U20 Weltmeisterschaft 2010Geheimfavorit SchweizVorstellung der Schweizer U20 Nationalmannschaft | ||
Text von Selin Yavuz 13.07.2010 Die Schweizer Junioren-Auswahl von Trainer Yannick Schwery hatte letzten Sommer bei der U19 EM in Weissrussland die Halbfinals erreicht und somit das Ticket für die U20-WM 2010 in Deutschland gelöst. In der Gruppenphase konnte man durch einen 4:1 Sieg gegen Weissrussland und ein 3:0 gegen Deutschland brillieren, das dritte Spiel ging 2:0 gegen den späteren Vize-Europameister Frankreich verloren. Obwohl 3 Mannschaften mit 6 Punkten in der Tabelle residierten, musste das deutsche Team aufgrund des schlechteren Torverhältnisses die Koffer packen und die Heimreise antreten; die Schweiz zog in die Finalrunde ein. Im Halbfinale verloren die Eidgenossen gegen den späteren Europameister England mit 2:0. Mit der Halbfinalqualifikation lösten die Schweizer Juniorinnen zum zweiten Mal nach 2006 das Ticket für eine U20 WM und bescherten sich damit das beste Ergebnis in diesem Wettbewerb. Trotz des Ausscheidens im Halbfinale, wurde Ramona Bachmann nach dem Turnier als beste Spielerin des Turniers gekürt. Doch wer genau ist diese Mannschaft? Einschwören zur U20 WM in Deutschland um das beste Ergebnis in der Geschichte des Schweizer Frauenfussballs zu erreichen Züricher Abwehr: Stephanie Kaderli, Pascale Küffer und Nathalie Schwery bilden das Torhüter-Trio. Kaderli konnte während des kurzzeitigen Rücktritts der Nationaltorhüterin Marisa Brunner im Frühling 2010 A-Nationalmannschaft-Luft schnuppern. Küffer und Schwery teilten sich bis dahin das Tor in der U19 Nationalmannschaft. Schwery bekam letzte Saison in ihrem Verein FC Thun hochkarätige Konkurrenz, die Nr.2 der Schweiz, Jennifer Oehrli kam vom FFC Zuchwil, dennoch reichte es für Nathalie Schwery zur Nominierung für die anstehende U20-WM. Der Kanton Zürich bildet fast die komplette Abwehrreihe der Schweizer Mannschaft. In der Aussenverteidigung sind Selina Kuster und Sarah Steinmann vom Grasshopper-Club Zürich anzutreffen. Die Innenverteidigung wird gebildet von Muriel Bouakaz (FC Zürich) und Danique Stein (SC 07 Bad Neuenahr). Eine der Stützen in der Defensive ist sicherlich Danique Stein. Die Legionärin machte mit ihrem Wechsel in der Saison 09/10 zum SC Freiburg Schlagzeilen, konnte aber den Abstieg aus dem deutschen Oberhaus nicht verhindern. Zur kommenden Saison wechselt sie zum SC 07 Bad Neuenahr. Vor dem Wechsel in die deutsche Bundesliga schaffte sie mit dem FC Concordia Basel den Aufstieg in die Schweizer Nationalliga A. In ihren jungen Jahren konnte sie also sowohl große Erfolge feiern, als auch herbe Niederlage verkraften. Die Kapitänin spielt mehrheitlich in der Innenverteidigung, kann aber auch auf der 6er Position oder auf den Außen eingesetzt werden. Stein und Kuster zählen mit ihren Einsätzen in der U20 Nationalmannschaft der Schweiz zu den erfahreneren Spielerinnen. Danique Stein, die Kapitänin Berner Mittelfeld, exotischer Sturm: Das Mittelfeld wird nicht von der "Berner Gemütlichkeit" heimgesucht, sondern von den jungen Wilden. Auf beiden Flügeln sind Jehona Mehmeti und Lia Wälti vom BSC Young Boys anzutreffen. In der A-Nationalmannschaft hat Mehmeti eine Joker-Rolle, kommt eher in der zweiten Halbzeit ins Spiel und sorgt für viel Wirbel. Wälti gehört zu den wenigen, die die knallharten Selektionskriterien für das Ausbildungszentrum in Huttwil erfüllt |
Die U20 Mannschaft vor dem Testspiel zur U20 WM gegen Neuseeland | |
|
und genutzt haben. Noch spezieller ist, das Wälti einen Doppelvertrag bei BSC Young Boys unterzeichnet hat: Zum einen bei der männlichen U16 und zum anderen bei den YB Frauen. Dank dem Fussball bei den Jungs kann sie sich, trotz ihres Alters von 17 Jahren, gut durchsetzen. Neben den zwei Berner Spielerinnen spielt Samira Susuri vom Kantonsrivalen FC Thun und Chantal Fimian von den Grasshoppers. Als jüngste Spielerin des Schweizer U20 Nationalteams macht Fimian von sich reden, im September wird sie 17 Jahre alt und gehört trotz ihres Alters der Stammelf an. Der Sturm ist das Sahnestück der Schweizer U20: Ramona Bachmann ist nicht nur der Star des Teams, sie ist auch das Gesicht der Mannschaft. Bachmann gehörte zu den ersten Juniorinnen, die 2004 das Ausbildungszentrum in Huttwil genutzt haben. Mit 17 Jahren wagte sie, nach nur einem Jahr in der höchsten