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U20 Nationalmannschaft, Testspiel am 6.11.2008 in Marburg

Chancenverwertung bleibt Achillesferse

U20 Deutschland - U23 Schweden 2:2 (2:1)

Text von Tom Schlimme

09.11.2008   Im letzten Testspiel vor der U20 Weltmeisterschaft in Chile, die am am 19. November beginnt, hatte sich Bundestrainerin Maren Meinert noch einmal einen starken Gegner eingeladen, die U23-Nationalmannschaft aus Schweden. Der Unterschied im Altersdurchschnitt der Spielerinnen der beiden Teams betrug dann auch tatsächlich 2-3 Jahre, trotzdem zeigte sich das deutsche Team gegen den alten Rivalen aus dem Norden insgesamt spielerisch deutlich überlegen und hätte diese Partie gewinnen müssen.

Doch das Spiel endete unentschieden, weil die deutschen Stürmerinnen eine Vielzahl von hochkarätigen Torgelegenheiten ungenutzt ließen. Damit knüpfte das Team nahtlos an den Misserfolg bei der U19 Europameisterschaft in diesem Jahr an, als viele der Spielerinnen, die heute für die U20 auf dem Platz waren, im Halbfinale trotz drückender Überlegenheit und guter Torgelegenheiten gegen Norwegen in regulärer Spielzeit und Verlängerung nicht über ein 1:1 hinauskamen und schließlich im Elfmeterschießen ausschieden.

Kosovare Asllani

Hier war die deutsche Keeperin Desiree Schumann eher am Ball, doch die schwedische Stürmerin Kosovare Asllani zeigte sich insgesamt als effektivste Stürmerin auf dem Platz und machte aus wenigen Chancen zwei Tore für Schweden

Bild: Volker Lieberum

Auch die deutsche Abwehr leistete sich einige wenige Fehler, die von der starken Kosovare Asllani in der schwedischen Spitze gnadenlos bestraft wurden, so dass die Schwedinnen mit einem für sie äußerst schmeichelhaften Ergebnis die Heimreise antreten konnten. Wenn es nicht gelingt, die Schwäche im Abschluss abzustellen, kann die WM in Chile zu einem traumatischen Erlebnis für die DFB-Auswahl werden. Andererseits, wenn der Knoten wieder platzt und die Stürmerinnen richtig treffen, gehört dieses spielstarke Team zu den ganz großen Favoriten auf den WM-Titel.

Maßgebliche Figuren dabei dürften die beiden Münchnerinnen Katharina Baunach und Nicole Banecki werden, die an diesem Donnerstag in Marburg eine ganz starke Leistung boten. Banecki in der Mitte war der Kopf des deutschen Spiels und Baunach auf der linken Seite wohl die stärkste Spielerin auf dem Platz - beide allerdings nur eine Halbzeit lang, denn Bundestrainerin Maren Meinert wollte die beiden nach vielfältigen Belastungen müden Spielerinnen nicht verheizen und gab im zweiten Durchgang Julia Simic und Marie Pollmann die Gelegenheit, sich zu beweisen. Auch Simic und Pollmann machten ihre Sache gut, doch konnten sie nicht verhindern, dass das Spiel des deutschen Teams in Halbzeit zwei deutlich nachließ, was aber laut Meinert teilweise der Müdigkeit der Spielerinnen nach dem hohen Tempo des ersten Durchgangs geschuldet war. Trotzdem, „Katharina und Nicole sind nicht gleichwertig zu ersetzen” gab Meinert in der Pressekonferenz nach dem Spiel zu Protokoll.

