. . . .

FanSoccer

Das Frauenfußball-Magazin



2. Qualifikationsrunde zur U 19 Europameisterschaft 2009 - 3. Spieltag

Ein „Endspiel”, das dann keines war...

Deutschland - Irland 6:0 (4:0)

Text von Martin Kochem

28.04.2009   Mit einem zu keinem Zeitpunkt gefährdeten 6:0-Kantersieg über die in den beiden vorherigen Gruppenspielen ebenfalls siegreich gebliebenen irischen Ladies qualifizierte sich das Team von Bundestrainerin Maren Meinert souverän für die EM-Endrunde, welche in der Zeit von 13. - 25. Juli in Weißrussland ausgetragen werden wird.

Die deutsche Mannschaft, der bereits ein Unentschieden zum Gruppensieg und der damit verbundenen Qualifikation gereicht hätte, ließ buchstäblich von der ersten Sekunde an keine Zweifel daran aufkommen, wer Herrin im Waldstadion zu Viernheim ist und legte los wie die Feuerwehr. So schnappte sich Alexandra Popp vom Anstoß weg den Ball, ließ drei bis vier irische Gegenspielerinnen mit einem energischen Antritt wie Statisten aussehen und hämmerte die Kugel aus gut 25 Metern über die verdutzte Aisling Dyer hinweg zur deutschen Führung ins irische Gehäuse - auf der Tribüne hatte man noch nicht einmal bis zehn gezählt!

Alexandra Popp gegen Ciara Grant

Der dreifachen Torschützin Alexandra Popp sah man deren Entschlossenheit buchstäblich im Gesicht an - hier setzt sie sich mit Niamh Mulcahy auseinander

Bild: Roland Baumann

Nach diesem wohl frühsten Tor der Frauenfussballgeschichte überhaupt dachte sich Gillian McDonnell kurze Zeit später „was die Popp kann, das kann ich auch” und jagte die Kugel sogar aus gut 35 Metern auf´s gegnerische Gehäuse, doch die als Nummer 1 ins Tor zurückgekehrte Desiree Schumann ließ sich nicht überraschen und lenkte das Leder mit den Fingerspitzen gerade noch so über die Latte (3.). Auf der anderen Seite erkämpfte sich die vor allem in der ersten Halbzeit sehr agile und auffällige Svenja Huth an der Torauslinie den Ball, doch deren genau getimte Rechtsflanke köpfte Popp knapp über die Querlatte (6.). Doch nur zwei Minuten später sollte es im irischen Kasten erneut klingeln, als der aufgerückten Rechtsverteidigerin Bianca Joswiak eine nahe der Eckballfahne geschlagene Flanke von der rechten Seite abrutschte und sich das Spielgerät über Dyer hinweg in die lange Ecke senkte - ohne Frage ein kurioses, wenn auch schönes Tor...

Doch die Mädels von der Grünen Insel gaben sich trotz des frühen 0:2-Rückstands keineswegs auf und bekamen nach 19 Minuten einen Freistoß aus halblinker Position zugesprochen, an dem Schumann ordentlich vorbeisegelte und diese anschließend Glück hatte, dass Marina Hegering die Kugel vor der einschussbereiten Amanda Parkes von der Linie köpfte.

Marina Hegering

Da hätte es für die Deutschen nochmal eng werden können - Marina Hegering (Nr. 6) klärt im letzten Moment vor der einköpfbereiten Amanda Parkes auf der Linie. Valeria Kleiner (Nr. 5), Ciara Grant (Nr. 12) und Laura Brosius (Nr. 2) schauen gespannt zu

Bild: Martin Kochem

Weiter ging es in dieser turbulenten Anfangsphase Schlag auf Schlag und wiederum nur zwei Minuten später kam Kristina Gessat gut 25 Meter vor dem irischen Tor an den Ball und donnerte das Leder mit einem hart und platzierten Fernschuss ins linke untere Eck - 3:0. Nun waren die deutschen Mädels erst so richtig auf den Weitschussgeschmack gekommen und trafen mittels eines natürlich von Dzsenifer Marozsan ausgeführten direkten Freistosses aus gut und gerne 30 Meter Torentfernung sogar zur uneinholbaren 4:0-Führung, bei dem Torhüterin Dyer abermals nicht besonders gut aussah, da die Kugel mittig an die Lattenunterkante und von dort aus dann hinter die Linie ins Tor sprang (25.).


Dzenifer Marozsan gegen Karen Duggan

Ausnahmetalent Dzsenifer Marozsan erzielte ihren fünften Turniertreffer und bereitete zudem zwei weitere Tore mustergültig vor - hier läßt sie Karen Duggan elegant aussteigen

Bild: Martin Kochem

In der 28. Minute senkte sich sodann eine Linksflanke der nie zu bremsenden Popp an den rechten Innenpfosten, bevor Huth in der anschließenden Szene beim Versuch des Nachsetzens von Megan Campbell klar von den Beinen geholt wurde - der Elfmeterpfiff der ansonsten souverän leitenden spanischen Schiedsrichterin blieb allerdingsaus... Wiederum nur eine Minute später strich ein weiterer Fernschuss von Gessat nur denkbar knapp über die Latte, bevor es die Deutschen bis zur Halbzeitpause dann etwas ruhiger angehen ließen und den Irinnen eine Verschnaufpause gönnten.

