![]() |
FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russland 2006Deutschland in der Favoritenrolle Vorstellung Gruppe C: | ||
Von Katja Öhlschläger15.08.2006 Ein WM-Titel ist schön, wenn er gewonnen wird - bei der nächsten WM beginnt aber alles neu. Das stimmt schon - zum Teil. Aber der Sieg macht sich bezahlt, denn der Titelverteidiger ist, wenn schon nicht automatisch qualifiziert, so doch zumindest gesetzt. Eine Regelung, die sich auch für die deutsche Mannschaft als Vorteil erwies, denn mit Mexiko, Nordkorea und der Schweiz in der Gruppe steht die Mannschaft von Maren Meinert vor einer durchaus lösbaren Aufgabe. Doch die Gegner zu unterschätzen kann sich auch der amtierende U-19-Welt- und Europameister sowie U-21-Nordic-Cup-Sieger nicht leisten. Dafür sind die Kontrahenten auch zu stark, wenngleich ihr Leistungsvermögen nur schwer einzuschätzen ist. Nordkorea![]() Die Schweizerin Vanessa Bürki wird in der kommenden Saison beim FC Bayern München zu bewundern sein. So nimmt der dritte asiatische Vertreter neben Australien und china, die Mannschaft aus Nordkorea, zum ersten Mal an einer WM teil. 2004 wurde dem Team von Trainer Choe Kwang-sok, das als Favorit in das AFC-Qualifikationsturnier ging, noch zum Verhängnis, dass mit Thailand der WM-Gastgeber aus dem eigenen Kontinent kam und der dritte Platz damit nicht für die WM-Teilnahme reichte. Dabei war der Finaleinzug so denkbar knapp verpasst worden - 5:6 im Elfmeterschießen hieß es am Ende gegen die Chinesinnen. Und die waren es ja bekanntlich, die bei der WM schließlich erst im Finale von der deutschen Mannschaft gestoppt werden konnten.
In diesem Jahr lief es bei der AFC-U19-Frauenfußballmeister- Romina Holz hütete bei der U-19-EM das Tor. Wird die Saarbrückerin auch in Russland im Tor stehen oder U-19-Weltmeisterin Tessa Rinkes den Vorzug erhalten? MexikoDer zweite Gegner der Deutschen, Mexiko, bietet mit der erst 14(!)-jährigen Verónica Charlín Corral die zweitjüngste Spielerin des Turniers auf. Die 1,60 Meter große Angreiferin ist jedoch nicht nur dabei, nein, sie ist eine entscheidende Größe im mexikanischen Spiel. In der CONCACAF-Qualifikation im Januar war sie mit acht Treffern die erfolgreichste Torschützin, allein im über Wohl und Wehe der mexikanischen U-20 entscheidenden "Kleinen Finale" gegen Jamaika (4:1) traf das mexikanische Wunderkind zwei Mal ins Schwarze, verwandelte dabei einen Elfmeter ohne mit der Wimper zu zucken und bereitete einen weiteren Treffer vor. Wie schon 2004 musste man sich im Halbfinale den USA geschlagen geben (0:3), profitierte aber von der Aufstockung des Teilnehmerfeldes auf 16 und dem daraus resultierenden zusätzlichen dritten Startplatz für die CONCACAF. In Zweikämpfen wird sich nichts geschenkt, das zeigt hier auch Abwehrspielerin Babett Peter (r.). Und wenn es gegen die ehemalige Teamkameradin Petra Wimbersky geht.
