Text und Fotos von Nicole Tischhauser 16.7.2006
Auch wenn sich Frankreich noch nicht definitiv für das Halbfinale qualifiziert hatte, gönnte Coach Stéphane Pilard gleich mehreren Stammspielerinnen eine Pause und schickte gegen die Gastgeberinnen im letzten Gruppenspiel vor 1'050 Zuschauern im Wiler Bergholz anfangs ein "B-Team" aufs Feld.
Marie-Laure Delie bereitet sich auf ihren Einsatz vor
Da die Schweizerinnen zur Halbfinalqualifikation unbedingt einen Sieg benötigten, mochte es kaum zu verwundern, dass sie anfangs mehr Zug aufs gegnerische Tor brachten und durch einen Weitschuss von Adrienne Kryst nach 7 Minuten auch zur ersten Torchance kamen. Dann kam dieser durchaus animierten Partie jedoch für eine Weile die spielerische Linie etwas abhanden und es kam zu vielen unnötigen Ballverlusten im Mittelfeld, v.a. von Seiten der Schweizerinnen.
Inès Dahou lieferte eine starke Leistung ab
Erst nach 27 Minuten wurde das Spiel dann wieder etwas lebendiger. Als erstes konnte sich Frankreichs Hélène Plu gut in Szene setzen, die nur durch ein Foul vom Ball getrennt werden konnte; Caroline Abbé sah dafür die gelbe Karte.
Dann waren wieder die Schweizerinnen an der Reihe. Nachdem sie aufgrund einer umstrittenen Abseitsentscheidung einer guten Chance beraubt worden waren, war es diesmal eine französische Verteidigerin, die die auffällige Maeva Sarrasin mit einem schönen Tackling vom Ball trennen konnte. Nur ein paar Minuten später jedoch hatte wieder Sarrasin das 1-0 für die Schweiz auf dem Fuss. Die französische Torhüterin Véronique Pons, die wohl von der tiefstehenden Sonne geblendet wurde, spielte den Ball direkt der überraschten Schweizer Angreiferin auf den Fuss. Diese brachte es allerdings fertig, den Ball aus kürzester Distanz nicht im Tor unterzubringen, sondern Pons anzuschiessen.
In der 35. Minute kam dann Frankreich wieder zu einer guten Torszene, als Chloé Mazaloubeaud zu einem schönen Weitschuss ansetzte. Die grösste Chance für die Tricolores in der ersten Halbzeit allerdings hatte erneut Hélène Plu in der 40. Minute, die nach einer sehenswerten Flanke von Jessica Houara von der linken Seite völlig alleine vor dem Tor zum Kopfball kam, den Ball aber zu ihrem eigenen Entsetzen über das Tor köpfte.
Aber damit noch nicht genug in Halbzeit eins, auch die Schweizerinnen kamen durch Maeva Sarrasin nochmals zu einer guten Möglichkeit, aber Véronique Pons lief genau zur richtigen Zeit aus dem Tor, um die Schweizer Angreiferin fair vom Ball zu trennen.
So blieb es bis zur Halbzeit 0-0 in einem ausgeglichenen Spiel. Dies wollte Frankreich ändern und ersetzte nach der Pause die angeschlagene und farblos gebliebene Aurélie Mula durch seine bis dato erfolgreichste Torschützin Marie-Laure Delie.
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Hélène Plu dicht verfolgt von Caroline Abbé
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Die zweite Halbzeit begann so munter wie die erste geendet hatte. Zuerst scheiterte die Französin Jessica Houara aus spitzem Winkel, dann sah Maeva Sarrasin ihren Schuss aus kurzer Distanz von Véronique Pons pariert. Die Schweizerin hatte einige Minuten danach nochmals Pech, als ihr Kopfball neben dem Tor landete.
In der 58. Minute kam dann eine weitere offensive Stammspielerin aufs Feld; Eugénie Le Sommer musste das Feld für Nora Coton-Pélagie räumen, die die linke Flügelposition von Jessica Houara einnahm (welche auf die rechte Seite wechselte). Genau diese Houara war es dann, die bereits 2 Minuten später das erlösende 1-0 für Frankreich markierte, mit einem sehenswerten Lob aus ca. 18 Metern über die Schweizer Torhüterin. Diese sah dabei zwar nicht besonders gut aus, wurde in der zweiten Halbzeit jedoch auch von der Sonne geblendet.
