Fansoccer-Logo

U19-Europameisterschaft 2006 in der Schweiz

Überlegen ins Halbfinale

Deutschland - Belgien 4:0 (1:0)

Text und Fotos von Detlef Püschel
(www.bawue-loewen.de)

19.7.2006   Es war ein heißer Sonntag, dieser 16. Juli, draußen waren über 30 Grad, aber in meinem Auto angenehme 23 Grad. Ich kam aus Richtung St. Gallen, wo ein Kumpel von mir wohnt, den ich am Samstag besuchte. So ging es einmal quer durch die Schweiz nach Solothurn, wo die deutsche U19-Auswahl ihr letztes Gruppenspiel gegen Belgien bestreiten sollte. Da ich das Stadion des FC Solothurn, trotz Karte aus dem Internet, nicht auf Anhieb fand, kurvte ich etwas planlos durch die Stadt. Etwas fiel mir gleich auf, nämlich dass mir gar nichts auffiel, kein Plakat, kein Transparent, kein gar nichts, was auf eine UEFA-Meisterschaft hinwies! Dass der Frauenfußball in der Schweiz nicht den gleichen Stellenwert hat wie in Skandinavien oder Deutschland, das war mir klar. Aber ein Land, das in zwei Jahren eine Männer-EM austragen will, hätte hier schon mal ein wenig proben können.

Deutsche Fahne

Belgische Fahne

Junge Nachwuchsspielerinnen durften die Fahnen ins Stadion tragen.

Immerhin treten die besten U19-Juniorenmannschaften der Damen gegeneinander an, die es in Europa gibt. Keine Ahnung, ob es in Winterthur, Langental oder Bern ähnlich trist aussieht, aber in Solothurn wies nichts auf dieses Ereignis hin. Lediglich zwei Plakate am Eingang des Stadions konnte ich finden, ansonsten nichts. Dementsprechend sah dann auch die Zuschauerkulisse aus. Später verkündete der Stadionsprecher, es wären 300 Zuschauer, bei denen er sich zu bedanken hätte. Wir sahen uns auf den leeren Plätzen fragend an und kamen zu dem Schluß, dass es, wenn man alle Spielerinnen, Trainer und Betreuer sowie die Security-Leute hinzunahm, selbst dann keine 300 Leute im Stadion waren.

Diejenigen, die sich trotzdem hierher verirrt hatten, sahen ein schönes Spiel, allerdings nur von einem Team. Die deutsche Torfrau hätte sich eigentlich einen Liegestuhl und einen Sonnenschirm mitnehmen können, denn die schwachen Belgierinnen kamen im ganzen Spiel auf sage und schreibe 5 Torschüsse, bei denen Romina Holz lediglich einmal ernsthaft zupacken musste. Die übrigen Versuche waren eine sichere Beute der souverän agierenden Babett Peter und ihrer Viererkette. Daraus lösten sich allerdings sehr schnell Josephine Schlanke und Juliane Höfler, die wegen Beschäftigungslosigkeit ihr Glück im Angriff suchten. Neben Babett Peter kam Carolin Schiewe nach etwas nervösem Beginn immer besser in die Partie und konnte somit zum gegentorlosen Ergebnis entscheidend beitragen.

Nadine Keßler

Spielführerin Nadine Keßler erzielte das 2:0.

Vor der Abwehr saugte die sehr fleißige und zweikampfstarke Meike Weber die Bälle auf wie ein Staubsauger und schaltete dann gleich wieder auf Angriff um. In der ersten Drangphase der DFB-Auswahl sorgte vor allem Fatmire Bajramaj für die meisten Akzente. Quirlig und dribbelstark war sie immer wieder anspielbar. Vor allem im Zusammenspiel mit der deutschen Spielführerin sorgte sie für viel Gefahr vor dem belgischen Tor. Leider traf Nadine Keßler nicht ins Netz, sondern nur außen dran. Es sah wirklich so aus, als ob dies der Tag der Duisburgerin werden sollte. Leider kam es anders und


Torjubel Deutschland

Torjubel bei der deutschen Mannschaft. Babett Peter, Juliane Höfler und Ann-Christin Angel freuen sich, rechts Monique Kerschowski.

sie wurde zur einzigen Enttäuschung der jungen Mannschaft von Maren Meinert.

Nach zwanzig Minuten stellte Lira ihren anfangs gezeigten Eifer plötzlich ein und nach weiteren 10 Minuten merkte ich kaum noch, dass sie überhaupt auf dem Platz war. Dadurch fehlte Nadine Keßler die Spielpartnerin und es lief nicht viel zusammen. Ähnlich erging es Isabell Kerschowski, die zwar unermüdlich rannte und rackerte, aber kaum ein vernünftiges Zuspiel bekam. Die hohen Flanken, die Juliane Maier und Juliane Höfler in den belgischen Strafraum schlugen, konnte sie nicht verarbeiten. Isy wurde vor allem dann gefährlich, wenn sie ihre Schussstärke unter Beweis stellen konnte, so in der 18. und 34. Minute. Ihre Schnelligkeit konnte sie auch nicht ausspielen, da die Belgierinnen hinten kompakt standen und immer 5-6 Spielerinnen verteidigten. So waren vor allem Kurzpass- und Doppelpassspiel gefragt, um immer wieder Lücken in die Abwehr zu reißen. Bis zum 16-er klappte das auch ganz gut, leider fehlte der präzise Abschluß.

