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FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006Geht es nur um Platz zwei? Vorstellung Gruppe D: | ||
Von Katja Öhlschläger15.08.2006 Der erste Spieltag entscheidet alles. Meinen viele. Die USA werden gegen den krassen Außenseiter aus der Demokratischen Republik Kongo die ersten drei Punkte einfahren, Frankreich und Argentinien gleich zu Beginn in einem vermeintlichen Finale um den Platz hinter der Mannschaft von Headcoach Tim Schulz kämpfen. Wird es so kommen, so planbar? Hoffentlich nicht, denn Konkurrenz belebt das Geschäft und spannend darf es auch in Gruppe D ruhig werden - meinen nicht zuletzt auch die WM-Neulinge aus Argentinien.
Ohne jeden Zweifel, das Auftreten der "Albiceleste" beim Qualifikationsturnier der CONMEBOL hat Hoffnung gemacht und Erwartungen geweckt, nicht wie bei der A-Weltmeisterschaft im Jahr 2003 ohne jeglichen Punktgewinn wieder abreisen zu müssen. Damals, man beendete die Vorrunde mit 1:15 Toren und verlor u.a. auch gegen Deutschland mit 1:6, galt jedoch wie heute zunächst: Dabei sein ist alles. Und dass sie dabei sind, das ist wie vor drei Jahren das Verdienst von Trainer Carlos Borello, der nach der verpassten Qualifikation für die U-19-WM 2004 in Thailand nun auch das Nachwuchsteam des AFA (Argentinischer Fußballverband) auf die Bühne des Weltfußballs brachte. Hütet seit vielen Jahren die Tore der französischen Jugendnatios, mittlerweile auch das der A-Natio: Sarah Bouhaddi Die Vorrunde der CONMEBOL-Meisterschaft beendete Argentinien ungeschlagen als Tabellenerster, um sich in der Finalphase dann mit Brasilien, Peru und Paraguay zu messen. Nun galt es - aus vier mach zwei. Das 0:0 gegen Peru zum Auftakt, es dürfte für Sorgenfalten daheim in Buenos Aires gesorgt haben. Doch nach dem 4:0 gegen Paraguay und dem deutlichen 7:0 Brasiliens gegen Peru war die "Albiceleste" durch. Dass die Mannschaft nicht nur südamerikanische Spitze ist, zeigte sie dann im abschließenden Match gegen Brasilien. Erst in der 86. Minute gelang Renate Costa der Siegtreffer für den WM-Vierten von 2002 und 2004, sodass sich die Borello-Schützlinge als Zweiter für Russland qualifizierten. Als eine zwangsläufige "Stärke" der Argentinierinnen kann vermutlich genannt werden, dass ihre Kontrahenten sie kaum kennen. Auch wenn US-Coach Schulz berichtet, sich Videoaufzeichnungen von Argentinien und Frankreich besorgt zu haben. Doch Argentinien wird, ob nun bekannt oder weniger bekannt, ohnehin nicht zu unterschätzen sein. Wie auch die Männermannschaft brilliert sie mit schnellem, flachem Kurzpass- und Angriffsspiel und zeichnet sich durch eine sehr stabile Abwehrreihe aus. Eine Spielweise, die Kraft kostet und damit eine gute Kondition erfordert. So beschleicht denn auch Trainer Borello mit Blick auf die europäischen und nordamerikanischen Gegner die Unsicherheit, wie sein Team körperlich bestehen können wird. Denn nicht zuletzt wegen ihrer geringen Körpergröße sind physische Defizite unvermeidlich. Diese durch die technischen Fertigkeiten wettzumachen und der erst in den Qualifikations-Spielen ins Tor gerückten Elisabeth Minnig Arbeit zu ersparen, wird zuvorderst Aufgabe der Schlüsselspielerinnen Eva González, Florencia Quinones und Ludmila Manicler sein. Während Kapitänin González über die meiste Erfahrung verfügt und schon seit drei Jahren für die U-19 im Einsatz ist, hält Quinones im Mittelfeld die Fäden in der Hand und füttert Torjägerin Manicler mit den wichtigen Vorlagen. Sollte es zu einem Einsatz von Amancay Urbani kommen, so hält Argentinien aber auf jeden Fall einen Rekord - Urbani ist mit 14 Jahren und acht Monaten die jüngste WM-Teilnehmerin, noch drei Monate jünger als die Mexikanerin Charlyn Corral. Sie steht im Tor der USA: Val Henderson Die letzten beiden Testspiele bestritten die Südamerikanerinnen in der letzten Woche gegen die Schweiz. Die erste Partie, nach 48-stündiger Anreise aus Buenos Aires, ging mit 1:5 verloren, beim zweiten Aufeinandertreffen hatten die Eidgenösinnen mit 2:1 die Nase vorne.
