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U19-Europameisterschaft 2007Vorjahresfinalisten als TurnierfavoritenVorbericht zur Europameisterschaft 2007 in Island | ||
Von Katja Öhlschläger18.7.2007 Eine Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft der Juniorinnen und Junioren steht gewöhnlich nicht gerade im Vordergrund der Medienberichterstattung. Was für die Entwicklung der jungen Nachwuchskräfte möglicherweise sogar eher förderlich ist, ist aus sportlicher Sicht bedauerlich. Denn der Unbekümmertheit der Spielerinnen zuzuschauen, macht Spaß. Junge Talente können entdeckt werden. Und die Leistungsschwankungen in diesem Altersbereich sind beträchtlich, der Turnierausgang daher noch offener als etwa in knapp zwei Monaten bei der "großen WM" in China. So stecken sich denn auch fast alle Trainer aus den acht Teilnehmerländern an der U19-EM in Island lieber erst mal ein Minimalziel, das da heißt: Halbfinale. Was gleichzeitig die Qualifikation für die U20-WM im nächsten Jahr in Chile bedeutete. Und doch hat sich Dänemarks Übungsleiter Henrik Lehm über die Prognosen seiner Kolleginnen und Kollegen hinausgewagt, wenn er prophezeit: "Es gibt zwei Mannschaften, die besser sind als der Rest. Frankreich und Deutschland." Eines dieser beiden Teams, Deutschland, spielt in der dänischen Gruppe und hat als Titelverteidiger zweifellos Ambitionen, die nicht beim Minimalziel Halbfinale enden. Doch nachdem auf den letztjährigen Titelgewinn mit der U19 in der Schweiz kurz darauf das Viertelfinal-Aus bei der Premieren-U20-WM in Russland folgte, ist man vorsichtig geworden. Die Qualifikation für die U20-WM bedeutete die Gewissheit, dass die Spielerinnen, die derzeit spielberechtigt für die U19 sind, ihr Können im kommenden Jahr auch im weltweiten Vergleich unter Beweis stellen dürften. Alles andere wäre eine Enttäuschung und würde bedeuten, dass diesem Jahrgang eine wichtige Erfahrung verwehrt bliebe. Nach dem Titelgewinn im letzten Jahr und dem Viertelfinal-Aus bei der U20-WM hat Trainerin Maren Meinert diesmal das Halbfinale und die damit verbundene WM-Qualifikation als Minimalziel ausgegeben. Doch auch wenn die Vorbereitung in diesem Jahr durchwachsen lief, sich Licht und Schatten abwechselten, kann die Bundestrainerin dem Endturnier positiv entgegenblicken. Denn als es in Pflichtspielen um Punkte ging, so bei der 2. Qualifikationsrunde Ende April in Schleswig-Holstein, war ihre Trupppe zur Stelle. Gleich im ersten Spiel gegen den stärksten Gegner auf die Probe gestellt, besiegten sie Schweden mit 4:1, ließen im zweiten Spiel gegen Ungarn den zweiten Sieg folgen und buchten damit als einziges der sieben qualifizierten Teams schon nach zwei von drei Spieltagen das EM-Ticket. In der deutschen Auswahl, die nun das Endturnier angeht, sind sieben Spielerinnen dabei, die auch schon im letzten Jahr dem Team angehörten. Neben Spielführerin Nadine Keßler, der im Mai der Bundesliga-Aufstieg mit dem 1. FC Saarbrücken gelang, sind das Daniela Löwenberg, Nathalie Bock, Carolin Schiewe, Imke Wübbenhorst und die Zwillinge Monique und Isabel Kerschowski, die im Vorjahrsfinale beim 3:0 gegen Frankreich alle Tore besorgten. Hinzugekommen sind aus dem 88er-Jahrgang Stephanie Goddard und Susanne Hartel, die im Vorjahr nur auf Abruf standen. Schließlich stießen auch Pia Marxkord und Torfrau Alisa Vetterlein neu zum Team. Der Rest der Truppe ist 1989 geboren, mit erst 16 Jahren das Küken im Team ist die Potsdamerin Bianca Schmidt. Schiewe, Käpitänin Keßler, Bock und die Kerschowski-Zwillinge sind die Eckpfeiler der Mannschaft, auf die Meinert baut. Neben ihnen schafften es Katharina Baunach, Stefanie Draws, Bianca Schmidt, Stephanie Goddard und Nicole Banecki in die Anfangself gegen Dänemark, die mit einem 1:0 heute erfolgreich ins Turnier startete. Sie alle sind bis auf Goddard Stammspielerinnen in der 1. Bundesliga - Banecki und Baunach bei Bayern München, Schmidt und Draws bei Turbine Potsdam. Goddard wechselt zur neuen Saison zum Vizemeister FCR Duisburg ( siehe Interview) Hat ihr persönliches Minimalziel erreicht, das sie sich im FanSoccer-Interview setzte: Stephanie Goddard ist in diesem Jahr bei der Endrunde dabei, nachdem sie 2006 nur auf Abruf stand.
