Von Nora Kruse (Text u. Foto)
09.04.2008
Auch wenn der Frauenfußball in der Schweiz noch in den Kinderschuhen stecken mag, einen im Sport immer wichtiger werdenden Aspekt hat man im
Alpenstaat bereits vor acht Jahren erkannt: die U17 wird während der morgen in Essen beginnenden EM-Qualifikation von einer Mentaltrainerin begleitet.
„Vor 15 bis 16 Jahren hat man mich noch angeschaut, als käme ich von einem anderen Planeten“, sagt Esther Mueller, die Sportpsychologie in Australien
und den Vereinigten Staaten studierte, in Europa aber eher auf Skepsis stieß, wenn es darum ging, Mentaltraining und psychologische Unterstützung fest
im Trainingsplan zu verankern. Dass dies aber nötig sei, zeigte der Schweizerin die eigene aktive Karriere als Judoka sowie ihre Arbeit als
Judo-Nationaltrainerin ihres Landes. „Wir waren bei internationalen Wettkämpfen immer vorne mit dabei, aber häufig haben am Ende die Nerven und dadurch
die Medaillen gefehlt.“
Mueller beschloss, sich auf die Arbeit als Mentaltrainerin zu konzentrieren. Einer ihrer Schwerpunkte liegt seitdem in der Betreuung der schweizerischen
Jugendfußball-Nationalmannschaf- ten, wo diese Arbeit seit dem Jahr 2000 zum festen Bestandteil der Ausbildung zählt. „Es geht uns unter anderem darum, den
SpielerInnen beizubringen, mit dem Leistungsdruck umzugehen“, sagt die 52-jährige Sportpsychologin. „Gerade in diesem Alter ist es wichtig, mental frei zu
sein, um sich auf das Training konzentrieren zu können. Das heißt, wir schauen uns das Umfeld an, wie es die SpielerInnen unterstützt, versuchen das
Zeitmanagement zu verbessern und natürlich das
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Nicht nur im Schweizerischen Fußballverband hat Mentaltrainerin Esther Mueller (l.) einen festen Platz. Im März dieses Jahres begleitete sie erstmals die
FIFA-Schiedsrichterinnen bei deren Workshop im Rahmen des Algarve Cups.
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Teambuilding voranzutreiben.“
Gerade dieser Aspekt biete im schweizerischen Frauenfußball eine besondere Herausforderung. „Frauen ticken anders, die sind viel mehr auf Harmonie
bedacht“, beschreibt Mueller. Darüber hinaus „ist die Schweiz aber nicht nur viersprachig, das sind auch vier unterschiedliche Mentalitäten, mit denen
man arbeitet und die man zusammenbringen will.“
Die Arbeit im Jugendbereich sei langfristig angelegt und wolle den „SportlerInnen Techniken beibringen, sich zukünftig selbst zu coachen“, sagt Mueller,
die auch im Mädchen-Ausbildungszentrum des Schweizerischen Fußballver- bandes (SFV) angestellt ist. Die Nationalmannschaften besucht sie etwa einmal im Monat auf
dem Stützpunkt, intensiv wird die Arbeit bei Turnieren, wie zum Beispiel der morgen beginnenden EM-Qualifikation.
„Die gesamte Leistung im Team soll optimiert werden, indem sich der Trainer auf Technik und Taktik konzentrieren kann und ich mich auf den mentalen
Bereich“,
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beschreibt Mueller und fügt an, dass gerade dem Abend vor dem Spiel und dem unterschiedlichen Umgang der
Spielerinnen mit der anstehenden Belastung eine besondere Bedeutung zukomme. Selbstbewusstsein, entsprechen- des Auftreten und die Verarbeitung des Drucks stünden dann im Vordergrund.
Aspekte, die schlussendlich in jeder Sportart und jedem stressreichen Arbeitsalltag von essenzieller Bedeutung seien. Daher hofft Mueller, dass die
Offenheit für mentales Coaching weiter zunimmt. „Unser Gehirn bleibt gleich, aber wir fordern es immer stärker und verlangen so viel. Damit umzugehen muss
man lernen, um den Stress runterzufahren, sich auf das Essenzielle zu konzentrieren und dadurch seine Leistungsfähigkeit erkennen und optimieren zu
können.“
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