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Das Frauenfußball-Magazin



U17-Weltmeisterschaft 2008

Fußballverrückte Mädels am anderen Ende der Welt

Das deutsche Team

Text von Christian Heidler

28.10.2008   Vom 28.10. bis 16.11.08 findet in Neuseeland die erste Weltmeisterschaft für U17-Juniorinnen statt. FanSoccer stellt euch die deutsche Auswahl (Teil 1) - mit besonderem Blickpunkt auf das „Küken” der Mannschaft, die 15-jährige Carolin Simon vor. In Teil 2 erfolgt ein Überblick über die anderen U17-Nationalmannschaften:
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Die jungen Damen haben es gut! Während hierzulande der feuchtkalte Herbst Einzug hält, können sie sich im frühlingshaften Neuseeland vergnügen, auf Walbeobachtung gehen, das „Antarctic Centre“ in Christchurch besuchen oder einfach mal der Shopping-Leidenschaft frönen. Doch was wie ein Urlaubsprogramm für 21 Teens aus Deutschland aussieht, ist lediglich der Rahmen für einen anstrengenden Aufenthalt in Sachen Fußball.

Valeria Kleiner

Im kalten Deutschland zog sie sich die Ärmel schon auf Handschuhlänge, in Neuseeland werden die Temperaturen hoffentlich angenehmer sein: Valeria Kleiner vom SC Freiburg soll die deutsche Abwehr organisieren

Bild: Tom Schlimme

Mit der erstmals ausgetragenen Weltmeisterschaft für U17-Juniorinnen zieht das weibliche Geschlecht mit den Jungen gleich, für die es schon länger Welttitelkämpfe in dieser Altersklasse gibt. Qualifiziert hat sich die DFB-Auswahl über die Europameisterschaft, die, ebenfalls erstmals durchgeführt, von der deutschen Equipe im Mai diesen Jahres gewonnen wurde.

Svenja Huth

Svenja Huth (links, im Duell mit Juliane Maier) ist mit 20 Länderspieleinsätzen die erfahrendste U17-Spielerin des Teams

Bild: Tom Schlimme

Die Fahrkarten für die Reise nach Neuseeland wurden den Spielerinnen nicht geschenkt. Jede mußte für sich beweisen, dass sie mit ins Team gehört. Viel Trainingsfleiß und herausragende Leistungen bei Sichtungen und Auswahlspielen waren die Voraussetzungen für eine Berufung durch Trainer Ralf Peter. Dass Peter die Zusammensetzung des WM-Kaders schon früh vor Augen hatte, sieht man schon daran, dass sich der endgültige WM-Kader weitgehend mit dem Team der „Generalprobe“ deckt. Bereits Ende Januar/Anfang Februar weilte nämlich eine DFB-Auswahl in Neuseeland und probte mit dem „Future Star Tournament“ schon mal den Ernstfall WM. So erlaubte das Turnier in Auckland nicht nur fußballerische Vergleiche mit Gastgeber Neuseeland (4:0), dessen Nachbarn Australien (5:1) sowie Pazifik-Anrainer USA (2:3), es brachte auch nützliche Erfahrungen zu den Anreise- und Rahmenbedingungen, welche das deutsche Team nun bei der WM erwarten.

Inka Weseley

Feste Größe in der Abwehr: Inka Weseley von der SG Essen Schönebeck bringt es auch schon auf 18 Länderspiele in der U17

Bild: Tom Schlimme

Eine, die damals schon dabei war, in und gegen Neuseeland gleichzeitig ihr Debüt in der U17 feierte, ist Carolin Simon. Sie ist die einzige Fünfzehnjährige in der Mannschaft und damit die Jüngste der Adlerträgerinnen. Inzwischen hat sie bereits 12 Einsätze


für die U17 und 2 Tore vorzuweisen, dazu noch die Erfahrung aus Spielen für die U15- und U16-Juniorinnen des DFB.

Carolin Simon

„Ein Tag ohne Ball am Fuß ist ein verlorener Tag!”, so das Motto von Carolin Simon

Bild: TSV Jahn Calden

Ähnlich wie Claudia Götte (Westfalia 03 Scherfede-Rimbek), Leonie Maier (JSG Remseck 08) oder Lynn Mester (SV Westfalia Osterwick) hat Simon im Verein bis zuletzt bei den Jungs mitgespielt. Für die Baunatalerin war der Großenritter SV Eintracht Baunatal bis zum Sommer die sportliche Heimat. Dass das Spiel unter Jungs größere Anforderungen an Schnelligkeit und Wettkampfhärte stellt, ist „Caro“ und ihren Auswahlkolleginnen ganz gut bekommen. Leistungsorientierten Spielerinnen empfiehlt Ralf Peter deshalb auch so lange wie möglich im Spielbetrieb mit den Jungen zu bleiben (siehe Interview mit Ralf Peter 2006: Interview).
Seinem Küken bescheinigt der Coach in den vergangenen eineinhalb Jahren eine phänomenale Entwicklung genommen zu haben. Beim U17-Länderpokal empfahl sich die Nordhessin erneut und wurde zur besten Spielerin des Turniers gewählt.