Schweizer Liga, den Schritt ins Ausland nach Schweden zu Umea IK. Neben der Weltfussballerin Marta konnte sie Erfahrungen sammeln und sich weiterbilden. Noch im gleichen Jahr debütierte sie in der Schweizer A-Nationalmannschaft. Im Dezember 2009 überraschte sie mit der Wechselbestätigung in die amerikanische Profiliga WPS zum neu gegründeten Verein Atlanta Beat. Als jüngste Spielerin in dieser Liga wurde sie von den Zuschauern und einer Jury ins All-Star-Game gewählt. Trotz der vielen Erfolge gibt es in diesem Jahr die ersten Rückschläge. Obwohl sich der Kader von Atlanta Beat sehr gut lesen lässt, residiert der Verein momentan auf dem letzten Tabellenplatz. Zusätzlich hat Bachmann immer wieder gesundheitliche Beschwerden, die ein 100%-iges Auftreten unmöglich machen. Doch auf Bachmann kann man nicht verzichten, zeigte sie doch auch in der Schweizer A-Nationalmannschaft, wie wichtig sie ist, als sie mit einem Doppelschlag innerhalb einer Minute gegen Russland die Chance für ihr Team bewahrte, sich für die WM 2011 in Deutschland zu qualifizieren. ![]() Starstürmerin Ramona Bachmann spielte schon am 22.07.2007 mit der Schweizer A-Nationalmannschaft gegen Deutschland um die EM-Qualifikation. Das Bild stammt aus diesem Spiel, in dem Bachmann sogar ein Tor schoss, das aber wegen Abseits nicht gegeben wurde Neben Ramona Bachmann gehört Ana-Maria Crnogorcevic zu den großen Talenten. Als Kapitänin von FC Thun wechselte die Cup-Siegerin zu Beginn der Saison 08/09 zum Hamburger SV nach Deutschland. Gleich in der ersten Saison schoss sie 8 Tore und gehörte damit zu den besten Schützinnen im Verein. Bei der U19-Nationalmannschaft erzielte sie 25 Tore in 31 Einsätzen und auch in der Schweizer Liga wurde sie in ihrer letzten Saison beim FC Thun Torschützenkönigin. Die dritte im Bunde, Bettina Baer vom Grasshoppers Club Zürich, erlitt in der Vorbereitung für den Cyprus Womens Cup mit der Nationalmannschaft einen |
Kreuzbandriss und fällt damit bis mindestens Herbst aus. Aber es mangelt nicht an Offensivkräften, auch die anderen Teammitglieder können in die Bresche springen. Die Trainer: Geleitet wird das Schweizer U20-Team von einem Trainer, der als Torhüter seine aktive Karriere bestritt. Yannick Schwéry hütete fast 8 Jahre das Tor des FC Winterthur. Zwischen 2002 bis 2005 war er Torwarttrainer der Frauennationalmannschaft und trainierte nebenbei noch einige andere Vereine, bevor er von 2005 bis 2008 den FC Frauenfeld coachte. Seitdem ist er der Trainer des aktuellen U20 Jahrgangs und wird von der 25-fachen Nationalspielerin Sylvie Orlando-Gaillard als Co-Trainerin unterstützt. Sie war zuletzt beim FFC Bern und FFC Zuchwil aktiv. ![]() Ana Maria Crnogorcevic in ihrem Element. Hier setzt sie sich im Bundesligaspiel gegen die Torhüterin des FC Bayern München, Kathrin Längert, durch. Dank spezieller Förderung zum Titel: Was ist nun das Geheimrezept dieser Mannschaft? Es sind alles junge und ambitionierte Spielerinnen, die sich alle lange aus den U-Auswahlmannschaften kennen. Die Jugendarbeit des schweizerischen Fussballverbandes in Kombination mit der Credit Suisse Football Akademie zeigt langsam ihre Wirkung. Zur Saison 2004/05 wurde zu den drei bestehenden Akademien eine vierte in Huttwil eröffnet, erstmals für Mädchen um nachhaltigen Nachwuchs- und Spitzenfussball zu fördern. Nur rund 10 Spielerinnen pro Jahrgang werden ausgebildet und Ende der Saison schaffen es durchschnittlich ca. 50% in die entsprechenden Auswahlmannschaften. Neben der Schule bekommen die Spielerinnen Stützunterricht und trainieren mindestens einmal pro Tag unter Aufsicht von Nationaltrainerin Béatrice von Siebenthal, Claudio Taddei und Torwart-Trainerin Marisa Brunner und können bei Gastfamilien wohnen. Die vier Akademien haben sich längst bezahlt gemacht. Ramona Bachmann, Lia Wälti, Nadine Baker, Lara Keller, Selina Kuster oder Nathalie Schwery wurden entdeckt und durch die Akademie gefördert und alle gehören nun zu den festen Grössen in ihren Mannschaften. Wie bei den Frauen setzt man auch bei den Männern auf Jugendarbeit. 2009 schafften es die U17 Männer in das Halbfinale der Europameisterschaft, qualifizierten sich dadurch für die Weltmeisterschaft in Nigeria und wurden sensationell Weltmeister. Den Schweizer Jungs sollen es nun die U20-Frauen gleichtun, werden sie Weltmeisterinnen 2010 in Deutschland?
| |