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U19-Europameisterschaft 2006 in der Schweiz

Souverän zum Europameistertitel

Finale: Deutschland - Frankreich 3:0 (1:0)

Von Detlef Püschel

27.7.2006   Nun war es endlich soweit, müssen die Spielerinnen beider Finalisten wohl gedacht haben, als sie am Samstagabend das Stadion in Bern betraten. Die Französinnen hatten bisher alle ihre Spiele gewinnen können und kamen mit stolz geschwellter Brust nach Bern. Aber auch die deutschen Spielerinnen hatten allen Grund zufrieden zu sein. Nach dem Unentschieden gegen Schweden im Auftaktmatch konnten sie alle anderen Partien für sich entscheiden und schossen dabei mehr Tore als die Französinnen!

1:0

2:0

1:0 stand es zur Halbzeit, doch schon kurz nach Wiederanpfiff hatte Isabel Kerschowski mit ihrem zweiten Tor für die Vorentscheidung gesorgt.

Foto: www.bawue-loewen.de

So konnte man gespannt sein, wer dieses Finale am Ende siegreich beenden kann. Den besseren Start hatten die jungen Damen in Blau. Sie ließen den Ball gut laufen, die deutsche Mannschaft hatte große Probleme, die technisch ausgezeichneten Französinnen vom Ball zu trennen. Mit Doppeln und großer Laufarbeit konnten unsere Kickerinnen den Gegner vor dem eigenen Sechzehner stoppen. So versuchten es die Blauen mit Fernschüssen, die aber weit am deutschen Kasten vorbei gingen. So etwa nach 9-10 Minuten kamen die Mädels in weiß/schwarz/weiß endlich zu eigenen Aktionen. Gleich die erste deutsche Torchance konnte Isabel Kerschowski nutzen. Nach einem Eckstoß schaltete sie am schnellsten und knallte aus der Drehung den Ball über die Linie. So stand es nach 13 Minuten, etwas unverdient, 1:0, doch die französische Mannschaft konnte aus ihrer Feldüberlegenheit keine echte Tormöglichkeit erspielen

Team Deutschland bei der U19-EM 2006 in der Schweiz

Die deutsche Startelf:
Meike Weber, Babett Peter, Josephine Schlanke, Carolin Schiewe, Juliane Maier (oben v.l.n.r.)
Isabel Kerschowski, Romina Holz, Nadine Keßler, Fatmire Bajramaj, Monique Kerschowski, Juliane Höfler (unten v.l.n.r.)

Team Frankreich bei der U19-EM 2006 in der Schweiz

Die französische Startelf:
Inès Dahou, Marie Laure Delie, Livia Jean, Morgane Courteille, Elodie Cordier, Véronique Pons (oben v.l.n.r.)
Eugénie Le Sommer, Mélodie Coudray, Nora Coton Pelagie, Caroline Pizzala, Jessica Houara (unten v.l.n.r.)

Fotos: Sven Schilling

Dieser Treffer wendete das Blatt und die Meinert-Elf erspielte sich nun Chance um Chance. Die Spielerinnen in blau/weiß/rot wirkten etwas angeknockt und verloren im Spielaufbau den Faden. So konnten die erneut absolut souveräne Babett Peter und ihre Viererkette immer wieder stören, was den Französinnen keine weitere Torchance mehr erlaubte. Obwohl Carolin Schiewe erneut sehr nervös begann, konnte sie sich im Verlauf der Partie steigern und behielt vor allem die Lufthoheit im deutschen Strafraum. Auch an Josephine Schlanke waren die Strapazen der vergangenen Tage nicht spurlos vorbeigegangen. Immerhin war es das fünfte Spiel in 12 Tagen! Insgesamt blieb "Joshi" etwas hinter ihrer Leistung aus den anderen Spielen zurück, kam aber über den Kampf immer wieder zu sehenswerten Aktionen. Die Vierte im Bunde der rein aus Turbine-Spielerinnen bestehenden Abwehr war Juliane Höfler. Sie rackerte und ackerte die Linie hoch und runter, als ob es das erste Spiel für sie gewesen wäre.

Das für Jule Gesagte traf auch auf die Frankfurterin Meike Weber zu.


Romina Holz, Nadine Keßler

Die beiden Saarbrücker Spielerinnen Romina Holz (l.) und Nadine Keßler hatten entscheidenden Anteil am EM-Erfolg.

Foto: Sven Schilling

Sie war fast überall, in der Abwehr zerstörte sie und im Mittelfeld kurbelte sie das deutsche Angriffsspiel an. Dabei machte sie des Öfteren mit einer ziemlich ruppigen französischen Gangart Bekanntschaft. Trotz ihrer tollen Technik konnte die französische Mannschaft aber auch die grobe Sense rausholen. Sie haben immer wieder die gestreckte Sohle drüber gehalten. Die deutsche Elf kam ihrerseits zu sehr guten Chancen durch Fatmire Bajramaj, die heute eine durchgehend gute Leistung brachte, und durch einen Maier-Freistoß, der nur ganz knapp sein Ziel verfehlte. So ging es in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel dominierten die Meinert-Schützlinge erneut das Geschehen und kamen durch Isabel Kerschowski zu einer weiteren Großchance, die nur knapp vereitelt werden konnte. Kurze Zeit später waren allerdings alle Abwehrbemühungen umsonst, als nach einem Zuspiel von Nadine Keßler erneut Isabel Kerschowski sich das Leder schnappte, die Torfrau umspielte und in der 53. Minute ins leere Tor einschob. Das 2:0 war jetzt mehr als verdient, da die Blauen keine ernsthafte Gefahr für Romina Holz darstellten.

Teamkreis Deutschland

Mit mannschaftlicher Geschlossenheit zum Erfolg: Team Deutschland vor dem Anpfiff.