In Gruppe A treffen die Deutschen auf drei nordeuropäische Teams. Gastgeber Island, Norwegen und Dänemark. Die beiden Letztgenannten standen sich erst im April in der 2. EM-Qualifikationsrunde gegenüber, um den Gruppensieger und damit den EM-Teilnehmer zu ermitteln. Beide hatten zuvor vier Punkte auf ihr Konto bringen könnte, Dänemark führte bis zur 87. Minute mit 1:0. Dann gelang Elise Thorsnes, neben Isabell Herlovsen die einzige Norwegerin mit Erfahrung in der A-Mannschaft, der späte Ausgleich. Für Dänemark reichte das immer noch, weil sie das bessere Torverhältnis aufwiesen. Doch auch Norwegen war durch das Unentschieden gerettet, wie die Mannschaft um Trainer Jarl Torske aber erst am Flughafen erfuhr. Sie setzten sich als bester Gruppenzweiter der sechs Qualifikationsgruppen durch. |
Gibt's bei der Endrunde wieder ähnlich viel zu jubeln wie in der Qualifikation? Nicole Banecki, Isabel und Monique Kerschowski (v.l.n.r.) werden alles dafür tun. | |
Nun also kommt es zum erneuten Aufeinandertreffen zwischen Lehms Däninnen, die im vergangenen Jahr das Halbfinale erreichten und dort dem späteren Vize-Europameister Frankreich unterlagen, und Norwegen, die zum ersten Mal seit 2003 wieder an einer EM-Endrunde teilnehmen. Lediglich Außenseiterchancen werden Gastgeber Island eingeräumt. Ólafur Thór Gudbjörnsson und seine Frauen können gänzlich ohne Erwartungsdruck ihre drei Vorrundenspiele angehen. Eine Herangehensweise, die die isländische Frauennationalmannschaft in diesem Jahr fast schon perfektioniert hat. Beim Algarve Cup besiegten sie China und Mitte Juni ließen sie diesem Erfolg ein beinahe sensationelles 1:0 gegen Frankreich folgen. Der isländische UEFA-Cup-Teilnehmer Breidablik schaffte es bis ins Viertelfinale und scheiterte dort am späteren Sieger Arsenal LFC. "Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie" - diesem Motto schließt sich denn auch der Coach an: "Für meine Spielerinnen ist das die Chance ihres Lebens!" Doch gang so unbeleckt ist auch der Außenseiter nicht mehr. Immerhin stehen in diesem Jahr ein 1:0 gegen Schweden und Unentschieden gegen England und Dänemark zu Buche.
Isabel Kerschowski, die Torjägerin der Meinert-Elf. Hier gegen die Schottin Ashleigh McCallum
In Gruppe B wäre alles andere als Frankreichs Einzug ins Finale eine große Überraschung. Nachdem "Les Bleues" zweimal hintereinander das Endspiel erreichten, dabei einmal im Elfmeterschießen gegen Russland und im letzten Jahr gegen Deutschland verloren, soll es im dritten Anlauf klappen. Dementsprechend forsch ist die Ansage von Trainer Stéphane Pilard: "Wir wollen besser abschneiden als im letzten Jahr!" Für Pilard, der 2004 die Geschäfte vom jetziger Frauen-Nationaltrainer Bruno Bini - er führte die U19 zum EM-Titel 2003 in Deutschland - übernahm, wäre das auch ein persönlicher Erfolg. Er baut vor allem auf die mannschaftliche Geschlossenheit, sieht nahezu alle Positionen doppelt besetzt und erkennt als einzige Schwäche lediglich die Außenpositionen. Kann diese Schwäche noch abgestellt werden und setzt die Mannschaft auch im entscheidenden Moment ihr Potenzial um, dann wartet vorne die blitzgefährliche Marie-Laure Delie, mit neun Toren erfolgreichste französische Angreiferin in der EM-Qualifikation.
