Von Martin Kochem (Text u. Fotos)
27.07.2009
„...walking in an England wonderland...“ – so klang es lauthals aus den Kehlen der englischen U19-Nationalmann- schaft nach dem
Abpfiff eines aus Sicht der Siegerinnen historischen Finales der diesjährigen Europameisterschaft in Weißrussland. Schließlich sich das Team
von „Headcoach“ Mo Marley zum ersten Mal überhaupt den Titel gesichert.
„Ich bin im siebten Himmel“ purzelte es aus der vor Stolz sichtlich gerührten Trainerin der „Three Lions“ auf der Pressekonferenz geradezu heraus. „Das
ist ein unglaubliches Gefühl. Jeder hat danach gestrebt, aber ich hätte nie gedacht, dass es diese englische Mannschaft schaffen würde. Ein wenig habe
auch ich dazu beitragen. Wir freuen uns alle und sind erschüttert. Es ist großartig und wird uns hoffentlich in der Zukunft inspirieren.“
Beide Mannschaften begannen vor 4500 Zuschauern im nahezu vollen Gorodskoi-Stadion in Borisov äußerst nervös - kein Wunder, denn auch die Schwedinnen
warten bereits seit 1999 (damals U18-Europameister) auf einen Titel. So dauerte es nahezu eine Viertelstunde, bis es die erste ernstzunehmende Situation
zu notieren galt: über Toni Duggan und Spielführerin Michelle Hinnigan kam der Ball zu Isobel Christiansen, doch deren Flachschuss lenkte die seit dem
dritten Vorrundenspiel das schwedische Gehäuse hütende Hilda Carlén gerade noch so um den Pfosten. Bei der anschließenden Hinnigan-Ecke griff die erst
17-jährige Torfrau von LdB FC Malmö allerdings sauber daneben, doch bügelte Rechtsverteidigerin Josefine Alfsson deren Patzer aus und klärte nach einem
Schuss aus dem Hinterhalt von Gilly Flaherty auf der Linie. In der 28. Minute nahm Hinnigan eine Hereingabe von Jade Moore direkt, doch landete das Leder
lediglich am Außennetz.
Von den „Tre Kronor“, bei denen im Vergleich zu der mit 0:3 deutlich verlorenen Gruppenpartie zwölf Tage zuvor nur noch sechs Spielerinnen in der
Anfangsformation standen, war hingegen wenig bis rein gar nichts zu sehen. Auch Toptorjägerin Sofia Jakobsson wurde von der sicheren englischen
Viererkette komplett abgemeldet.
Mit der schwedischen Offensive war es nicht weit her - hier hat Catrine Johansson (l.) gegenüber Gilly Flaherty das Nachsehen.
In der 33. Minute war es dann soweit: die pfeilschnelle Flaherty entwischte nach intelligentem Zuspiel von Hinnigan auf der linken Außenbahn ihrer
Gegenspielerin, passte auf Christiansen, welche die Kugel im Strafraum blitzschnell auf Moore weiterleitete. Diese wiederum sah die noch besser
postierte Duggan, welche Carlén mit ihrem vierten Turniertreffer aus gut zehn Metern keine Abwehrchance ließ – ein herrliches Tor!
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Die U19 steht Kopf - England gewinnt erstmals einen internationalen Titel.
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Nur zwei Minuten später wurde Hinnigan von der Torschützin herrlich freigespielt, doch konnte Carlén deren Kracher bravourös entschärfen. Weitere 120
Sekunden später war die Torfrau allerdings machtlos, als sich Jordan Nobbs aus gut 35 Metern ein Herz fasste und einfach abzog – wie an der Schnur
gezogen schlug das Leder unter der Latte der vielleicht etwas zu weit vor dem Gehäuse postierten Carlén ein, und es hieß binnen nur vier Minuten auf
einmal 0:2.