Ziemlich egal werden die Hoffnungen und Wünschen der Argentinierinnen ihrem ersten Gegner aus Frankreich sein. Denn der U-19-Vizeeuropameister möchte mit einem Sieg gegen Argentinien gleich die Weichen für ein frühzeitiges Weiterkommen stellen, um so ohne Erfolgsdruck in das letzte Gruppenspiel gegen den Favoriten USA gehen zu können. Zumindest das Viertelfinale sollte es schon sein für den U-19-Europameister von 2003 in Deutschland, dem es nur ein Jahr später als amtierender Titelträger nicht gelang, sich bei der EM in Finnland für die Wm in Thailand zu qualifizieren.
Seitdem konnte sich die Mannschaft unter dem neuen Trainer Stéphane Pilard jedoch mehr als rehabilitieren. Sowohl 2005 in Ungarn als auch 2006 in der Schweiz fehlte nur der letzte, entscheidende Sieg, um erneut einen Pokal nach Frankreich zu holen. So ist es auch nur logisch, dass die mit elf Spielerinnen aus dem U-19-Kader bestückte "Équipe tricolore" gewisse Ansprüche |
Louisa Necib (l.), hier gegen die Schwedin Maria Bergkvist beim Algarve-Cup, verfügt über reichlich Erfahrung aus dem Frauenbereich. | |
anmeldet. Und schlechte Karten haben die Französinnen auch nicht. Wenn es ihnen gelingt, der deutschen Mannschaft im Viertelfinale aus dem Weg zu gehen, scheinen Mexiko, Nordkorea oder die Schweiz durchaus schlagbar. Sollte es aber doch Deutschland sein, dann bietet sich die Gelegenheit zur Revanche eben früher und könnte ein möglicher Sieg den letzten Kick für größere Erfolge geben. Angeführt werden die "Blauen" von der erst 18-jährigen Caroline Pizzala. Die Mittelfeldspielerin von Celtic Marseille war auch in der Schweiz dabei - wie zehn ihrer Mitspielerinnen, unter ihnen auch die Torfrauen Audrey Arraby und Véronique Pons, die in Russland jedoch mit Sarah Bouhaddi der Frau weichen müssen, die auch schon in der A-Nationalmannschaft den Kasten hütet. Bouhaddi wird gemeinsam mit Louisa Necib und Elodie Thomis wichtige Erfahrungen aus der Frauenmannschaft einbringen können, die sie nicht zuletzt bei der EM 2005 in England gesammelt haben. Mit sechs Spielerinnen stellt Paris-Saint-Germain die größte Spielerzahl, gefolgt von der französischen Talentschmiede Clairefontaine. Dem Erstligisten CNFE FF Clairefontaine entstammen mit Elodie Cordier, Ines Dhaou, Marie-Laure Delie und Amandine Henry gleich vier Akteurinnen. Frankreich gegen die USA, das gibt's auch in Gruppe D wieder. Hier sind Amy Rodriguez (l.) und Ludivine Diguelman beim Algarve-Cup im Laufduell zu sehen. Während Diguelman die Altersgrenze überschritten hat, werden wir Rodriguez in Russland sehen. Wie auch die A-Mannschaft leben die jungen Französinnen von ihrer Technik, weniger von ihrer Physis. Vorzeichen, die das Auftaktmatch gegen Argentinien besonders reizvoll erscheinen lassen. Wie alle europäischen Teams hatte die Mannschaft den Vorteil, sich langfristig vorbereiten zu können. Als Vizeeuropameister 2005 gelang die Qualifikation souverän, sodass Pilard in den letzten Wochen nur noch für den Feinschliff sorgen musste. Mit Erfolg, wie es scheint. Denn in der vergangenen Woche trotzten die Juniorinnen dem französischen Meister FCF Juvisy ein 2:2 ab.
