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U19-EuropameisterschaftGelingt Rußland die Titelverteidigung?Vorbericht zur Europameisterschaft 2006 in der Schweiz | ||
Von Christian Heidler11.7.2006 Nun, da Klinsmann & Co. den Traum vom WM-Titel ausgeträumt haben, blicken sie schon erwartungsvoll auf die Europameisterschaft, die 2008 in Österreich und der Schweiz stattfinden wird. Deutschlands Juniorinnen der Altersklasse U 19 brauchen auf ihre EM in der Schweiz nicht so lange zu warten. Schon am 11.07. fällt der Startschuß für das bis 22.07. andauernde Turnier, bei dem die gastgebende Schweiz und sieben weitere U 19-Auswahlteams um die europäische Meisterschaft kämpfen. 1998 trug die UEFA erstmals eine EM für Juniorinnen unter 18 Jahren aus. Seit 2002 wird dieser jährlich ausgetragene Cup nun als Wettbewerb für Juniorinnen unter 19 Jahren durchgeführt. Neben der Auswahl des gastgebenden Verbandes nehmen sieben Mannschaften an der EM teil, die sich zuvor in Ausscheidungsturnieren ihre Startberechtigung erkämpfen mußten. Unter den 36 Nationen, die den Vorentscheid nicht überstanden, sind diesmal u.a. auch Norwegen, England und erneut Spanien, der Titelträger von 2004. Trainerin Maren Meinert erwartet nach dem letzten Testspiel gegen Norwegen vor allem von ihrer Offensive mehr Durchschlagskraft. Die acht Endrundenteilnehmer treten erst in zwei Gruppen à vier Mannschaften an. Im Wettstreit jeder gegen jeden werden die beiden Gruppenersten ermittelt, die dann im Überkreuzvergleich die Halbfinals austragen um am abschließenden Wettkampftag im „kleinen“ und „großen“ Finale die ersten vier Plätze auszuspielen. Ausgetragen werden die Spiele der Euro in der Deutsch-Schweiz, insbesondere in Solothurn und der Hauptstadt Bern. In Gruppe A trifft Deutschland auf, Belgien, Dänemark und Schweden. Deutschlands Auftaktgegner ist gleich der große Rivale Schweden. Die Skandinavier, die in der Qualifikation Spanien ausschalten konnten, warten seit 1999 auf einen zweiten Titelgewinn. In den letzten beiden Jahren schaffte Schweden nicht mal den Sprung in die Finalrunde. Spielmacherin ist Lisa Dahlkvist von KIF Örebro. Im übrigen setzt Coach Calle Barrling besonders auf die Treffsicherheit von Louise Fors (Hammarby IF) und Johanna Andersson (Umeå IK). Stürmerin Louise Fors von Hammarby IF wird heute mit eigenen Toren einen Auftaktsieg der deutschen Mannschaft zu verhindern versuchen.
Das zweite Match tragen die Adlerträgerinnen dann gegen den nördlichen Nachbarn Dänemark aus. Wie Schweden setzte sich auch die Auswahl von Trainer Henrik Lehm ohne Verlustpunkte in seiner Zweitrundenqualifikationsgruppe durch und hatte mit England ebenfalls einen harten Brocken aus dem Weg zu räumen. Der erste U 18 Europameister ist nach dreimaliger Abwesenheit in Folge endlich wieder dabei und gilt als einer der Turnierfavoriten. Im letzten Jahr war für diese Mannschaft im Halbfinale Schluss: Prunkstück des Teams ist nach Meinung von Lehm die Abwehr, doch auch die Offensive mit der torgefährlichen Louise Kristiansen, mit 11 Treffern Torschützenkönigin der Qualifikation, ist nicht zu
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Der Titelverteidiger: Russland | |
unterschätzen. In der ersten Qualifikationsrunde hatte es Dänemark übrigens schon mit Schweden zu tun gehabt. Das direkte Duell ging remis aus, den Gruppensieg trugen die Däninnen aufgrund des besseren Torverhältnisses davon. Eine verhältnismäßig einfache Qualifikationsgruppe ermöglichte es Belgien, die Fahrkarte für seine erste EM-Teilnahme zu lösen. Der Debütant, dessen Frauen in der FIFA-Weltrangliste auf Rang 34 geführt werden, darf als Außenseiter dieses Turniers angesehen werden. Mit Kristien Elsen und Karen Meeus verfügt die Auswahl offenbar über zwei treffsichere Schützinnen. In den Qualifikationsgruppenspielen trafen sie insgesamt acht- bzw. siebenmal ins Schwarze. Für Deutschlands Trainerin Maren Meinert ist die Auswahl ihrer Kollegin Anne Noë die große Unbekannte. Durch Beobachtung der ersten beiden Begegnungen Belgiens will Meinert dann aber ausreichend informiert in das letzte Vorrundenspiel gehen. Deutschland selbst ist mit acht Endrundenteilnahmen und drei EM-Siegen die erfolgreichste Nation. Der letzte Titelgewinn gelang dem DFB jedoch 2002. Ausgerechnet beim Turnier im eigenen Lande (2003) scheiterte Deutschland bereits in der Gruppenphase. 2004 in Finnland spielte das u.a. mit der überragenden Anja Mittag besetzte Team alle Gegner in Grund und Boden, um dann überraschend im Finale Spanien mit 2:1 zu unterliegen - jenem Spanien, das in der Vorrunde noch mit 7:0 vom Platz gefegt wurde. Vergangenes Jahr war dann bereits im Halbfinale gegen den späteren Europameister Rußland Endstation.