Kristina Gessat gegen Ciara Grant

Auch Kristina Gessat konnte sich mit einem Fernschuss in die Torschützenliste eintragen - hier läßt sie Ciara Grant alt aussehen

Bild: Martin Kochem

Nach dem Seitenwechsel schaltete die haushoch überlegene Meinert-Elf dann verständlicherweise zwei bis drei Gänge zurück, verwaltete das 4:0 souverän und kam nur noch sporadisch zu weiteren Torgelegenheiten. So zielte Jessica Wich (52.) aus 12 Metern Torentfernung genau auf Torfrau Dyer, welche es dann auch diejenige war, die nach 64 Minuten eine Flanke von Lena Wermelt vor der einschussbereiten Wich abfangen konnte.

Lena Wermelt gegen Amanda Parkes

Lena Wermelt (Nr. 14) gewinnt hier dieses rassige Kopfballduell gegen Amanda Parkes (Nr. 7)

Bild: Martin Kochem

Weitere klare Aktionen blieben in der Folgezeit Mangelware, da man beiden Mannschaften den Substanz- und Kraftverlust, welcher das dritte Spiel in nur 6 Tagen naturgemäß mit sich brachte, nunmehr deutlich anmerkte. Doch in den letzten Minuten sollte das Duo Marozsan/Popp dann noch mit drei Aktionen auf sich aufmerksam machen, welche es wahrhaft in sich hatten!

Nachdem Torfrau Dyer einen Popp-Kopfball nach Flanke Marozsan zunächst noch im Nachfassen entschärfen konnte (87.), mußte diese sich in der 90. Minute ein fünftes Mal geschlagen geben, als Popp den Ball nach überlegtem Marozsan-Zuspiel aus 8 Metern nur noch mit links einschieben brauchte. Und in der Nachspielzeit ließen es die beiden überragenden deutschen Akteurinnen dieser Qualifikationsrunde dann noch einmal krachen, machten es besser als fünf Minuten zuvor und setzten nach einer Dublette der Szene zuvor gemeinsam den Schlusspunkt zum 6:0-Endstand.


U19 Deutschland

Die deutsche U19 vor dem Spiel:
Oben von links: Bianca Joswiak, Veleria Kleiner, Lena Wermelt, Kristina Gessat, Marina Hegering.
Unten von links: Jesica Wich, Svenja Huth, Desiree Schumann, Alexandra Popp, Laura Brosius, Dzenifer Marozsan

Bild: Roland Baumann

U 19 Irland

Die U19 aus Irland:
Oben von links: Gilian Mc Donnell, Amanda Parkes, Aysling Dyer, Niamh Mulcahy, Elizabeth Fenlon, Louise Quinn. Unten von links: Karen Duggan, Susan Hackett, Rebecca Walsh, Ciara Grant, Megan Campbell

Bild: Roland Baumann

Sichtlich zufrieden zeigte sich die Bundestrainerin nach diesem „Endspiel” um den Gruppensieg, was bereits nach acht Minuten keines (mehr) gewesen war:
„Wir haben die ganze Woche sehr konzentriert gearbeitet und sind natürlich hochzufrieden, mit einem Torverhältnis von 17:0 die Qualifikation zur EM-Endrunde souverän geschafft zu haben. Sicherlich hat uns das ganz frühe Tor in diesem Spiel geholfen, aber die Mannschaft hat in der ersten halben Stunde gezeigt, dass sie das Spiel schnell entscheiden wollte. Wir hatten uns vorgenommen, viel und oft aus der Distanz u schießen - ich denke, das hat ganz gut geklappt. Nun freuen wir uns gemeinsam auf das für uns neue, da noch unbekannte Weißrussland.”

Deutschland:
Schumann - Brosius, Joswiak (46. Lübcke), Kleiner, Wermelt - Hegering (72. Bagehorn), Gessat, Wich (72. S. Arnold), Marozsan - Huth, Popp. Trainerin: Maren Meinert

Irland:
Irland: Dyer - Duggan, Quinn, Hackett, Mulcahy - Parkes, Walsh, Campbell, Grant - McDonell, Fenlon. Teamchefin: Susan Ronan

Tore:
1:0 Popp (1.)
2:0 Joswiak (8.)
3:0 Gessat (21.)
4:0 Marozsan (25.)
5:0 Popp (90.)
6:0 Popp (90.+2)

Gelbe Karten: Gessat - Fenlon, Duggan.

Schiedsrichterin: Paloma Quintero Siles (Spanien)

Zuschauer: 2.660 (in Viernheim)


Zu den Jugendnationalmannschaften

Zur FanSoccer-Startseite