Mexiko nimmt damit zum zweiten Mal an einer WM dieser Altersklasse teil, nachdem im Jahr |
Spielführerin Lena Goeßling vom SC Bad Neuenahr enteilt hier der Frankfurterin Sandra Smisek im Testspiel gegen den UEFA-Cup-Sieger FFC Frankfurt. | |
2002 in einer starken Gruppe gegen Deutschland, Frankreich und Brasilien das Vorrundenaus kam. Doch nun soll der Aufwärtstrend im mexikanischen Frauenfußball, der durch den Viertelfinaleinzug der Frauenmannschaft bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen weiteren Aufwind bekam, auch auf der Jugendebene fortgesetzt werden. Eine positive Entwicklung, die die Handschrift von Trainer Leonardo Cuéllar trägt. Cuéllar organisiert in Mexiko den kompletten Frauenfußball-Bereich von der U-15 bis zur A-Nationalmannschaft und hat darüber hinaus auch ein Talentsichtungsprogramm auf die Beine gestellt. Nach einem 3:1 und einem 3:2 im Juli gegen Kanada scheint ein neues Erfolgskapitel in der Geschichte von Leonardo Cuéllar und seinen "tricolores" keineswegs ausgeschlossen. SchweizDes einen Leid - so bei Nordkorea im Jahr 2004 - ist des anderen Freud. Weil die Russinnen, für die WM als Gastgeber automatisch qualifiziert, unter die letzten Vier der U-19-EM 2005 in Ungarn kamen, schmerzte der dritte Platz der Schweizerinnen in Gruppe A hinter Deutschland und Finnland nicht mehr so sehr, als man sich im Spiel um den 5. Platz, extra als Play-Off angelegt, den Engländerinnen gegenüber sah und mit 2:1 die Oberhand behielt. Vor vier Jahren noch waren die Eidgenössinnen gegen eben jene Engländerinnen gescheitert - diesmal lösten Katrin Eggenburger und Vanessa Bürki mit ihren Toren das WM-Ticket. Wichtig werden in Russland für die Mannschaft von Trainer Claudio Taddei vor allem die ersten beiden Gruppenspiele gegen Mexiko und Nordkorea werden, denn auf die Partie gegen Deutschland wird er sich kaum verlassen wollen. Waren es doch bei der EM 2004 u.a. auch die Deutschen, die ihren Nachbarn auf dem Weg ins Halbfinale und damit zur U-19-WM in Thailand ein Bein stellten.
Caroline Abbé (r.) im Zweikampf mit der Französin Hélène Plu. Dieses Duell von der U-19-EM könnte es im Viertelfinale erneut geben. Coach Taddei, der mit seiner U-19-Nationalmannschaft bei der Heim-EM vor wenigen Wochen nach Niederlagen gegen Russland und Frankreich, bei einem Sieg gegen die Niederlande, in der Vorrunde ausschied, baut in Russland vor allem auf ein homogenes Team. 11 Spielerinnen aus dem U-19-Kader sind dabei. Darunter auch Martina Moser und die zur neuen Saison zum FC Bayern München gewechselte Vanessa Bürki - beide haben Erfahrung aus der A-Nationalmannschaft und waren auch beim WM-Qualifikationsspiel im November letzten Jahres in Ulm mit von der Partie. Moser als Schaltzentrale, Bürki als Torjägerin sowie Isabelle Meyer vom Schweizer Meister SC LUwin.ch gelten als die wichtigen Führungsspielerinnen. Kurios: die 15-jährige Ramona Bachmann durfte wegen ihres Alters (zu jung) an der U-19-EM nicht teilnehmen, ist nun aber bei der U-20-WM dabei. Grund: die Altersbeschränkungen der UEFA sind schlichtweg strenger. DeutschlandDer große Favorit in Gruppe C ist zweifelsfrei die deutsche Mannschaft um Spielführerin Lena Goeßling. Dies ist sie nicht nur in ihrer Rolle als Titelverteidiger, sondern auch als amtierender U-19-Europameister und U-21-Nordic-Cup-Sieger, aus deren siegreichen Teams der WM-Kader bis auf zwei Spielerinnen - Celia Okoyino da Mbabi und Verena Brammer - besteht. Damit die Trainerinnen Maren Meinert und Bettina Wiegmann auch immer das richtige Ass aus dem Ärmel ziehen, wird DFB-Jugendtrainer Ralf Peter (siehe Interview) die deutschen Gegner vor Ort beobachten und sich dabei vermutlich vor allem auf Mexiko und Nordkorea konzentrieren, denn mit der Schweiz konnten die deutschen Kickerinnen schon öfter Bekanntschaft machen. Zuletzt bei der EM 2005, als es ein klares 5:2 für die Deutschen gab - mit neun Spielerinnen, die auch in Russland dabei sein werden.
