwang Sok Choe erklärte, auch für sein Team sei das Spiel sehr schwierig gewesen, um so mehr freue er sich über den sehr wichtigen Sieg. Tatsächlich wird es jetzt in der Gruppe B zwischen Brasilien, Schweden, Nordkorea und den etwas schwächer eingeschätzten Neuseeländerinnen sehr eng! Die bissigen Nordkoreanerinnen werden auch anderen Gegnern das Leben schwer machen. Hier hat Un Ha Won vor Rafaela geklärt
Brasilien:
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