Unter Ralf Peter gehört Simon längst zum Stammpersonal und hat ihren Platz vornehmlich auf der linken Verteidigerposition. In ihrem neuen Verein, dem TSV Jahn Calden, läuft sie vornehmlich im Mittelfeld auf.
Apropos Verein: In Calden, wo sie mit Arlene Rühmer und Jil Ludwig noch weitere Talente um sich weiß, die sie aus DFB- oder Hessenauswahlmaßnahmen kennt, gehört sie selbstredend auch schon zu den Stammspielerinnen. Mit dem Regionalligisten peilt sie den Aufstieg in die 2. Bundesliga an, fehlt aber aufgrund der WM in den kommenden wichtigen Ligaspielen.

Turid Knaak

Die Stürmerqualitäten von Turid Knaak werden in Duisburg einen Monat lang vermisst werden. Die Abstellungen für die Jugendnationalmannschaften sind ein ungelöstes Problem im Frauenfußball

Bild: Tom Schlimme

Die Kehrseite der Länderspielabstellungen verspüren auch andere Klubs. Der FCR Duisburg muß mit Turid Knaak, Hasret Kayikci und Alexandra Popp auf gleich drei Bundesligaspielerinnen verzichten und auch der 1. FFC Turbine Potsdam hat in Anna Felicitas Sarholz, Marie-Loise Bagehorn und Tabea Kemme ein Trio zu entbehren. Und auch die anderen Vereine werden das fast einmonatige Fehlen ihrer jungen Ausnahmespielerinnen mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen.

Ivana Rudelic

Ivana Rudelic vom FC Bayern München fährt ebenfalls mit nach Neuseeland

Bild: Marina Schnapp/FC Bayern


Geballte Länderspielerfahrung besitzt die Abwehr mit Spielführerin Valeria Kleiner vom SC Freiburg (19 Einsätze) und Inka Weseley (SG Essen-Schönebeck, 18). Im Mittelfeld zieht Bagehorn (11) die Fäden, für den Sturm bieten sich vor allem Popp (14 Tore in 19 Spielen) und Dszenifer Marozsan (15/15) an. Von den Fähigkeiten der jungen Saarbrückerin (92er Jahrgang) zeigt sich Ralf Peter besonders beeindruckt. Sie könne Spiele alleine entscheiden und habe das Zeug, es ganz nach oben zu schaffen, sagt er über die gebürtige Ungarin.

Dzenifer Marozsan

Dzenifer Marozsan vom 1. FC Saarbrücken gilt als eine der talentiertesten Nachwuchspielerinnen in Deutschland überhaupt

Bild: Tom Schlimme

Wichtiger als das Können Einzelner sind aber sicher mannschaftliche Geschlossenheit und ein guter Teamgeist. Daran scheint es freilich nicht zu mangeln, wie auch die Verbundenheit zu Pechvogel Claudia Bujna beweist. Für die kurzfristig mit Kreuzbandriss ausgefallene Verteidigerin vom Herforder SV Borussia Friedenstal will die Mannschaft stets Claudias Trikot in der Kabine aufhängen.

Claudia Bujna

Pechvogel Claudia Bujna muß aufgrund eines Kreuzbandrisses auf die WM verzichten

Bild: Nora Kruse

Natürlich tragen auch die schon oben erwähnten gemeinsamen Unternehmungen dazu bei, das Zusammengehörigkeitsgefühl der jungen Truppe zu stärken, die ihr Quartier in Christchurch bezogen hat. Dort an der Ostküste der Südinsel Neuseelands wird das Team auch seine ersten beiden Partien in der Vorrundengruppe B absolvieren. Bis dahin durften die Mädels nicht nur intensive Trainingseinheiten absolvieren sondern auch ihre schulischen Kenntnisse in Schuß halten. Zum DFB-Troß gehört extra ein Lehrer, der die Schülerinnen bislang etwa zwei stunden täglich betreut hat. Das ist auch für Carolin Simon wichtig, die derzeit die 10. Klasse der Baunataler Erich-Kästner-Schule besucht und dort ihr Abitur machen möchte. Ihre Eltern haben ihr täglich die Schulaufgaben zugemailt. Nun soll in der Kommunikation nach Hause aber der Fußball im Vordergrund stehen. Denn am Mittwoch starten die Deutschen gegen Costa Rica ins Turnier!

Julia Debitzki

Auch Julia Dezitzki von der SG Wattenscheid 09 hofft auf WM-Einsätze

Bild: Tom Schlimme




Spielplan der U17 WM mit
Übertragungszeiten


Vorstellung der anderen Teams

Zu den
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