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Das Frauenfußball-Magazin



U20 Weltmeisterschaft 2008, Viertelfinale

Glückliches Händchen

Brasilien - Deutschland 2:3 (1:1)

Text und Bilder von Martin Kochem

2.12.2008   Die deutsche U20-Auswahl steht nach einem hart erkämpften, aber nicht unverdienten 3:2-Erfolg über Brasilien im Halbfinale der U20-Weltmeisterschaft in Chile.

In einem hochklassigen sowie jederzeit spannenden Match besaßen die deutschen Mädels bereits nach drei Minuten die Chance zur Führung, doch traf Marina Hegering aus knapp 20 Metern nur die Latte des von Viviane gehüteten brasilianischen Gehäuses.

Leah

Die Einwurf-Überschläge der Brasilianerin Leah waren am Ende nur brotlose Kunst

Die Brasilianerinnen zeigten sich davon jedoch wenig beeindruckt und antworteten durch Francielles 23m-Knaller (8.), welcher jedoch knapp einen Meter sein Ziel verfehlte. In der Folgezeit erarbeiteten sich die Südamerikannerinen nicht zuletzt aufgrund des besseren -weil sichereren- Spielaufbaus leichte optische Vorteile, während die deutschen Angriffsbemühungen meist mit Fehlpässen im Mittelfeld ein vorzeitiges Ende fanden.

Doch gefährlich wurde es eigentlich nur bei Standardsituationen, wie zum Beispiel in der 28. Minute, als die deutsche Torfrau Alisa Vetterlein einen Freistoß von Stephane erst im Nachfassen zu packen bekam.

Carolin Schiewe

Eigentor als Weckruf: Carolin Schiewe traf zwar ins eigene Netz und kommt hier gegen Joseane zu spät, hielt jedoch ansonsten ihre deutsche Viererkette ordentlich zusammen

Mehr als unglücklich fiel dann der brasilianische Führungstreffer nach 38 Minuten: Eine eher harmlose Rechtsflanke von Adriane wurde von der deutschen Kapitänin Carolin Schiewe beim Versuch des Ballwegschlagens ins eigene Netz befördert. Doch die deutsche Reaktion ließ nicht lange auf sich warten, als sich die erstmals von Beginn an auflaufende Sylvie Banecki in „Gerd-Mueller-Manier” herrlich um die eigene Achse drehte, ihrer Bewacherin Janaina das Nachsehen gab und Viviane mit einem herrlichem Linksschuss in den linken oberen Winkel keine Abwehrchance ließ (44.).

Dieser Ausgleichstreffer war zugleich der Weckruf für die bis dato eher zögerlich wirkende deutsche Elf, welche nach dem Seitenwechsel das Heft eindeutig in die Hand nahm und mit rational vorgetragenen Angriffen sich ein eindeutiges Übergewicht erspielte.

So war es nach 52 Minuten die offensiv sehr auffällige Marina Hegering, welche nach Vorarbeit der eminent fleißigen Katharina Baunach nur knapp am rechten Pfosten vorbeizielte und nur sechs Minuten


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Deutsche Jubelszenen in Temuco: Das Halbfinale ist erreicht!

später scheiterte die zweikampfstarke Kim Kulig mit einem 20m-Schuss aus halblinker Position an der gut reagierenden Viviane.

Nach einem unglücklichen Zusammenprall mit Adriane musste sodann Marina Hegering mit tiefer Platzwunde am Kopf gegen Nathalie Bock ausgewechselt werden und nur weitere fünf Minuten später kam mit Lisa Schwab für die ausgepumpte Sylvie Banecki die Siegtorschützin aus dem Kanada-Spiel zum Einsatz.

Silvie Banecki

Ganz wichtiges Tor: Silvie Banecki schüttelt hier ihre Gegenspielerin Janaina ab und schlenzte den Ball genau in den Winkel des brasilianischen Tores

Die Saarbrückerin zeigte sich unmittelbar nach ihrer Einwechslung hellwach, ließ Estergiane keine zwei Minuten später auf der linken Außenbahn wie ein Schulmädchen aussehen, passte zu Nathalie Bock, welche mit einem herrlichen Schlenzer ins lange Eck den deutschen Führungstreffer markieren konnte. Damit war das Spiel endgültig gekippt und die deutsche Mannschaft spielte nunmehr aus einer sicheren Defensive weitere Torchancen heraus. Eine davon nutzte Nicole Banecki nach schöner Vorarbeit ihrer Münchner Mannschaftskameradin Katharina Baunauch zum vielumjubelten 3:1 (82.).

Kim Kulig

Kim Kulig spielte erneut stark auf, muss jedoch wegen ihrer zweiten gelben Karte im Halbfinale gegen die USA pausieren

Nachdem jedoch Lisa Schwab nach schönem Zuspiel von Isabel Kerschowski an Torfrau Viviane das mögliche 4:1 vergab, wurde es im Gegenzug noch einmal spannend, als die ansonsten sehr sicher und souverän auftretende Alisa Vetterlein


S. Baneckilt einen mehr als haltbaren Schuss von Adriane durch die Hände gleiten ließ (88.). Die Südamerikanerinnen warfen nun noch einmal alles nach vorne und besaßen in der Nachspielzeit durch die eingewechselte Daiane die Riesenausgleichsmöglichkeit, doch machte Vetterlein ihren Lapsus durch einen Weltklasse-Reflex mehr als wett.

Fanplakat

Trotz ihres - am Ende folgenlosen - Patzers bewies Keeperin Alisa Vetterlein ihre Stärke und bleibt für Bundestrainerin Maren Meinert die Nummer 1 im Tor

So blieb es am Ende einer dramatischen und gutklassigen Auseinandersetzung beim 3:2 für das Team von Maren Meinert, welche sich in der anschließenden Pressekonferenz schon auf das ewig junge Duell mit den USA freute. Auch da sei wieder „die Tagesform entscheidend” sowie „alles möglich”, obwohl ihr der definitive Ausfall von Kim Kulig (Sperre nach der 2. gelben Karte) sowie die mögliche verletzungsbedingte Zwangspause von Marina Hegering bereits Kopfzerbrechen bereite.

Brasilien:
Viviane - Joyce (76. Joseane), Calandrini, Janaina (46. Dainane), Estergiane - Leah , Adriane, Stephane, Francielle - Erika, Pamela (87. Karen)

Trainer: Kleiton Lima

Deutschland:
Vetterlein - Baunach, Henning, Schiewe, Faißt - Kulig, Hegering (62. Bock), Schmidt, S. Banecki (66. Lisa Schwab) - I. Kerschowski, N. Banecki (88. Kessler)

Trainerin: Maren Meinert

Tore:
1:0 Schiewe (38. Eigentor)
1:1 S. Banecki (44.)
1:2 Bock (68.)
1:3 N. Banecki (82.)
2:3 Adriane (88.)

Gelbe Karten: Kulig (2./nächstes Spiel gesperrt), Schiewe

Schiedsrichterin: Carol Anne Chenard (CAN)

Zuschauer: 12.854 in Temuco


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