Dies war eine Art Knackpunkt im Spiel. Die Schweizerinnen, die ohnehin langsam müde wurden, glaubten nun nicht mehr daran, dass dieses Spiel noch zu gewinnen war und die Aufgabe für die geduldigen Französinnen wurde immer leichter.
Sandy Maendly im Zweikampf mit Inès Dahou
Zwar hatte die Schweiz in der 73. und 74. Minute nochmals zwei gute Möglichkeiten durch Isabelle Meyer, doch die Französinnen kontrollierten mittlerweile das Spiel klar und kamen durch die eingewechselte Coton-Pélagie und zweimal Plu ebenfalls zu drei weiteren guten Torchancen binnen weniger Minuten.
In der 76. Minute folgte dann das logische 2-0 durch einen Kopfballtreffer der Mittelfeldspielerin Mazaloubeaud nach einem Eckball durch Frankreichs starke Nummer 10, Inès Dhaou.
In der 78. Minute verliess dann Jessica Houara nach einer guten, wenn auch oft etwas eigensinnigen Leistung das Feld. Die Torschützin wurde vom Schweizer Publikum – welches auch sein Team immer wieder mit Sprechchören unterstützte – mit viel Applaus verabschiedet.
In der 80. Minute kam dann Marie-Laure Delie zu ihrer ersten Tormöglichkeit, doch sie traf nur das Aussennetz und auch Maeva Sarrasin versuchte sich noch ein letztes Mal vergeblich, bevor sie ihren Platz enttäuscht Teamkollegin Sara Schwarz überlassen musste. Aber auch diese Einwechslung brachte keine Wende, im Gegenteil: Marie-Laure Delie gelang sogar noch das 3-0 für Frankreich, nach einem sehenswerten Angriff über Coton-Pélagie, welche Hélène Plu einsetzte. Diese leitete den Ball an ihre besser postierte Mitspielerin weiter und Delie verwandelte ohne Schwierigkeiten.
Fast hätte sie sogar noch das 4-0 erzielt,
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doch Torhüterin Stenia Michel machte diese Möglichkeit zunichte. So blieb es also beim am Ende verdienten, doch mindestens um ein Tor zu hohen 3-0-Sieg für die clever spielenden Französinnen, die im Halbfinale auf Dänemark treffen werden. Die Gastgeberinnen müssen sich wohl damit abfinden, dass ihnen, trotz einer beherzten kämpferischen Leistung, bis zur Weltspitze
Maeva Sarrasin fehlte das Glück
doch noch einiges fehlt, v.a. was die Abgeklärtheit vor dem Tor und die Fitness anbelangt.
Die Französinnen durften gleich dreimal jubeln
Frankreich:
1-Véronique Pons ; 12-Mélodie Coudray, 3-Livia Jean, 4-Maryse Gobert, 13-Emilie Gonssollin ; 7-Jessica Houara (C) (18-Sarah Orth 79'), 15-Chloé Mazaloubeaud, 10-Inès Dhaou, 14-Eugénie Le Sommer (8-Nora Coton-Pélagie 59') ; 11-Aurélie Mula (9-Marie-Laure Delie 46'), 17-Hélène Plu
Schweiz:
1-Stenia Michel ; 8-Rahel Graf, 16-Francesca Stillhard, 2-Caroline Abbé, 4-Sandra Betschart ; 13-Camille Raemy (7-Marie-Andrea Egli 76'), 17-Simone Zahno (C), 10-Adrienne Kryst, 9-Sandy Maendly (18-Valerie Zürny 65') ; 14-Maeva Sarrasin (15-Sara Schwarz 84'), 11-Isabelle Meyer
Tore:
1:0 Houara (59.)
2:0 Mazaloubeaud (76.)
3:0 Delie (87.)
Gelbe Karten:
Abbé (27.)
Mazaloubeaud (72.)
Schiedsrichter: Sharon Wheeler, Kirstin Lamm, William Garner (USA)
Zuschauer: 1050
Auszeichnung zur besten Spielerin: Inès Dahou
Auf Schweizer Seite konnten sich v.a. Yverdon-Sports' Maeva Sarrasin und Caroline Abbé gut in Szene setzen. Bei den Französinnen gefiel mir neben Inès Dhaou (CNFE) v.a. die Stürmerin Hélène Plu von Le Mans UC72 aus der zweiten französischen Division.
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