Tor Katharina Baunach Tor Katharina Baunach Tor Katharina Baunach

Katharina Baunach bereitete nicht nur viele Gelegenheiten von ihrer linken Angriffseite aus vor, sie erzielte auch mit diesem satten Schuss von der Strafraumgrenze aus in den Winkel den Führungstreffer für das deutsche Team. Für Keeperin Maria Cederholm gab es nichts zu halten

Bilder: Tom Schlimme

In der ersten Halbzeit verging kaum eine Minute ohne eine Torszene, fast alle spielten sich vor dem schwedischen Tor ab. Ob wie geschildert über Baunach auf links oder Nicole Banecki in der Mitte oder auch über die rechte Seite, wo Bianca Schmidt sich ebenfalls immer wieder durchsetzen konnte, die Schwedinnen wurden einfach ausgespielt, und in


Die deutsche U20

Die Startformation der deutschen U20: Oben von links Bianca Schmidt, Josephine Henning, Carolin Schiewe, Nicole Banecki, Kim Kulig, Silvie Banecki. Unten: Isabell Kerschowski, Verena Faißt, Desiree Schumann, Katharina Baunach, Monique Kerschowski

Bild: Martin Kochem

ihrem Strafraum brannte es immer wieder. Trotzdem blieben auch die Schwedinnen gefährlich und Asllani hatte bereits in de 20. Minute eine Riesenchance, als sie wie aus dem Nichts allein vor dem deuschen Tor auftauchte, aber über das Tor schoss.

So war es zwar nicht dem Spielverlauf entsprechend, aber auch nicht völlig überraschend, dass Schweden dann sogar in Führung ging. Nach einem Fehler auf der linken Abwehrseite im Spielaufbau war wieder Asllani frei durch, schoss diesmal flach und ließ Keeperin Desiree Schumann keine Abwehrmöglichkeit. Bis dahin waren schon zwei Schüsse von Baunach von Schwedens Keeperin Maria Cederholm entschärft worden, die außerdem einen Schuss von Kim Kulig abgeklatscht hatte nach einem schönen Angriff über Verena Faißt und Nicole Banecki. Isabell Kerschoski, die in der Spitze spielte, setze sich gegen Lina Nilsson durch, verfehlte dann aber das Tor. Aber wer seine Chancen nicht nutzt...

Kim Kulig und Louise Fors

Das schwedische Team war nicht zu unterschätzen. Hier bietet Louise Fors im Zweikampf Kim Kulig Paroli

Bild: Volker Lieberum

Doch das deutsche Team zeigte sich nicht geschockt, sondern eher noch angriffslustiger, kam zu weiteren guten Gelegenheiten durch Isabell Kerschowski in der 29. und durch Schmidt in der 30., jeweils nach Zuspiel von Baunach. Baunach mußte es schließlich selber machen: Nachdem sich Schmidt und Monique Kerschowski auf der rechten Seite durchgesetzt hatten, donnerte Baunach den Ball zum verdienten Ausgleich genau in den Winkel. Nur zwei Minuten später konnte Isabell Kerschowski dann nach Zuspiel von Schmidt die deutsche Führung und damit den Halbzeitstand markieren.

Nach dem Pausentee und den geschilderten Wechseln - dazu kam noch die Auswechslung von Monique Kerschowski durch Lisa Schwab, konnte das deutsche Team dann aber das hohe Tempo der ersten Halbzeit nicht mehr halten. Ein Schuss von Pollmann wurde von der in der zweiten Halbzeit eingewechselten schwedischen Keeperin Stephanie Öhrström mit einer Faust noch über die Latte gelenkt, dann konnte Schweden schon ausgleichen. Nach einem steilen Zuspiel in die Gasse durch Linneá Liljegärd stand wieder Asllani frei und machte ihren zweiten Treffer.