Foto: www.bawue-loewen.de

Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass da jede Französin für sich selber spielte, es fehlte das mannschaftliche Gefüge. Ganz anders die Deutschen. Jede Spielerin rannte nicht nur für sich, sondern half der Mitspielerin, wo sie konnte. So half Meike Weber immer wieder in der Abwehr aus, wenn vor allem Josephine Schlanke ausgespielt war. Fatmire Bajramaj kompensierte die heute nicht ganz so starke Nadine Keßler und leitete immer wieder die blitzartig vorgetragenen Konter ein, die vor allem über die beiden Kerschowski-Zwillinge kreuzgefährlich abgeschlossen wurden. So auch in der 65. Spielminute, als Babett Peter aus der eigenen Abwehr einen schönen Pass auf Nadine Keßler schlug. Diese nahm den Ball gut an und schickte Isabel Kerschowski auf die Reise. Es hätte eine Kopie des zweiten Treffers werden müssen, aber leider landete der Ball aus allerdings sehr spitzem Winkel nur am Pfosten.

Marie Laure Delie, Babett Peter

Babett Peter attackiert Frankreichs Torjägerin Marie Laure Delie.

Foto: www.bawue-loewen.de

Das Spiel verflachte nun etwas und man merkte allen Spielerinnen jetzt die Strapazen an. In der 75. Minute konnte dann Isabels Schwester Monique das Runde ins Eckige befördern. Mit dem 3:0 waren alle Messen gesungen und die ohnehin schon seltenen Angriffsbemühungen der französischen Elf wurden nun noch seltener. Jetzt setzte auch ein leichter Regen ein, der den Mädels auf dem Platz noch etwas Abkühlung verschaffte. Ein großes Kompliment muss man an dieser Stelle den französischen Schlachtenbummlern machen, denn obwohl ihr Team beinahe aussichtslos mit 0:3 hinten lag, feuerten sie weiter an, und die „Allez les Bleus, Allez les Bleus“ Rufe hörten bis zum Abpfiff nicht auf. Auch die deutschen Fans sangen jetzt immer lauter „Deutschland, Deutschland“ und „Oh, wie ist das schön“.


Das Spiel wurde jetzt nur noch Krampf und jede Akteurin sehnte wohl den Abpfiff herbei. Der verzögerte sich noch um weitere zwei Minuten, denn soviel ließ die nicht immer ganz glücklich agierende Spanierin nachspielen. Dann war Abpfiff und die Freude auf deutscher Seite war riesengroß. Die Enttäuschung bei den Französinnen kann eigentlich nur von kurzer Dauer gewesen sein, denn so dicht sie letztes Jahr auch am Pokal vorbeigeschlittert sind, um so deutlicher war es in diesem Jahr. Sie hatten Romina Holz nicht ein einziges Mal ernsthaft geprüft und konnten noch froh sein, nicht mit 6- oder 7:0 vom Platz gefegt worden zu sein. Dieser 3:0-Sieg war der erste große Titel in der noch jungen Trainerlaufbahn von Maren Meinert - mögen noch viele weitere folgen!

Caroline Pizzala, Marie Laure Delie, Josephine Schlanke, Carolin Schiewe, Juliane Maier, Meike Weber, Nadine Keßler, Babett Peter

Frankreichs Spielführerin Caroline Pizzala kommmt gegen Josephine Schlanke (Nr. 16) zum Flanken. In der Strafraummitte versucht sich Marie Laure Delie (Nr. 9) gegen Carolin Schiewe (Nr. 4) und Meike Weber (Nr. 6) freizulaufen.

Foto: www.bawue-loewen.de

Zur besten Spielerin der Partie wurde die überragende Isabell Kerschowski gewählt. Den deutschen Mädels war die Erleichterung buchstäblich ins Gesicht geschrieben und sie tanzten ausgelassen auf dem Spielfeld herum. Dies setzte sich bei der Siegerehrung fort, und auch unter der Dusche müssen sie noch weitergefeiert haben, denn sie waren immer noch in der Kabine, als ich vom Bahnhof zurückkam, wohin ich den Turbine-Hausfotographen Jan Kuppert zum Zug gebracht hatte.

Dann endlich kamen sie, natürlich passend zum Ereignis geschminkt. Babett Peter gab jeder Spielerin drei schwarz/rot/gold-Striche auf jede Wange. So gestylt ging es mit dem Bus (wo natürlich weitergefeiert wurde) zur offiziellen UEFA-Partie. Ich fuhr noch ein Stück hinter dem deutschen Mannschaftsbus durch die abendliche Berner Innenstadt, bis sich unsere Wege trennten. So endete ein überaus erfolgreicher Tag für den weiblichen Nachwuchs des DFB.

Juliane Maier

Juliane Maier, Neuzugang beim SC Freiburg, brillierte mit gekonnten Freistößen.

Foto: www.bawue-loewen.de

Statistik:

Deutschland: Holz - Höfler, Maier (70. Angel), Peter, Schiewe, Schlanke - Bajramaj, Keßler, Weber (87. Wübbenhorst) - M. Kerschowski (87. Löwenberg), I. Kerschowski
Trainerin: Maren Meinert

Frankreich: Pons, Coudray, Jean, Courteille, Cordier, Houara, Pizzala, Dahou, (85. Mazaloubeaud), Coton-Pelagie (84. Mula), Le Sommer (46. Plu), Delie
Trainer: Stéphane Pilard

Tore:
1:0 I. Kerschowski (13.)
2:0 I. Kerschowski (53.)
3:0 M. Kerschowski (75.)

Gelb: Wübbenhorst - Pizzala

Schiedsrichter: Paloma Quintero Siles (Spanien)

Zuschauer: 800


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