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U20-WM 2008, Spiel um Platz 3

Chile war eine Reise wert

Frankreich - Deutschland 3:5 (1:3)

Text und Fotos von Martin Kochem

08.12.2008   Auf eindrucksvolle Art und Weise sicherten sich die deutschen Mädels bei der vierten Ausgabe der U 20-Weltmeisterschaft in Chile die Bronzemedaille. Im „kleinen Finale” besiegte das Team des Bundestrainergespanns Meinert/Wiegmann in einer Neuauflage des U 19-Europameisterschaftshalbfinales 2007 die Französinnen mit 5:3 (3:1) Toren und unterstrich damit, zumindest die derzeit beste europäische Mannschaft zu sein.

Die im Vergleich zum Halbfinale gleich auf fünf Positionen veränderte deutsche Mannschaft begann sehr konzentriert, die erste Chance gehörte allerdings der Equipe Tricolore. Nora Cotton Pelagie zirkelte nach acht Minuten einen Freistoß auf das deutsche Gehäuse, doch die einmal mehr auf der Linie glänzend reagierende Alisa Vetterlein lenkte das Leder über die Latte.

Marina Hegering mit Maske

Nein, Marina Hegering irrte sich nicht in der Sportart, sie fuhr auch kein Kajak sondern spielte Fußball! Der Kopfschutz war aufgrund ihrer Gehirnerschütterung nach einem Zusammenprall im Spiel gegen Brasilien nötig geworden.

Nur zwei Minuten später schlug es allerdings auf der Gegenseite ein, als die stark aufspielende Nicole Banecki im Strafraum querlegte und Marie Pollmann den Ball mit einem herrlichen Heber vom linken Strafraumeck zur deutschen Führung ins lange Eck zirkelte.

Weitere vier Minuten später lief Banecki nach Traumsteilpass der nach ihrer Gelbsperre ins Team zurückgekehrten Kim Kulig alleine auf Torfrau Meline Gerard zu, doch die konnte geschickt den Winkel verkürzen und somit das sichere 0:2 verhindern. Deutschland blieb anschließend weiter am Drücker und hätte nach Handspiel von Delphine Chatelin im Strafraum eigentlich einen Elfmeter zugesprochen bekommen müssen, doch die Unparteiische aus den USA drückte nach Bianca Schmidts von Chatelin klar mit dem Unterarm zur Ecke abgelenkten Rechtsflanke beide Augen zu (19.).

Marie Pollmann

Schenkte der Bundestrainerin das Vetrauen mit einem lupenreinen Hattrick zurück: Marie Pollmann (Herforder SV)

Nach der anschließenden Ecke kam plötzlich Julia Simic frei zum Nachschuss, verzog jedoch knapp. Besser machte es da die nach ihrer schwachen Leistung vom Japan-Spiel ins Team zurückgekehrte Pollmann, die nach einer guten halben Stunde zum zweiten Male in Aktion treten sollte. Torfrau Gerard hatte zuvor einen Schuss von Banecki noch glänzend parieren können und Julia Simic den Nachschuss an die Unterkante der Latte gesetzt, ehe dieser vor Pollmanns Füße sprang und diese im zweiten Versuch einnetzte. Eigentlich gehörte dieses Tor jedoch bereits Simic, denn deren Wembley-Knaller war bereits klar hinter der Linie aufgesprungen - doch wie bereits gegen Kanada (da fand ein ähnlicher Kulig-Treffer keine Anerkennung) scheint es die deutsche Mannschaft mit sehgeminderten Schieds- bzw. Linienrichtern zu tun zu haben - sei´s drum?


U20 bedankt sich

Die detutsche Nationalmannschaft bedankte sich am Ende beim chilenischen Publikum für die Unterstützung während des Turniers

Nur weitere zwei Minuten später gewann die sehr gut aufgelegte Banecki nach einem weiten Vetterlein-Abschlag den Zweikampf gegen Livia Jean, Simic beförderte den Ball zu Pollmann, die direkt abschloss und mit ihrem dritten Treffer einen lupenreinen Hattrick erzielte. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte wollte Vetterlein dann eine Rechtsflanke von Marine Pervier über die Latte lenken, verlängerte den Ball jedoch unglücklich zum 1:3 ins eigene Tor. Da sah die ansonsten gute Alisa leider weniger gut aus?