Doch die deutschen Mädels probierten es erneut und in der 42. Minute gelang auch der Abschluss. Nach einer schönen Flanke von Josephine Schlanke sprang Frederike Engel höher als ihre Gegenspielerin und traf per Kopf zum 1:0. Diese Führung war mehr als verdient, und so ging es auch in die Pause.

Josephine Schlanke, Janice Cayman

Josephine Schlanke setzt zum Pass an. Rechts Janice Cayman.

Nach dem Seitenwechsel hatte ich noch nicht mal richtig Platz genommen, da zappelte der Ball schon wieder im belgischen Netz. Die sehr lauffreudige Frederike Engel hatte sich über rechts schön durchgesetzt und passte zu Nadine Kessler, die mit dem Ball durch die gesamte gegnerische Abwehr marschierte und zum 2:0 einschob. Jetzt war der Bann gebrochen und die deutsche Überlegenheit drückte sich endlich auch im Ergebnis aus. So rollte Angriff auf Angriff auf das Tor von Sofie van Houtven zu, die nun zur besten Akteurin ihrer Mannschaft wurde.

In der 56. Minute wechselte Maren Meinert gleich doppelt. Für die enttäuschende Fatmire Bajramaj kam Ann-Christin Angel und für die klasse agierende Josephine Schlanke kam die Neu-Hamburgerin Anna Blässe ins Spiel. Beide brachten viel Schwung ins Angriffsspiel und Angel konnte auch Keßler wieder besser in Szene setzen, ähnlich wie Bajramaj in den ersten zwanzig Minuten. Es blieb weiterhin ein Spiel auf ein Tor, denn den Belgierinnen gelang kaum Entlastung und nur sehr selten kamen sie in die deutsche Hälfte hinein.

Isabel Kerschowski, Sofie van Houtven

Torfrau Sofie van Houtven klärt vor der herbei stürmenden Isabel Kerschowski.

Dann kam für Juliane Maier, die mir sehr gut gefallen hat, der andere Kerschowski-Twin aufs Feld. Monique Kerschowski und Ann-Christin Angel waren sofort wie


Latsch und Bommel. Mit einem „doppelten Doppelpass“ setzten sie die komplette belgische Abwehr außer Gefecht, nur Sofie van Houtven hatte etwas gegen Moniques strammen Schuß und konnte zur Ecke klären. Auch danach harmonierten die Niederkirchnerin und die Potsdamerin aufs Allerfeinste! In der Schlussphase der sehr einseitigen Begegnung schlichen sich einige Unkonzentriertheiten ins deutsche Spiel, welche die schwachen Belgierinnen allerdings nicht bestrafen konnten. Die DFB-Kickerinnen schalteten nun in den Schongang, wohlweißlich, dass der nächste Gegner ein schwereres Kaliber sein würde. Erst in den letzten fünf Minuten zogen die Meinert-Schützlinge das Tempo nochmal etwas an und kamen auch prompt zum Erfolg.

In der 85. Spielminute erhöhte die eingewechselte Anna Blässe, nach schönem Zuspiel von Nadine Kessler, mit einem satten Schuß auf 3:0. Schon in der Nachspielzeit erzielte die immer eifrige Juliane Höfler das 4:0, als sie eine präzise Flanke von Isabell Kerschowski mit der Brust stoppte, und den Ball aus halbrechter Position an Sofie van Houtven vorbei schoss. Somit wurde auch das Spielergebnis halbwegs dem Geschehen auf dem Rasen gerecht und die deutsche U19-Damenauswahl zieht als Gruppensieger ins Halbfinale der EM 2006 ein. Der Gegner in diesem Spiel ist der erwartet harte Brocken. Russland ist ein alter Bekannter unserer Mädels, mit denen sich sowohl gute, aber auch schlechte Erfahrungen verbinden. Mit Elena Danilowa haben die Russinnen einen echten Goalgetter in ihren Reihen, der unsere Abwehr wohl mehr beschäftigen dürfte, als ihnen recht sein wird.

Mit der Leistung gegen Dänemark und gegen die kompakten Belgierinnen muss Maren Meinert und Bettina Wiegmann aber nicht bange sein. Ein Fragezeichen muss man nur hinter Lira Bajramaj machen, die anderen Mädchen sind hochmotiviert und topfit. Nur zwanzig Minuten Zauberfußball reichen nicht aus, um ihre Nominierung zu rechtfertigen. Eine Ann-Christin Angel, Anna Blässe und Monique Kerschowski waren da heute wirkungsvoller. Aber vielleicht straft sie mich gegen Russland auch Lügen und sorgt mit dafür, dass Deutschland am Samstag im Finale steht.

Isabel Kerschowski, Josephine Schlanke

Langer Ball von Josephine Schlanke auf Isabel Kerschowski.

Statistik:

Deutschland: Holz - Engel, Höfler, Maier (75. M. Kerschowski), Peter, Schiewe, Schlanke (46. Blässe) - Bajramaj (46. Angel), Keßler, Weber - I. Kerschowski
Trainerin: Maren Meinert

Belgien: Van Houtven, Countois, Stessens, Onzia, Elsen (77. Philtjens), Verbruggen, Meeus (82. Van Den Steen), Junius, Cayman, Schouteeten (61. Yuceil), Stoffels
Trainerin: Anne Noe-Haesendonck

Tore:
1:0 Engel (42.)
2:0 Keßler (46.)
3:0 Blässe (85.)
4:0 Höfler (89.)

Gelbe Karte: Peter

Schiedsrichter: ?

Zuschauer: ?


Zur FanSoccer-Startseite