Julia Simic

Eine Szene aus der zweiten Halbzeit: Julia Simic springt fair über Keeperin Stephanie Öhrström, die den Ball sicher hat

Bild: Tom Schlimme

Dem deutschen Team fiel jetzt aber das Überbrücken des Mittelfeldes nicht mehr so leicht wie in Halbzeit eins, so dass eine angemessene Antwort ausbleiben mußte. Die eingewechselte Simic zeigte sich in etlichen Situationen zu ballverliebt und eigensinnig, versuchte zu oft, gleich drei Schwedinnen auszuspielen, ihre altbekannte Schwäche. Silvie Banecki, jetzt auffälliger als zu Beginnn, setzte einen Schuss auf die Latte des schwedischen Tores, Pollmann scheiterte einmal mehr an der schwedischen Keeperin und donnerte dann später fünf Meter vor dem Tor ein Zuspiel von Kerschowski in die Wolken statt in die Maschen.


Trotzdem unterstrich Pollmann in vielen Szenen ihre Durchsetzungskraft und Torgefährlichkeit, auch wenn sie in der 81. Minute ein weiteres Mal knapp an der starken schwedischen Keeperin scheiterte. Ein gehöriges Maß Pech auf deutscher und Glück auf schwedischer Seite war auch dabei und bewirkte, dass das Spiel am Ende 2:2 ausging. Schon im nächsten Spiel, das wäre dann das erste Gruppenspiel bei der Weltmeisterschaft - am 20. November um 23:00 Uhr MEZ (live auf Eurosport) geht es zum Auftakt gegen das Team aus dem Kongo - könnte der Knoten platzen und die deutsche Spielstärke in eine Torflut umgesetzt werden. Das wäre dann genau zum richtigen Zeitpunkt!

Ehrung Marie Pollmann

Sie weiß ja eigentlich, wie es geht: Vor dem Spiel wurde Marie Pollmann als Torschützenkönigin der U19-EM 2008 geehrt. In den drei Spielen der Vorrunde erzielte Pollmann vier Tore - nur im Halbfinale blieb dann er Erfolg aus

Bild: Tom Schlimme

Bundestrainerin Maren Meinert zeigte sich nach dem Spiel sehr zufrieden mit der ersten Halbzeit. Das Team habe alles umgesetzt, was im Training geübt worden sei. Sie habe ca. 12 Torchancen gezählt und das Tempo sei sehr hoch gewesen. Mit der zweiten Halbzeit sei sie dann genau wie mit dem Ergebnis weniger zufrieden gewesen, was sie auf das hohe Tempo der ersten Hälfte und eine dann einsetzende Müdigkeit zurückführe. In der Innenverteidigung hätten Carolin Schiewe und Josephine Henning ein gutes Spiel gemacht. Henning, die ja erst als „Spätstarterin” den Weg in die Jugendnationalmannschaft des DFB gefunden hatte, habe sich sehr gut entwickelt, sie sei praktisch von Null auf Hundert durchgestartet. Nadine Keßler, die in den letzten Spielminuten nach ihrer langen Verletzungspause mit dick bandagiertem Knie wieder eingesetzt wurde, sei außerhalb des Spielfeldes schon nahe dran, auf dem Feld fehle noch etwas, aber das würde noch kommen. Die klare Nummer eins im Tor sei weiterhin Alisa Vetterlein, deren Einsatz heute aufgrund einer Zerrung nicht riskiert wurde.

U20 Deutschland:
Schumann - M. Kerschowski (46. Schwab), Schiewe, Henning, Faißt - Schmidt, S. Banecki (63. Bock), Kulig, Baunach (46. Simic) - N. Banecki (46. Pollmann), I. Kerschowski (80. Keßler)

U23 Schweden:
Cederholm (46. Öhrström) - A. Nilsson, Wilhelmsson, Sembrant, L. Nilsson (46. Lundh) - Fors, Karlsson (46. Lissel), Vaseqhpanah (46. Krantz), Persson - Lijegärd, Asllani

Tore:
0:1 Asllani (24.)
1:1 Baunach (38.)
2:1 I. Kerschowski (40.)
2:2 Asllani (52.)

Gelbe Karten: Wilhelmsson

Schiedsrichterin: Riem Hussein (Deutschland)

Zuschauer: 3422


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