Wie man es auch dreht und wendet, ob USA Favorit, Frankreich und Argentinien um Platz zwei, oder zwischen diesen Dreien alles offen - die Demokratische Republik Kongo hat keiner auf der Rechnung. Ob man den Spielerinnen aus Zentralafrika damit Unrecht tut, wird sich erweisen müssen. Auf jeden Fall aber täte man ihnen Unrecht, wenn man ein mögliches Vorrundenaus als Enttäuschung bezeichnete. So ist es doch für uns Europäer kaum nachzuempfinden, was es für die Spielerinnen des bevölkerungsreichsten und größten Landes Afrikas, dessen letzte Jahrzehnte von Gewalt, Korruption und großen Entbehrungen geprägt waren und deren Bürger erst am 30. Juli diesen Jahres, 46 Jahre nach der Unabhängigkeit ihres Landes, mit den ersten demokratischen Wahlen endlich die Chance erhielten, ihrer politischen Mündigkeit Ausdruck zu verleihen, bedeutet, im Kreise der 16 auserwählten WM-Teilnehmer ihr Land zu vertreten und für es werben zu können. Mag das Sportliche vor diesem Hintergrund zweitrangig erscheinen, so verdient der sportliche Erfolg doch jede Würdigung. Wer erwartet hatte, Südafrika folge der afrikanischen Vorzeigemannschaft aus Nigeria zur WM, dem machten die Kongolesinnen einen Strich durch die Rechnung. Nach zwei Siegen ggeen den Benin in der ersten Runde folgte ein Unentschieden gegen Mali, ehe der Gegner im Rückspiel der zweiten Runde nicht mehr antrat. Und so traf die Mannschaft von Trainer Polycarpe Bonganya im Halbfinale zum großen Showdown auf Südafrika. Das Hinspiel in Pretoria verloren die Kongolesinnen mit 1:2. Doch wie bedeutend dieser eine auswärts erzielte Treffer noch sein sollte, zeigte sich erst im Rückspiel. Denn dieses endete 1:0 für die DR Kongo - durch den Siegtreffer von Torjägerin Vumongo Nzuzi -, die damit zehn andere afrikanische Bewerber hinter sich lassen konnte.
Jordan Angeli kann Trainer Tim Schulz auf mehreren Positionen einsetzen.
Und so bietet diese WM nun reichlich Historisches. Zum ersten Mal seit 30 Jahren ist die Demokratische Republik Kongo wieder bei einer WM dabei. 1974 bei der Männer-WM in Deutschland nahm das Land unter dem Namen Zaire teil. Zum ersten Mal überhaupt gelang die WM-Qualifikation einer weiblichen Mannschaft dieses zentralafrikanischen Staates. Und
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ebenfalls zum ersten Mal wird ein Jugend-Team der USA auf eine afrikanische Mannschaft treffen.