Marie-Laure Delie war mit neun Treffern in der Qualifikation Frankreichs erfolgreichste Stürmerin.
Da auch Spaniens Trainer Ignacio Queredas und Englands Trainerin Mo Marley auf Teamspirit und eine geschlossene Mannschaftsleistung setzen, fragt man sich, welche Einzelspielerinnen dann noch in Island Duftmarken setzen und von sich reden machen können. Doch der verhaltene Ausblick der Trainer sollte einem nicht die Hoffnung nehmen, hat sich doch gerade in England die U19 als hervorragende Ausbildungsstätte für spätere A-Nationalspielerinnen erwiesen. Anita Asante, Eniola Aluko, Alex Scott oder Emily Westwood stehen beispielhaft für die Generation, die schon 2002 und 2003 ihre Qualität unter Beweis stellte und in zwei Monaten WM-Luft schnuppern wird. Die blutjunge englische Auswahl - allein sieben Spielerinnen könnten noch U17 spielen - qualifizierte sich mit sieben von neun möglichen Punkten Ende April souverän und wird nun in Island versuchen, an die bereits erwähnten Erfolge aus den Jahren 2002 und 2003, als man das Halbfinale erreichte, anzuknüpfen. Die damit verbundene WM-Qualifikation wäre nach dem Sprung der Frauenmannschaft in das Teilnehmerfeld der WM in China ein weiterer Meilenstein für die Entwicklung der "Three Lions". An noch größere Erfolge, nämlich den EM-Titel 2004 in Ungarn, wollen die Spanierinnen anknüpfen. Das Team von Ignacio Quereda, der bereits seit 19 Jahren für den spanischen Verband tätig ist, setzte sich in der Qualifikation in einem spannenden Gruppenfinale gegen Italien nur durch das bessere Torverhältnis durch. Nach zwei Jahren unfreiwilliger |
EM-Abstinenz im Anschluss an den Titelgewinn wäre nun vermutlich schon der Halbfinaleinzug als Erfolg zu verbuchen. Eine von zwei Norwegerinnen, die schon Erfahrungen in der A-Mannschaft gesammelt haben: Isabell Herlovsen Denn die Gruppe wird alles andere als ein Spaziergang, was auch der Blick auf EM-Neuling Polen, der die Gruppe B komplettiert, beweist. Robert Góralczyk und sein Team gelang es nämlich, in der 2. Qualifikationsrunde nicht nur den Halbfinalisten von 2005, Finnland, und Wales hinter sich zu lassen, sondern auch den Titelträger von 2005: Russland. Die Russinnen sind damit zum ersten Mal seit 2003 nicht bei einer EM-Endrunde dabei, was ihrer katastrophalen Chancenauswertung geschuldet ist. In den drei Gruppenspielen gelang ihnen lediglich ein Tor. Mit dieser Empfehlung nach Island kommen, sollte niemand die Osteuropäerinnen unterschätzen. Wenngleich Góralczyk zu bedenken gibt, dass in Polen gerade mal 3500 Frauen Fußball spielen, etwa 500 in der Altersklasse U19. Eine Situation, die mit der in Deutschland oder Frankreich nicht ansatzweise zu vergleichen ist. Wie weit das die einzelnen Teams führt, das werden die kommenden 11 Tage zeigen. Spätestens am 26. Juli, wenn die Halbfinals anstehen, wird die Prognose von Dänen-Coach Lehm dem Praxistext unterzogen.
Nadine Keßler trägt die Kapitänsbinde im deutschen Team.
Das deutsche Aufgebot:
Weitreichende Informationen zum U 19-Championat finden sich auf der Website der UEFA (www.uefa.com). Den deutschen Kader und die aktuellen Aufstellungen der deutschen Natio findet ihr hier: U19-Turniere.
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