Im Trikot des Gegners präsentieren die Torschützinnen Toni Duggan (l.) und Jordan Nobbs stolz den Pokal.
Zwar zeigten sich die Schwedinnen zu Beginn der zweiten Halbzeit optisch leicht überlegen, doch weitere Torchancen erspielte sich nahezu ausschließlich
der Gegner. So setzte die überragende Duggan zunächst einen Schuss aus 18 Metern knapp über die Querlatte (48.) und scheiterte kurz danach mit einem
heimtückischen Aufsetzer an Torfrau Carlén, welche die Kugel im Liegen noch so eben um den Pfosten lenken konnte (53.) Eine gute Viertelstunde vor
Schluss legte Duggan von der Torauslinie herrlich zurück auf Christiansen. Deren von der Strafraumgrenze zunächst abgeblockte Schuss landete bei Moore,
die Carlén im Nachschuss zu einer weiteren Glanzparade zwang.
Weitere Möglichkeiten von Christiansen (deren Heber auf dem Tornetz landete) sowie Duggan (deren Schuss von Carlén über die Latte gelenkt wurde) blieben
sowohl ungenutzt als auch folgenlos, denn die Schwedinnen hatten sich offensichtlich mit ihrem Schicksal bereits abgefunden und kamen nach sage und
schreibe 84 Minuten zur ersten torgefährlichen Aktion. Die zur Halbzeit eingewechselte Jenny Hjohlmann passte auf die ebenfalls kurz zuvor ins Spiel
gekommene Olivia Schough, doch deren Linksschuss zischte knapp am langen Pfosten vorbei. Kurz vor Schluss scheiterte sie nochmals mit einem
25-Meter-Weitschuss an der ansonsten nahezu beschäftigungslosen Rebecca Spencer, die damit – vergleichbar mit Nadine Angerer bei der WM 2007 - bei einem
Endrundenturnier ohne Gegentor blieb und ihre „weiße
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Weste“ damit sogar auf neun Spiele in Serie ausbaute.
Kurz danach beendete die souverän agierende Schiedsrichterin Teodora Albon aus Rumänien die Partie und der Jubel kannte auf Seiten der Engländerinnen
verständlicherweise keine Grenzen mehr.
Während dem Team von Mo Marleys nach der Finalteilnahme 2006 (unglückliche Niederlage gegen Deutschland) nun der große Coup gelang, dürfen sich die
Blau-Gelben neben der Silbermedaille und der Torjägerkanone für Sofia Jakobsson zudem mit der geschafften Qualifikation für die U 20-WM im nächsten Jahr
in Deutschland trösten. Ähnlich sah dies auch Schwedens Trainer Calle Barrling: “Glückwunsch an England - das war nicht nur heute eine exzellente
Leistung, sondern England war auch während des gesamten Turniers die konstanteste Mannschaft. Wir haben zwar heute gegen eine bessere Mannschaft verloren,
aber hier auch eine Menge gewonnen und zwar einen WM-Platz und eine Silbermedaille. Natürlich sind wir enttäuscht, aber wenn wir zuhause sind, dann
werden wir sicherlich zufrieden auf dieses Turnier zurückblicken. Wir haben heute nicht unser Bestes gezeigt, aber manchmal läuft eben alles für den
Gegner.“
Statistik
Schweden
Carlén - Alfsson, Kullberg (80. Schough), Lövgren, Borgström (58. Lyckberg) - Johansson, Appelquist, Heimersson, Göransson, Egelryd (46. Hjohlman) – Jakobsson
England
Spencer - Weston, Flaherty, Bronze, Harrop – Allen, Christiansen (79. Holbrook), Nobbs, Hinnigan (67. Coombs) - Duggan, Moore
Tore
0:1 Duggan (33.)
0:2 Nobbs (37.)
Gelb
Alfsson – Moore
Schiedsrichterin
Teodora Albon (Rumänien)
Zuschauer: 4.500
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