In der Bundesliga gegeneinander, in den kommenden zwei Wochen gemeinsam im Nationaltrikot: Meike Weber (l.) und Friederike Engel. Erfahrenste Spielerin im deutschen Team ist Anna Blässe. Auf 22 Einsätze brachte es die vom USV Jena zum HSV wechselnde Angreiferin. Noch torgefährlicher ist Sturmpartnerin Isabel Kerschowski vom 1. FFC Turbine Potsdam. Nachdem sich Annika Niemeier (TSV Jahn Calden) beim Turnier in La Manga einen Kreuzbandriß zuzog, wird die Abwehrreihe im wesentlichen aus Potsdamer Aktiven bestehen. Das Gros der Mitspielerinnen von Mannschaftsführerin Nadine Keßler (1. FC Saarbrücken) bestreitet den Ligaalltag in der 1. oder 2. Bundesliga, doch auch Talente tieferer Spielklassen bekommen in der U 19 ihre Chance sich zu beweisen, wie die Beispiele Juliane Meier (SV Titisee, wechselt zur neuen Saison zum SC Freiburg) und Christina Schellenberg (SV 67 Weinberg) beweisen. Souverän wurde die Fahrkarte zur EM mit 3 Siegen und 18:0 Toren gegen Schottland, Irland und Slowenien gelöst. Die Trainerin, die als Spielerin u.a. 2003 Weltmeisterin wurde, hat mit ihrem Team Großes vor. Zumindest das Halbfinale soll wieder erreicht werden. Die Generalprobe Ende Juni mit dem 0:0 im Testspiel gegen Norwegen kann jedoch noch nicht als gelungen bezeichnet werden. Die Gruppe B ist mit Frankreich, Rußland, den Niederlanden und Gastgeber Schweiz bestückt.
Mit Rußland und Frankreich treffen die Finalgegner von 2005 bereits in der Gruppenphase aufeinander. Rußland hatte sich den Titel letztes Jahr in Ungarn im Elfmeterschießen geholt und qualifizierte sich diesmal nahezu mühelos für die EM. Knapp wurde es für das Team von Valentin Grishin lediglich gegen Finnland (2:1), dagegen wurde mit dem 21:0 gegen Georgien der höchste je in der Qualifikation errungene Sieg verbucht. Star im starken Kollektiv ist Elena Danilova. Die Torschützenkönigen der letzten Euro konnte in den 6 Qualifikationsspielen der aktuellen Runde insgesamt 10 Tore erzielen. |
Gespannt darf man auf den Auftritt der spielstarken Equipe aus Frankreich sein, der Torhüterin Sarah Bouhaddi, Louisa Necib oder Elodie Thomis, die allesamt in der A-Natio spielen, nicht mehr angehören. Allein 8 der 18 von Trainer Stéphane Pilard berufenen „Les Bleuettes“ kommen vom Erstligisten CNFE FF Clairefontaine. In der Qualifikation zur EM setzten sich die Französinnen auch gegen Norwegen durch. Damit steht der Europameister von 2003 und Gastgeber der EM 2008 nunmehr bereits zum siebten mal in der Endrunde.
Diese französische Mannschaft wurde in Ungarn Vizeeuropameister: Eher geringe Chancen besitzt die Auswahl der Niederlande. Das Team, in dem drei Spielerinnen auch zur A-Nationalmannschaft gehören, schaffte es seine Gruppe in der zweiten Qualifikationsrunde knapp vor den punktgleichen Italienerinnen zu gewinnen. Während Italien und die Slowakei besiegt werden konnten, hatte es zum Auftakt eine Niederlage gegen Ungarn gegeben. Der direkte Vergleich mit Italien entschied letztlich zu Gunsten Hollands. Als Gastgeber ist die Schweiz automatisch für die Europameisterschaft teilnahmeberechtigt. Die Eidgenössinnen nehmen bereits zum vierten mal in fünf Jahren an der EM-Endrunde teil, wobei ihnen der 5. Platz bei der EM in Ungarn auch die Qualifikation zur U 20-WM (17.08.-03.09.06 in Rußland ) einbrachte. Trainer Claudio Taddei hat sich und seinem Team das Erreichen des Halbfinales als Ziel gesetzt, angesichts der Konkurrenz aus Frankreich und Rußland sicherlich ein ambitioniertes Vorhaben. Doch vielleicht läßt sich das mit dem Heimpublikum im Rücken doch verwirklichen? Die ohnehin schon gute Jugendarbeit mit dem Ausbildungszentrum in Huttwil würde das sicherlich noch weiter voranbringen. Die Fußballweisheit, daß alte Meriten keine neuen Erfolge garantieren, gilt im Jugendbereich um so mehr. Schließlich scheiden von Jahr zu Jahr die ältesten Spielerinnen aus und machen Platz für jüngere. Ein bißchen ist es auch Glück, ob ein Jahrgang auch die ein oder andere Ausnahmespielerin hervorgebracht hat. Denn selbst die beste Jugendarbeit kann Talente nur entdecken und fördern, nicht aber „backen“. Bald werden wir sehen, wer die Reihe der Jungstars wie Mittag und Danilova fortsetzen kann. Gleich wie die einzelnen Mannschaften abschneiden werden, sei ihnen ein schönes Turnier mit einer guten Stimmung a la „Europa zu Gast bei Freundinnen in der Schweiz“ zu wünschen! Die Turnierdirektorin und jetzige A-Natio-Trainerin Béatrice von Siebenthal war früher selbst für die U19 verantwortlich. Mit Clio ist jetzt übrigens eine De Siebenthal als Spielerin präsent.
Weitreichende Informationen zum U 19-Championat finden sich auf der Website der UEFA (www.uefa.com). Den deutschen Kader und die aktuellen Aufstellungen der deutschen Natio findet ihr hier: U19-Turniere.
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