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U20 WM 2008, Halbfinale

Der feine Unterschied

USA - Deutschland 1:0 (1:0)

Text und Fotos von Martin Kochem

05.12.2008   Wie bereits bei der letzten U 20-WM-Auflage in Russland im Jahre 2006 bedeuteten die USA auch dieses Jahr das Ende aller WM-Titelträume für das deutsche Team, welches sich vor über 15.000 Zuschauern im Estadio Francisco Sanchez Rumoroso zu Coquimbo am Ende knapp aber verdient mit 0:1 geschlagen geben musste.

Das Tor des Tages resultierte dabei zu allem Unglück erneut aus einem „erzwungenen” Eigentor. Bianca Schmidt lenkte das Leder in der 21. Spielminute nach einer Rechtsflanke von Nikki Washington in starker Bedrängnis von US-Goalgetterin Sydney Leroux unhaltbar für Alisa Vetterlein ins eigene Netz .

U20 Nationalmannschaft USA

Zum zweiten Mal im U 20-WM-Finale: das Team USA

Die USA begannen zuvor wie bereits in den vorangegangenen Duellen gegen die deutsche Elf mit enormen Druck, aus welchem sich zwangsweise hochkarätige Torgelegenheiten ergaben. So verpassten bereits US-Kapitänin Keelin Winters (3.) sowie die überaus auffällige Nikki Washington mit einem als Flanke gedachten Torschuss auf die Latte (4.) den frühen Führungstreffer für die US-Girls, die durch Christine Nairn (6./Schuss wurde im letzten Moment geblockt) sowie Alex Morgan (13./Vetterlein reagiert mit glänzendem Reflex) weitere Großchancen vergaben.

Von der gegen Brasilien in der 2. Halbzeit noch so großartig aufspielenden deutschen Mannschaft war hingegen zumindest in der Offensive wenig bis rein gar nichts zu sehen, was jedoch nicht zuletzt an der bombenfest gestaffelten US-amerikanischen Viererkette lag, die erst gar keinen deutschen Angriff bis zur Strafraumgrenze durchkommen ließ.

Nikki Washington

Nikki Washington (links, Nr. 16) machte auf der rechten Außenbahn eine Klassepartie und bereitete das entscheidende Tor vor - hier kommt Verena Faißt (Nr. 14) zu spät

Während Isabel Kerschowski ihre Stärken nur ansatzweise andeuten konnte, hing die als einzige echte Spitze aufgestellte Steffi Goddard förmlich in der Luft und wurde von Bundestrainerin Maren Meinert zur Pause gegen Monique Kerschowski zurecht ausgewechselt.


Alex Morgan

Vier gegen Alex: Alex Morgan (Nr. 13) springt hier einen Tick höher als vier Deutsche. Oft in diesem Spiel waren die Amerikanerinnen diesen einen Tick schneller oder genauer als die deutschen Spielerinnen

Abere auch nach dem Seitenwechsel änderte sich zunächst nichts - während sich die deutsche Elf zwar stets bemüht zeigte und nach der zusätzlichen Einwechslung von Lisa Schwab für die durchaus nicht enttäuschende Nathalie Bock so etwas wie eine leichte Druckphase entwickeln konnte, blieben die US-Girls weiter cool und jederzeit Herrin der Lage.

Steffi Goddard und Lauren Fowlkes

Steffi Goddard (hier im Duell mit Lauren Fowlkes) blieb als Mittelstuermerin erneut blass

Mit reinem Ergebnisfußball verwalteten die Mädels von Coach Tony Dicicco den auf dem Papier knappen, jedoch nie so ernsthaft in Gefahr scheinenden 1:0-Vorsprung im Stile einer absolut abgezockten Truppe und versuchten dabei die Deutschen mit bewusst provozierten Spielunterbrechungen wie z.B. Einwürfen, Freistößen oder Eckbällen vom eigenen Strafraum fernzuhalten.

Dies gelang auch prächtig und so hatte man eigentlich nie das Gefühl, dass in der deutschen Offensive noch etwas passieren würde?Lediglich bei Direktabnahmen bzw. Schüssen von Sylvie Banecki (70.), der zum Schluss weit mit nach vorne aufgerückten Verena Faißt (88.) sowie Pechvogel „Bibi” Schmidt (90.) wurde die sichere US-Torfrau Alyssa Naeher auf die Probe gestellt, welche dies allerdings mit Bravour bestand.

Da auch die USA bis auf einen Kopfball von Sydney Leroux (55.) offensiv nichts mehr zu Wege brachte bzw. bringen wollte, blieb der zweite deutsche WM-Titel nach 2004 weiter ein Traum, den man sich nunmehr unbedingt bei der nächsten Ausgabe im eigenen Land erfüllen möchte?


Immerhin bleibt der deutschen Elf noch die Möglichkeit, sich beim Spiel um den dritten Platz gegen Frankreich am kommenden Sonntag wenigstens die Bronzemedaille zu sichern.

Plakat Turbineadler

Auch die tolle Unterstützung der „Turbine-Adler” half am Ende nichts - für Deutschland blieb am Ende nur das kleine Finale

USA:
Naeher - Klingenberg, Reed, Edwards, Nairn - Morgan (59. Enyeart), Winters, Fowlkes, Washington - Marshall, Leroux (89. Dallstream)

Trainer: Tony Dicicco

Deutschland:
Vetterlein - Baunach, Henning, Schiewe, Faißt - Schmidt, Bock (57. Schwab), S. Banecki, N. Banecki, I. Kerschowski (74. Simic) - Goddard (46. M. Kerschowski)

Traienrin: Maren Meinert

Tore:
1:0 Schmidt (21./Eigentor)

Gelbe Karten: Winters

Schiedsrichterin: Sachiko Baba (Japan)

Zuschauer: 15.548 in Coquimbo


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