Die Trainerinnen haben das Glück, in allen Mannschaftsteilen sehr stark besetzt zu sein - selbst die zweite Garnitur dürfte durchaus bei einer WM konkurrenzfähig sein. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch die Qual der Wahl der zu haben. Das fängt schon im Tor an, wo mit U-19-Weltmeisterin Tessa
|
Rinkes und U-19-Europameisterin Romina Holz zwei bewährte und erfolgreiche Torfrauen um Platz 1 kämpfen. Diese Entscheidung möchte sich Meinert bis zum ersten Anpfiff offen halten, erklärte sie gegenüber FanSoccer. Auf den Feldpositionen gilt es vor allem, eine gesunde Mischung aus den U-19- und den U-21-Spielerinnen zu finden und nicht zuletzt auch Shootingstar Celia Okoyino da Mbabi im Mittelfeld einzubauen. Vorbereitungsspiele hatte die Truppe in dieser Zusammensetzung kaum. Die Premiere gegen die U-20 Dänemarks ging im November 2005 mit 1:2 verloren. Das nächste Spiel als U-20 ließ dann neun Monate auf sich warten - am Mittwoch unterlag man dem UEFA-Cup-Sieger 1. FFC Frankfurt mit 0:2. Und so kommt es, dass der Titelfavorit vor WM-Beginn noch auf seinen ersten Sieg wartet. Eine Tatsache, der - allein an den Ergebnissen gemessen - höhere Beachtung zu schenken natürlich albern wäre. Ersichtlich wird daraus aber, dass bei aller individuellen Klasse die fehlende Lydia Naumann bewies beim U-21-Nordic-Cup eindrucksvoll ihre Torgefährlichkeit Spielpraxis ein kleines Manko darstellen dürfte. Nicht zuletzt im Vergleich mit den US-Girls, die seit Januar in nur geringfügig differierender Aufstellung über 50 Testspiele bestritten. In der Abwehr wartet ein Potsdamer Quintett auf seinen Einsatz - ergänzt um die Nordic-Cup-Siegerinnen Janina Haye und Corinna Schröder. Nach den letzten Eindrücken dürften hier Haye, Höfler, Peter und Schlanke die Nase vorne haben. Beste Karten auf einen Platz in der Startaufstellung haben im Mittelfeld auf jeden Fall Lena Goeßling und Celia Okoyino da Mbabi. Der "Zehner" der U-19, Nadine Keßler, muss hingegen ebenso wie die viel gelobten Meike Weber und Fatmire Bajramaj hart um jeden Einsatz kämpfen.
Der gute, alte Notizzettel - auch für Maren Meinert ein wichtiges Hilfsmittel. Eine Situation, die auch auf die Angriffsreihen zutrifft. Nach der beruflich bedingten Absage von Torjägerin Isabel Kerschowski können Lydia Neumann, bei der U-21 zur Goalgetterin geworden, und Simone Laudehr, mit 35 Spielen für die U-19 die erfahrenste Akteurin im deutschen Aufgebot, die besten Chancen auf einen Stammplatz eingeräumt werden. Knapp dahinter sollten Juliane Maier und Jennifer Oster Simone Laudehr (r., gegen Christina Zerbe), ist die erfahrenste deutsche Spielerin. folgen, aber generell gilt - wenn nicht bei dieser Mannschaft, wann dann? -, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Und sollte es mit dem erhofften Finaleinzug klappen, werden die Trainerinnen doppelt froh über diese große Auswahl sein und ein Großteil der Spielerinnen vermutlich auch seinen Teil dazu beigetragen haben.
| |