Womit der große Favorit in der Gruppe, gleichermaßen einer der großen Turnierfavoriten, die USA, angesprochen sind. Als Sieger des CONCACAF-Qualifikationsturniers - 3:0 gegen Mexiko im Halbfinale und 3:2 im Endspiel gegen Kanada - kam man nicht nur in den Genuss, wie Deutschland, China und Gastgeber Russland gesetzt zu werden, sondern hatte auch noch genügend Zeit, sich akribisch auf die WM-Endrunde vorzubereiten. Mit 50 Testspielen seit Januar hat der U-19-Weltmeister von 2002 denn auch alles dafür getan, den herben Dämpfer, den das Halbfinal-Aus gegen Deutschland bei der WM in Thailand bedeutete, wieder vegessen machen zu können. Spielpraxis auf höchstem Niveau konnte man im April beim Ricardo Texeira Cup in Brasilien sammeln. Man spielte 4:0 und 2:2 gegen Kanada, schlug Brasilien mit 2:0 und verlor dann als bereits feststehender Turniersieger im letzten Spiel mit 1:2 gegen Brasilien. Nach einem Trainingslager in Deutschland, in dessen Rahmen auch ein Testspiel bei der SG Wattenscheid 09 ausgetragen wurde, trat die Schulz-Truppe dann unter Wettkampfbedingungen gegen China an und gewann diese Partie mit 5:3 nach Elfmeterschießen - nach 90 Minuten hatte es 3:3 gestanden. WM-Teilnehmer Finnland wurden im Juli mit 3:2 und 7:1 die Grenzen aufgezeigt, sodass das US-Team mit großem Selbstbewusstsein und dem Wissen, mannschaftlich hervorragend eingespielt zu sein, optimistisch nach Russland reisen kann.
US-Mittelfeldkraft Danesha Adams Bereits am 8. Juni hat sich Tim Schulz, der das Traineramt im Mai 2005 von Mark Krikorian übernahm, auf seinen 21-köpfigen Kader festgelegt. Der 44-Jährige hat dabei vor allem darauf geachtet, unterschiedliche Spielertypen im Team zu haben und gleichzeitig eine gesunde Mischung aus erfahrenen sowie unbekümmerten, ganz jungen Spielerinnen herzustellen. Beides scheint ihm geglückt.
Die französische Startelf im Finale der U-19-EM: Mit den Stürmerinnen Amy Rodriguez, Jessica Rostedt - beide trafen in Thailand dreimal -, den Verteidigerinnen Stephanie Lopez, Stephanie Logterman und Nikki Krzysik sowie Torfrau Kelsey Davis stehen sechs Spielerinnen im Aufgebot, die auch schon in Thailand für die US-Girls aufliefen. Dort haben sie mitbekommen, wie intensiv die Spiele bei einer WM geführt werden, wie der damalige Co-Trainer Schulz nicht müde wird hervorzuheben. Die Abwehr ist mit Krzysik, Logterman, Lopez und Sarah Wagenfuhr - sie spielte gemeinsam mit Viola Odebrecht an der Florida State University - der erfahrenste Mannschaftsteil. Lopez ist mit Rodriguez die einzige Spielerin, die auch schon Erfahrungen in der A-Nationalmannschaft gesammelt hat.
Die amerikanische U-20 bei ihrem Gastspiel in Wattenscheid: Carrie Dew, Jordan Angeli, Val Henderson und Kapitänin Stephanie Lopez bei der Nationalhymne Im Offensivbereich hat Schulz die sprichwörtliche Qual der Wahl. Da wären Amy Rodriguez, Jessica Rostedt und Lauren Cheney, die auch schon Einladungen ins A-Team erhielt, zu nennen, aber auch die erst 18-jährige Kelley O'Hara. O'Hara war im Jahr 2005 die Torschützenkönigin der U-17 und machte beim Ricardo Texeira Cup erstmals auch bei den "Oldies" der U-20 auf sich aufmerksam. Nicht zu vergessen Jordan Angeli, deren Vielseitigkeit vom Coach sehr geschätzt wird. Mit zwei 18-Jährigen und sogar einer erst 17-jährigen Spielerin, Casey Noqueira, vertritt die USA eine relativ junge Mannschaft, die aber aufgrund ihrer großen Spielpraxis und ausgeglichenen Besetzung zu Höherem berufen scheint.
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