Marine Pervier

Die zwei Tore von Marine Pervier (links, hier im Kopfballduell mit Josephine Henning) reichten Frankreich letzten Endes nicht - rechts beobachtet Katharina Baunach die Situation

Nach der Pause kam Frankreich dann durch den Anschlusstreffer beflügelt etwas besser ins Spiel und hatte wiederum durch Pervier in der 49. Minute die Chance zum Anschlusstreffer, aber Vetterlein parierte ihren Kopfball aus kurzer Distanz. Nur zwei Minuten später verfehlte Eugenie Le Sommer mit einem Schuss aus der zweiten Reihe nur knapp das deutsche Tor. In der 57. Minute setzte Spielführerin Marie-Laure Delie einen Kopfball über die Latte und nach 62 Minuten faustete Vetterlein einen 30m-Freistoß von Laura Agard über die Latte.

Nach dieser französischen Druckperiode waren dann mal wieder die Deutschen am Zug - und wie: Banecki sprintete auf der rechten Außenbahn ihrer Gegenspielerin davon, der Ball sprang zu (weil blond) Publikumsliebling Simic, welche unter großem Jubel der chilenischen Fußballfreunde zur Vorentscheidung einschob - 1:4 (67.)

Julia Simic und Nicole Banecki

Julia Simic und Vorabereiterin Nicole Banecki bejubeln das 4:1 für Deutschland

Nun ging es hin und her und es sollte trotz der fast tropischen Temperaturen auf dem Kunstrasen des Estadio Municipal de la Florida noch ein munteres Spielchen werden. Nachdem Charlotte Bilbault nach 73 Minuten noch an Vetterlein gescheitert war, überwand die am zweiten Pfosten lauernde Pervier nach einer weiten Rechtsflanke von Coton Pelagie die deutsche Torfrau mit einem Kopfballaufsetzer ins lange Eck und verkürzte auf 2:4. Doch nur fünf Minuten später stellte die kurz zuvor eingewechselte Lisa Schwab den alten Abstand wieder her, nachdem ihre ebenfalls eingewechselte Mannschaftskameradin Nadine Keßler die französische Torfrau derart irritiert hatte, dass diese doch glatt am Ball vorbeisäbelte. Den Schlusspunkt in diesem rassigen und technisch hochklassigen Match setzte Delie ebenfalls mit einem Kopfballaufsetzer nach Rechtsflanke von Charlotte Loze in der Nachspielzeit.


Julia Simic und Stefanie Mirlach

Die blonden Haare von Julia Simic (rechts) hatten es den Chilenen besonders angetan - nach dem Spiel hagelte es Blumensträuße, Plüschtiere und andere Utensilien...Die gebürtige Fränkin und jetzt Bayerin bedankte sich hierfür zusammen mit Mannschaftskameradin Stefanie Mirlach (links)

Bundestrainerin Maren Meinert zeigte sich nach dem Spiel von selbigen hoch erfreut und nach der erreichten Bronzemedaille sichtlich erleichtert:

„Es war ein tolles Spiel für die Zuschauer mit vielen Toren. Wir wollten unbedingt Bronze holen, haben sehr gut begonnen und sind schnell 3:0 in Führung gegangen. Danach haben wir uns selber etwas in Schwierigkeiten gebracht, doch das möchte ich der Mannschaft am heutigen Tag nicht vorwerfen. Insgesamt haben wir zum Abschluss nochmals ein großes Spiel gemacht und am Ende verdient gewonnen. Chile war für uns auf alle Fälle eine Reise wert!”

Frankreich:
Gerard - Butel, Agard, Bilbault, Chatelin - Jean, Le Sommer, Coton Pelagie (61. Loze), Chellali (74. Plaza) - Pervier (81. Tenret), Delie

Trainer: Stephane Pilard

Deutschland:
Vetterlein - Mirlach (71. Schwab), Schiewe, Henning, Baunach - Hegering (68. Bock), Kulig, Schmidt, Simic, N. Banecki - Pollmann (74. Keßler)

Trainerin: Maren Meinert

Tore:
0:1 Pollmann (10.)
0:2 Pollmann (29.)
0:3 Pollmann (31.)
1:3 Pervier (45.+1)
1:4 Simic (67.)
2:4 Pervier (75.)
2:5 Schwab (80.)
3:5 Delie (90.+2)

Gelbe Karten: Bilbault, Jean

Schiedsrichterin: Jennifer Bennett (USA)

Zuschauer: (am Ende) ca. 9.000 in La Florida/Santiago


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